Joanna, 14. 04. 2010

Artemis (altgriechisch Ἀρτεμίς; neugriechisch Άρτεμις) ist in der griechischen Mythologie:

  • Die Göttin der Jagd, des Waldes, „Göttin der Tiere“, aber auch die Hüterin der Frauen und Kinder.
  • Sie ist gleichzeitig die Göttin der Keuschheit und der Fruchtbarkeit, die hier nebeneinander stehen.
  • Sie zählt zu den zwölf großen olympischen Göttern und ist damit eine der wichtigsten Gottheiten im griechisch-römischen Pantheon.
  • Artemis wurde schon im 5. Jahrhundert mit Mondgöttinen Hekate, in der hellenistischen Theologie mit Selene gleichgesetzt, in der römischen Kaiserzeit dann mit verschiedenen Göttinnen, vor allem aber als  Mondgöttin mit der Isis und als Jägerin mit Diane.
  • Wie Hestia oder Athene ist A. eine jungfräuliche Göttin von keinem Mann/Gott abhängig.
  • Verbietet unter Strafen ihren eigenen Anhängerinnen eine Defloration.
  • Zwillingsschwester des Gottes Apollon.
  • Beschützerin der Jugend, insbesondere junger Frauen.

Da Hunde als Wächter der Unterwelt Artemis häufig begleiten, wird sie teilweise auch als Unterweltgöttin betrachtet und mit der Hexengöttin Hekate gleichgesetzt wird. (Hekate ist die meist mißverstandene Göttergestalt der Antike!) A. jagt nach einigen Sagen in Neumondnächten, während sie in den übrigen Nächten den Mondwagen über den Himmel lenkt.

Herkunft und Geburt

Hesiod gibt Leto und Zeus als die Eltern von Artemis. Ihr Zwillingsbruder ist Apollon.

Die von Zeus geschwängerte Leto war auf der Flucht vor dessen eifersüchtiger Ehefrau Hera. Diese bewirkte jedoch, daß kein einziger Ort der Erde Leto einen Platz zum Gebären bieten sollte. Nur die Insel Ortygia – die von Zeus (ja, schon wieder) verfolgte Asteria verwandelte sich in eine Wachtel um dem Supergott zu entkommen, als das nicht half stürzte sie sich ins Meer, wo die „Wachtelinsel“ Ortygia entstand , die unfruchtbar und ein schwimmendes Eiland war, erklärte sich bereit, sie aufzunehmen.(Ortygia wird mit der Kykladeninsel Delos oder mit einer sizilianischen Insel vor der Südküste identifiziert.) Ortygia ist auch der Beinahme von Artemis geworden (s.u.).

Athene und alle Göttinnen des Olymp standen ihr als Geburtshelferinnen zur Seite, als Leto neun Tage und Nächte in schmerzhaften Geburtswehen lag. Hera willigte schließlich ein, die Geburtsgöttin und seine Tochter Eileithyia zu senden. Woanders heißt es, Hera habe seine Tochter beauftragt, die Wehen der Leto zu verlängern. In dem Moment, als Eileithyia vom Olymp kommend die Insel betrat, setzte bei Leto, die sich an den einzigen Baum auf der schwimmenden Insel, eine Palme, klammerte, die Geburt ein. Zuerst kam Artemis und bald danach, mit Eileithyias Hilfe, der Zwillingsbruder Apollon zur Welt. Artemis half bei der Geburt ihres Bruders. Deshalb beteten die Frauen zu Artemis um eine leichte Geburt. Aber auch Eileithyia wird besonders auf Kreta verehrt.

Darstellungen & Attribute

Ihre berühmtesten Attribute sind:

  • der Pfeil und der silberne Bogen, welcher ihr von den Zyklopen geschenkt wurde und gelegentlich auch die Mondsichel symbolisiert. Er diente ihr als Waffe, um treffsichere Pfeile gegen die Sterblichen zu senden und um Krankheiten unter die Menschen zu bringen,
  • das Wermutkraut (lat. „Artemisia absinthium“) und die Zypresse,
  • unter den Tieren werden mit ihr vor allem Hunde, Hirsche und Bären assoziiert (aber auch Katzen, Skorpione),
  • „Herrin der Tiere“ (so bezeichnet in der Ilias), deren Junge unter ihrem Schutz stehen,
  • Begleiter sind neben anderen Jungfrauen vor allem Hunde. Hunde sind traditionellerweise Wächter des Tores zur Unterwelt.

Das klassische Bild der Artemis entspricht dem einer jungfräulichen Jägerin, die allein oder von gleichfalls jungfräulichen Nymphen/Frauen begleitet durch die Wälder streift. Gemäß den Mythologien war sie nie verheiratet, war keinem Manne untertan, sondern frei und kinderlos. Gleichzeitig schützt sie Frauen jeden Alters sowie Kinder beiderlei Geschlechts.

Gleichwohl hat Artemis hat den Ruf einer grausamen und strengen Göttin: Beispielsweise steht sie mit Männern auf dem Kriegsfuß, da sie jene für die Geburtswehen der Frauen verantwortlich macht. In dieser Funktion als Hüterin der Gebärenden wird sie mitunter mit Eileithyia oder Hera gleichgesetzt.

Der zerstörerische Aspekt der Artemis wurde vor allem bei abnehmendem Mond geehrt. Artemis war eine wilde, unzähmbare Göttin, die Leben nicht nur gibt, sondern auch nimmt. Als die jungfräuliche Göttin der Jagd und des Naturlebens war ihr Kult aber mit dem Baumkult verwandt. Als Herrin der Tiere war sie besonders mit Hirsch und Bär verbunden.

Wurde ihr Bruder dem Sonnengott gleichgesetzt, so war Artemis die entsprechende Mondgöttin (Identifikation mit Selene).

Von den Zyklopen bekam sie einen silbernen Bogen, Köcher und Pfeile. Mit diesen Utensilien streifte sie durch die Wälder und Schluchten. Sie wurde von ihren Hunden und von den wilden Tieren begleitet, die ihr unterwürfig waren, und jagte mit Vorliebe Hirsche. Ihre Gefährtinnen mußten ihre Jungfräulichkeit bewahren, um nicht wie Kallisto ihrem Zorn anheim zu fallen. Der Bogen diente ihr aber auch als Waffe, um ihre sanft tötenden Pfeile gegen Sterbliche zu senden und um Seuchen und Epidemien unter die Menschen zu bringen. Die Frauen heilte sie oder sandte ihnen ein Leiden, das dazu führte, daß sie an den Folgen einer Geburt starben. In anderen Erzählungen wird sie dafür gepriesen, junge Frauen, die bei der Geburt starben, einen schnellen und schmerzlosen Tod ermöglicht zu haben.

Artemis kämpfte mit den Olympiern gegen die Giganten. Außerdem verfolgte sie mit Apollon die Feinde ihrer Mutter. Sie erlegte den Giganten Tityos, der versucht hatte, Leto zu vergewaltigen, und beteiligte sich an der Ermordung der Kinder der Niobe. Zu ihren Opfern gehörte auch der Jäger Aktaion, der sie nackt beim Bade mit Nymphen überrascht hatte, sowie Orion. (Siehe das Sternbild des Orions!)

Artemis verlangte von Herakles und Agamemnon eine Rechtfertigung und Büße für die Erlegung einer ihr heiligen Hirschkuh. Beide Männer habe sich gebrüstet, besser zu jagen als die Göttin.Von  Agamemnon soll Iphigenie (die Tochter des Königs) als Opfer gefordert haben: Während des Trojanischen Krieges hinderte Artemis die Flotte unter Agamemnon so lange daran, nach Troja zu segeln, bis sie ihr ein Opfer dargeboten haben. Iphigenie wurde dann eine Pristerin der Göttin im Land der Tauren (s.u.).

Verehrung und Varianten

Die Statue der Artemis in Ephesus stellt sie über und über bedeckt mit Brüsten (nach anderer Deutung handelt es sich um Stierhoden) dar, was sie als Ernährerin aller Lebewesen verkörpert. Die „vielbrüstige“ Artemis aus Ephesus war die Patronin der Ernährung, der Fruchtbarkeit und der Geburt. In dieser Funktion wurde sie jedoch von ihrem eigenen Zwillingsbruder Apollon bekämpft: Auf der ihm geweihten schwimmenden Insel Delos waren Geburten verboten. Schwangere Frauen wurden von der Insel entfernt, um den Gott nicht durch eine Geburt zu erzürnen. Dies ist sowohl höchst widersprüchlich als auch besonders interessant, denn Delos wird mit der Insel Ortygia gleichgesetzt, auf der Leta ihre Zwillingskinder Artemis und Apollon unter starken Wehen zur Welt brachte. Artemis wird nach dieser Insel gleichfalls benannt und sie ist es diejenige, die sich um Schwangere kümmert. Apollon als der Zweitgeborene und damit ‚traditionell‘ schwechere der beiden zieht andere Schlüsse aus dem frühkindlichen Erlebnis und will daran nicht erinnert werden. Artemis nimmt es zum Ausgangpunkt, was dagegen zu tun.

Andererseits lautete ihr Name in Sparta „Artamis„, was soviel bedeutet wie „Schlächterin“.

Auch die neusteinzeitliche Artemis scheint eine blutrünstige Göttin gewesen zu sein, wenn man sich summa summarum der Sagen um ihre Taten vergegenwärtigt. Auf Tauris opferten die Frauen unter der Hohepriesterin Iphigenie alle Männer, die sich an die Küste verirrten. In Hierapolis wurden Männer durch Hängen am Artemis-Tempel geopfert. In Attika besänftigte man Artemis durch symbolische Enthauptungen (bei denen der Hals eines Mannes mit dem Opferschwert geritzt wurde, bis Blut floß).

Der zerstörerische Aspekt der Artemis wurde vor allem bei abnehmendem Mond geehrt. Sie führte die nächtliche Jagd an während welcher sie den gehörnten Gott/Jäger Aktaion in Stücke riß. In der Realität wurde diese Jagd von Artemis-Priesterinnen nachgespielt, die mit Hundekopf-Masken bedeckt waren und einen als Hirsch verkleideten Mann jagten.

Übrigens…

Der irische Schriftsteller Eoin Colfer benannte seine Romanfigur Artemis Fowl nach der griechischen Göttin und läßt dieses Fowl erklären: „Artemis ist normalerweise ein Frauenname, nach der griechischen Göttin der Jagd. Doch ab und an taucht ein Mann auf, der wegen seines Talents für die Jagd das Recht erlangt, den Namen zu tragen.“


Quellen

http://en.wikipedia.org/wiki/Artemis

http://goetter-portal.de/goetter.php/griechische-goetter/1/57/Artemis

http://www.die-goetter.de/artemis

http://www.mythologica.de/artemis.htm

Joanna, 09. 04. 2010

Seefahrer haben dagegen protestiert, daß Schiffe künftig nicht mehr weiblich sein sollen, sondern geschlechtslose Neutren. „Lloyd’s List“, eine seit 268 Jahren in London erscheinende Zeitung für die Handelsschifffahrt, die auf der ganzen Welt gelesen wird, hat entschieden, daß Schiffe künftig mit „es “ und nicht mehr mit „sie“ bezeichnet werden sollen. Wenn zum Beispiel von der „Titanic“ die Rede ist, soll es nicht mehr heißen, daß sie (she) untergegangen ist, sondern es (it).
„Die Zeiten ändern sich“, sagte Chefredakteur Julian Brady am Donnerstag in der „Times“. „Wir sind eine ernsthafte Fachzeitung für die Schifffahrt.“ Die Tradition, ein Schiff als ein weibliches Wesen zu sehen, sei überholt. Dagegen erhob sich sofort Widerspruch. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums stellte klar: „Die Royal Navy wird ihre Schiffe weiter als ’sie‘ bezeichnen, wie wir das immer getan haben. Das ist historisch und hat Tradition.“
Genauso wollen es die ReedereienP&O und Cunard Line halten. „Schiffe sind Persönlichkeiten, die haben eine Seele“, versicherte ein Cunard-Sprecher. „Die bezeichnen wir ganz instinktiv als ’sie‘.“

Nach Erkenntnissen von Historikern waren Schiffe schon zu römischer Zeit weiblich. Nur im Französischen seien Schiffe „perverserweise“ männlich, schrieb die „Times“.

Pieter van der Merwe vom National Maritime Museum in Greenwich sagte, Schiffe würden vielleicht deshalb meist als weiblich betrachtet, weil sie „teuer und schwierig zu handhaben“ seien – „genau wie Frauen“.
http://www.janmaat.de/schnack02 .htm

http://www.cosmiq.de/qa/show/17751/Warum-sind-Schiffe-immer-weiblich/

Anmerkung von Marcel: Als wir Chulugi übernahmen, wies uns Tejo darauf hin, daß Chulugi männlich sei. Als wir uns dann dazu entschlossen, den Namen des Schiffes beizubehalten, teilten wir Tejo mit: Zwei Dinge würden sich ändern. Erstens, der neue Heimathafen sei Bremerhaven und zweitens, Chulugi sei von nun an weiblich! Sie ist aber auch wahrlich eine Schönheit in jedem Hafen.

Joanna, 06. 04. 2010

  • griechischer Meeresgott,
  • Bruder des Zeus,
  • Gott der Winde und der Stürme,
  • Schutzgott der Seefahrer
  • Bei Homer ist er auch der „Erderschütterer“,
  • Beinamen: unter anderem: Aegeus, Erechthreus, Elymnius, Genesius, Heliconius, Hippius und Isthmius,
  • römisch: Neptun

Poseidon ist der Sohn des Kronos und der Rhea. Nach seiner Geburt verschlang ihn sein Vater, und erst sein letztgeborener Bruder Zeus, der nicht verschlungen wurde, weil ihn Rhea in einer Höhle versteckte, errettete ihn und seine anderen Geschwister mithilfe der Titanen. Die Geschwister teilten die Herrschaft der Welt unter sich auf: Zeus erhielt den Himmel, Hades (ein weiterer Bruder Poseidons) die Unterwelt und Poseidon den Ozean (vgl. Ilias XV,190 ff.) (Ὠκεανός).

Nach der Auffassung von Herodot war Poseidon ursprünglich ein libyscher Gott.

Poseidon unterliegt Athene im Streit um Schirmherrschaft für Athen. Auch im jahrelangen Ringen um das Schicksal des Odysseus verliert Poseidon gegen Athene, den er mit schweren Stürmen verfolgt (s.u.), doch Athene beschützt Odysseus mit der gleichen Hingabe wie Poseidon ihn zu verderben sucht.

Poseidon war Gott des delphischen Orakels, bevor Apollon dies übernahm, und mit Athene auch der Schutzgott der Stadt Athen. Auch war er Schutzgott der Stadt Pylos. In Eleusis galt er als Vater des Königs Oilmophos, in Troizen als Vater des Theseus. Außerdem gab es ihm zu Ehren einen Hippioskult, da das Pferd (altgriech. Ἵππος) zu seinen Attributen gehörte. Im Attischen Kalender gab es einen ihm geweihten Monat.

Verehrung in der griechischen Antike

  • Tempel in Rhodos, Korinth und in vielen Hafenstädten,
  • Die Art der Verehrung ist vor allem besänftigend,
  • Poseidon wird vor allem von den Seefahrern verehrt. Sie bitten um die richtigen Winde, ruhige See. Oder sie versuchen, seinen stürmischen Zorn zu besänftigen,
  • Im antiken Griechenland wurden dem Meeresgott Pferde geopfert, indem sie ins Meer geworfen wurden,
  • Poseidon wird auch oft mit Atlantis in Verbindung gebracht.

Seefahrer beteten zu Poseidon für eine sichere Überfahrt und opferten ihm Pferde, die sie im Meer versenkten. Wenn er gut gelaunt war, erschuf Poseidon neue Inseln und ließ die See still und schiffbar sein. Wenn er ergrimmte, stach er mit seinem Dreizack in die Erde, verursachte so Erdbeben, Überschwemmungen und brachte Schiffe zum Sinken.

Ehe & Liebe(n)

Poseidon war mit Amphitrite verheiratet und hatte mit ihr den Sohn Triton – der Wellengott der Griechenund -, die Töchter Rhode und Benthesikyme. Außerdem ist er der Ziehvater der Athene.

Zahlreiche Liebschaften – oft mit Meernymphen (Nereiden, Okeaniden) – führten zu weiteren Kindern:
Den Riesen Orion, den Pferd Arion.
Mit einer Okeanide: Polyphemos, den Riesen, d.i. der einäugige menschenfressende Zyklop, der die Insel Sizilien bewacht. Odysseus sticht ihm sein einziges Auge aus.
Mit Medusa: Pegasus, das geflügelte Pferd (der Inspiration).
Mit der Erdgöttin Gaia: Antaios. Antaios ist der Riese, der den Eingang nach Libyen bewacht. Er wird erst von Herakles getötet.

Poseidon hatte auch 5 Zwillingspaare mit der sterblichen Kleito, der einzigen Bewohnerin der Insel Atlantis. Die 10 Kinder dieser Verbindung waren Atlas & Gadeiros alias Eumulus, Ampheres & Euaimon, Mnaseas & Autochthon, Elasippos & Mestor, Azaes & Diaprepes. Unter ihnen teilte er das Land (Atlantis) auf und machte sie zu den 10 Königen von Atlantis, wobei Atlas die Herrschaft von Poseidon übernahm und so der erste unter ihnen und König der Hauptinsel wurde. (Atlas ist nicht mit dem Titan Atlas zu verwechseln.)

Zu Poseidons Söhnen zählt der Ringkämpfer Kerkyon. Er liebte auch den jungen Pelops und schenkte ihm ein prächtiges Gespann. Manche Quellen sprechen davon, Poseidon sei der Vater des Brüderpaares Otos und Ephialtes, den Aloiden, deren Mutter Iphimedeia ist.

Darstellungen

  • Dreizack,
  • Pferde, Zaumzeug,
  • Pegasus, das geflügelte Pferd,
  • Muschel, Fische, Delfine,
  • Das Meer, insbesondere die Meerestiefe,
  • Sturm, Wind, Wellen,
  • Erderschütterer, Erdbeben, Überschwemmungen,
  • Blaue Augen,
  • Blaulichtes Haar,
  • Meist nackt oder halbnackt.

In der Kunst wird Poseidon mit einem Streitwagen dargestellt, der von großen Hippokampen gezogen wird. Oft wird er mit dem Dreizack zusammen mit Delphinen dargestellt. Manchmal wird er gemeinsam mit Athene dargestellt, da er sich mit ihr um die Herrschaft von Attika gestritten hat. Häufig findet man auch Darstellungen der Hochzeit des Poseidon mit Amphitrite, die meist auf einem Wagen gezogen von Pferden, begleitet von Triton und Nereiden dargestellt sind.

Übrigens: Im Archäologischen Nationalmuseum von Athen steht die antike, 2,09 m große Bronzestatue des „Gottes aus dem Meer“, häufig als „Poseidon von Kap Artemision“ (Fundort an der Nordspitze Euböas) bezeichnet. Inzwischen sind die meisten Archäologen jedoch der Ansicht, dass es sich dabei um eine Zeusstatue handelt, die in der leeren rechten, erhobenen Hand ein waagerechtes Blitzbündel trug, da Zeus der einzige Gott mit diesem Attribut ist. Poseidon hielt seinen Dreizack in antiker Darstellung nie waagerecht. Vergleiche der Gesichtsformen mit anderen Skulpturen des Strengen Stils des 5. Jahrhunderts unterstützen diese These.

~~> http://www.theoi.com/Olympios/Poseidon.html


Weitere Zusammenhänge & Verarbeitungen

Am bekanntesten ist Poseidon für seinen unerbittlichen Hass auf Odysseus, zumal dieser auf seiner zehnjährigen Odyssee seinen Sohn Polyphem blendete, wie Homer berichtet. Außerdem hatte Odysseus das dem Poseidon heilige Pferd dazu missbraucht, die Trojaner zu überlisten.

In Platons Atlantis-Dialogen wird Poseidon als Stammvater des Herrschergeschlechtes von Atlantis dargestellt.

Charakter

  • zornig, streitsüchtig, ungestüm, stürmisch, eher männlich als väterlich
  • grimmig, ein Meeresgott, den man um gutes Wetter bitten oder besänftigen musste,
  • einsam, verschlossen,
  • eigenständig handelnd gegenüber den olympischen Göttern,
  • Zürnend lebte Poseidon getrennt von den übrigen Göttern in Äthiopien, wo die Sonne sowohl auf- als auch untergeht (Homer: Odyssee 1.20ff. und 1.67ff.).

Buch

In der Jugendbuchreihe „Percy Jackson“ des Amerikaners Rick Riordan ist Poseidon der Vater des jungen Helden, der im ersten Teil erfährt, dass er ein Halbgott ist.

Film

In der Verfilmung „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ wird Poseidon von Kevin McKidd gespielt.

Link zu Poseidon (und anderen Göttern)

http://www.dodekanes.eu/mythologie.html

Quellen

Texte in Auszügen – ohne und mit Kennzeichnung – sind folgenden Quellen entnommen:

Wikipedia

www.die-goetter.de

http://www.theoi.com/Olympios/Poseidon.html

Marcel, 04. 04. 2010

…ist die traditionelle griechische Ostersuppe und wird nach dem mitternächtlichen Ostergottesdienst gegessen. Es ist zu spät für ein Festessen, aber die rechte Zeit für eine Mitternachtssuppe. Jedermans Geschmack ist die Suppe aber sicher nicht. Interessanterweise schmeckt den meisten Touristen die Mageritsa ganz gut, solange man ihnen nicht sagt was drin ist! Sie besteht aus Innenereien vom Lamm – Darm, Lunge, Herz, Leber, die beim Schlachten und Ausnehmen des Osterlammes angefallen sind. Traditionell wird an Ostern ein Lamm geschlachtet. Das Fleisch wird gebraten (oft am Spieß), aus den Innereien wird die Magiritsa gekocht. Neben den Innereien kommt Fleischbrühe, Eier, Zwiebel, Petersilie und Zitronensaft in die Suppe. Oft wird auch Reis in die Magiritsa zugegeben.

Da mein erster Offizier auf Innereien steht, wird pünktlich zum Fastenbrechen (natürlich hatten wir gerade ein festliches Essen verputzt!), streng dem Glaubensbekenntnis des Gastronauten verpflichtet, um 0000 eine Portion der Suppe geordert. Der aus Bulgarien stammende Kellner rümpft die Nase und fragt ob wir wirklich sicher seien, dass wir die Suppe bestellen wollten. Joanna schmeckt sie ausgezeichnet. Da ich Innereien nur zur Aromatisierung von Gerichten einsetze (Bologneser oder andere Ragouts) oder als Pastete konsumiere, hält sich meine Begeisterung für die Suppe in Grenzen. Erinnert ein wenig an Schwarzsauer.

Marcel, 03. 04. 2010

Am Samstag vor unserer Abreise erreichen wir nach 189sm die Marina in Agios Nikolaos. Der Ort erscheint von See größer, als er eigentlich ist. Jedoch ist Agios Nikolaos einer der Haupttourismusorte von Kreta und entsprechend stellt sich die Ansicht der Stadt vom Wasser dar.

In der Marina werden wir freundlich in Empfang genommen. Man hilft uns beim schwierigen Anlegemanöver römisch katholisch. Rückwärts unter Maschine – das erfordert mit dem langen Kiel noch eine Menge Übung. Nach dem Anleger haben wir noch einiges an Arbeit vor uns. Das Deck will geschrubbt und entsalzt werden, die Fock wird abgeschlagen und gestaut, Springleinen werden gesetzt, unter Deck wird gesaugt, geputzt und poliert…

Am Abend – wir sind gegen 2200 mit der Arbeit fertig und geduscht – suchen wir uns ein Restaurant mit gemütlichem Innenhof in der Nähe des alten Hafens, direkt neben einer orthodoxen Kirche. Um 2300 beginnen die Glocken zu läuten – eine geschlagene Viertelstunde: Ankündigung der Osternacht. Nach und nach versammeln sich die Gemeindemitglieder in der Straße vor der Kirche und prozessieren kurz vor 2400 mit den Osterkerzen zum kleinen Süßwassersee in der Altstadt.

Bereits am Nachmittag des Ostersamstags ist der Scheiterhaufen zur „Judas-Verbrennung“ vorbereitet worden, begleitet von ununterbrochenem böllern, das bis weit nach Mitternacht geht. Der Scheiterhaufen in AN ist auf einer schwimmenden Bühne inmitten kleinen Sees errichtet worden. Um Mitternacht verkündet dann der Pope nach dem Auferstehungs-Gottesdienst die Auferstehung Christi: „Christos anesti„. Die Antwort der Gläubigen ist „alithós anesti„, er ist wirklich auferstanden. Danach setzt sich die Kerzenprozession in Gang, der Scheiterhaufen wird entzündet und der Judas (unter gesteigertem böllern und Feuerwerk) verbrannt.

Joanna, 02. 04. 2010

Spinalonga ist eine geschichtsträchtige wenn auch winzige Insel, die als Pfropfen vor einer langen lagungenartigen Bucht liegt.

Sie ist ca. 15 Km von Ag. Nicolaos und 5 Km von Elounda entfernt. Elounda war übrigens ein ehemals geschichtlich interessanter Ort bis sie im Wasser untergegangen ist. Jetzt ist sie zu dem Touristenort mit den teuersten Hotels aufgestiegen. Natürlich haben wir uns diese ‚Sehenswürdigkeit‘ erspart.

Auch die lange Halbinsel, die mit Festland durch einen Damm verbunden ist, trägt den gleichen Namen, was natürlich zu anfänglicher Verwirrung beiträgt.

Was die Insel Spinalonga bekannt bis berühmt machte, ist ihre jüngste Vergangenheit…

UNSERE TOUR

Als wir in der Bucht ankamen, wehte es bereits frisch bei blauem Himmel, was typisch war (für die Ägäis).

[Spinalonga: Fort und Lepradorf]

Als unseres Beiboot – das neue Bananaboot – und der Rucksack gepackt waren, begann das Wetter etwas ungemütlicher zu werden (typisch für unsere gemeinsamen Ausflüge), so daß ich Bedenken bekam, Chulugi alleine zu lassen. Wie immer bin ich da etwas ängstlicher, wenn das Schiff nur an einer Metallkette hängt…

Wir wollten uns aber unbedingt diese Insel anschauen und es schien eine touristenfreie Zeit zu werden, denn die permanent pendelnden kleinen Ausflugsboote wurden eine ganze Zeit schon nicht gesichtet.

Nach einer längeren Überfahrt mit dem hoppeligen weil zu leichten Bananaboot kamen wir an dem offiziellen Anleger der Insel an. So ganz ohne die Horden an Touristen, die sonst mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen, wirkte der Ort bereits hier am Wasser schon sehr historisch-romantisch.

[Ein Blick vom Anleger zu Chulugi rüber]

Die Café-Bude oder die Snackbar und auch das Info- (oder Billet-) Häuschen hatten zu… leider auch die Pforten zu dem Lepradorf. Nach meiner bewerten Methode – beim Wandern und Kunstbesichtigen ist ein Verbotszeichen ein bloß zu überwindender Richtwert – kletterten wir über die Zäune und auf das ‚verbotene‘ Areal der ehem. Station und der venezianischen Festung.

Es erübrigt sich zu sagen, daß jetzt das Wetter eindeutig in Richtung Sturm umschwenkte, es pfiff uns dermaßen um die Köpfe, daß ich mich am Fort angekommen an den Felsen kurzzeitig ducken und festhalten mußte, um weiterzukommen! Selbstverständlich ging ich davon aus, daß Chulugi sich vom Anker löst und bereits kurz vor den Felsen liegt.

Das verlassene Dorf selbst hat eine gute Stimmung. Ganz in der Sonne gebadet, friedlich und ruhig, lädt es zum Verweilen (was wir nicht konnten) ein. Natürlich spielt das Wissen um die jüngste Vergangenheit des Ortes eine gute Nahrung für die Phantasie, so daß ich mich kurzzeitig fragte, wie ansteckend Lepra eigentlich sei (siehe unten im Blog).

Das ist die Hauptstraße des Dorfes. Sie erinnerte mich an türkische Märkte. Vielleicht ist sie tatsächlich in der türkischen Zeit entstanden. Der Blick in die (verschlossenen) Fenster zeigte meist einen großen Raum mit offener Zwischenetage, vereinzelt waren Fotographien, Gerätschaften u.ä. zu sehen, so daß ich vermute, hierbei handelt es sich in der Touristensaison nach wie vor um Geschäfte ganz in der türkischen Manier, und vielleicht auch so etwas wie Infostellen mit musealen Charakter.

Die obligatorischen Kirchen bzw. Kapellen und ihre Miniaturabbilder als kleine Kapellchen, in das man Heiligenbilder, Blumen und Lichter einstellt (hier war nichts drin, wahrscheinlich haben Touristen sie ausgeräumt – als Souvenirs versteht sich), sind auch auf der Insel zu finden.

Natürlich sind die beiden Inselkirchen verschlossen gewesen, auch von wann sie stammen, weiß ich nicht mehr zu berichten. Diese hier hatte eine eingelassene, wahrscheinlich ältere Schriftplatte, die ich leider nicht entziffern konnte.

An dieser Seite der Insel angekommen, konnten wir den sich mittlerweile ordentlich aufgebauten Sturm ‚bewundern‘ und uns Sorgen machen über den Zustand von Chulugi.

Der Regenbogen machte die Situation nicht besser – wir blieben aber äußerlich gelassen. Gleich sollten wir an unsere Einstiegstelle über den hohen Zaun kommen…

Aber vorher gab es noch einen sehr schönen Ausblick auf die zum Greifen nahe Halbinsel des gleichen Namens „Spinalonga“. Ich mochte die kleinen Buchten sehr gerne, vermute aber, daß in der Saison einfach zu viele Ausflugsboote diese Meerenge belegen und Tonnen an lärmenden Touristen für einige Stunden an Land bringen.

So war es aber noch sehr friedlich und ruhig (abgesehen vom Windpfeifen und der inneren Unruhe, zumindest bei mir).

Wie es sonst auf Spinalonga vor sich geht, zeigt dieses Foto, daß ich aus einem Inselbericht kopiert habe:

Als wir schließlich unterhalb des Forts ankamen, bot sich unserem Blick folgendes kleines Schauspiel:

Ich fragte mich, wie wir in dieser Nußschale das Schiff erreichen sollen… auch wenn das Foto (wie immer beim stürmischen Wetter) die gefährliche Stimmung nicht wiedergeben kann, so möge man es mir glauben: ich hatte Angst, mit der Nußschale von 20 Kg Gesamtgewicht zu kentern!

Na ja, wir haben es dann doch beinahe unbeschadet geschafft.

Diese Insel ist in der Saison in der eisernen Hand der Touristikbrange. 3 bis 4 Touriorte starten organisierte Ausflüge dorthin. Ag. Nicolaos mindestens 10 Mal am Tag, von Elounda (ein ‚Top-Touriort‘ an der Bucht) geht es halbstündlich und das gleiche von Plaka (das Dorf gegenüber der Insel), dazu kommen noch einzelne kleine Fischerboote und Fähren hinzu. Natürlich nimmt man auch Eintritt für die Besichtigung der Anlage.

Ein Autor einer Kreta-Internetseite berichtet über die organisierten Ausflüge auf diese Insel:

Es gibt Angebote mit Mittagessen und ohne – sowie mit Führung und ohne. Eine Führung, in einer Sprache die man verseht, ist sinnvoll. Etwa die Hälfte der Boote bietet Führungen auf Deutsch an. Kosten der Boote etwa 12 bis 20 Euro ohne Essen – mit Führung im oberen Bereich dieser Preisspanne. Die Ausflugsfahrten dauern etwa 4-5 Stunden. Die Vorbeifahrt unterwegs an der versunkenen Stadt Olous ist inklusive.

Die Wohnhäuser, das Krankenhaus, die Kirchen usw. der Leprakranken blieben erhalten und können heute besichtigt werden. Man kommt mit dem Boot im Süden von Spinalonga an. Der Rundweg um die Insel ist etwa 1,5 km lang. Geht am Hafen links kommt man nach wenigen Meter in die Wohnsiedlung. Einige der Häuser sind restauriert, in ihnen sind nun Fotoausstellungen und ein Informationsbüro.

Auch die kleine Kirche wurde vor wenigen Jahren renoviert. Interessant ist der Desinfektionsraum. Es wurde Angehörigen erlaubt, ihre Kranken Verwandten auf Spinalonga zu besuchen. Sie wurden bei dem Verlassen der Insel hier mit einer Säure desinfiziert. Auch das Krankenhaus, den Friedhof, das Wassersystem sollte man sich anschauen. Für viele Touristen ist auch die Besteigung des großen venenzinanischen Forts, zu dem man auf rutschigen Wegen hinaufgehen kann, eine Höhepunkt der Inselbesuchs. Von oben hat man einen super Ausblick auf Plaka, Elounda und die gesamte Umgebung. Am Ende des Rundgangs ist ein einfache Snackbar. Hier gibt es Wasser, Cola, Chips u.ä. (Preise ok).

[unter: http://www.kreta-reise.info/Hauptseiten/spinalonga.htm]

Geschichte:
Venezianer, Türken, Lepra

Die Geschichte von Spinalonga beginnt im 15. Jh. als die Venezianer dort eine Burg und ein enormes Fort errichteten. (Gesichte Kretas in Daten.) Als 1646 die Türken Kreta eroberten, hielte die Venezianer auch bei anhaltenden türkischen Angriffen noch fast weitere 50 Jahre die Festung. Ein solches Fort auf einer Insel, zudem mit einem so enormen Mauernumpfang war zu dieser Zeit praktisch uneinnehmbar. Als sie diese endgültig aufgaben, siedelten sich um 1700 türkische Familien dort an. Davon zeugen einige Häuser auf der Insel, die in ihrer Bauart mit der typischen markt- bzw. verkaufsartigen Frontsituation an türkische Basarstraßen/-häuser erinnern. Noch Ende des 19. Jh. lebten mehrere Dutzend türkische Familien auf der Insel, die das dortige ehemalige venezianische Dorf übernommen und erweitert hatten.

Das Dorf der Insel ist zu der sog. „Lagune“ ausgerichtet, und blickt zum Ort Pláka, von wo aus heute die meisten Touristenboote die Überfahrt nach Spinalonga gewährleisten. Die Meerseite der Insel weist (heute) keine Gebäudekomplexe auf, außer der schön gelegenen kleinen Kirche und der Wehrmauer natürlich.

Mit dem Jahr 1913 beginnt ein neuer Abschnitt auf Spinalonga, der das Eiland berühmt-berüchtigter machen sollte als die vorhergehenden Epochen: Die Insel wird zu einer Leprakolonie umgewandelt – alle Einwohner von Kreta, welche an der Lepra erkrankt waren, wurden nach Spinalonga verbannt, da man sich vor Lepra fürchtete wie der Teufel das Weihwasser. In den schlimmsten ‚Spitzenzeiten‘ der Krankheit waren über 1000 Kranke auf der Insel. Daß es dort Armut und große Not herrschte, berichten einige Reisende – vor allem Durrell, der sich dorthin traute, was allerdings auch großer Überredungskünste bedurfte, um einen Bootseigener davon zu überzeugen, daß Lepra nicht so ansteckend ist, wie alle meinten.

Übernachtungen auf der Insel, selbst von engsten Verwandten, waren strengstens untersagt, Besuche stets mit kompletter Desinfektion verbunden. In der ersten Jahren und Jahrzehnten waren die Lebensbedingungen dort am erbärmlichsten. Die Kranken lebten in heruntergekommenen Häusern auf engstem Raum, die medizinische Versorgung blieb äußerst notdürftig. Erst im Laufe der Jahre verbesserten sich die Lebensbedingungen, vor allem durch die Selbstorganisation der Kranken.

Sie bebauten das kleine Eiland zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, organisierten Unterricht für ihre Kinder, webten, töpferten etc. Später soll es hier auch ein Kino und so etwas wie ein Kulturzentrum gegeben haben. Dies ist jedoch höchstens in der letzten und abschließenden Phase der Leprainsel um 1950 denkbar, als die Krankheit durch die medizinischen Entdeckung ihren Schrecken langsam verlor. Spinalonga blieb jedoch für die dorthin Verbannten ein auswegloses und sicherlich grausames Gefängnis, an dem sie vor sich hin siechten bis sie starben, da bis ca. 1953 die Krankheit unheilbar war und tödlich verlief. Medizinische Versorgung war nicht gewährleistet, genauso wenig wie die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Berichte, die von beinahe ‚idylischen‘ Zuständen (Kino, eine Art Kulturzentrum, Schule, Vorführungen an denen auch die gesunden Familienmitglieder teilnehmen konnten etc.) eines kleinen Staates im Staat berichten, müssen als überaus beschönigte und vielleicht aus einem unterschwelligen schlechten Gewissen heraus entstandene Geschichten angesehen werden.

Bezeichnenderweise hat man die Insel der Leprakranken auch dazu benutzt, sich der politisch unliebsamen Bürger zu entledigen. Einige Einwohner der Region nutzten darüber hinaus die Tatsache aus, daß die Kranken eine bescheidene staatliche Unterstützung erhielten, so brachten sie mit kleinen Booten Lebensmittel auf die Insel, die sie dort zu weit überhöhten Preisen verkauften. Auf diese Versorgung von außen angewiesen, waren die Inselbewohner wehrlos.

Die Lage der sich selbst überlassenen Kranken verbesserte sich langsam, als mit der Entdeckung des für die Krankheit verantwortlichen Bakteriums und der Medizin zur Krankheitbehandlung in den 1940er Jahren Lepra auch auf Kreta ihren Schrecken verlor. 1957 schließlich verließen die letzten zehn Überlebenden die Insel, Spinalonga war von nun an nur noch historisches Relikt.

Lepra in Fakten

[Lepröser um 19oo]


Lepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten und wird schon in den frühesten Schriften erwähnt. Laut neuster Untersuchungen ist Ostafrika der geographische Ursprung der Krankheit. Entsprechend der frühsten Wanderungsbewegungen des prähistorischen Menschen haben sich die Bakterien aus Ostafrika einerseits nordwestwärts nach Europa und andererseits Richtung Osten nach Indien und Asien ausgebreitet. Eine andere Möglichkeit der Entstehung und Ausbreitung könnte Indien sein, denn dort finden wir die älteste bekannte schriftliche Erwähnung dieser Krankheit. Sie gehr auf 600 Jahre vor Christus zurück, wo sie unter dem Namen Kushta in einer indischen medizinischen Abhandlung beschrieben wird.

Im Alten Testament (Leviticus 13, 1-46) wir sie ausführlich beschrieben, wie der Aussatz zu erkennen ist und wie man mit den Kranken zu verfahren hat. Hier wird Lepra noch mit anderen ähnlichen oder vermeintlich ähnlichen Hauterkrankungen verwechselt und allgemein als „Aussatz“ (hebr. zara’at) bezeichnet, so daß man heute nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, welche Hautkrankheit diejenigen tatsächlich hatten, die als „Aussätzige“ genannt wurden.

Zu Ciceros Zeiten in Griechenland und Italien war Lepra offenbar häufig vorgekommen. Später unter den Langobarden im 7. und 8. Jh. war sie stark verbreitet. In Bremen wurden schon im 9., in Würzburg im 11. Jh. Hospitäler für Leprakranke gegründet. Das Leprosorium Aachen-Melaten wurde laut den Ausgrabungergebnissen im 8. Jh. an der Königsstraße nach Maastricht gegründet.

Die allgemeinere Verbreitung des Aussatzes in Europa im Mittelalter wird oft den Kreuzzügen zugeschrieben. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 13. Jh. und ebbt ab mit dem Ende des 16. Jh. Ab da gehört sie nicht mehr in die Reihe der chronischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa an.

Meyers Konversationslexikon von 1888 berichtet: Lepra sei in Skandinavien, auf Island und der Iberischen Halbinsel, in der Provence und an den italienischen Küsten, in Griechenland und auf den Inseln des Mittelmeers regelmäßig vorgekommen. Im Verlauf der Kolonialisierung gelangte der Erreger nach Westafrika und Amerika und durch den weiteren Sklavenhandel in die Karibik und nach Brasilien. Am verbreitetsten jedoch sei die Krankheit im 19. Jh. in Norwegen gewesen, wo man 1862 noch 2.119 Aussätzige bei nicht ganz 2 Millionen Einwohnern zählte. In Deutschland wurden zur gleichen Zeit nur vereinzelte Fälle registriert.

Da man sich lange Zeit die Ursachen der Krankheit nicht erklären konnte, wurde sie als „Strafe Gottes“ über den sündigen Menschen, der von dieser Krankheit befallen wurde, ausgelegt. Damit waren die Leprösen zweifach stigmatisiert: durch die Krankheit selbst und durch ihr vermeintlich gottesfernes Leben. Als Verfemte der Gesellschaft hatten sie kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben und Sterben. Sie mußten außerhalb der besiedelten Orte leben, und konnten sich meist nicht selbst ernähren, was dazu führte, daß sie betteln mußten. Gleichwohl wurde ihnen zu Auflage gemacht, die Umwelt auf ihre Krankheit und damit auf sie als einen „Ansteckungsherd“ aufmerksam zu machen, damit die Nähe zu ihnen gemieden werden konnte. So hatten sie im Mittelalter entweder Glöckchen an den Beinen, Armen oder an einem Stock (sofern sie diesen mitführen konnten) zu tragen, das ihre Ankunft und ihre Routeankündigte, oder aber sie betätigten laute Raspeln/Rätschen. Diese typischen Geräusche sollten gut vernehmbar sein.

[Eine Leprarätsche]

Symptome:

Da diese Krankheit aus dem Bereich der Neurologie kommt, werden dabei vor allem die Nervenstränge befallen, die Gefäße der Arterien und Venen verstopfen durch eine Verdickung des Blutes. Die Betroffenen verlieren meist das Gefühl für Kälte, Wärme und auch Schmerz. Ohne Behandlung verletzen die Patienten sich oft unbemerkt und infizieren sich über die Wunden an lebensgefährlichen Krankheiten wie z.B. Tetanus. Daher rührt auch die noch immer verbreitete falsche Vorstellung, dass Lepra zu einem „Abfallen“ von Armen, Händen oder Ohren führt. Da die Erkrankten keine Schmerzen spüren, werden Wunden oft unbehandelt gelassen, und durch Entzündungen können diese Körperbereiche absterben. Dies ist aber nur eine indirekte Folge der Lepra und keinesfalls typisch.

Tatsache ist:

  • Daß Lepra kaum ansteckend ist, man ist sich jedoch nicht einig, wie der Übertragungsweg ist, so daß sich keine prophylaktischen Ratschlägen geben lassen. Diskutiert wird eine genetische Disposition und/oder die Ansteckung durch Wundsekret. Auch tierische Überträger werden angenommen. Das ist bisher aber noch nicht sicher nachgewiesen. Der direkte Kontakt zu Leprakranken ist nicht gleichbedeutend mit einer Ansteckungsgefahr. Für die Übertragung bzw. die Infektion mit dem Erreger bedarf es eines langfristigen Kontakts mit einem Infizierten und einer „Tröpfcheninfektion“. Leprakranke werden heute nicht mehr isoliert. Die Inkubationszeit kann bei Monaten oder auch Jahren (bis zu 40 Jahren in Extremfällen) liegen, daher geht man nicht davon aus, diese Krankheit vollkommen ausmerzen zu können,
  • Ein erster großer Fortschritt im Kampf gegen die Lepra war die Entdeckung des Krankheitserregers, des Bakteriums Mycobacterium leprae, durch den norwegischen Arzt Gerhard Armauer Hansen im Jahr 1873 in Bergen. Der deutsche Dermatologe Eduard Arning aus Breslau/Wroclaw begann am 28. September 1884 ein vierjähriges Menschenexperiment an dem damals 48-jährigen gesunden Polynesier Keanu, das den Nachweis der Übertragbarkeit der Lepra erbrachte,
  • Die tatsächliche Ursache der Erkrankungen nimmt man an in mangelnder Hygiene, Unterernährung und somit einem geschwächten Immunsystem, der von dem Bakterium angegriffen werden kann,
  • Insgesamt hat sich der Lepraerreger in der Zeit seiner weltweiten Ausbreitung genetisch kaum verändert, was für Bakterien extrem ungewöhnlich ist,
  • Schon in der Antike war Aussatz als ansteckende Krankheit gefürchtet, weshalb Aussätzige aus der Gemeinschaft verstoßen und Kontakt mit ihnen vermieden wurde. Gesunde wiederum, die sich um Leprakranke kümmerten, ohne selbst an Lepra zu erkranken, hatten deshalb das Ansehen, von einer höheren Macht beschützt zu werden. Diese mied man auch meistens nicht, da man nicht damit rechnete, ein Gesunder könnte von einem Kranken irgendetwas auf einen anderen Gesunden übertragen, das ihn erkranken läßt,
  • Andere neue Forschungen gehen davon aus, daß Lepra hauptsächlich durch Tuberkulose zurückgedrängt wurde. So sollen die von Lepra geschwächten Personen oft auch von Tuberkulose befallen worden sein, welche die Kranken ziemlich schnell tötete und so eine Ausbreitung der kaum ansteckenden Lepra verhinderte.
  • Aufgrund der Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika ist Lepra inzwischen in Ländern mit entwickelter Gesundheitsversorgung nahezu ausgerottet. In vielen Entwicklungsländern hingegen stellt die Krankheit noch ein ernstzunehmendes Problem dar. Ein Großteil der Erkrankten lebt in Indien, in Afrika gibt es viele Kranke und in Brasilien ist Lepra noch ein ernstes Problem.

[Quellen und Nachzulesen bei Wikipedia und vor allem sehr genau und zuverlässig: http://www.lepra-tuberkulose.de/lepra/infkt_01.html ]

Marcel, 02. 04. 2010

Spinalonga, der lange Dorn, ca. 10sm vor Agios Nikolaos ist eine Halbinsel, die über eine Dammstraße mit dem Festland verbunden ist und deren nördliche Spitze eine kleine Insel gleichen Namens bildet. Auf dieser thront eine alte venezianische Befestigungsanlage aus dem 16. Jahrhundert, die im 17. Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft stand und dann ab 1903 von Griechenland zu einer Lepra-Kolonie umfunktioniert wurde. Aus ganz Griechenland wurden über 400 Aussätzige auf die Insel verschifft, die in den zurückgelassenen Gebäuden der Wehranlage ein funktionierendes Gemeinwesen mit Handwerksbetrieben, Kirchen und kulturellen Veranstaltungen aufbauten. Erst in den 1950er Jahren wurde die Siedlung aufgelöst und die letzten Bewohner in Krankenhäusern in Athen untergebracht.

Auf der Halbinsel befand sich die antike Stadt Olous, die schon von Homer erwähnt wurde. Die Stadt versank im Meer als sich Kreta im Osten absank und im Westen angehoben wurde – vermutlich durch den Vulkanausbruch bei Santorin. Nach einer anderen Version der Geschichte wurde Olous vom großen Erdbeben 780 n. Chr. zerstört. Mit 30.000 Einwohnern war Oulus seiner Zeit eine der wichtigsten Hafenstädte Kretas.

Wir ankern bei 5bf und leichter Welle in der Lagune hinter der Insel, die fast vollständig von Land umgeben ist, bauen unser Banana-Boot auf und motoren mit Picknickrucksack beladen zum kleinen Bootsanleger unterhalb des Kastells. Dann braust der Wind mit Fallwinden von den umliegenden Hügeln mit 7bf in die Bucht. Wir entschließen uns rasch zur Umkehr und haben dennoch Probleme zum Schiff zurück zu kommen. Wir wechseln noch am Nachmittag unter Mühe den Ankerplatz und verholen in eine ruhigere Ecke der Lagune, in der man Wassertiefen zwischen 2 und 7m lotet.

Am morgen des 3. April. Der Spuk ist vorbei. Das Wasser ist spiegelglatt. In der Marina in Agios Nikolaos erzählt man uns später, dass es dort am Abend mit bis zu 9bf geweht hat.

Marcel, 01. 04. 2010

…boten die stets pragmatischen Griechen an, sie nach dem Gott zu benennen, der ihnen das größte Geschenk mache. Poseidon schenkte Ihnen ein Pferd. Athene schlug mit ihrem Speer auf den Boden, wo ein Olivenbaum entspross. Die Stadt erhielt den Namen Athen. Aber wir sind auf Kreta. Wie kam das Olivenöl nach Kreta? Man vermutet, dass der Olivenbaum schon in der Steinzeit (die Olive ist ja auch eine Steinfrucht! logisch) kultiviert wurde. Manche behaupten dies sei in Ägypten gewesen (vermutlich die Ägypter), manche behaupten, in Syrien und Palästina (vermutlich die Syrer und die Palästinenser) wurde der Ölbaum zu erst kultiviert. Wie dem auch sei, in Kreta ist die Olive seit ca. 3.500 v. Chr. nachweislich bekannt.

Im Mittelalter und der Renaissance erlebte das Olivenöl ein Dasein im Schatten des Schweineschmalz. Außer in Spaniern, wo die Mauren die Verwendung von Schweineschmalz nicht zuließen.

Gourmets unserer Tage dagegen, die spätrömische Dekadenz ist in aller Munde, mmh, neigen dazu ein Königreich für einige Tropfen ausgezeichnetes Olivenöl herzugeben. Man hört von jungfräulichem Olivenöl, das nicht gepresst wird, sondern durch den Druck des Eigengewichts der zum Pressen vorbereiteten Oliven austritt und in Reagenzgläsern aufgefangen und sofort unter Schutzatmosphäre versiegelt wird. Auch ist von geheimen Reisen zu entlegenen Gehöften in den Bergen von Griechenland berichtet worden.

Unser Öl kommt aus Sitía, wo angeblich die besten Öle Griechenlands produziert werden.

Marcel, 01. 04. 2010

Der Hafenort wird in den Reiseführern als ehem. Fischerort beschrieben, der durchaus seinen Charme behalten hätte. Davon sehen wir nichts. Eine Touri-Taverne reiht sich an die nächste. Alle mit riesigen an Schützenzelte erinnernde Verlängerungen zum Hafen hin. Nach langem Suchen entscheiden wir uns für das kleinste Übel, da wir nach 16 stündiger Fahrt keine Lust haben, an Bord zu kochen. Die Leute hier scheinen aber das nicht vorhandene Ambiente zu mögen. Am Abend vor Karfreitag (zufällig fällt das orthodoxe Osterfest auf das katholische Osterfest) sind bald alle noch so hässlichen und an Uni-Mensen erinnernden Restaurants und Bars besetzt. Die Kinder lassen schon seit Tagen in den Straßen Feuerwerkskörper krachen. Wie Gut, dass sich diese Tradition bei uns nur zu Sylvester etablieren konnte. Das Essen ist dann aber halbwegs passabel. Kretisches Kaninchen und ein paar kretische Spezialitäten ohne Fleisch (Fastenzeit!).