Joanna, 23. 05. 2010

Auch Strabon oder Strabo steht ganz oben auf dem Zeitstrahl der Historiographen und ersten Reisejournalisten und gleichzeitig außenvor, denn wir haben keinen kompletten Text von ihm. Dennoch kann man Griechenland nicht bereisen, ohne auf seine literarische Spuren zu stoßen.

Strabon (* etwa 63 v. Chr. in Amaseia in Pontos; † nach 23 n. Chr.), altgr. Στράβων, lat. Strabo („der Schielende“), war ein antiker griechischer Geschichtsschreiber und Geograph.

Joanna & Marcel, 16. 05. 2010

Auf dem Rückweg nach Agios Nikolaos ankern wir in der Kolokithas Bucht im Osten von Spinalonga, der Halbinsel. Nach dem Mittagessen rudert Joanna an Land und erkundet die Halbinsel während ich das neue Funkgerät installiere. Wir sind jetzt über unsere MMSI erreichbar. Neben uns spuckt ein Ausflugsboot nach dem anderen dutzende Ausflügler an Land. Später legt noch ein lärmendes Party-Boot dort an. Für uns ein klares Zeichen zum Aufbruch.

Diese Ausflugsboote sind eine Pest! Die Leute werden zur Meute, auch wenn sie einzeln vielleicht nett und interessiert sind.

Die Halbinsel Spinalonga – übrigens hat man die Insel Spinalonga von der Halbinsel künstlich getrennt, habe ich irgendwo gelesen – ist überraschender Weise sehr interessant, dabei sieht sie schon jetzt einfach nur ‚verbrannt‘ aus. Außer Macchia nichts zu sehen an Vegetation. Ich machte eine kleine Wanderung entlang der Ostküste. Auf den Fotos sind die Ausblicke auf die Bucht und auf Chulugi zu sehen.

Hier bin ich gestrandet.

Camper… ?

Votivgaben in der Kapelle Agios – nein dieses Mal nicht Nikolaos – Foka.

Dann wollte ich unbedingt eine Wanderung finden, die in meinem Wanderbuch beschrieben war. Leider vergeblich, dafür aber bin ich auf die vielen zum Teil sehr verwittert und alt aussehenden Kapellen auf dem Gipfel und Hügeln aufmerksam geworden. Mein Weg führte mich auf einer staubigkalkigen Straße – wahrscheinlich für die Touristen neu angelegt, damit sie die schönen Buchten problemlos und schnell erreichen können – bis zu der versunkenen Stadt „Elunda“. Ich dachte, dort gebe es keine Menschenseele, falsch gedacht. Auch wenn die Fotos sie gänzlich ausblenden.

Und unweit dieser an sich netten Taverne gab es diese tote oder im Sterben begriffene Meeresschildkröte. Wahrscheinlich ertrunken im Treibnetz der Fischer oder … Übrigens meine erste Begegnung mit einem solchen Tier und diese auch gleich so traurige.

Und damit dieses Bild nicht das letzte ist:

Möglicherweise – würde ich sagen – eine frühchristliche Basilika, genauer: der Fußbodenmosaik mit spielenden Delphinen.

Und zum Schluß wieder Chulugi

Für mehr Fotos hier:

~> Halbinsel Spinalonga

Joanna & Marcel, 15. 05. 2010

Der Morgen in Mochlós beginnt mit bedecktem Himmel und ruhiger See. Wir diskutieren darüber, ob wir in Mochlos bleiben (auf Grund der, laut Reiseführer, „hervorragenden Tavernen, insbesondere Fischtavernen“), oder ob wir in der der Insel Spinalonga vorgelagerten Buchten fahren sollen. Wir beschließen in Mochlós ein spätes Mittagessen einzunehmen und dann nach Spinalonga aufzubrechen. Dann, im Laufe des Vormittags, fallen immer mehr heftige Böen von den Hängen und peitschen über die Bucht. Auf dem felsigen Grund beginnt der Anker zu slippen. Ich stecke 50m Kette, doch die Kette vibriert weiter. Unsere Alternativen: Den Anker an anderer Stelle einfahren oder nach Spinalonga aufbrechen. Wir entscheiden uns für die Weiterfahrt.

Der Anker ist oben.

Und an dieser Stelle vergißt Marcel zu erwähnen, daß das Manöver nicht ohne war, weil natürlich dann, wenn wir losfahren wollen, die Böen heftiger werden! Dann einen Anker zu lichten, ohne Schrammen für das Bug, finde ich nicht ganz ohne. Darüber hinaus zeigten unsere elektronischen Seekarten, daß die Durchfahrt zwischen der heutigen Insel und dem Dörfchen bis über 10 Meter ‚frei‘ ist. Ich war schon vorher skeptisch, denn das Wasser an diese Stelle sah sehr hell aus. Außerdem sollte dort die ehem. Verbindung zwischen Land und Insel gewesen sein – auch Fotos zeigen dort noch sichtbare Mauern…

Wir steuern auf die Meerenge zwischen der Mochlos vorgelagerten Insel und dem Örtchen zu, als uns eine winkende und wild gestikulierende Menge am Ufer auf die Untiefen aufmerksam macht. Das Echolot zeigt plötzlich nur noch zwei Meter – noch 50cm Wasser unterm Kiel. Die Maschine heult wild achteraus. Das ist noch einmal gutgegangen!

Dann stecken wir nur eine halbe Meile vor der Küste in einem Windloch. Die Segel schlagen. Der restliche Wind nutzt den vollen Umfang der Kompassrose. Also wieder den Motor starten.

Als wir aus dem Schatten der vorgelagerten Inselchen in die Mirabello-Bucht einfahren sehen wir bereits die weißen Schaumkronen der Wellen. Und hier erwischt es uns mit voller Wucht. Den großen Klüver (das Vorsegel ist 2 Quadratmeter größer als das Großsegel) bekommen wir mit Mühe eingerollt. Um vom ersten ins zweite Reff zu gehen bleibt keine Zeit, da uns bei über 30 Knoten Wind das Bimini in Stücke reißt. Die Reste bekommen wir noch notdürftig angebändselt als der Windmesser bis zu 38 Knoten Wind anzeigt. Das sind gute 8 Windstärken. Die Wellen bleiben moderat, da der Wind von Land weht und die Wellen noch jung sind. Trotz des ersten Reffs (das zweite wäre mir lieber gewesen), lässt sich das Schiff perfekt steuern und surft mit über 9 Knoten über Grund über die Wellen.

Bei diesen Böen steuert Marcel. Ich gebe es auf, nachdem es immer ungemütlicher und nasser wird, und sitze unter dem schützenden Dach. Außerdem krängt das Schiff ziemlich und das macht mich (immer noch) sehr nervös… Ich habe nicht dieses enorme Vertrauen oder auch einfach nicht das entsprechende Wissen und Können der Seglermaterie.

Natürlich gibt es davon keine Fotos…

In Anbetracht der Wetterlage erscheint es uns sicherer, die Lagune anzulaufen und die vorgelagerte Bucht auf der Rückfahrt nach Agios Nikolaos anzusteuern. In der Lagune liegen wir mit moderaten Fallwinden zwischen 3 und 4 bf über Nacht ruhig vor Anker.

Diese verdammten Wetter- und vor allem Windumschwünge! Hier ganz ruhig, paar Meter weiter bläst es mit 38 Kn einem um die Segeln, worauf man (=wir) gar nicht eingestellt war… Das hat schon so viele Besichtigen-, Tavernen- und Wanderpläne vereitelt!

Angekommen und siehe da, über der versunkenen Stadt Elunda ein zarter Sonnenuntergang.

Und herrliches Wetter am nächsten Tag.

Für weitere (wenige) Fotos hier:

~> Bucht von Spinalonga nach dem Unwetter

Joanna & Marcel, 14. 05. 2010


Bei dem Örtchen Mochlós ankern wir am Freitag Nachmittag und rudern mit dem Dingi zur kleinen, vorgelagerten Insel, auf der eine winzige Kapelle zwischen minoischen Mauerresten steht.

Dazu Wikipedia:

Die kleine, dem Ort vorgelagerte Insel gleichen Namens war wohl in der Zeit der Besiedelung mit dem Land verbunden, die Verbindung jedoch wurde infolge von Erdbeben (1700 v. Chr.) zerstört. Noch heute sind die unter Wasser gelegenen Verknüpfungen zu erkennen. Seit etwa 3000 v. Chr. befand sich hier eine minoische Siedlung. Archäologen vermuten, dass hier der wichtigste Seehafen der Minoer lag. In hausförmigen Gräbern fand man einzigartigen Goldschmuck, der im Museum in Iraklio zu besichtigen ist.

Die Ausgrabungen begannen 1908 unter Richard Seager. 1990 nahmen US-amerikanische Archäologen unter der Federführung der University of North Carolina at Greensboro die Arbeiten wieder auf. Sie dauern bis heute an. Auf Anfrage kann man die Insel mit dem Boot anfahren und betreten.

Letzteres bedeutet: jeder darf auf den Mauerresten herumlaufen. Sie sind außerdem der Witterung ausgesetzt und werden nicht weiter gepflegt, geschweige denn konserviert. So zerfallen die 5000 Jahre alten Reste vergangener Kulturen innerhalb von wenigen Jahrzehnten. Leider ist dieses Vorgehen an vielen archäologischen Stätten in Griechenland zu beobachten.

Natürlich heißt die Kapelle „Agios Nikolaos“. Ich habe dieses mal keine Kerze angezündet.

Man darf raten, wie die Kapelle heißt


Die erste Ausgrabung auf der heutigen Insel unternahm 1908 der Amerikaner Richard Seager, wie Wikipedia uns belehrt. Eine andere Quelle (s.u. bei den Weblinks) spricht von einem griechisch-amerikanischen Team unter der Leitung von Prof. Jeffrey Soles, dieser jedoch offenbar in den 1970ern wirkte. (Die Funde sind in den Museen von Sitía, Ag. Nicolaos und Íraklion zu sehen.) „However“, Seager fand jedenfalls am Westende der Insel einen Friedhof , wo er und sein Team ca. 20 befestigte Gräber, Pithos-Urnen und Grubengräber fanden. Zwei davon identifizierte Seager als „Elitengräber“, da sie reicher ausgestattet, größer ausgebildet und abseits der anderen lagen. Soles zeichnete detaillierte Pläne des Friedhofs und identifizierte alle Gräber.


Der Hauptort liegt auf der Südseite der Insel (dem heutigen Dorf gegenüber), die frühsten datierbaren Gebäude stammen aus der sog. „EM IB“ Zeit. Arthur Evans (der Ausgräber und ‚Erfinder‘ von Knossos-Palastanlage auf Kreta) und Nikolaos Platon (der Entdecker des Palastes von Kato Zakros) unterteilen die minoische Epochen entweder nach den großen Palästen (Platon: Vorpalast, Altpalast etc.) oder nach den Kunst- und Keramikfunden (Evans: Früh-[EM], Mittel- [MM] und Spätminoisch [LM], diese Phasen werden in feinere Abschnitte I, II, III unterteilt. EM= Frühminoisch I B wäre also so zw. 3100-2700 v.Chr. Danach (sehr verkürzt nacherzählt) wuchs die Siedlung stetig an, wahrscheinlich durch den Zustrom von Siedlern aus Zentralkreta. Attraktiv für Siedler waren offenbar die Häfen zu beden Seiten der Landenge und das fruchtbare Land in der Ebene von Mochlós. So fand man auch auf dem Gebiet des heutigen Mochlós Hausreste, die auf eine Ausdehnung der ehem. Stadt hinweisen. (Dazu weiter unten im „More-Tag“.) Wurde Mochlós schließlich durch den Ausbruch des Vulkans auf Santorini zerstört? Oder durch einen Tsunami wie einige spekulieren? Durch ein Erdbeben oder durch zusätzliche Überfälle fremder Völker? Warum eine so alte und mächtige Kultur (die sogar keine Schutzmauern um ihre Städte baute), wie die der Minoer, plötzlich vom historischen Boden der Insel verschwindet, ist immer noch nicht geklärt.


Tja, so sehen die Ruinen aus… Man ist entweder Archäologe, was bestimmt Spaß macht, oder man hat Phantasie, was auch schön ist, die aber bei mir bei Ausgrabungen offenbar versagt. Eins kann ich jedenfalls bisher versichern: die ausgegrabenen Orte – ob Kultstätten oder profane Anlagen – haben eine besondere Ausstrahlung. Sei es wegen der besonders reizvollen Gegend, sei es aufgrund der Tatsache, daß hier eine ‚versunkene‘, uns in gewisser Hinsicht fremde Kultur mit ausgeprägten Sinn für Ästhetik begegnet. Etwas zwischen Bekanntem und Fremden zugleich liegt in diesen Orten ‚versteckt‘.

Obwohl Mochlós als „Geheimtipp“ gilt, das heißt keiner mehr ist (oder bald nicht mehr sein wird), scheint der kleine Ort noch Charme zu haben. Wie Marcel schon geschrieben hat,  war Mochlós ehem. ein Ort mit Landzunge, der heutigen daher gleichnamigen Insel, und offenbar ein sehr bedeutender minoischer Hafen. Im 20. Jh. war es dann bloß ein unbedeutender kleiner Fischerdorf auf dem Festland und im 21. Jh. ein aufstrebender Touristenort. Man kann nur hoffen, daß es dann der sog. Individual- oder Alternativtourismus ist. Es hat jedenfalls eine sehr nette Promenade gesäumt mit Tavernen ohne die obligatorische Durchfahrtsstraße. Abends, vom Schiff aus betrachtet, machte es einen sehr netten Eindruck mit all den bunten Lichtern und der gedämpften friedlichen Stimmung…


Es heißt „Die Einwohner sind friedlich und lustig und verstehen Spaß.“ (aus einer Homepage des Ortes; s.u.)
Das konnten wir nicht überprüfen, denn – wir hatten wieder Pech mit Petrus oder Nikolaus – als wir am Sa. an Land gehen wollten, stürmten diese verdammten (Fall-) Böen mit Windstärken um die 7 bis 8 Bf auf uns nieder und der Anker slippte (heißt: es hielt nicht mehr ‚bombenfest‘). Schade! Am Abend vorher sah alles so nett aus.


Für Interessierte, die diesen Fleckchen aufsuchen wollen – ich kann es nur empfehlen (auch zum Wandern!) – hierlang:

(mehr …)

Marcel, 13. 05. 2010

Am Donnerstag wandern wir bei knapp 30 Grad im Schatten durch die Mirtos- und die Sarakinasschlucht. Subtropische Vegetation bestimmt das Bild der Mirtos-Schlucht. Das Flussbett führt in den enger werdenden Teilen der Schlucht noch reichlich Wasser. In der noch engeren und höheren Sarakinas-Schlucht dachten wir an manchen Passagen an Umkehr, da tiefes Wasser und glattgespülte Felsen das Vorankommen erheblich behinderten.

Ausklang des Tages am Lybischen Meer, das daliegt wie Blei. Gerne würden wir auf unserem nächsten Törn die Route südlich um Kreta durch diesen von afrikanischer Sonne erwärmten Teil des Mittelmeeres befahren. Leider erlaubt uns die knappe Segelzeit lediglich die Nordroute zu wählen, vorbei an zahlreichen Hochburgen des Massentourismus. Hier im Süden spielt der Tourismus noch eine kleinere Rolle. Der Ort Mirtos hat sich auf Individualtourismus vom Typ Oberlehrer und Alternativbewegung der 80er spezialisiert. Man spürt den Geist und die Nachfahren der Hippies, welche den abgelegenen und subtropischen Süden von Kreta in den 70er Jahren für sich entdeckten. Ansonsten ist die Küste geprägt von Gewächshäusern und Plastikplanen, die die zahlreichen Gemüsepflanzungen bedecken.

Marcel, 11. 05. 2010

→ Der Meltemi, schon den alten Griechen als Etesien (kommt von ‚etos‘, jährlich) bekannt, ist ein Schönwetterwind, der aus nördlichen Richtungen weht und im Sommer als angenehm kühlend empfunden wird. 
Entstehung: Er hat seinen Ursprung in der nördlichen Ägäis: Luftmassen aus dem Hochkeil über Balkan und Ungarn strömen in das über dem Persischen Golf liegende Mosuntief. Unterstützend und beschleunigend auf diesen recht zuverlässigen Wind wirkt oft ein Hitzetief über der Zentraltürkei. Meltemi bringt stets heiteres Wetter und gute, klare Sicht mit sich.

Eine typische Meltmi-Wetterlage im Navtex:

HIGH PRESSURES 1023 HPA ARE COVERING NORTHEAST BALKANS
AND LOW PRESSURES 1010 HPA SOUTHEAST TURKEY

Vorkommen: Der Meltemi weht hauptsächlich in den Sommermonaten, sein Maximum erreicht er in den Monaten Juli / August. Die Wahrscheinlichkeit ist von Juni bis September 70%. Üblicherweise setzt er am Vormittag ein und weht bis zum Sonnenuntergang. Es kann aber auch (und das ist gar nicht so selten!) sein, daß er tagsüber mit 6 – 8 Bft. bläst, die Nacht durchsteht und am nächsten Tag wieder mit 6 – 8 ‚ballert‘. Ich selbst habe diese Windlage schon 14 Tage hintereinander ‚genossen‘. Meltemi ist aber auch schon im Mai oder noch im Oktober möglich.
Der Meltemi weht im nördlichen und mittleren Teil der Ägäis aus Norden und fächert dann wie eine gigantische Bö aus. Im Osten (Dodekanes – Rhodos) weht er aus NW, um dann im östlichen Mittelmeer auszulaufen. Nahe des Peloponnes ist der Meltemi etwas zahmer und weht aus NE. In den großen Buchten (Gökova-Golf, Güllük-Golf) der türkischen Westküste dreht er auf West.
Der Meltemi bringt durchschnittlich 4 – 5 Bft., kann aber auch (Warnung!!) tagelang mit acht und mehr Windstärken wehen. Daher wird die Ägäis nicht als Revier für Anfänger empfohlen, auch routinierte Segler haben nicht selten Probleme. Insbesondere in Lee der griechischen Inseln, wo man sicher zu sein glaubt, hämmern die Fallböen auf die Schiffe ein und haben (Tinos, Andros) schon manches Schiff auf den Grund geschickt.

In manchen Gegenden, wie z.B. im Saronischen und Argolischen Golf, kann man auch noch zwischen „warmem“ und „kaltem“ Meltemi unterscheiden, wobei der warme Meltimi wesentlich böiger und intensiver ist als sein kühler Kollege. Wenn sich der Wind am Morgen also föhnig anfühlt, dann sollte man gleich ein Reff mehr einbinden/rollen.

Cetin Sipahi vom Hochschulsegelclub Freiburg schreibt:
Türkische Metereologen erklären diese Winde so: Wenn sich ein Hochdruck über dem Balkan bildet und zur gleichen Zeit ein Hitzetief über dem Anatolischen Hochland entwickelt, dann wird ‚Lady Meltemi‘ geweckt. Die Türken nennen sie sogar ’nichtvertrauendes böses Weib‘. Übrigens weiß ich auch nicht, warum alle starken bösen Winde Frauennamen tragen … ob sie wohl deren Charakter beschreiben?
Über Meltemi habe ich vieles gehört und einiges mit ihr erlebt. Hier das Wichtigste:
Alle Winde dieser Erde gehen in der Nacht schlafen, allein Meltemi nicht. Das ist ihr wichtigstes Merkmal. In der Nacht frischt der Wind auf und in der Morgendämmerung heult er noch stärker, als ob sie die Segler von ihrem Tiefschlaf wecken will. Das tut sie gern in der Mitte des Sommers, nicht aber am Anfang und am Ende des Sommers. Ein weiteres Merkmal ist, daß sie in der Regel drei Tage lang bläst, doch manchmal hängt sie noch drei Tage daran (wie der Mistral) und macht somit das Seglerleben schwer.

Die Windstatistik zeigt, daß der Meltemi doch ein wenig berechenbarer ist, als es scheint:

  • Beste Aussichten auf anhaltende Meltemi-Perioden im Frühjahr: Ende Mai bis Anfang Juni.
  • Beste Aussichten aufanhaltende Meltemi-Perioden im Sommer: Mitte Juli bis Mitte September.
  • Im Herbst sind mehrtägige Meltemi-Perioden häufiger als im Frühjahr.
    In der Nacht weht der Wind mit durchschnittlich 3, tagsüber im Mittel mit 4 bis 5 Bft.
    Typische Meltemi-Richtungen:
  • Nord-Ägäis: Nordost
  • Zentral- und Süd-Ägäis: Nord
  • Dodekanes: Nordwest

Im Verlauf einer mehrtägigen Meltemi-Periode sind die Winde zu Beginn immer am stärksten und werden dann von Tag zu Tag schwächer.

Berüchtigte Wind-Ecken:

  • Generelle Gefährdung durch Fallwinde: Südseiten kahler Kykladen-Inseln; besonders gefährlich: fjordähnliche Buchten mit Nord-Süd-Ausrichtung.
  • Klassische Fallböen-lnseln: Euböa, Kea, Andros, Tinos (in wenigen Jahren mehr als 30 Seenotfälle!), Pholegandros, Ios und Amorgos, Sifnos und Serifos, Kos.
  • Klassische Winddüsen: Durchfahrt zwischen Euböa und Andros (Driftströmung kann 7 Knoten erreichen!), Meerenge zwischen lkaria und Samos bis Phournoi-Archipel, Meerenge zwischen Paros und Naxos, Nordküste von Amorgos, Westküste von Karpathos.

Anzeichen für einen bevorstehenden Meltemi-Ausbruch (innerhalb von 24 bis 36 Stunden) in der zentralen Ägäis:

  • Für den Balkan und den Norden der Ägäis wird steigender Luftdruck erwartet.
  • Lockere Felder hoher Schäfchenwolken ziehen aus Südwest bis West über den Himmel.
  • Über dem Festland tauchen schon morgens und vormittags Blumenkohlwolken auf. In der Nacht ist Wetterleuchten im nördlichen Himmelsquadranten zu sehen (insbesondere im Frühjahr sowie im Herbst).
  • Kein Tau mehr auf Deck (nach einer mehrtägigen Phase mit Morgentau).
    Deutliche Sichtbesserung und steigender Luftdruck (mindestens 3 bis 4 hPa innerhalb von 12 Stunden).
  • Eine mehrtägige Starkwindperiode ist zu erwarten, wenn der Druck eine für das jeweilige Revier ungewöhnliche Höhe erklimmt (Richtwert: 1018 hPa und mehr).


→ Der Schirokko (auch Jugo genannt, in der Türkei ‚Lodos‚) ist ein heißer Wüstenwind aus südlichen Richtungen. In Spanien heißt er Leveche, im Golfe de Lion Marin, in Marokko, Algerien und Tunesien Chili.
An der nordafrikanischen Küste startet er trocken und heiß; über dem Mittelmeer nimmt er Feuchtigkeit auf und wird deshalb weiter im Norden sehr schwül. Meistens zeigt er sich im Frühjahr und Herbst.

Anzeichen: Das Barometer fällt langsam, die Luft wird bleiern, oft steigt die Luftfeuchtigkeit an. Er setzt leicht ein und hat nach 36 – 48 Stunden seine volle Stärke erreicht. Charakteristisch für den Schirokko ist, daß er gleichmäßig weht, dadurch ist er weniger gefährlich für die Segler. Der Schirokko weht oft im Frühjahr, im frühen Sommer und Herbst.

Der trockene Schirokko bringt außerordentlich feuchtigkeitsarme, staubführende, heiße Luft aus der Sahara oder der Arabischen Wüste heran.

Er ist im Extremfall mit schwerem Sand- oder Staubsturm verbunden. Wo diese heiße Luft einen langen Weg über das Meer zurückgelegt hat (Sizilien, Süditalien, Golfe de Lion), reichert sie sich unterwegs mit Feuchtigkeit an. Diesen Wind bezeichnet man als feuchten Schirokko. Es ist nun sehr diesig und schwül. Der feuchte Schirokko wird besonders im Sommer als unangenehm empfunden wegen seiner erschlaffenden Wirkung.

Je größer der Temperaturunterschied ist, desto stärker wird der Scirocco. Windstärke 7 oder gar Sturmstärke werden auf See bei Schirokkolagen nur selten erreicht, oft aber 6 Btf. Der Schirokko tritt im Warmsektor von Tiefdruckgebieten auf, die meist über Nordafrika entstehen, wenn Kaltluft bis in die Sahara vorstößt. Mit dem Wandern des Tiefs schreitet der Schirokko in der Regel von W nach O fort und dauert daher logischerweise um so länger, je langsamer das Tief zieht.

Joanna, 04. 05. 2010

Kurz nach der katastrophalen Umweltkonferenz in Kopenhagen gab es Entrüstung, Kopfschütteln, Häme und Unverständnis zumindest seitens der europäischen Bevölkerung. Oder sollte ich es noch stärker einschränken und von der mitteleuropäischen Minderheit sprechen? Ein Hauptproblem war das Steigen der Meere (Erderwärmung), gefolgt von dem Müll- und Umweltverschmutzungsproblem und dem Aussterben von Tierarten. Beide letzten Probleme betrafen insbesondere wiederum die Meere.

Doch was tun wir seitdem? Sind wir etwa besser informiert, was die Schäden an unserer Umwelt angeht? Sind wir umweltbewußter in unserem eigenen Einzugsbereich? Wohl kaum…

Der erste Schritt, um vor der eigenen Haustür mit dem Kehren anzufangen, ist informiert zu sein. Denn Informationen erweitern nicht nur den Kenntnisstand, sie machen uns aufmerksamer für all das, was uns sonst nicht zum Bewußtsein käme, weil wir um die schädlichen Wirkungen unseres Handelns überhaupt nicht wissen. Informiert zu sein, versetzt uns auch in die Lage, nach Lösungen der Probleme zu suchen – und sie meistens (wenigstens im kleinen Umfang) zu finden.

Es ist schön, wenn wunderbar ästhetische Filme über die Ozeane dieser Welt es auf der Großleinwand der Mainstreamkinos weltweit schaffen und auch noch Erfolg haben. Ihr großes Manko ist: Sie lassen die meisten von uns in der gerne in Anspruch genommenen Vorstellung verweilen, es ist alles halb so schlimm mit der Umwelt, es gibt also nur die großen Unken der Wissenschaft und Aktivisten, die uns ängstigen wollen. Nach so einem schönen Film kann man den Abend getrost mit einer Portion Fisch (warum ist der bloß so teuer geworden? Das ist ja unverschämt!) und einem Bier den Kinoabend abrunden.

Ja, kann man, sollte man auch – aber dann bitt‘ schön sich auch andere Filme anschauen, und wenn man dafür nicht die Nerven hat, dann wenigstens Spenden und das eigene Bewußtsein & Kaufverhalten ändern – das würde schon genügen, damit das Gewissen wirklich ganz meerblau bleibt (oder erst wird). Denn es gibt keine bösartigen Unken, sondern ziemlich unerfreuliche Umweltzustände, an denen wir alle mitarbeiten.


Ein informativer Film – ca. 15. Min lang – allerdings nicht ganz so hervorragend aufgenommen, wie der besagte Kinofilm:

Nun ein paar Informationen, zu dem Element das wir auf der Yacht befahren und das uns so gut gefällt, denn es trägt zu unserer Entspannung, zu unserem psychischen Ausgleich und auch leiblichen Wohl bei:


Das Meer, seine Bewohner und wir…

The Great Pacific Garbage Patch“

So nennt sich ein ‚Plastikmüllberg‘, welcher mitten im Pazifik treibt.
Nicht gemeint sind hier die zahlreichen Verschmutzungen im Wasser, die man nicht oder kaum sieht, wie Atommüll und andere Giftstoffe, Öl usw. Dies hier ist ein zusätzliches, ein ‚ergänzendes‘ Umweltproblem.

Das erstaunliche ist, daß dieser Müllberg inzwischen die Größe von Zentraleuropa erreicht hat und dennoch kaum Medienthema ist. Tiere verenden mit vollen Mägen – voll von Plastik, weil sie denken, das sei Nahrung. Und natürlich essen wir diese Tiere auch.

Zwei Graphiken anbei: Die dort eingezeichneten gelben Flecke stellen Müll dar. Daneben bilden sich permanent neue, hier nicht dargestellte Müllstrudel auch in unseren Meeren.

Bis Anfang letzten Jahres ist alleine der Great Pacific Garbage Patch auf ein Volumen von etwa 100 Mio. Tonnen angewachsen.
Das ganze ist ein Riesenproblem da der Kunststoff, wie eigentlich gut bekannt (nur den vielen Verbrauchern offenbar nicht), eine sehr lange Haltbarkeit hat, zwar zu kleinsten, quasi Nanopartikeln zerrieben werden kann, so daß er für das menschliche Auge nicht sichtbar ist, aber in diesem Zustand verbleibt er konstant für die Ewigkeit. Das ist so zu sagen unserer Beitrag zu ‚Nachhaltigkeit‘. Natürlich landet dieser tödliche Granulat in unserer Nahrungskette.


Herkunft des Plastikmülls

Die United Nations Joint Group of Experts on the Scientific Aspects of Marine Pollution (GESAMP) hat errechnet, daß der Großteil (ca. 80%) des Plastikmülls über die Flüsse ins Meer gelangt. Ca. 20% stammen von den Besatzungen der Schiffe: Abfälle werden nach alter Tradition einfach über Bord geworfen. Plastikmüll stammt auch von Kreuzfahrtschiffen. Einige besitzen Müllschredder, in denen organischer Müll zerkleinert wird. Oft wird darin auch Plastikmüll zerkleinert, der dann gemeinsam mit dem organischen Müll über Bord geht. Weiterer Müll stammt von Frachtschiffen, die ihre Ladung verlieren. Der Frachter Hansa Carrier verlor am 27. Mai 1990 1.000 Seemeilen südlich von Alaska fünf Container mit 61.000 Turnschuhen. Auf derselben Route wie die Hansa Carrier verlor ein anderes Schiff einen Container mit 29.000 bunten Spielzeugentchen. Im Jahre 1992 verlor das Frachtschiff Tokio Express auf dem Weg von Hongkong nach Washington 29.000 Lego-Spielzeugfiguren. Seitdem werden etwa alle drei Jahre an die Strände von Alaska Teile dieser verlorenen Ladung angespült. Nach Berechnungen von Ebbesmeyer bewegt sich der Müll demnach mit elf Zentimetern pro Sekunde (entspricht 0,4 km/h) in einem riesigen Kreis.

Weitere Bestandteile sind Plastiktüten, Einmalrasierer, CD-Hüllen, Eimer, Kabeltrommeln, Zahnbürsten und Feuerzeuge. Die Zersetzung von Kunststoff im Meer läuft nur sehr langsam ab. Ein Stück Bakelit, verloren von der United States Navy im Zweiten Weltkrieg, trieb 60 Jahre im Meer, bevor es von einem Albatros verschluckt wurde…

Diese Aufzählung könnte ich beinahe endlos weiterführen. Und wie bei allen problematischen, aber selbsterzeugten Zuständen muß die Sensibilisierung für das jeweilige Problem an erster Stelle stehen. Die Metapher von einer Welle scheint mir sehr zutreffend zu sein: zunächst entfernt sie sich vom Land, doch dann kommt sie mit der doppelten Wucht zu uns zurück.

Es ist bedauerlich, daß man Umweltschutz und Umweltprobleme nicht zum Schulfach macht, damit die Kinder ihre (unwissenden und häufig einfach nur verbohrten) Eltern zuhause maßregeln und dementsprechend das Kaufverhalten und damit wiederum die Wirtschaft und Politik steuern könnten. Solange es Menschen gibt – und davon gibt es mehr, als man vielleicht denkt (ich habe sie selbst zu hunderten auf meinen Reisen gesehen) –, die wie ‚natürlich gegeben‘ ihre Plastikflasche, ihr Taschentuch, ihre Tüte in die Gegend werfen, und wiederum andere, die der sie umgebende Müll nicht stört, so lange wird sich nur wenig in der Welt ändern. Denn Nachhaltigkeit im Umweltschutz beginnt immer vor der eigenen Haustür.

Speziell zum Zustand des Mittelmeeres kann man sich auf der Seite von Greenpeace informieren:

~> Mittelmeer I

und:

~> Mittelmeer II


Die Rote Fischliste fürs Mittelmeer

Liest man diese Liste und erinnert sich an die Restaurantspeisekarten am Mittelmeer, dann…  Hand aufs Herz – ist es überraschend? Hat man sich nicht schon mal ganz leise gefragt, woher denn diese vielen Fische auf die vielen Speisekarten und auf die unzähligen Teller der Einheimischen und Touristen (ganz zu schweigen von den Buffets „all you can eat“) kommen sollen? Tag für Tag, ohne Pause?

Hier jedenfalls die Antwort: Das bitte nicht essen – traurieger- und bezeichnenderweise ist das fast alles, was man am und im Mittelmeer sonst an Fisch bekommt!

Rote_Fische-Mittelmeer.pdf

So hat Greenpeace auch eine interessante Karte der dringlichen Schutzgebiete (es gibt dort so gut wie keine) für das Mittelmeer vorgeschlagen. Die Begründungen ihrer Auswahl in Kurzfassung sind den eingezeichneten Nummern zu entnehmen:

Vorgeschlagene Schutzgebiete Mittelmeer

Eine Broschüre findet man hier:

Schutzgebiete Mittelmeer – Ist-Stand und vorgeschlagene Lösungen


Aktuelle Nachrichten

Nachrichten, wie die aus der Türkei von 2009 bezeugen deutlich, wie einfach es ist, gegen jede Art von Abkommen zu verstoßen und zwar ungestraft. Und warum? Weil die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung (nicht nur in der Türkei!) groß ist,  weil die meisten Menschen uniformiert und, ja man muß es eigentlich grad heraus sagen: weil sie dumm sind und dumm bleiben wollen (in der Tat, ist dies heutzutage ein einfach zu erreichender Zustand).

„Walhai wird mit Bagger an Land gehievt“

vom 02.01.2009 | aktualisiert am 03.01.2009

Walhaie sind die größten bekannten Fische (Foto: dpa) Walhaie sind die größten bekannten Fische (Foto: dpa)

Türkische Fischer haben in der nördlichen Ägäis einen zehn Meter langen Walhai gefangen. Das zwei Tonnen schwere Tier wurde nach dem Fang mit der Hilfe eines Baggers an Land gehievt, berichteten türkische Medien. Die Fischer Turan Özen und Ethem Kus berichteten, der Hai habe vier Stunden lang gekämpft, bevor er aufgegeben habe. Das Tier war länger als die Fischerboote, die ihn schließlich in den Hafen schleppten. „Ich habe noch nie einen so großen Hai gesehen“, sagte Kus.

Walhai wird vermutlich verkauft

Was die beiden erfolgreichen Fischer mit ihrem Fang tun wollen, blieb zunächst unklar. In einigen Meldungen hieß es, der Walhai werde nach Griechenland verkauft. Andere Medien berichteten, ein Kaufmann aus Russland habe sich den Fang gesichert.

Friedliche Riesen

Warum der Fisch gefangen wurde, ist allerdings unklar. Walhaie gelten als gefährdet und sind international unter Schutz gestellt. Die friedlichen Tiere sind die größten unter den heutigen Haien und die größten Fische, die es gibt. Sie ernähren sich lediglich von Plankton und kleinen Fischen.

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Ein Projekt, das sich mit dem spezifischen globalen Plastikproblem beschäftigt, ist „Plastic-Ocean“. Nachzulesen unter:

http://reset.to/projekte/plastic-ocean

Es kommt aus Italien (denn Deutschland ist schon seit den 1990er Jahren, anders als es sich selbst wahrnimmt, nicht mehr unter den ersten fünf umweltschutzführenden Ländern Europas). Die Organisation heißt „Green Ocean e.V.“, ihre Zielsetzung ist die „nachhaltige Entsorgung von Plastik aus dem Mittelmeer“.
Man kann spenden!

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Und zum Abschluß noch ein kleines Video:


Joanna, 04. 05. 2010

Sicherlich hat man spätestens seit dem katastrophalen Klima-Gipfel in Kopenhagen realisiert, wie es um die Welt um uns herum bestellt ist, und daß dieses ‚Problem‘ einzig und allein wir selbst verursacht haben. Doch statt umzudenken, drehen wir weiter an der Schraube und nennen das „unvermeidlich“ oder „was kann ich kleiner Tropf schon dagegen ausrichten“.

Doch, man kann was dagegen ausrichten, davon bin ich fest überzeugt!

Auch wenn die Maßnahmen, derer wir privat fähig sind, noch so klein angesichts der großen globalen Umweltprobleme erscheinen, sie sind wirksam, denn sie sorgen für ein stetiges Umdenken in einer Größenordnung, die eben „Masse“ ausmacht, welche die Umwelt ruiniert. Denn zu dem großen Problem tragen all diese einzelnen Menschen wie wir bei. Daß wir eine enorme Macht darstellen – wenn wir denn nachdenken und Konsequenzen daraus ziehen – hat man spätestens dann begriffen, als die Autofahrer das Benzin, und zwar nur für wenige Tage, nicht bei dem Konzern Shell kauften, weil dieser die ausgediente Bohrinsel „Brent Spar“ einfach im Meer entsorgen wollte. Das war in den 1990ern und es war so durchschlagend, daß daraus ein allgemeines Gesetz gemacht wurde, das ein generelles Verbot dieser Art von ‚Entsorgung‘ darstellt.

Und was hat der sog. Verbraucher daraus gelernt? Leider nicht viel, denn er denkt immer noch, daß ‚die Anderen‘ den Anfang machen müßten.

Gegen diese Gesinnung wollen wir auf Chulugi einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz & Tierschutz/Artenerhaltung und damit auch zu unserem eigenen Wohlbefinden auf den Meeren beitragen.

Denn die erste (und nachhaltige) Erfahrung, die ein Segler heutzutage macht, ist folgende:
Wollte man sich beim Segeln alleine mit der Natur und wie ein Entdecker unbekannter Regionen fühlen wollen und von Meeresgetier umgeben sein, sobald man in und auf das Wasser blickt, so wird man in allen drei Punkten bitter enttäuscht sein, denn:

1) es gibt zu viele Menschen auf dieser Welt und sie breiten sich auch auf dem Meer aus = viele Privatboote, lärmende, betrunkene Hobbyseemänner & vereinzelt -frauen, viele Tanker, die die Fracht von weit entfernten Ländern nach Europa bringen (man möchte ja schließlich auch im Winter frisches Sommerobst etc. haben),
2) diese Menschen an Land und auf den Schiffen produzieren Unmengen an Müll, der häufig in den Meeren landet, und
3) es gibt kaum Fische wie überhaupt Lebendes mehr in den Meeren. Davon kann man sich, auch ohne besonders sensibilisiert zu sein, selbst überzeugen. Vor allem ist die Ägäis schon seit den 1980er Jahren so gut wie leergefischt, nicht zuletzt weil man hier mit Dynamit fischte, sogar dann als es schon längst verboten war. (Aber keiner fühlte sich bspw. bemüßigt, den so ‚gefangenen‘ Fisch zu boykottieren.)

Frustrieren sollte man sich davon nicht, und schon gar nicht resignieren! Aber wissen um die Zusammenhänge, das um so mehr, und versuchen (wenigstens) im Rahmen der eigenen Möglichkeiten etwas dagegen zu tun!

Kein Plastik
Müllreduzierung
Kein Thunfisch, kein Schwertfisch
Wenig Süßwasserverbrauch in südlichen Gegenden
Biologisch abbaubare Putzmittel und Waschlotionen etc. benutzen
Zu meiden sind – das fällt auf einem Schiff nun ausnahmsweise sehr leicht – große Hotelanlagen (jetzt „Resort“ genannt), Golfplätze u.ä. Einrichtungen (diese sind sowieso das Allerletzte!) und „all you can eat“.

Für weitere Infos und Hintergründe siehe unter Umweltschutz und Tierschutz.

Daher bitten wir auch unsere Mitsegler sich einigen Maßnahmen anzuschließen – die Maßnahmen auf der Chulugi sind denkbar einfach und erfordern letztendlich nur ein konsequentes Mitdenken.

Außer No. 1 ist alles nur als Anregung gedacht, an die wir uns hiermit vor allem auch selbst erinnern wollen!


UNSERE UMWELT-REGULARIEN

1) Alles was ins Wasser gelangt, sollte biologisch sein und möglichst 100% abbaubar,

Bitte bringt entsprechende Bio-Körperpflegeartikel wie Duschzeug, Zahnpaste, Seifen, Waschmittel o.ä. für euch mit. Natürlich können wir auch problemlos mit solchen Utensilien aushelfen.
Wir rüsten unsere gesamte noch verbliebene Altausstattung der Jacht in bezug auf Putz- und Waschmittel um. Allerdings müssen wir zugeben, daß die meisten Schiffsputzmittel fürs Deck schwer (oder schlechte) zu bekommen sind. Um so einfacher geht es bei den Produkten der Körperpflege!

2) Sowenig Plastik wie möglich und wenn doch ‚unverzichtbar‘, dann wenigstens von solider Qualität und frei von Weichmachern,

→ Das ist in der Tat ein Problem beim Einkauf von Wasserflaschen. In Griechenland bspw. gibt es vor allem Plastikflaschen und die auch noch ohne Pfand… Wir arbeiten an diesem Problem an Bord. Ehrlicherweise geben wir zu, daß wir noch keine gute und schnell zu praktizierende Lösung gefunden haben.

3) Sowenig Müll produzieren wie möglich und diesen dann wenn es geht nur in größeren Häfen/Marinas, vorzugsweise auf dem Festland, entsorgen,

→ In den meisten Mittelmeerländern gibt es keine Mülltrennung, daher beim Einkaufen darauf achten, was man mitnimmt: Selbstverständlich ist Glas vor Dosen und Plastik & Dosen oder Papier vor Plastik. Auch hierbei fällt es auf, wie schwer es ist, Plastik/Folie u.ä. zu meiden…

4) Soviel Tierschutz und Flora-/Faunaschutz wie möglich und davon abgeleitet:

→ Sowenig verschwenden wir möglich, Restessen oder Abgelaufenes an die hunderte von ausgemergelten ‚Haustieren‘, die die Menschen nun doch nicht mehr haben wollen, verfüttern.

Wir haben so schlimme Zustände in Griechenland auf dem Land und teilweise in den Orten gesehen… daß man noch lange daran denken muß. Die Bilder lassen einen nicht mehr so schnell los. Es betrifft insbesondere Hunde, die an Ketten ein wahres Martyrium durchmachen: tagelang ohne Wasser, ohne Schatten, ohne Futter. Sie ‚bewachen‘ einfach nur unabgezäuntes unbewohntes Land, selbst an kurzer Kette gelegt! In den Orten werden sie mit Steinen verjagt. Es wundert einen sehr, wie lieb diese Tiere Menschen gegenüber dennoch geblieben sind (ich wäre es nicht!). Seit diesen Erlebnissen wandere ich nur noch mit einer extra Portion für potentielle Hundebegegnungen dieser Art.

5) Nicht jeden Fisch, der frisch in der Taverne angeboten wird, essen, denn es gibt kaum etwas davon.

Die immer kleiner werdenden ‚Portionen‘ liegen nicht immer an der vermeintlichen Geldgier der Tavernenbesitzer, die ‚reiche Touristen‘ ausnehmen wollen, sondern daran, daß diese Fische gar keine Chance haben, größer zu werden und einige davon sowieso schon vom Aussterben bedroht sind.

→ Dann vielleicht doch schon mal zu frischem Fleisch greifen, zumal dieses in den Dörfern häufig von ‚glücklichen Tieren‘ der Region stammt. Thunfisch ist bspw. für uns tabu, weil die meisten seiner Unterarten vom Aussterben bedroht sind, außerdem die Fangmethoden Unmengen an dem sog. Beifang produzieren wie Delphine und Meeresschildkröten (s. unter Umweltschutz).
Seit der letzten (2010) Entscheidung (wer versteht diese eigentlich noch?) der internationalen Artenschutzkonferenz in Doha im Emirat Katar darf man auch die auf der Roten Liste stehenden Tiere ‚abfischen‘, so auch den fast ausgestorbenen Roten und Blauen Thunfisch.Das gleiche gilt für die Schwertfische (die es sowieso kaum gibt). Leider wird die Negativliste immer länger und länger… Hat man diese unglaublich schönen Tiere live im Wasser und nur wenige Meter vom Schiffsbug entfernt einmal erlebt, so fällt das Verzichten auf rohen und gebratenen Thuna sowieso nicht so ’schwer‘.
Ich hatte vor kurzem leider das sehr unerfreuliche Erlebnis, eine wahrscheinlich im Fangnetz ertrunkene Meeresschildkröte zu sehen… (Umweltschutz) … das war ein sehr schönes Tier gewesen, das nun im Müll am Rand einer touristisch überlaufenden Gegend – genauer: Elunda, die im Meer versunkene Stadt der Minoer – lag.

Joanna & Marcel, 01. 05. 2010

Kato Zakros liegt an der Südostküste Kretas und ist Ausgangspunkt unserer Wanderung ins Tal der Toten. Das kleine Dorf besteht aus einigen wenigen Häusern und ein paar Tavernen direkt am (noch) ruhigen Strand. Es ist nämlich noch früh in der Saison. Wir schlagen uns vom Strand aus ins Landesinnere, vorbei an einem Schilderwald, der auf Pensionen, Wanderwege und Sehenswürdigkeiten verweist. Nach wenigen Metern stoßen wir auf das Ausgrabungsgelände von Kato Zakros. Einer von vier (nach Knossos, Phaistos und Malía) großen minoischen Palästen Kretas wurde hier ausgegraben. Leider hat auf Grund des Maifeiertags die gesamte Anlage geschlossen, so dass wir lediglich einen Blick durch den Zaun auf die  kniehohen Mauerreste werfen können. Der Fund des Palastes war reiner Zufall: Ein Bauer aus dem etwas höher gelegenen Dorf Ano (Ober-) Zakros hatte beim Bestellen seiner Felder immer wieder exakt behauene Steinquader und Tonscherben ans Tageslicht befördert. 1961 begann man mit den Ausgrabungen. Es wurde zunächst vermutet, auf eine minoische Handelsstadt gestoßen zu sein, bevor man sich klar wurde, dass es sich um einen weiteren minoischen Palast handelte. Dieser war im Gegensatz zu den anderen Anlagen dieser Art auf Kreta nicht geplündert worden. Die zahlreichen Funde sind heute im archäologischen Museum in Iraklion und Sitía ausgestellt. Selbst kristallene Vasen wurden hier gefunden.

Einige hundert Meter weiter über die staubige Straße landeinwärts stoßen wir auf eine Kreuzung von Wanderwegen und zu unserer Rechten auf den Eingang ins Tal der Toten, in dem zu minoischen Zeiten die Verstorbenen in hoch über dem Tal gelegenen Höhlen beigesetzt wurden. Hat man die Leichname von oben abgeseilt oder ist man mit den Verstorbenen die steilen Wände zu den Höhlen hinauf geklettert? Das Tal ist gleichzeitig der letzte Teil des Europäischen Fernwanderweges E4 auf Kreta.

Eine ausführliche Beschreibung der Wanderung folgt durch den Ersten Offizier. Hier schon einige Fotos vorab:

Eigentlich hat der Skipper schon alles historisch wichtige in Kurzfassung beschrieben. Mir, dem ‚ersten Offizier‘ (de facto aber General), bleibt nicht viel hinzuzufügen.

So weit das Auge reicht: Thymian, Oregano, Salbei und andere Kräuter, Wälder aus Oleander und Platanen, vereinzelte Olivenbäume. Wir sammeln einige Kräuter für die Küche und die Beduftung des Schiffes oder um die uns unbekannten Arten zu Hause zu bestimmen.

Nach den beiden Schlangenfotos folgt eins, auf dem man die Grabhöhlen von der Seite sehen oder erahnen kann. Ich war etwas enttäuscht, daß man sie nicht erreichen bzw. besichtigen konnte. Zumindest nicht so ohne weiteres. Wir haben es jedenfalls seingelassen, zumal wir keine richtige Wanderkarte dabei hatten, auch fehlte die Kletterausrüstung… Andere haben (wie auch immer) die Höhlen erreicht, ihre Fotos zeigen nichts herausragendes als Höhlen, aber wahrscheinlich war der Weg das Ziel! (s. unter PDF am Ende.) Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die Schlangen! Mir ist ein ‚mittellanges‘ Exemplar direkt vor den Füßen weggeschlängelt und verschwand im Gras. Ich habe natürlich nachgeforscht, was das für ein Exemplar hätte gewesen sein können, aber es ist schwerer als man denkt, diese für uns Mitteleuropäer selten anzutreffenden Tiere zu bestimmten. Ich denke, meine Begegnung war die Würfelnatter (Abb.1); mir kam sie etwas grünlicher vor aber das Muster könnte stimmen. Entscheidend bei meiner Bestimmung war, daß die Würfelnatter Wasser braucht – und wir waren schließlich in einer Wasserschlucht. Aber es könnte auch eine Vipernatter oder eine (sehr bissige übrigens) Zornnatter (Abb.2) gewesen sein, auch sie lebt in einem ähnlichen Milieu – sie sehen alle irgendwie ähnlich aus, und vor allem: sie ändern ihr Äußeres z.T. beträchtlich je nach dem, wo sie vorkommen!

Hier ein Foto von dem Getier:

Abb. 1  Abb.2

Wir müssen uns entscheiden. Es gibt eine alte Straße zwischen dem höher gelegenen Ano Zakros und Kato Zakros (unten in der Bucht). Wir nehmen den Weg nach rechts, der uns in eine Seitenschlucht führt und teilweise vom markierten Wanderweg abweicht. Die Landschaft wird wieder karger, das Seitental trockener und Schatten sucht man auf der Etappe, die uns zurück führen soll vergebens.

Diese Wanderungsvariante beschreibt das wirklich sehr empfehlenswerte Wanderbuch von Wolfgang Hautumm „Kretische Wanderungen“! Nur just bei dieser Wanderung gibt es keine Karte zur Orientierung, statt dessen sehr unzuverlässige Beschreibungen nach der Natur wie „an dem markanten Felsklotz mit dem einzelnen Baum am Felsen nach rechts oben, wo kaum ein Weg zu sehen ist. Dann an einem Zaun entlang bis dieser einen Knick macht…“ So oder so ähnlich jedenfalls war die Beschreibung des folgenden Wegabschnitts, der uns wieder zurück nach Kato Zakros bringen sollte. Natürlich haben wir uns paar Mal verlaufen bis wir schließlich (nach dem Verzehr einer lebenspendenden Orange und Keksen) einen neu markierten Weg nach K. Zakros gefunden haben. Diesem folgten wir dann brav, bei mir blieb eine leichte Unzufriedenheit, daß wir nicht die schöne (vermutlich) Variante von Hautumm gefunden haben…

Der Rückweg über die Hügel sieht einfacher aus, als er ist. Hier wachsen keine Kräuter mehr, lediglich windgehärtetes und dorniges Gestrüpp. Wer hier versucht, die so häufig unverantwortlich kurzen Gehzeiten der Wanderführer einzuhalten, bricht sich die Haxen, schlägt sich die Knöchel auf und rutscht den Hügel hinunter. Ganz abgesehen davon, dass man nicht von der wunderbaren Landschaft aufnehmen kann.


(Total) geschafft! Wir haben uns ein Abendessen verdient. Es gibt lokalen (etwas zu süßen aber bioangebauten) Wein, Retzina, Schnecken von den von uns erwanderten Hügeln und, da wir erneut zu einem Feiertag im Lande sind, eine extra für die Einheimischen zubereitete Ofenspeise aus Kartoffeln und Ferkel.

Ja, es ist schon der zweite ungeplante Aufenthalt auf Kreta, wo wir einen spezifisch begangenen Feiertag erleben! Dies war also unsere 1.Mai-Wanderung, die ich mit einem wirklich guten Retsina-Wein begossen habe. Laut Fermor soll Weißweingenuß (durchaus in rauen Mengen) nach einer anstrengenden Wanderung die müden Lebensgeister und Füße wieder auferwecken und den drohenden Muskelkater verscheuchen. (Um genau zu sein, muß man es folgendermaßen machen: Erst einen starken Kaffee, den griechischen natürlich, dann entspannen auf einer Terrasse und nun mit dem Weintrinken anfangen, dazu Brot, Oliven und Gespräche. Nachzulesen in: Fermor: Mani.)

Ich ziehe kalten trockenen Rot- oder Weißwein vor. Retsina dagegen schmeckt „wie reines Terpentin, durch die Socken eines Bischofs gefiltert.“ (Nachlesen in: Robert Liddell, Landschaft Apolls. Fahrten durch die ägäische Welt, Zürich-Stuttgart: Fretz & Wasmuth 1957. Ein weiterer Reisebericht aus den 50er Jahren.)

Die kleine Bucht von Kato Zakros wäre sicherlich auch ein schöner Ankerplatz gewesen. Ein sauberer Sandstrand mit schattenspendenden Bäumchen und einigen wenigen Tavernen. Wir machen uns auf den zweieinhalbstündigen Heimweg nach Agios Nikolaos über dunkle Serpentinenstraßen…

Für mehr Infos zum Tal der Toten aus geologischer, kulturhistorischer und botanischer Sicht bitte hierlang:

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