Marcel, 16. 06. 2010

Der Sage nach hat Poseidon mit seinem Dreizack die Insel von der Südspitze Korfus abgetrennt, um ein geschütztes Liebesnest für sich und seine Geliebte Amphitrite zu schaffen. Der Dreizack ist daher das Emblem der Insel. Er wird von zwei springenden Delphinen gerahmt. Der Hauptort der Insel, Gaios, ist durch einen nur wenige Meter breiten Kanal von den vorgelagerten Inseln Ag. Nikolaos und Panaghia getrennt. Der Kanal, der an manchen Stellen lediglich 2,5m tief ist, hat die Anmutung eines Flusshafens. Am Ufer stehen noch einige alte Häuser im venezianischen Stil. Nach der „Flussfahrt“ um die Inseln herum, ankern wir auf 7m Wassertiefe vor der Inselkapelle Ag. Nikolaos, außerhalb des Hafens, neben einem Japaner.

In den 60er Jahren gab es auf Paxos lediglich ein richtiges Dorf, Gaios. Auf der gesamten Insel zählte man nur ein paar hundert Seelen. Gaios bestand aus zwei Straßen und dem Kirchplatz, der zur Hafenmole hin geöffnet ist. Heute tummeln sich in Gaios eine Taverne neben der anderen. Der Ort zählt zu einem Highlight des Yachttourismus auf den Ionischen Inseln und hat sich entsprechend gemausert.

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Joanna, 15. 06. 2010

Eine Spontanwanderung, könnte man sagen. Geplant war nur ein kleiner Ausflug zum nächsten Ort in den Bergen – geworden ist aber eine Tagestour. Eigentlich nicht verwunderlich. Und nicht verwunderlich ist auch die Tatsache, daß wir einige der Sehenswürdigkeiten nicht gefunden, oder nicht so vorgefunden haben, wie wir sie uns vorstellten.
Wieder einmal ein Grund mehr, diese wunderbare Insel Ithaka anzulaufen!

Unser Weg führte aus dem kleinen Fischerdorf Frikes entlang eines im Sommer trockenen Bachlaufs. Zwar ist dieser einbetoniert, dennoch hat er seinen Reiz, wie die kleinen Brücken darüber gelegt liegen und zu den alten Häusern oder Gerten hinüberführen.


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Venezianische Villa mit dem Marcus-Löwen

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Sokrates und die Nähmaschine. Kuriose, sogenannte Volksmonumente.

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Lokalpoet – sehr sympathischer Mann

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Die römische Quelle in Kalamos an einem verlassenen Haus, das wir drauf und dran waren zu kaufen…

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Eidechsen und Ameisen als Gäste unseres Picknicks.

Und weitere Fotos hier

Marcel, 14. 06. 2010

Sonnig; 30°C; 1004 hPa; Wind 0-1NW. Das bedeutet erneut unter Motor zu reisen. Die Maschine wummert ruhig vor sich hin. Die See ist spiegelglatt, man sieht noch fast eine Meile weit den Schnitt mit dem Chulugi das Wasser teilt. Da der Dieselvorrat zu neige geht, entscheiden wir uns für einen Abstecher nach Vathi, der Inselhauptstadt Ithakas. Wunderschön gelegen in einem gegen alle Windrichtungen geschützten Naturhafen. Die ursprüngliche venezianische Bausubstanz wurde auch hier bei dem großen Erdbeben in den 50er Jahren zerstört, doch das Städtchen wurde pittoresk wieder aufgebaut und schmiegt sich im Halbkreis um die hügelige Bucht, in dessen Mitte das kleine Inselchen Lazaretto (auch Nisaki tou Sotira Νησάκι του Σωτήρα ‚Inselchen des Erlösers‘) liegt. Auf ihr befindet sich eine 1668 errichtete Kapelle, die der ‚Verklärung des Erlösers‘ (Μεταμόρφωση του Σωτήρα) geweiht ist, nach der die Insel ihren griechischen Namen erhielt. Später diente sie als Kranken- und Quarantänestation für Ankömmlinge aus Übersee.

Um 1520 machen wir am Bunkerkai fest und bunkern 120l Diesel.

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Kioni liegt nur wenige Meilen weiter nördlich. Vorbei an einer Reihe von Windmühlenruinen auf einer Landzunge fahren wir in die geschlossene Bucht von Kioni ein. Es gilt als das schönste Dorf der Insel. Diesen Umstand haben aber nicht nur wir den einschlägigen Reiseführern entnommen, sondern mit uns mindestens 20 weitere Yachten. Die Molen sind bereits überbelegt und die umliegenden (äußerst schönen) Buchten sind leider zu tief zum ankern. Eine Landleine wäre möglich gewesen, wie entscheiden uns aber gegen das aufwändige ausbringen einer Landleine und fahren weiter nach Frikes.

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Hier bläst der Wind mit 20 Knoten durch das Tal, in das sich das winzige Fährörtchen schmiegt. Nachdem wir aber wiederum gefühlte 20 umliegende Buchten nach einem geeigneten Ankerplatz abgesucht hatten und die Abendsonne langsam hinter den Hügeln verschwindet, entscheiden wir uns doch, in den Hafen einzulaufen, wo wir tatsächlich den letzten für uns günstigen Liegeplatz ergattern. Einziger Wehrmutstropfen: Wir liegen wieder einmal auf Legerwall an einer Betonmole, so dass unsere neuen Fenderumpuschelungen zum Einsatz kommen.

Am Morgen bekommen wir das Bild der letzten Tage geboten: Die Sonne brennt schon früh, es ist heiß, kein Lüftchen weht. Ein Wetter zum in der Hängematte liegen und nichts tun… Wir unternehmen eine über fünf stündige Wanderung in die umliegenden Hügel und Weiler um die “Schule des Homer” zu suchen. Die legendäre Stätte soll sich nahe einer Ruine einer frühchristlichen Kirche befinden. Diese ist auch ausgeschildert. Doch auch nach nicht unerheblichem Fußmarsch ist keine Kirchenruine zu finden.

Dafür entdecken wir am Ende einer Sackgasse, die sich zwischen einzelnen Häusern den Hang hinauf windet, gegenüber einem Brunnen ein verlassenes und leider schon im Verfall begriffenes Haus im venezianischen Stil (wie so viele alte Gebäude auf Ithaka) mit wunderschöner Terrasse. Das Haus ist in hellem Ocker gestrichen, die Fenster weiß gerahmt. Wir bereiten unser Picknick im Schatten wilder Weinranken. Uns eröffnet sich ein Blick hinunter zum Meer und weit bis zum Horizont. Verwilderte Gärten mit Oliven- und Zitrusbäumen runden das Bild zu einem wahren Mittelmeeridyll. Es ist nicht nachzuvollziehen, wie man solche Häuser dem Verfall überlassen kann.

Die meisten Häuser liegen einige Meter von den schmalen Straßen zurück versetzt. Die Fassaden sind nicht nur in weiß, sondern in angenehmen, gedeckten Farben gestrichen: Venezianisch Rot, Ockergelb, Umbra, Himmelblau. In den Zweigen der Eichen und Olivenbäume der Vorgärten hängen Plastiktüten mit frischem Brot, die der Inselbäcker am Nachmittag liefert.

Die alten Monopati, Fuß- und Eselswege, schlängeln sich zwischen Natursteinmauern die Hänge der Hügel hinauf. Olivenbäume und Eichen säumen die Wege. Viele Spinnen spannen ihre Netze quer oder hoch über die Monopati und machen das achtsame Vorankommen mühevoll. In einem verlassenen Garten pflücken wir Zitronen und saftige, aber bittere Orangen, die wir später mit einem Kreuz markieren, um sie in unserem Obstkorb zwischen ihren süßen Artgenossen wieder zu finden. Über die schmalen Pfade gelangen wir zu einer kleinen Kapelle (leider verschlossen, wie so häufig auf den Ionischen Inseln), an der wir erneut Rast einlegen. Unter unseren Füßen sammelt sich eine Ameisenstraße mit sichtlichem Interesse an weggeworfenen Olivenkernen. Die kleinen Kerlchen sammeln die für sie riesiegen Olivenkerne und schleppen sie zum zu engen Eingang ihrer unterirdischen Behausung. Nach kurzer Zeit ist der Eingang durch zahlreiche Kerne versperrt.

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Zurück in Frikes gönnen wir unseren müden Füßen Rast und unserem Bauch ein Bier und eine rustikale Fischsuppe. Am Nachmittag legen wir ab. Gerne hätten wir länger auf dieser  Insel verbracht. Sie ist beschaulich und wunderbar unaufgeregt. Die Landschaft ist dünn besiedelt. Die einzelnen Weiler sprenkeln die Landschaft ohne sie zu verunstalten.

Der Anker fällt in der nur eine Meile entfernten Bucht Mármaka. Auf dem vorgelagerten Inselchen steht eine Kapelle, die, wie sollte es anders sein, dem heiligen Nikolaus gewidmet ist. Wir schwimmen zu der Insel über der zahlreiche Möwen kreisen, die einen infernalischen Lärm veranstalten. Vermutlich fühlen sich die Tiere durch Eindringlinge gestört. Da wir kamikazeähnliche Angriffe im Sturzflug befürchten, bewaffnen wir uns jeder mit einer Taucherflosse und marschieren zu der kleinen Kapelle, die, wie leider so häufig im ionischen Teil Griechenlands, verschlossen ist. Ernsthafte Angriffe auf unser Leben blieben aber, Dank dem Schutz des heiligen Nikolaus aber aus.

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In der Nacht rollt hin und wieder eine seltsame Dünung in die Bucht. Das Meer hebt und senkt sich ohne eine Welle. Nur über der nahegelegenen Untiefe bricht sich das Wasser in sonst spiegelglatter See. Es ist so, dass Joanna noch nicht wirklich darauf vertraut: Aber auch in dieser Nacht hält der Anker.

Marcel, 14. 06. 2010

Einer Sage nach hat Kephalos der Sohn des Götterboten Hermes und Namenspatron der Insel Kefalonia im ionischen Meer unter Obhut des Weingott Dionysos den Weinanbau auf die Insel gebracht. Auf Kefalonia endemisch ist der leichte und fruchtige Weißwein der Rebsorte Robola. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Sorte vor rund 400 Jahre aus Italien eingeführt wurde, wo sie jedoch nicht mehr existiert.

Robola Kephallinias (Ρομπόλα Κεφαλληνίας) ist ein griechischer Weißwein von der Insel Kephalonia, der die rote Banderole der höchsten griechischen Qualitätsstufe OPAP (Onomasia proléfseos anoteras piótitos (griechisch Ονομασία προελευσέως ανωτέρας ποιότητος)) trägt. Der Robola Kephallinias, oder Robola of Kephalonia, wie sein internationaler Markenname lautet, wird sortenrein aus der Robolagekeltert; er zählt zu den besten Weißweinen Griechenlands.

Die besten Lagen für die frühreifende Robola, deren Herkunft und Verwandtschaft noch nicht restlos geklärt sind, finden sich auf steinigem, weitgehend ahumosem Untergrund vor allem an den Hängen des Ainos zwischen 300 und 800 Metern über dem Meer im mittleren und südlichen Teil der Insel. Die Kultivierung auf kargem, von Kalkstein durchsetztem Terrain kommt im venezianischen Vino di sasso(=Steinwein) zum Ausdruck. Die Reben werden meist in Buschform erzogen, in neuerer Zeit wird auch mit niedrigen Drahtrahmensystemen experimentiert. Die Hektarerträge werden durch das OPAP-Statut recht rigoros limitiert, bei den besten Qualitäten liegen sie um die 25 Hektoliter.

Der Robola Kephallinias ist ein frischer, säurebetonter Wein, in dem neben vielfältigen mineralischen Noten Aromen von Limetten und leichte Apfelaromen vorherrschen. Sein Alkoholgehalt liegt bei etwa 12 Volumenprozent; er ist von heller gelbgrünlicher Farbe. Weine aus der Robola sollten jung und gut gekühlt (10–12° C) getrunken werden. Sie kommen häufig in mit Wachs versiegelten und in braunen Jutesäckchen verpackten Bouteilleflaschen in den Handel.

Marcel, 14. 06. 2010

Ein unspektakulärer Name für einen unspektakulären Ort – Poros auf Kefalonia. Eher unfreiwillig, um die Strecke in denn Norden Keffalonias oder nach Ithaka abzukürzen landen wir in diesem halbfertigen Örtchen, der durchaus mehr Potential hätte. In der Mitte des Ortes, der sich hinter einem Strand an den Berghang schmiegt, öffnet sich eine Schlucht, aus der im Winter das Wasser aus den umliegenden Bergen ins Meer strömt. Im Norden des Ortes ein kleiner Hafen, in dem riesige Fähren nach Athen und auf den Peloponnes manövrieren. Doch der Ort selber hat den Charme einer stillgelegten Baustelle. Jedes zweite Hotel ist über das Erdgeschoss nicht hinaus gekommen, daneben Gerippe von gerade begonnenen Baustellen. Von der einst prächtigen venezianischen Architektur der Ionischen Inseln, die bei einem verheerenden Erdbeben in den 1950er Jahren fast vollständig zerstört wurde, hat sich hier niemand etwas abgeschaut.

Wir machen uns auf die Suche nach einer im Reiseführer empfohlenen Taverne (eigener Weinbau, eigenes Gemüse), verwechseln den Namen und sitzen bei einem hektischen, aber freundlichen Franko-Griechen, der uns aus der eh spärlichen Speisekarte aufzählt, was alles nicht aus ist, da die heimreisenden Athener vor Abfahrt der letzten Fähre alles weggegessen hätten.

Immerhin gewinnt Deutschland an diesem Abend das erste WM-Spiel in Südafrika gegen Australien mit 4:0!

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Die Nacht vor Anker beginnt unruhig. Joannas Vertrauen in den Anker an sich und an meine Ankertechnik bedarf noch der Aufbesserung. Der Wind frischt teilweise auf 4bf auf, die Dünung steht auflandig, doch der Anker hält bombenfest! In der Nacht wird es wieder ruhiger, der Wind dreht ablandig und auch Joanna kann wieder an Schlaf denken.

Marcel, 13. 06. 2010

Die Laganas Bucht verlassen wir gegen Mittag. Die schroffen, weißen Kalksteinfelsen der SW-Küste lassen wir an Steuerbord vorbei ziehen. Die Felswände fallen schroff ins Meer, alle paar Meter spicken kleine weiße Strände und dunkle Höhleneingänge die Küstenlinie. Davor türkis schimmerndes Wasser. Oben auf den Felsen dichte grüne Vegetation, die im Küstenverlauf spärlicher wird und in Macchia und Phrygana, dorniges, hartes Gestrüpp, übergeht.

Wind 2 aus NW, natürlich von vorne; sonnig, 28°C, 1013hPa, Welle 0-0,5m.

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Um 1430 erreichen wir den Shipwreck Beach Navagio, der nach einem in den 1970er Jahren gestrandeten Frachter benannt ist. Blauer kann man sich das Wasser kaum vorstellen. Eigerahmt in die für die Westküste typischen steilen Felswände. Auch dieser Strand ist nur mit dem Boot zu erreichen, weshalb sich einige Ausflugsboote aus der Umgebung (und sogar aus Keri begleitete uns eines dieser bis auf den letzten Platz vollgepferchten Schaluppen) in der Bucht tummelten. Wenn die Leute aber erst einmal dort sind, die erste Begeisterung verklungen ist, und alle Fotos gemacht sind, beginnen sie sich schnell zu langweilen, klettern auf dem rostigen Wrack herum, werden aber dann wieder eingesammelt und zurück zu ihren Hotels gebracht. – Für Gruppenfahrten dieser Art konnte ich mich allerdings noch nie begeistern.

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Marcel, 12. 06. 2010

Um 1900 erreichen wir nach 70 Seemeilen die Bucht Ormos Kerios, der westliche Teil des Meeresnationalparks der Laganas Bucht. Die Strände der Bucht sind die wichtigsten Brutplätze der Karettschildkröten im Mittelmeer. Leider halten sich viele Einheimische und um so mehr Touristen nicht an die Vorschriften, die entsprechenden Strände zu schonen. Wir ankern im westlichen Teil der Bucht vor Limni Keriou, innerhalb der Schutzzone C, dem einzigen Bereich, in dem es erlaubt ist zu ankern.

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Mein letzter Tauchgang liegt mehr als zwei Jahre zurück. An meinem Geburtstag im Jahr 2008 war ich in Phuket, Thailand zum letzten Mal unter der Wasserlinie aktiv. Es war jedoch einfacher, als gedacht. Vermutlich verhält es sich beim Tauchen, wie beim Fahrrad fahren. Einmal im Körpergedächtnis gespeichert, werden die Aktionen ohne Probleme abgerufen. Zusammenbau der Ausrüstung, der Schritt ins Wasser, Abtauchen, Maske ausblasen, Tarierung. Perfekt. Beide Tauchspots des Tages bieten jedoch lediglich Landschaftstauchen. Fische gibt es im Mittelmeer anscheinend kaum noch. Die Landschaft ist allerdings spektakulär. Ich setze unsere letzten Schluchtenwanderungen unter Wasser fort: Steil aufragende Wände, übereinandergeworfene Felsbrocken zum Drunterhertauchen und Höhlen in denen sich das Wasser leuchtend blau verfärbt.

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Marcel, 11. 06. 2010

Um 2040 erreichen wir die kleine Insel Sapientza. Natürlich wieder mit Gegenwind. Der Anker fällt in einer Einbuchtung im NW des Inselchens. Zum Abendessen gibt´s mal nichts Mediterranes, sondern eine Koreanische Suppe mit frischem Gemüse. Gegen 2230 kommt ein Schiff auf uns zu. Ein Fischer fragt, wann wir weiter fahren und macht uns darauf aufmerksam, dass er Netze in unserer Nähe auslegen würde.

Um uns herum hört man wiederholt ein hohes Fiepsen und Zirpen. Zuletzt sind wir von Fledermäusen ausgegangen. Das Geräusch ist nur schwer zu orten und macht den Eindruck, als ob es aus dem Wasser käme. Am Himmel ist nichts zu sehen.

Anker auf um 0540. Vorbei an Methoni und Pilos. Die Venezianer, die uns in den nächsten Tagen weiter begleiten werden, bauten auf der Landzunge Methonis eine riesige Festung. Der achteckige Bourzi-Turm, aus der Ferne als Schifffahrtszeichen auszumachen, wurde um 1500 von den Türken gebaut. Die Venezianer nannten ihn Torre di Lampara, was darauf hinweist, dass er schon zu damaligen Zeiten als Leuchtfeuer fungierte. Miguel Cervantes war um 1572 in Methoni unfreiwilliger Gast, als er in der Festung einsaß. Er war hier bei einem Eroberungsversuch Methonis als einfacher Soldat von den Türken inhaftiert worden. Erst im hohen Alter schrieb er Don Quixote und ließ dort seine gesammelten Lebenserfahrungen einfließen.

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Nur wenige Meilen weiter in Richtung NW liegt Pilos in der Bucht von Navarino, die von der langgestreckten Insel Skaktiria zum offenen Meer hin geschützt ist. Am 20.10.1827 fand in der Bucht der eine der wichtigsten und entscheidendsten Schlachten gegen die Ibrahim Pascha und die Türken statt. Die Bucht ist noch heute ein riesiger Schiffsfriedhof.

Marcel, 10. 06. 2010

Im von uns ungeliebten, weil aus Sicht eines auto- bzw. wohnmobilen Reisenden geschriebenen Peloponnes-Handbuch lesen wir, dass die ehemalige Haushälterin Sir Patrick Fermors, den die Einheimischen, sofern es noch solche gibt, die sich als Eingeborene bezeichnen können, Sir Paddy nennen, am kleinen Hafen von Kardanili eine Taverne führt. Diese ist natürlich sämtlich von “Professoren” bevölkert, wie Rod Heikell schreibt, die auf den Spuren Fermors wandern wollen, aber vermutlich zu Fuß noch nie aus Kardamili heraus gekommen sind. Das Essen ist jedoch gut. Der Wein mundet und die angebratenen weißen Bohnen mit Petersilie, Zwiebeln und Zitronensaft bieten eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Greek Salads. Der alten Dame in betuchtem Alter waren die jungen Kellner kontrastreich entgegen gesetzt, perfekt Englisch sprechend, teilweise auch so aussehend, kümmerten sie sich um die Gäste, während sie etwas abseits an einem Runden Tisch sitzend den erhabenen Blick einer Regisseurin über die Szene schweifen ließ.

In der Nacht wieder bleischwere See ohne eine einzige Welle. Von der Terrasse der Taverne beobachten wir unser Ankerlicht in der Dunkelheit. Auch am Morgen weht noch kein Lüftchen. Ohne Frühstück landen wir im kleinen Hafen an und suchen den Wanderweg, der sich zwischen Olivenhainen an der Küste entlang zu einer kleine Kapelle im Miniaturformat schlängelt. Wenige Meter weiter stehen wir zwischen dicht stehenden, knorrigen Olivenbäumen hinter Fermors Haus. In einem Zimmer sind naturkundliche Zeichnungen an den Wänden auszumachen. Pflanzen oder schlangen? Das Anwesen steht erhöht auf einer Klippe und schaut auf den Messinischen Golf hinaus. Zur linken Hand des Feldweges ein Gäste- oder Arbeitshaus. Das gesamte Anwesen scheint belebt. Vielleicht ist der Meister, der Bruce Chatwins Asche in den Bergen oberhalb von Kardamili dem Wind und dem harten maniotischen Boden übergab, zugegen.

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Nach einem Mittagessen in einer Taverne oberhalb des Hafens (selbstverlesene Oliven! von denen wir ein Glas erwerben), besuchen wir zum Abschied von diesem wunderschönen Fleckchen Erde, die vorgelagerte Insel. Auf dieser steht die Ruine einer kleinen Kapelle. Auf dem Hügel zum Meer hin stehen Olivenbäume. Darunter finden wir wilden Fenchel für unser Abendessen!

Anker auf um 1530.