Joanna & Marcel, 22. 04. 2011

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Festungskirche der Hl. Maria Mutter der Barmherzigkeit (sv. Marija od Milosrda) – Mit der Kirche oder mit dem Fjord/Hafen muß man die Ortsbeschreibung anfangen!

„Die Festungskirche der Hl. Maria Mutter der Barmherzigkeit (Sv. Marija od Milosrda) ist das wichtigste Gebäude im Ort. Es ist einzigartig an der Adria, und eine der schönsten Festungskirchen in Kroatien und Europa.“ — Soweit die Werbung auf der Homepage  des Ortes Vrboska. Aber es stimmt, die Wehrkirche ist sehr beeindruckend, auch wenn sie im Inneren an zerstörerischer Feuchtigkeit – die Kirche als Burg hat natürlich keine Fenster – und offenbar Geldmangel leidet. Die barocken Wandaltäre bröckeln von den Wänden und die Gemälde hat man in die benachbarte Kirche Sv. Lovre abtransportiert. (Siehe Beitrag zur Passionsprozession.) Die zinnenbekrönte „Apsis“ erlaubt von ihrem Dach eine die gesamte Umgebung erfassende Aussicht, zumal die Kirche auf einer Anhöhe erbaut wurde.

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Die Wehrkirche wurde 1575 auf Kosten und von den Bewohnern selbst finanziert, und zwar nach einem Raubzug der Türken im Jahre 1571 unter der Führung von Beg Uluc-Alija (darüber gibt es unterschiedliche Aussagen, wahrscheinlich hat man ihm alles in die Schuhe geschoben). Vrboska wie die ganze Insel Hvar wurde beraubt und gebrandschatzt. Türken hin oder her – die Piraten waren wohl doch eher kroatische Landsleute aus Omis, dem berüchtigten Piratenort auf dem Festland (siehe unseren Beitrag dazu).

Vrboska hat noch einige andere Kirchen und größere Kapellen zu bieten. Die Hl. Roco bspw. hat einen netten Skulpturen-Altar aus der Barockzeit.

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Sv. Petrus am Hafen ist die älteste Kirche der Insel. Erbaut im 14. Jh. Die mittelalterliche Petrus-Figur über dem Portal ist in Sv. Love zu besichtigen, am Originalplatz steht eine Kopie.

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Schön ist der Fjord selbst, der den Ort strukturiert: Er windet sich, immer schmaler werdend, durch das Städtchen, bis er schließlich ein schmaler Rinnsal wird. Immer wieder durch kleine gekrümmte Brücken überspannt, teilt und verbindet er gleichzeitig Vrboska. Dort wo wir am liebsten sitzen – in der Konoba Lem – steigt eine winzige Insel aus dem Wasser: eine Palme und ein Denkmal haben darauf Platz, für viel mehr reicht der Platz eigentlich nicht.

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Für die Konoba Lem können wir guten Gewissens Werbung machen.

Wir sind hier zu Ostern reich beschenkt worden: ein Teelicht in Form seines kleinen Bootes (Handarbeit) am Karfreitag und am Ostersonntag dann ein filigranes Körbchen, nach dem ich schon am Freitagabend gefragt habe. Die Chefin (immer in Schwarz gekleidet, rauchend und Rotwein trinkend) erzählte uns, diese Körbchen stellt ein alter Mann aus einem der Dörfer extra nur für die Konoba her. Und wenn man 11 mal als Gast hier war, dann bekommt man ein Körbchen geschenkt… Wir waren bereits vier mal da, also blieben noch sieben…

Heute – Ostersonntag – jedoch kam die Chefin an unseren Tisch und machte mir/uns dieses schöne Geschenk zu Ostern. Wir waren ganz gerührt. Wahrscheinlich weil wir vorher versucht haben, den schwierigen Osterngruß auszusprechen: „Sretan Uskrs“ = „Frohe Ostern“.

Wir brunchten traditionell und farbenfroh in der Konoba, es gab wilden Spargel, Schinken in Scheibchen, salzigen Frischkäse, Lauchzwiebel, Eier und selbstgemachtes Brot, dann selbstgemachtes, unglaublich leckeres Gebäck! Einfach, aber sehr schmackhaft.

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[Das ist nicht mein Körbchen – die Chefin meinte, dieser wäre auch schön, aber sie mag lieber die filigranen, daher hat sie uns den anderen geschenkt.]

Und jetzt noch einmal unserer österlicher Blick auf den Ort (mein Körbchen im Vordergrund!) und einige weitere Impressionen aus dem Ort, der zu meinem Lieblingsort avancierte!

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Am Kastilac ist es sehr heiß – und sehr schön, nur paar Höhenmeter vom Ort entfernt eine sehr mediterrane und einsame Gegend!

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Folgende Fotos sind am Donnerstag- und Freitagabend/Karfreitag gemacht worden – wir gehen also in der Zeit zurück.

Bereits am Donnerstagabend waren wir in der Konoba Lem, die wir schon vom letzten Jahr und unserer Wanderung „Stari-Grad – Vrboska“ her kannten. Dieses Mal gab es ein Teelicht (siehe Foto unten) als Geschenk, wahrscheinlich zur Eröffnung der Saison, und ein Körbchen mit Feigen als Nachtisch dazu.

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Und auf dem Heimweg begegnete uns die zweite Prozession. Diese war besonders feierlich und nicht mit der ersten Kreuzprozession zu vergleichen. Wir ließen uns später über die Unterschiede aufklären (siehe Beitrag zur Osterprozession).

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Und das sind jetzt unsere Marina-Impressionen (ganz unösterlich).

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Joanna & Marcel, 21. 04. 2011

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[Wir haben eine sehr schöne Anlegestelle in der Marina des Ortes Vrboska auf Hvar zugewiesen bekommen. Es ist ein sehr schöner, unaufgeregter Ort mit sehr netter ACI Marina. Das ist eine Seltenheit! Dazu später mehr.]

Angekommen, einklariert und gleicht auf den Weg – den Passionsweg – zur Kirche St. Laurencius bzw. Sv. Lovre gemacht. Diese ca. 20 bis 25 km lange Prozession, die eigentlich an 3 verschiedenen Orten der Insel Hvar begonnen wird, ist mittlerweile auf die UNESCO Liste der IMMATERIELLEN KULTURGÜTER aufgenommen worden. Damit hat die Insel Hvar bereits zwei UNESCO Eintragungen – wenn das nicht rekordverdächtig ist! (Siehe Ager-Felder zwischen Stari Grad und Vrboska. ) Allerdings fragt man sich, ob gerade die List der „Immateriellen Kulturgüter“, die sie auszeichnet, nicht ein wenig inflationär gehandhabt wird, so daß zu befürchten ist, daß diese Liste bald keine Aussagestärke mehr hat (Stichwort: Deutsches Brot… nicht schlecht, aber sollte das nicht eher eine Selbstverständlichkeit sein statt „immaterielles Kulturgut“ der ganzen Welt? Und vom Verschwinden bedroht ist es ja auch nicht.)

Zurück zu der Ostern-Kreuzprozession – Wir starteten also in der Kirche Sv. Lovre, in die übrigens die Gemälde aus der Wehrkirche Sv. Marija übertragen wurden. Dazu zählen vor allem jene Gemälde, die Tizian oder Veronese (mal so mal so – wahrscheinlich ist es aber die Werkstadt von Veronese) zugeschrieben werden.

Die kleine Kirche war innen sehr voll, wir standen mehr auf der Schwelle der Kirche (Foto 2), und konnten nur kurze Blicke zwischen die gedrängten Menschen werfen. Dieser, aber auch die anderen Altäre der besuchten Kirchen, waren sehr aufwendig und kunstvoll mit Blumenschmuck dekoriert.

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[Wehrkirche Sv. Maria am Abend; noch menschenleer.]

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[Erste Prozessionsstation: Die Wehrkirche wird umrundet.]

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[Das mit schwarzem Flor verhüllte Kreuz wird vorgetragen.]

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[Von Unterwegs nach Jelsa, der dritten, großen Station der Prozession.]

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[In Jelsa angekommen. Für uns endete hier die Prozession. Weiter haben wir es an diesem Abend nicht mehr geschafft.]

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So sieht der gesamte Prozessionsweg in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag aus:

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Später, erst am Ostersonntag, als wir also die letzten Tage nur so von einer Veranstaltung in die nächste ahnungslos gestolpert sind, hat uns ein Einheimischer (ein sehr netter Mitarbeiter der Marina vor Ort) über die Hintergründe der Prozession von Vrboska aufgeklärt.

Hier in kürze die Hintergründe:

Die große Prozession in der Nacht von Gründonnerstag ist eine “Volksprozession”. Der Kreuzträger – bei uns ein junger Mann mit modischer schwarzer Hornbrille der 60er Jahre – lädt die Ortsbewohner, Familie und Freunde ein, ihn auf diesen 20 km langen Weg zu begleiten… und sie folgten dieser Einladung. Für den jungen Mann ist es eine große Auszeichnung, das Kreuz vorzutragen. Er trägt so zu sagen stellvertretend das Kreuz für Christus. Und er muß auf jeden Fall Kondition haben, dieses Gewicht (wörtlich wie übertragen) auf dieser Streckenlänge und das auch noch die ganze Nacht zu tragen! Die Eingeladenen leisten ihm ‘Gesellschaft’ und Beistand im auf sich genommenen symbolischen Leid. Die Eltern verabschieden sich vom Sohn vor der Kirche – eine ergreifende Sitte! – und wünschen ihm alles Gute auf dem folgenden “Leidensweg Christi”. An anderen Orten (siehe Karte) machen das andere Kreuzträger und seine “Gäste” genauso. Die Prozessionen dürfen sich nicht begegnen bzw. überholen – das brächte Unglück!

Dies ist also ein volkstümlicher sakraler Ritus, in dem sich ein wenig Aberglaube mischt. Die Ursprünge sind mir nicht klar, vielleicht gab es vor der Christianisierung bereits Umzüge zum Frühlingsanfang.

Wir fanden den Anfang der Prozession sehr schön, im Laufe des Weges Richtung Jelsa gestaltet sich die Prozession immer mehr in Richtung Volksauflauf mit abendlicher Freizeitgestaltung. Es wurde sehr viel gequatscht, getrunken und gegessen (wenn auch kein Alkohol). Unerträglich lachende und quatschende Paare liefen neben uns (wir hatten wahrscheinlich wie immer Pech damit). Da haben wir uns mehrfach gefragt, warum diese Leute nicht besser in der Kneipe blieben… Nun, mit den neuen Informationen des Einheimischen, können wir uns das besser erklären.

Der “Marinero” hat uns für unsere gute Beobachtung gelobt – auch er machte deutlich einen Unterschied zwischen dieser Prozession und der am folgenden Abend/Karfreitag, die er als feierlich und dem Anlaß angemessener fand. Wahrscheinlich ist die volkstümmliche Prozession mit der Zeit etwas aus den Fugen geraten, da die Menschen nicht mehr von sich zu dem sakralen Gegenstand Bezug haben. Auch fehlte, so fand ich, der Respekt – wenn nicht vor dem Ritus und Glauben (einiger Anwesender), so doch vor der Anstrengung des Kreuzträgers, der mir leid tat (so wahrlich ganz alleine in dieser Horde). Andererseits entspricht das wohl eher der ursprünglichen Kreuztragung auf dem Golgataberg.

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Leider stand Marcel an diesem Abend sehr unglücklich hinter der kleinen Kirche, so daß die Fotos aus der dritten Reihe sind. Ich hatte wiederum das Glück, direkt vor der Kirche zu stehen und konnte dem sehr getragenen und von zwei hohen Würdenträgern geleiteten Ritus sehr gut folgen. Unter einem Baldachin wurde die Hostienreliquie getragen, natürlich mit verhüllten Händen, das Kreuz (der gleiche Kreuzträger) war bereits enthüllt und gewissermaßen gedoppelt, denn es gab noch ein zweites, das symmetrisch auf der anderen Seite des Baldachins getragen wurde. Jugendliche beweihräucherten die Reliquie und einer machte auf einem “Raspel-Gerät” von Zeit zu Zeit ziemlichen Lärm (Sinn und Hintergründe davon uns unbekannt).

Die Gruppe, die dieser Prozession folgte, war klein (vor allem nur Frauen), sehr ruhig und sang schöne traurige Lieder. Kinder trugen Lichter und quatschten weniger. Alles in allem eine schöne nächtliche Erscheinung – denn wir haben davon nichts gewußt und sind nur zufällig zur selben Zeit an der Kirche gewesen.

Was am Samstagabend für eine Prozession bzw. Grabwache war und wie sie gestaltet wurde, können wir nicht berichten: Wir waren an diesem Tag wandern. Ein Gewaltmarsch von ca. 20 Km in die Berge und zerschlagen sind wir dann um 23:00 oder später in die Koje gefallen.

Marcel, 10. 03. 2011

Heute fuhren wir mit Marcels Eltern und Andrees von Split nach Supetar auf der Insel Brac. Fahren ist schon der adäquate Ausdruck dafür, denn wir hatten Windstärke 1, das heißt Windstille. Die Sonne schien, es war gefühlt wärmer als in Split selbst, man düste an Deck vor sich hin, nachdem man zunächst etwas für Arbeit sorgte: Das Großsegel setzen, dann den Klüver, die Fock auspacken, um dann wieder alles zusammenzurollen und zu bergen, denn ohne die Hilfe des Motors dümpelten wir nur auf der Stelle.

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Auf unserer gemächlichen Fahrt stand Roland am Ruder und hielt Kurs auf das Örtchen, wo die wenigsten Brac-Besucher bleiben, vielmehr ankommen und abfahren – es ist der größte Fährhafen der Insel.

Circa 1,5 Seemailen vor Supetar sichteten wir einige Meter vor uns entfernt eine fünfköpfige Delphin-Familie! Leider etwas zu weit von uns entfernt, um gute Fotos machen zu können, aber dennoch zu Freude der gesamten Crew. Die Sichtungsdaten müssen noch an die Delphinschutz-Zentrale durchgegeben werden.

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Für Inge, Roland und Andrees war Supetar nichts neues, denn sie haben sich das Örtchen bereits gestern angeschaut, indem sie die Fähre von Split genommen haben. So wußten wir sofort, welche Konoba die ideale für uns ist.

Zu Supetar folgendes aus dem Internet-Führer der Homepage der Insel Brac (mit Originalfehlern):

  • “Neben der Kirche zu bewundern wäre ein frühchristliches Mosaik (6 Jh.) Die heutige Kirche ist auf dem Fundamenten einer frühchristlichen Basilika des hl. Petrus erbaut. Der hl. Petrus ist Patron der Stadt Supetar. Diese Basilika mit ihrem Patron gab den Namen dem Orte.”

Dem ist wenig hinzufügen, außer daß das frühchristliche Mosaik im katastrophalen Zustand ist und es wahrscheinlich nicht mehr so lange zu sehen sein wird. Denn es ist weder restauriert noch versiegelt. Jeder geht direkt darüber und parkt sein Fahrrad darauf.

  • “Über die Bucht von Supetar auf dem Friedhof dominiert einer Zypresse ähnelndes weisses Mausoleum mit seinen byzantinisch- orientalischen Elementen. Das Mausoleum gehört der Familie Petrinovic und ist ein Werk von Toma Rosandic ( 1878-1957) Auf dem Friedhof neben dem Kirchlein befinden sich zwei altchristliche Sarkophage.
    Unterhalb des Friedhofes sind noch die Reste einer villae rusticae zu sehen. Der gröste Teil der Grabdenkmäler auf dem Friedhof tragen Handschrift von Ivan Rendic (1849-1932): das Relief “Pieta“ ( Grabstätte der Familie Franasovic, das Grab Rinalda Culica, sowie die Gruft der Familie Rendic. Seine Jugendzeit sowie die letzten 11 Jahre des Lebens verbrachte Rendic in Supetar. Er studierte in Trieste, Wenedig und Firenca. Er zählt zu den bedeutesten Künstler Kroatiens im 19. Jh. Sein 208 Werke findet man in 51 Städte. Einige kann man sehen in der Galerie „ Ivan Rendic“ in der Stadtbibliothek im ersten Stock. Vor der Galerie (hinter dem Lebensmittegeschäft an der Hauptpromenade) steht Rendics Statue „ Denkerin“.”

Das Mausoleum ist wirklich sehenswert. Warum es einer Zypresse ähneln soll, ist mir nicht klar. Von innen war es nicht einsehbar, aber die Reliefs außen, eine Mischung aus “ägyptischen” und “syrischen” Stil, sowie die “mittelalterlichen” Speier, die als Kapitele gesetzte trauernd-nachdenkliche Putten, sowie überhaupt der Ort des Mausoleums (wie der sehr stimmungsvolle Friedhof überhaupt) sind auf ihre Weise beeindruckend. Man erkennt deutlich, daß der Künstler einen thematischen Plan verfolgte, der sich um den Tod und das Sterben einerseits und die Vision des Jüngsten Gerichts andererseits dreht. Der strafende oder auch nur kraftvoll-bestimmende Gottvater befiehlt eine Schar sehr resoluter Engeln, die das Hauptportal im Relief schmücken. Über dem gesamten Gebäude, auf der Spitze der Kuppel, hockt oder kniet ein gewaltiger Engel aus Bronze (?) – eine Mischung aus Todesengel und Rodons Denker.

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  • “Auf dem Hauptplatz steht die Kirche des hl. Martin aus dem 18. Jh. zur Zeit Ausstellungsplatz. Oberhalb von Supetar steht eine von 19 guterhaltenen frühromanischen Kirchen auf der Insel Brac. Die Kirche ist dem hl. Lukas geweiht. Bekant durch eine Zeichnung des Schiffes ( die erste bekannte in Dalmatien) an der Mauer im Innen der Kirche. Rund um Supetar sowie überall auf der Insel Brac sieht man kleine aus Steinen rundgebauten Häusern mit dem runden Dach, von den Einheimischen Bunje gennant. Diese Häuser dienen heute den Feldarbeiter als Schutz, in der Vorgeschichte als Wohnraum. Bauten änlicher Art findet man sehr oft im Mittelmeerraum unter Namen tholos, nuragho, cabana, barraca, caslla, trullo und noch bei uns in Istrien Kažuni.”


Dieser letzte Absatz hier der vollständigkeitshalber zitiert, denn gesehen haben wir weder die St. Martin Kirche noch die frühromanische mit der ersten überlieferten Zeichnung eines Schiffes, was ich sehr bedauere. Allerdings sind uns auf unserer früheren Wanderung von Milna aus (siehe dort) und insbesondere von Stari Grad auf Hvar sehr wohl die Rundbauten aus aufeinandergeschichteten Feldsteinen aufgefallen. Jetzt wissen wir, daß sie bunje heißen und tatsächlich mit ihren italienischen und griechischen Verwandten, den thalos, nuraghos und trulli so zu sagen alles gemeinsam haben.

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Joanna & Marcel, 07. 03. 2011

Um es gleich vorweg zu sagen: Wir haben den Sv. Jure in dem Biokovo-Nationalpark (oberhalb der Makarska Riviera) mit seinen knappen 1800 m – er ist der dritthöchste Berg Kroatiens – nicht geschafft. Und noch genauer: Wir haben es nicht einmal mit dem Auto zu unserem hochgelegenen Ausgangspunkt für die Wanderung geschafft!

Woran lag es? An der Bora und der sibirischen Kälte in diesem heulenden Wind. Aufgebrochen sind wir von der Makarska Riviera, als auch dort schon der Wind über das Wasser pfiff und Chulugi in der Marina in Split bereits die ganze Nacht an den Festmachern riß.

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[Fotos geben solche bedrohlichen Natureindrücken, gerade die auf dem Wasser, nie, nicht mal annähernd realistisch wieder.]

Es waren 7, in Böen 8 Windstärken als wir uns nach oben mit dem Auto vorgearbeitet haben, um diese kleine Wanderung zu machen. Laut Wanderführer nur mäßig ansträngend, weil von einem schon hoch gelegenen Wanderparkplatz ausgehend. Was der Wanderführer jedoch vergaß zu erwähnen, war die Tatsache, daß der Weg bis zu diesem Ausgangspunkt alles andere als einfach war. Nun, wenigstens der Fahrer sollte mindestens schwindelfrei und nervenstark sein. Wir waren beide der Meinung, daß wir diese Autostrecke – bin mir fast sicher, daß dies ursprünglich ein Esels- und Karrenweg war – nicht im Sommer mit touristischen Gegenverkehr, genervten Kroaten und anderen Genossen, die es eilig haben, machen wollen.

Oben auf dem ersten Sattel angekommen, wurde die Straße immer schmaler und der vereiste Schnee immer näher. Irgendwann hatte Marcels Angst vor … schlimmen Glatteis, Sturmböen, ausgehungerten Bären u.ä., das heißt vor einem kaputten Motor und keinem Handyempfang, überhand genommen und wir parkten irgendwo an einem Wanderpicknickplatz. Von dort aus waren es (angeblich) nur 4 km bis zu unserem ursprünglichen Ausgangspunkt … auch diese paar Kilometer haben wir nicht bewältigen können … Es war ein Vorgeschmack auf Patagonien :-)

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[All die sehr netten Hütten hatten geschlossen. Trotzdem hatte ich immer wieder gehofft, daß etwas auf hat.]

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[Dieser Wegweiser hat unsere Aufmerksamkeit gefesselt: In 20 Min. zum Abflugsstandort der Paragleiter! Nichts wie hin.]

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[Der Weg was sehr vereist, was das Gehen aber erleichterte, weil man auf der “Schneedecke” laufen konnte. Schon nach wenigen Metern pfiff die Bora so heftig von den Hängen herunter, daß ich nicht gegen ankam bzw. mit dem Wind fortgetragen worden wäre, hätte ich mich nicht beinahe auf dem Boden gelegt. Wir mußten also umkehren.]

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[Der Kampf mit dem Wind, der mich gerade niederwerfen will.]

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[Gedrückt in eine etwas windstillere Ecke auf einem kleinen Felsvorsprung oberhalb der Straße: unserer Picknick.]

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[Und immer wieder sahen wir kleine oder größere Ruinen aus Naturstein. Sie hoben sich nur bei genauerem Hinsehen von der Landschaft ab. Höfe oder sogar kleine Weiler, die aufgegeben worden sind. Im Winter – ehemals sicherlich nicht nur im Winter – ist die Einsamkeit hier garantiert.]

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[Wir entdeckten bei der Fahrt herunter einen als “Geologischer Pfad” ausgewiesenen Wanderweg, den wir sofort in Angriff genommen haben. Schließlich wollten wir auf jeden Fall uns in dieser Gegend etwas bewegen, allerdings hatten wir keine Wanderkarte… nur die Beschreibung der nicht zu schaffenden Sv. Jura-Besteigung…]

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[Am Ziel angekommen, waren es ungefähr diese Formationen, die offenbar als etwas Besonderes betrachtet werden sollten. Diese Gegend war fraglos sehr interessant (und viel wärmer in der Sonne als da oben), auch wenn auf den ersten unkundigen Blick unscheinbar. Sie erinnerte mich sofort an die Winnetou-Filme, die, wenn ich mich nicht irre, zum Teil im Biokovo-Gebirge gedreht worden sind. Eingebettet zwischen den einzelnen Berghügeln und Karstlandschaft lagen diese Senken canyonartig eingesenkt und von kleinen Felsbrocken aus Kalkstein (?) eingefaßt. Überall wuchsen Zwergeichen (?) und man konnte überall deutliche Spuren von Pferden entdecken: nicht nur Pferdeäpfel, sondern auch aufgescharrte Erde und ausgebuddelte frische Blumenzwiebel. Wären da nicht die deutliche Extremente und hätten wir nicht einige Stunden vorher Pferde mit dicken Winterfell gesehen, hätte ich auf Wildschweine getippt. Aber wir haben wohl (ausgewilderte) Wildpferde gesehen! Danach erinnerte ich mich undeutlich, bereits davon gelesen zu haben. Zumindest gab es früher in diesen Bergen kleine Wildpferde.]

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[Hier ein Blick in so einen baumbewachsenen Mini-Canyon. Man kann sich gut vorstellen, daß dort Pferde ihr Schlaflager aufschlagen, oder sich vor Wind und Wetter schützen. Und vor allem, daß dort Filmszenen gedreht wurden, bspw. wie man wilde Pferde zusammentreibt, oder auch Mitmenschen Fallen stellt. Tatsächlich fand ich in einem solchen Senke auch große, blankgeputzte Knochen. Einige der Canyons waren auch mit kleinen Mäuerchen erhöht, so daß sie wie Tiereinfriedungen aussahen.]

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[Ein Suchbild: Finde das Haus.]

DSC_5233 [Auf dieser Zwischenhöhe (zwischen ganz hoch und hoch) konnte man auf einem windgeschützten Hang sich in das trockene Gras fallen lassen und etwas sonnen. Hier der Blick auf die Landschaft aus der Liegeperspektive.]DSC_5235 DSC_5240 DSC_5243 [Auf zu Sv. Jure. Dieses Kirchlein stand wohl (ich hoffe, daß es auch tatsächlich dieses ist) ursprünglich auf dem gleichnamigen Berg. Sie mußte aber dem häßlichen Funkmast weichen und wurde dann hierhin versetzt (immerhin). Das Kirchlein konnte ich nicht besichtigen, denn weiter als bis zum halben Wege mit schönem Blick darauf, war für mich nicht möglich. Dort blies der Wind wieder so stark, daß ich mich hinsetzen mußte, um nicht weggeweht zu werden.]

DSC_5246 DSC_5263 [Wieder zurück in Makarska. Die Straßen wirkten wie ausgestorben, der Wind heulte und fegte jede Gasse entlang. Das schön in der Abendsonne glitzernde Meer wurde von der Bora “glattgestrichen”.]DSC_5258 DSC_5257

Joanna, 21. 02. 2011

Dieses Mal keine gute Nachricht:

„Neuseeland: 107 gestrandete Grindwale verendet“

Der Artikel ist auf SP-Online einzusehen: Artikel-Grindwale.

Warum? Die immer wieder gleiche Frage. Die Antworten drehen sich schon lange um ein Stichwort: „Sonarwellen“. Doch da diese für die Großschiffahrt – und dazu gehören auch die Kreuzfahrtschiffe wie „Aida“ ! – und kommerzieller Nutzung angeblich unentbehrlich geworden sind, wird keiner daran was ändern.

Im Artikel heißt es:

„Die Sonartechnik, die mittels Schallwellen zur Ortung und Vermessung unter Wasser genutzt wird, kann Walen gefährlich werden – das gilt inzwischen als wissenschaftlich erwiesen. Der Schalldruck schädigt das Gehirn und den Kreislauf der Meeressäuger und kann sie sogar töten.

Eine andere Theorie besagt, dass der Klimawandel die Ozeane lauter werden lässt – und die Wale damit vermehrt an die Strände treibt: Der zunehmende Kohlendioxidgehalt der Luft wirkt sich auf die Meere aus – das Wasser wird saurer. Wasser mit einem niedrigeren pH-Wert transportiert Geräusche besser.

Das Ausmaß der Veränderung ist Forschern der University of Hawaii zufolge beträchtlich: Bis zum Jahr 2100 werde die Schalldämpfung von tiefen Tönen in bestimmten Regionen der Ozeane um bis zu 60 Prozent sinken. Das führe dazu, dass Geräusche von Meeresbewohnern, Schiffen, Regen und Wellen unter Wasser besser transportiert würden, erklärten die Forscher. Wale könnten häufiger die Orientierung verlieren.“

Joanna, 21. 02. 2011

„Gejagte Riesen“

„Der Walfang ist heute eine industrielle Angelegenheit. Die Tiere werden mit modernen Echolot- und Radargeräten aufgespürt und schon auf hoher See vollständig verarbeitet. Zum Schutz der Wale trat 1986 ein Fangverbot in Kraft, blieb aber weitgehend wirkungslos. Ist ein Kompromiss zwischen Walfängern und Tierschützern denkbar?“ (SP-Online)

Für interessierte hier ein paar aktuelle Links zum Walfang, gesammelt auf der SP-Online Seite:

Alle Artikel, Hintergründe und Fakten – wie die Redaktion von SP-Online sich ausdrückt.

Übrigens auch als ASS-Link zu haben, so bleibt man immer aktuell informiert.

Und für die Anhänger der Statistik hier ein paar Zahlen:

Joanna, 21. 02. 2011

Es hat sich schon herumgesprochen: Wir machen nicht nur taubmachenden Lärm auf der Erdoberfläche, sondern auch im Meer. Die Stadtvögel singen lauter, damit sie von ihren Balzpartner überhaupt gehört werden – das mag ja noch angehen und wir mit unserem überlasteten Gehör haben auch noch was davon. Aber die Tiere im Meer, vor allem Säugetiere, brauchen die Geräusche bzw. die Stille, um sich Unterwasser zu orientieren und zu finden.

„Wale schreien gegen menschlichen Lärm an“

so betitelt SP-Online ihr Artikel. Sie „schreien“ nicht nur gegen an, sondern sterben auch daran.

Wenn man durch die Adria segelt, wo sich vor allem in der Saison alle paar Minuten die großen und kleinen Fähren kreuzen, wo die Jedskis mittlerweile zu dem normalen ‚Badespaß‘ gehören… so kann ich mich noch wundern, wie die Delphine es dort aushalten. Aber auch Tauchen mit Sauerstoffmasken verursacht wohl ziemlichen Lärm, habe ich mir sagen lassen. So sind einige Regionen in Neuseeland für solche Taucher gesperrt – ich denke, dann muß was dran sein, denn auch die Neuseeländer wollen am Tourismus verdienen.

Vielleicht könnten wir doch etwas leiser werden?

Joanna, 18. 02. 2011

Aktuelle Nachricht von heute gibt wieder Hoffnung. Nicht so sehr, daß irgendein Industrieland und im speziellen Japan einsieht, daß Naturschutz einer der eminenten Ziele für den Erhalt unser Lebensqualität ist.

Die Hoffnung liegt darin begründet, daß wir uns vielleicht wieder auf die Macht der Gruppe und den Einfluß jeden einzelnen von uns besinnen. Die Aktion der „Sea Shepherd“  zeigt, daß es geht. Man muß dabei natürlich nicht nur den eigenen faulen Hund überwinden, sondern überhaupt anderen Blick auf uns und unsere Umgebung entwickeln. Und das heißt, das „Ich“ neu überdenken. Lesenswert – allerdings nicht jedermanns Sache, da ein waschechter Philosoph ohne Neigung zu Esoterik – Peter Sloterdijk: „Du muß dein Leben ändern“. Das ist nur am Rande angemerkt.

„Japan bricht Walfangsaison vorzeitig ab“

Hier ein Auszug:

„Die Tierschützer haben ihren Kampf um die Wale vorerst gewonnen: Am Freitag (18.02.2011) teilte der japanische Fischereiminister Michihiko Kano mit, dass die Walfangmission in der Antarktis abgebrochen und die Schiffe zurückgerufen würden. Dieser Schritt sei nötig gewesen, um „die Sicherheit der Besatzung angesichts der anhaltenden Belästigung durch die Tierschutzgruppe Sea Shepherd gewährleisten zu können“.

Seit Monaten war das Fabrikschiff „Nisshin Maru“ immer wieder von der US-Aktivistengruppe bedrängt worden. Bereits vor gut einer Woche  – am 10. Februar – hatte Japan aus diesem Grund den Walfang vorübergehend gestoppt. Normalerweise dauert die im Dezember beginnende Walfangsaison bis Mitte März an. Wie üblich sollten in diesem Zeitraum knapp 1000 Tiere erlegt werden – dieses Ziel habe man aber bei weitem nicht erreicht, meldete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press.“

Wer sind „Sea Shepherd„?

Eine weltweit agierende Tierschutzorganisation.

Hier gibt es ein paar Videos zu und von den Aktivisten.

Eigentlich – müßte man denken – sind solche oder ähnliche Organisationen ein Muß für jeden Segler, der die Meere nicht nur als eine weitere Autobahn der Fortbewegung ansieht und dementsprechend mit ‚tot gefahrenen‘ Tieren den Meeresrändern vorlieb nehmen möchte.

Die Homepage der Organisation gibt es auch auf deutsch: http://de.seashepherd.org/

Wer ist der Captain der Organisation?
Paul Watson – SP Redaktion nennt ihn „007 der Meere“

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So sieht der „007 der Meere“ nicht mehr aus, aber: „Captain Paul Watson ist der wohl aggressivste, entschlossenste, aktivste und effektivste Verteidiger der Wildnis.“ – Farley Mowat (Wer Farley Mowat ist, kann man selbst recherchieren.)

Paul Watson ist u.a. auch der Mitbegründer von Greenpeace (wo es wohl anders gesehen wird, aber das ist ein anderes Thema). Seine Aktionen waren durchaus spektakulär und revolutionierten in dieser Hinsicht auch die Berichterstattung über Naturschutz und Umwelt, die diese Problematik gar nicht in den Blick bekommen hat. Daß es damals wie heute nicht ohne Gewalt und Medien – auf beiden Kontrahentenseiten – nicht ging, versteht sich von selbst.

Die spektakulären und weniger spektakulären aber nicht minder wichtigen Aktionen in einer kurzen bebilderten Übersicht unter:

Timeline und Kurze Geschichte Paul Watsons (auf deutsch). Übrigens wurde auch vor unserer europäischen Haustür gefegt, denn die Aktivisten nahmen sich auch unserer Nachbarn, der Dänen, und ihrem Abchlachten der Zwergwale als Folksgaudi an. Wir kennen das schon zu Genüge: Gemäntelt wird das als kulturelle Veranstaltung mit langer Tradition… Da kann man nur erwidern, daß nicht jede Tradition an sich wert ist, erhalten zu werden. Und nicht alles, was man früher gemacht hat, ist zwangsläufig eine „Tradition“. Die Dänen haben doch hoffentlich noch anderes, worauf ihre Kultur aufbaut und erhalten wird! Zum Beispiel sehr gute Regisseure. :)

Man kann übrigens auch mitmachen – zu Wasser oder zu See gleichermaßen:

Mitmachen-Link


Joanna, 06. 02. 2011

Unsere geplante Route Milna – Sveti Martin – Bobovišća – Ložišće – Most „Franje Josipa“ – Sutivan (und mit dem Bus zurück nach Milna). Die tatsächliche Route wurde dann doch etwas anders…

Wie immer brauchen wir gefühlte 2 Stunden, um den richtigen Wanderweg aus dem Ort herauszufinden. Dieses Mal ist es tatsächlich nicht einfach, weil unsere Wanderkarten es mit der Realität nicht so genau nehmen. Nach mehreren Fehlschlägen und beginnender schlechter Laune (bei mir, weil ich das nie so gut ertragen kann, wenn das Vorhaben nicht klappt – „unflexibel“ nennt man es) finden wir einen Weg, der sich tatsächlich als der richtige entpuppt. Was allerdings uns selbst am meisten überrascht.

Obwohl diese Fotos trügerisch sind: das Land ist sogar recht saftig-grün, nur haben wir jetzt noch „Winter“ und außerdem muß es hier einige Waldbrände gegeben haben. Die verdorrt-verkohlten Bäume sind überall zu sehen. Meistens sind diese Brände mit Absicht (welcher auch immer) gelegt…

Das Etappenziel heißt „Sveti Martin“ und soll eine vorromanische Kirche sein. Da hat sich wohl jemand verschrieben, denke ich mir. Vielleicht war „romantisch“ gemeint. Oder aber dieses Kirchlein ist nicht das gemeinte Sv. Martin, was auch sein kann, denn wie schon geschrieben, man weiß nicht so genau, wo man sich in der geographischen Landschaft befindet. Jedenfalls ist diese Kapelle höchstens frühmittelalterlich, und auch das würde ich nur aus Kulanz sagen.  Was aber ihre Schönheit in keinster Weise mindert! Ruhe und Würde strahlt dieser Ort aus.

Draußen hinter der Absis ist ein großes „M“ in einen Baumstumpf geschlagen worden, was ich als einen Hinweis auf den Kirchpatronen Martin deute. Und auch das Steinrelief (Sandstein?) im Kirchinneren als Altarretabel platziert, zeigt eine Szene, die ich als die typische Aktion des Ritters Martin ansehe: Einer sitzt zu Pferde und nestelt mit einem großen Schwert an seinem Umhang, ein anderer steht neben dem Pferd und greift nach dem Mantelzipfel. Hier ist die Szene noch um eine Muttergottes mit Christuskind (linkes Bildfeld) erweitert. Es überrascht auch, daß der Almosenempfänger einen Heiligenschein trägt… Vielleicht ein Mißverständnis, wobei Künstler samt Auftraggeber nicht wußten, daß der Bettler ein nackter Mann war, der im Winter vor den Toren der Stadt Amiens um etwas Mitleid und Kleidung bettelte? Meines Wissens ist der Bettler nicht heiliggesprochen worden. Eine Kopfbedeckung, die einen Heiligenschein ähnlich aussähe, ist zwar möglich, aber ein Bettler mit einer solchen aufwendigen Haube?  Vielleicht ein Heiliger als „Assistenzfigur“? Streng genommen könnte es auch ‚verkleideter‘ Christus sein, denn dieser ist Martin in seinem Traum erschienen als eben jener Bettler ‚verkleidet‘. Diese Deutung würde aber das absolute Gegenteil von einem unkündigen Künstler erforderlich machen.



Und so sieht jemand ohne Kondition aus…


Marcel hat schon unseres Wanderpicknick vorbereitet. Ich schleppe mich gerade hoch, habe aber bereits wieder den Blick für die Ästhetik (und Muße für Fotos) frei.

Ach ja, der „kleine Glockenturm“ (wie es bei Lore Marr-Bieger in „Kroatische Inseln“ im M.Müller Verlag heißt) soll aus dem 14. Jh. stammen. Hmm… mir ist es schleierhaft, wie man darauf kommt. Auch hier von einem „Turm“ zu sprechen ist schon verwirrend genug. Wahrscheinlich ist die Kirche ursprünglich aus dem 15. bis 16. Jh., wobei sie gut und gerne auf viel älteren Fundamenten stehen kann. Das Altarretabel ist wahrscheinlich auf Mitte/Ende des 16. Jh.s zu datieren. Und noch eine Ungereimtheit: Angeblich sollte dieses Kirchlein im 17. Jh. eine Pfarrkirche für zwei Orte – Milna und Bobovišća – werden. Ein kurzer Blick in den winzigen Innenraum führt diese Idee ad absurdum. Auch wenn man sie ausgebaut hätte: Der sonntägliche Weg zu dieser Kirche für beide Gemeinden wäre eine ordentliche Anstrengung in praller Sonne. All das sind Gründe, die eher dafür sprechen, daß man „die Kirche im Dorf“ lassen sollte.

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DSC_4903 DSC_4977 Ein kleiner Esel hinter Bobovišća, seine „Eltern“ waren sehr ruppig und traurig an der Straße an kurzen Stricken angebunden – so als ob es sonst Mangel an besserem Weideland gäbe.

Wir nähern uns dem Weiler Bobovišća. Der Namen hat mit dicken Bohnen zu tun, denn bob heißen auf Kroatisch eben jene Hülsenfrüchte. Also ein „Bohnenort“. Eigentlich entstand der Ort aber aus einer Ansiedlung der Schäfer und Hirten, die ihre Tiere vom Landesinneren an die Küsten zum Weideland trieben und hier Wasserstellen entdeckten und sich dann gleich ansiedelten, denn Trinkwasser ist auf Brač rar! Kaum natürliche Quellen – ich glaube, es ist sogar nur eine! Heutzutage wird der enorme (touristische) Wasserverbrauch durch das Wasser vom Festland geregelt. Man muß sich das also so vorstellen: Hirten kommen mit ihren Tieren an und zwar so im 16. Jh. (also ähnliche Entstehungszeit wie Milna). Sehen das es hier Wasser gibt, tränken und mästen die Tiere, schlachten sie und weil sie keine Tiere mehr haben, bauen sie Bohnen an, da das Wasser dafür auch vorhanden ist und die Arbeit mit ihnen einfacher als mit den Tieren. Dicke Bohnen werden ein echter Verkaufsschlager, der die Bewohner der Ortes immens reich macht! So oder so ähnlich wird sich das dann um 1900 abgespielt haben. Man kann sich das gar nicht anders denken, denn der Ort zeugt tatsächlich von einem gewissen Wohlstand. Dieser ist im frühen 20. Jh. gekommen, Seinen Bewohnern scheint er jedenfalls nicht mehr ausgereicht zu haben: Sie haben zwei weitere Ableger davon gegründet – Bobovišća na Moru („Bohnenort am Meer“) und Lozišća (dazu kommen wir noch).

Sv. Juraj ist eine schön gelegene Kirche, die klassizistisch anmutet. Erbaut am Anfang des 20. Jh.s auf den Fundamenten einer 1696 erbauten Kirche. Im Hintergrund sieht man ein herrschaftliches Haus mit einer sehr schönen doppelläufigen Treppe. Leider alles verlassen und verfallen.

Exkurs:
Bobovišća na Moru (am Meer) haben wir nicht besucht – war uns zu anstrengend. Dabei hat der Ort historisch schon was zu bieten: griechische wie römische archäologische Funde zeugen von einer frühen Besiedlung. Und der berühmte kroatische Dichter Vladimir Nazor, dessen Heimat die Insel Brač ist, ist nach dem Zweiten Weltkrieg in sein Heimatort Bobovišća na Moru zurückgekehrt, hat sich dort ein Schlößchen gebaut und dort Inspirationen für seine schönsten Werke (wahrscheinlich) gefunden.

DSC_4979 Einen Hügel weiter liegt vor uns und von der Abendsonne beschienen die nächste Etappe unserer Wanderung: Der Weiler Lozišća, eine Siedlung der Bobovišća Gemeinde, die offenbar ihre eigene prächtige Kirche bauen wollte. Der Ort ist angeblich eine Gründung des 17. Jh.s – ich sage angeblich, denn sollte es sich hierbei tatsächlich um einen Ableger der Bobovišća Bewohner handeln, dann können die Orte nicht zeitgleich von Hirten etc. gebaut worden sein. Die Bobovišćaer können sich erweitert haben in Zeiten des Wohlstands, also eher im 19. Jh. Oder aber diese Orte sind parallel entstanden, dann aber eben unabhängig von einander. (Die Informationen zu dieser Gegend sind widersprüchlich oder zumindest ungenau, wahrscheinlich liegt es daran, daß die Autoren wiedermal angefangen haben, voneinander abzuschreiben, statt es selbst zu recherchieren.)

Der Ort ist sehr pittoresk – zumal wie jetzt im Winter (keine Autos) und in der Abendsonne – mit seiner großen Kirche und dem dominanten Kirchturm, den am Hang klebenden Steinhäusern und schmalen Gärten und der tiefen Schlucht, in der Gemüse und Obstbäume gedeihen. Die Kirche war natürlich geschlossen, aber der Platz davor sehr schön. Die Kirche, den Sveti Ivan und Pavl geweiht, ist 1820 im neoromanischen Stil (als Baukörper) gebaut worden, aber mit dezenten Ornamenten aus Neorenaissance und Neorokoko geschmückt. Den auffälligen Kirchturm baute (oder entwarf) der berühmte kroatische Bildhauer Ivan Rendić (s. auch Milna) in der zweiten Hälfte des 19.Jh.s.

So hübsch beide Orte auch sind – ein Manko haben sie beide, wofür sie aber kaum verantwortlich zu machen sind:
Beide sind durch eine ehemals wahrscheinlich ruhige Dorfstraße miteinander verbunden, was sicher früher sehr nützlich war, die jetzt in Zeiten der Autolavinen eine unglaubliche Belastung für alle darstellt. Ich war schon mal hier im Sommer (an dieser Stelle Grüße an Martina und Nils und Sirka) 2007 (oder…) und zwar leider mit dem Auto. Es war fürchterlich! Laut, stinkig, Auto an Auto, dazwischen versuchten einige Menschen „spazieren zu gehen“… Jetzt sollte es auch nicht wundern, daß die Menschen diese Orte, so schön sie auch gelegen und gebaut sind, verlassen. Vielleicht sollten die Buchautoren neben der Konstatierung, daß die Orte verlassen sind, auch den Zusammenhang erwähnen. Hier wird nämlich der Tourismus keinen Wohlstand bringen, sondern nur ‚durchfließen‘.

Ein paar Sträßchen (alle nicht für Autos entworfen) weiter öffnete sich uns die Kulturlandschaft in milder Abendsonne. Wir hatten uns also zu beeilen…

DSC_5008 DSC_5000 Durch Olivenhaine , vorbei an einigen netten oder auch skurrilen Behausungen ging es dann weiter unserem nächsten Etappenziel entgegen: Der Brücke (=Most) „Franje Josip“. Wir fanden sie problemlos und auch eine kleine Gruppe Wanderer (?) hat sich dort eingefunden plus einen Schäfer (?), der etwas murmelte und schnellen Schrittes davon eilte. Es war also enorm viel los, dafür daß wir auf dieser ganzen Strecke nur einzelne Personen und diese auch nur in den Orten getroffen haben.

Zu der Brücke ist erstaunlich wenig im Internet zu finden. Außer daß sie nach dem österreichischen Kaiser Franz Josef benannt wurde, weiß ich nicht zu berichten. Dafür ist sie wirklich sehr schön, was das Foto schon alleine daher nicht wiederzugeben vermag, weil die Landschaft, die diese Brücke überspannt, wesentlich zu dem Eindruck dazu gehört! Nachdem wir uns (wieder einmal) gestärkt haben, denn man soll immer an schönen Orten genußvoll verweilen, wollten wir unseres Endziel, den Ort Sutivan, ansteuern. Was wir auch taten… nur leider endete unserer Weg nach einer Stunde anstrengendem Sich-durch-den-Busch-Schlagen in einer Sackgasse! Maulend mußten wir einsehen, daß wir nicht die Zeit haben, um noch weiter zu experimentieren. Das hieß aber auch: Den ganzen Weg zurück nach Bobovišća, wo Marcel wohlweislich nach einem Busfahrplan geschaut hat und uns den letzten Bus für die Rückfahrt ausgesucht hat.

DSC_5022 Die Orte dann in der Dämmerung auf dem ungeplanten Rückweg. Ich vergaß zu erwähnen, daß wir die anstrengende letzte Strecke durch die Felder in Rekordzeit zurückgelegt haben! (Laut „Rother-Zeiten“ wäre es aber auch nur „normal“.)

DSC_5039 Wir warteten über zwei (2!) Stunden auf dem angeblich letzten Bus. Bis wir dann doch eine ältere Dame, die mit ihrer Katze auf dem Nachhausewege war, erst auf Englisch dann in einem gebrochenen Kroatisch (eigentlich „kroatisiertem“ Polnisch) nach eben diesem Bus fragten. Wir erfuhren soviel: Der Bus fährt nicht mehr. Dann wurden wir sehr wortreich bedauert und die gute Dame überlegte, wen sie fragen könnte, damit er uns in den nächsten Ort fährt. Sie habe ja kein Auto, sonst hätte sie uns hingebracht! Die Katze schnurrte und rieb sich um unsere Beine. So viel Nettigkeit! Die Katze & Dame wohnten übrigens direkt an der Kurve der viel befahrenen Straße. An dieser Stelle ein Nachtrag zu Lore Marr-Bieger (in „Kroatische Inseln“, S. 377), die über die Bewohne von B. schreibt: „Heute leben hier nur ein paar alte Leute, die Klöppelarbeiten aus dem 18. Jh. aufbewahren.“ Erst einmal: Diese Leute haben sicherlich mehr zu bieten, als ’nur‘ das. Und zweitens: Mist! Wir habe es versäumt, uns wenigstens die Klöppelarbeiten zeigen zu lassen! Aber wie wir wohl das Wort auf Polnisch oder gar Kroatisch heißen?! Irgendwann konnten wir uns von der ‚Klöppeldame‘ loseisen und stapften den Weg zurück diesmal auf der Straße, die wir von Zeit zu Zeit mit Handydisplay und einer Funzel von Taschenlampe beleuchteten. Denn auf diesen Inseln (im Winter) ist Finsternis noch finster. Wir haben diesen Weg wiedermal in Rekordzeit geschafft.