Joanna, 03. 09. 2011

Auf dem Weg in die Kornati:

Erste Station ist die Insel Žirje, die noch nicht zu den Kornati dazugehört, aber sich für den Weg dorthin geradezu für einen Zwischenstop anbietet.

Wir sind heute den ganzen Tag gefahren – mit dem besagten Einkauf von Karten für den Naturschutzpark in der Marina Kremik (jetzt haben wir kaum Bargeld und das heißt, daß wir wahrscheinlich auf den Kornati kaum irgendwo essen gehen können, denn die Konobas werden wohl kaum Mastercard annehmen). Viel los auf dem Wasser, fast wie in Holland, doch die Landschaft der Dalmatischen Inselwelt ist etwas anders als im Norden – und sie kann mich immer noch begeistern, auch wenn andere vielleicht die felsige Insellandschaft für etwas eintönig halten könnten.

DSC_8310[Ein Suchbild]

DSC_8314 DSC_8316[Und hier die Auflösung: Ein Dominikanerkloster Sv. Križ (was Kreuz bedeutet) auf der Insel Čiovo; ein gotisches Ensemble aus dem 15. Jh. Ist im Besitz eines berühmten Kreuzes aus Olivenholz aus der gleichen Zeit. Wird heute von einem Mönch bewohnt und kann besichtig werden, heißt es.]

DSC_8325DSC_8327DSC_8329DSC_8331 [Seit Albanien die ersten Bunker an der Küste.]

Am Abend steuern wir die Bucht Vela Stupica auf Žirje an und gehen an eine Boje, die (natürlich) einen nicht gerade geringen Tagespreis hat, aber wir wollten am Abend kein Ankermanöver mehr fahren.

DSC_8338DSC_8343DSC_8349DSC_8361DSC_8362 DSC_8363 [Inseln können schweben – vor allem am Abend…]

Jetzt schaukeln wir bei windstille angebenzelt an der Boje vor uns hin. Manchmal dongert die Boje an die Bordwand, was ich etwas nervend finde, aber noch keine Lösung für dieses Problem fand… Beim Brüten über der Boje gebeugt, fand ich aber etwas anderes heraus, nämlich das “Wasserleuchten”! Keine Ahnung was das ist, aber plötzlich leuchten kleine Streifen oder Punkte im Wasser auf und ‘verglimmen’ ganz schnell wieder. Guter Rat teuer…

Heute gibt es nichts zu essen – Marcel weigert sich zu kochen! Und ich bereite mich mit leeren Magen auf den morgigen Tag auf Žirje vor: Es gibt eine Burgruine und einen fast verlassenen Ort in den ‘Bergen’ (ca. 163 m hoch).

Marcel, 02. 09. 2011

Auf dem Weg zu den Kornaten stoppen wir kurz in der Marina Kremik, um die Eintrittskarten für den Kornaten Archipel zu erwerben, die im Vorverkauf fast um die Hälfte günstiger sind. Die Nacht verbringen wir in der Bucht Stupica auf der Insel Zirje.

Draußen auf den Kornaten haben wir kleine Internetverbindungen. Es gibt daher nur kurze Schiffsmeldungen. Sobald wir einen WLAN- Zugang finden, gibt es die ausführlichen Berichte.

Joanna, 02. 09. 2011

Endlich – nach zwei Monaten Pause – sind wir wieder unterwegs. Dieses Mal verlassen wir Split und fahren auf die ‘große Fahrt’ Richtung Pula. Auf unserer Route steht als erstes ein Zwischenstop in der Marina Kremik in der Nähe von Primosten an. Hier wollen wir die Eintrittskarten für das Nationalschutzgebiet Kornati erwerben. Unterwegs hoffen wir, unseren Seglerfreund Herbert und sein Kat Symphonie zu treffen, mit dem wir eigentlich schon gestern verabredet waren. Leider ist uns eine sehr unangenehme Überraschung dazwischen gekommen, als wir Chulugi nach unserer längeren Abwesenheit betraten. Daher mußten wir einen ganzen Tag fürs Reparieren und Putzen der Jacht einlegen…

Zwar war uns klar, daß die Arbeiten am Boot nicht so vorangegangen sind, wie wir es eigentlich mit unserem ‘Bootshandwerker’, Bela, vereinbart haben, aber das Ausmaß der Beschädigungen und des Drecks überstieg unsere Vorstellung, die sich hinter einem Satz wie “Ich bin noch nicht ganz fertiggeworden. Tut mir sehr leid, aber…” nciht erahnen ließ. Nach zwei Monaten Zeit für eine, zugegebener Maßen lange, To-Do-Liste fanden wir ein mit schwarzer Fugenmaße verdrecktes Deck, die Spreehood und das Wildleder vom Steuerrad war vollkommen damit überseht, so daß wir erst einmal versucht haben, es zu entfernen. Vergeblich, muß man sagen. Da hilft nur ein Verdünner und dieser ist für den Antislipbelag zu aggressiv. Das heißt, daß auch dieser neu gemacht werden muß! Die fehlerhaft verlegte Fugenmaße im Teakdeck sieht schlimmer aus als unsere alte und muß wahrscheinlich komplett neu gemacht werden! Viel Geld wurde bereits für die Materialien dafür ausgegeben… Bei den Arbeiten am Teakdeck wurde offenbar nichts abgedeckt! Die Spreehood ist jedenfalls hin – der Verdünner schafft zwar die schwarze Fugenmasse, die darauf gespritzt wurde, aufzulösen, das allerdings dann auch so gründlich, daß das Material mit aufgelöst wird. Darüber hinaus war der Anlasser für die Ankerwinch abgebaut und mit Lackfarbe so bekleckert, daß Marcel schnell einen neuen Anlasser kaufen und selbst einbauen mußte, was Stunden gedauert hat. Wir hätten – wären die anderen Dinge nicht da gewesen – sowieso nicht losfahren können. Daß die Hutze von der Belüftung gleicherweise samt Schrauben einfach so auf dem Deck lag, gehört nur zu den Winzigkeiten unter den ernsthaft großen Schäden am Schiff.

Das nagelneue Dingi, das Marcel vor kurzem gekauft hat, muß wochenlang im Wasser gedümpelt haben, dann am Bug haben sich viele hartnäckige Muscheln abgesetzt, die kaum zu entfernen sind. Zudem ist an einer größeren Stelle der Boden bis auf das nackte Grundmaterial abgeschabt. Ganz zu schweigen von der Verdreckungen innen und außen. Was damit gemacht worden ist und von wem… Die Bordwände der Chulugi waren so verdreckt, daß man den Schriftzug kaum lesen konnte. Wir konnten es noch nicht ganz säubern. Ich dachte zunächst, daß da ein anderes Schiff entlang der Außenwand geschrabt wäre und uns den Schriftzug abgekratzt hätte! Gott sei Dank dann doch ‘nur’ Dreck, aber was für einer! Tatsächlich aber war der Namenszug des Heimathafens am Heck zerkratzt, der letzte Buchstabe ist zu erneuern. Die Badeleiter muß gleichermaßen seit Wochen im Wasser gelegen haben, denn sie war nicht nur stumpf (kaum mehr zu beheben), sondern auch mit Algen und Muscheln bewachsen!

Als wir die Schabs zum Unterdeck aufschließen wollten, ist uns aufgefallen, daß der Ersatzschlüssel für Bela offen und für jedermann griffbereit neben dem Schab lag! Ein Wunder – da hat wohl unserer Bordheiliger Nikolaus geholfen –, daß keiner sich an der Schiffsausrüstung bedient hat!

Und Unterdeck ging es dann weiter: Alles war mit dicker Staubschicht bedeckt, denn offenbar hat man auch sich kaum die Mühe gemacht, irgendetwas abzudecken… Eine Körperkreme (unsere) lag dreckig und klebrig achtlos hingeworfen auf der Ablage der Pantry (was aber nur ein kleines i-Tüpfelchen war). Überall waren (sind!) weiße Farbflecken von der Farbe, die Bela unter den Bodenbrettern anbringen sollte. Die Farbe ist wirklich überall: an den Türen, sogar an denen der Küchenschränke, in der Koje, im Bad, auf der Leiter, am Kartentisch etc. Man hat versucht, diese Flecken mit Verdünner zu entfernen – mit dem Ergebnis, daß der Lack ab ist! Wir haben also überall Unterdeck matte Stellen im Holzlack! Ein Bodenbrett ist vollkommen zerkratzt und auf diese Weise vom Verdünner ‘entlackt’… Der vom Voreigner neu gemachte blütenweiße und aus einem Stück gegossene Arbeitsfläche der Pantry hat eine kreisrunde, im Durchmesser 10 cm große Ätzstelle! Es ist wirklich unglaublich aber leider alles wahr! Man hat, so vermuten wir, irgendeine Lack- oder Verdünnerdose darauf abgestellt, ohne auch nur irgendeine Unterlage darunter zu legen! Andere Stellen in der Arbeitsfläche sind einfach ‘nur’ aufgeplatzt und kleiner oder größer und dafür schwarz gerandet. All das geht nicht mehr raus… Zum Heulen. Die Spüle ist innen von einer Dose, die auch lange im Nassen stand, verrostet. Man hat versucht, den Schaden durchs Wegkratzen zu ‘beheben’, mit dem Ergebnis, daß neben dem Rost (der geblieben ist) auch noch tiefe Kratzspuren da sind. Der Salontisch hat große helle Flecken, die gleicherweise matt sind, so daß wir auch hier ein Abstellen von Farbdosen oder ähnlichem vermuten. All das ist nicht mehr zu beheben! Außer wir lassen alles neu machen… was zu kostspielig ist.

Wenn auch nicht die Krönung – denn all die Lack- und Pantryschäden aber vor allem die an Deck sind schlimmer –, so dach eine sehr unschöne Sache mußte ich im Bad ‘entdecken’: Ganz abgesehen davon, daß die große weiße Oberfläche von einem schmierigen Film ausgelaufener (?) Badeflüssigkeit klebrig bedeckt war, bemerkte ich einen sehr unangenehmen Geruch, der das übliche Maß an lange Zeit unbenutzter Toilette erheblich überstieg. Erst als ich die auf der Oberfläche aufgestellten Waschutensilien abräumte, sah (und roch) ich den Grund dafür: In einer Ecke stand noch einige gute Millimeter hoch gelber Urin, daneben unserer Waschlappen und darauf unsere Zahnbürsten. Alles mit Urin vollgesogen! Einfach ekelhaft und unglaublich! Ich rätsele bis heute, was da alles Unterdeck passiert ist! Vielleicht war das auch der Sohn von Bela, der ihm angeblich die Arbeiten zum Schluß abgenommen hat – vielleicht aber auch jemand anderes…  Mittlerweile kann ich mir alles mögliche vorstellen.

So oder so, es ist einfach unmöglich, mit fremden Dingen auf diese Art und Weise umzugehen. Zumal man für die getane Arbeit auch noch Geld erwartet. Man übernimmt Verantwortung und hat für das auf diese Weise ‘übernommene’ Schiff Sorge zu tragen. Wäre Bela mit der Arbeit überfordert – er hätte es uns sagen können. Und es wäre auf jeden Fall für unseres Portemonnaie und die Nerven besser, er hätte die Arbeit erst gar nicht begonnen!

Gestern waren wir nicht nur sprachlos und verzweifelt … auch wenn einem schon ein wenig zum Heulen zumute war. Die Fotos können das eigentlich nicht mal annähernd dokumentieren.

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Das Deck

P9010092P9010119P9010127 Außen und Badeleiter

P9020146P9020155P9020159 Teakverfugung

P9010095P9010123P9010121P9010120 Dingi mit Dreck und Seepocken

P9010099P9010098P9020142 Spreehood

P9010100P9010112 Fugen und Werkzeuge

P9010085P9010129P9010132P9010140 Unterdeck Tisch und Leisten

P9010137P9010136P9010135 Bodenbretter

P9010084P9010086P9010110P9010087 P9010104 Pantryablage und Badablage

P9010124P9010125P9010128 Dies und Das von den vielen Dingen, die wir irgendwann nicht mehr die Kraft hatten, zu fotographieren, und wie man mit fremden Eigentum umgeht…

So, jetzt aber Schluß mit diesem unschönen Bericht. Wir sind seit heute auf der kleinen ‘großen Fahrt’. Das Wetter ist herrlich (heiß), der Wind weht, aber wie immer von vorne, und wir fahren nach Kremik und dann, wenn wir es heute schaffen, auf die Insel Žirje (interessante Ruinen). Alles weitere später.

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Joanna, 02. 09. 2011

Die Insel Žirje ist mit ihren 15,5 km2 die größte Insel im Šibernik Archipel und wie es im Reiseführer heißt, von dem Tourismus kaum entdeckt. Na da hoffen wir, Glück zu haben. Allerdings kann man mit Blick auf die benachbarten Schiffe rechts und links von uns sagen, daß die Skiper & Crews diese schon ‘entdeckt’ haben.

Die Insel war spätestens im 6 Jh. nicht nur besiedelt, sondern bereits mit einer Festung gesichert gewesen. Das lag an der strategisch besonders wichtigen Lage der Insel, so daß sie nicht nur über eine, sondern mindestens über drei Burgen verfügte. Die spätantike Burg bzw. ihre Überreste wollen wir uns auch anschauen. Sie liegt oberhalb der Bucht Velika Stupica, in der wir vor einer Boje liegen, auf dem ‘Berg’ Gradina. Hier ist es auch, wo die Archäologen einiges freilegen konnten, so unter anderem ein Bad, Küche und eine Deckenverzierung (?!), alle Reste aus dem 15. Jh.

Die benachbarte Bucht Mala Stupica hat auf dem sie überragenden und höchsten Berg (ca. 163 m) gleicherweise Burgruinen aus der gleichen Zeit vorzuweisen. Und auch auf der Südseite der Insel gibt es weitere Festungsruinen. Diese stark mit Burgen befestigte Insel hatte dementsprechend auch ein wechselvolles Leben: Im 11 Jh. schenkte der kroatische König Petar Kresimir IV. die Insel den Benediktinern (keine Bebauung? kein Kloster?). Der Fürst Bribir hat sie dann der Stadt Zadar übergeben. 1323 war sie wieder im Besitz von Šibernik. Die venezianische Herrschaft brachte ‘Sommergäste’ auf die Insel: die wohlhabenden Bürger und Adelige bauten sich hier Landhäuser. Die Venezianer benutzten die Bucht, in der wir uns befinden, als ihren wichtigsten Hafen (keine Ruinen oder andere Reste zu entdecken, vielleicht abgetragen oder unter Wasser). Schließlich wurde Žirje im Zyprischen Krieg 1572 fast vollständig von den Türken verwüstet. Sie hat sich bis heute nicht wieder davon erholt. Der Hauptort der Insel mit dem gleichen Namen, der bezeichnenderweise im Landesinneren liegt, ist heute halb verlassen. Auf der gesamten Insel sollen nicht mehr als 70 Menschen leben. Etwas Landwirtschaft, Fischfang und früher, als die Zlarina mit ihrem speziellen Werkzeug auf die Insel kamen, auch der Abbau von Korallen, die es hier gab. Korallen waren zuerst vernichtet, danach der Fisch, den es hier kaum mehr gibt, die Landwirtschaft rentiert sich nicht auf diesen trockenen Böden, die mit der Klimakatastrophe immer trockener werden. Eigentlich eine traurige Geschichte, aber nicht besonders ungewöhnlich für ganz Dalmatien.

DSC_8365DSC_8367DSC_8369 [Voodoo in Kroatien] DSC_8371Antike Ruinenen eines Kastells auf SmokivicaDSC_8374DSC_8378DSC_8384 [Ausgrabungsort der venezianischen Villaruinen] DSC_8386DSC_8387DSC_8383DSC_8393 [Hier sind/wären möglicherweise noch Reste der ven. Hafenanlagen zu finden…] DSC_8395DSC_8399DSC_8402DSC_8403DSC_8404DSC_8400DSC_8409 Und schon sind wir wieder weiter unterwegs…

Joanna & Marcel, 15. 08. 2011

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, alte Reiseberichte über die von uns besuchten Orte zu befragen, die vor der Zeit der massentouristischen Völkerwanderungen der letzten Jahre entstanden sind. Man mag oft nicht glauben, wie die Landschaft und die Menschen auf die Reisenden der vergangenen Jahrzehnte gewirkt haben. Bereist man heute Korfu, sucht man vergebens nach der Atmosphäre, die die Durrells in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts in Kalami vorgefunden haben, und die sie zu mehrjährigen Aufenthalten und grandiosen Texten bewegt hatte. Besucht man heute Kardamili kann man verstehen, warum sich Sir Patrick Leigh Fermor zuletzt ins private zurückzog und über “seine” Mani, die er in den 50er Jahren erwandert und die er so ergreifend und tiefsinnig beschrieben hat, in Interviews nicht mehr sprechen mochte. Doch man braucht gar nicht so weit zurück zu greifen, um zu erahnen, wie der Tourismus auch in den letzten zehn Jahren die Landschaften und deren Bewohner verändert hat. In einem Reiseführer von 1987 lese ich, dass im Jahr zuvor gerade einmal 6000 ausländische Besucher Albanien bereisten. In Durrës existierten drei! Ausländerhotels. Auf nur wenige Jahre alten Wanderkarten sind Neubausiedlungen noch als Wiesen und Felder eingezeichnet. Fuß- und Eselswege wurden zunehmend asphaltiert oder dem Verfall überlassen.

Und so stehen auf wir vor dem touristischem Dilemma: Bereisen wir die asphaltierten Pfade und groß angelegten Touristenorte, fördern wir den Massentourismus; nehmen wir statt dessen die staubigen Pisten und Wanderwege zu kleinen Dörfern und abgelegenen Weilern, werden auch wir früher oder später dazu beitragen, dort den Massen Tür und Tor zu öffnen. Doch soll man zu Hause bleiben? Wir haben uns dazu entschieden, das zu tun, was man kann, sich den großen Massen zu verweigern und nachhaltig zu Reisen: Kleine Tavernen und lokale Oekonomien und Restaurants (Slowfood!) statt 10-seitige Speisekarten und all you can eat, Stadthäfen, kleine Molen und Ankerbuchten mit ein oder zwei Konobas statt groß angelegte Marinas mit All Inclusive Angebot. Ob dies hilft? Zumindest lebt man ruhiger, erleichtert das Gewissen und vermeidet Überfettung und Tinnitus.

Man sensibilisiert sich für das, was man tut, sieht oder sich einverleibt (siehe Gastronautisches). Wir lernen bewusst zu unterscheiden und nur so gewinnt die Umgebung für uns an Bedeutung. Welche Kriterien unterscheiden einen Golfrasen auf Gran Canaria von einem auf Korfu? Wie wunderbar berauschend aber erscheint die Wiese im Johanniterkastell in Kos im Februar! Oder das Tal der Toten auf Kreta im Frühjahr! Findet man am Strand einen ganzen Haufen an ausgelösten Seeiegelgehäusen, sucht man am besten gleich in den umliegenden Tavernen die Tageskarten ab! Wir alle wissen wie ein Chardonnay schmeckt, und hält dieser unseren Bewertungskriterien stand ist er umwerfend, umschmeichelt den Gaumen und berauscht uns ohne uns zu betäuben. Und wenn wir soweit sind, können wir auch die Aromen von Limette und Apfel eines Robola aus Keffalonia würdig genießen.

Im Film Sideways von Alexander Payne bemerkt Miles zu einem der besten Tropfen seines Weinkellers, er habe noch nicht den richtigen Anlass gefunden, ihn zu trinken. Seine Gefährtin erwidert darauf hin, der Wein wäre der richtige Anlass! Und so sind die Länder, Landschaften und Menschen uns genug Anlass, sie zu bereisen. Winde, Melodien und kulinarische Entdeckungen. Geräusche von nächtens knackendem Bambus, der Duft von Pinien, wenn man von See in eine bewaldete Bucht einläuft, der Duft von nahendem Regen und der Duft danach. Bewusstes Reisen statt konsumierender Tourismus.

Der All Inclusive Instant-Tourismus ist nichts anderes als eine Sparte der universalen Unterhaltungsindustrie – Alles, aber günstig! Es werden Gated Communities als offene Horizonte mit Sonnenuntergang verkauft. Nur, Grenzen, auch die gesellschaftlichen, in denen man lebt, dürfen nicht überschritten werden. Neue Lebensentwürfe fehlen und utopische Gegenentwürfe erst recht. Welche Möglichkeiten sich der Mensch selber nimmt, ist noch nicht abzusehen.

(mehr …)

Joanna, 08. 08. 2011

Wer sich für das Mittelmeer und die vom aussterben bedrohten Arten nicht nur interessiert, sondern das wunderbare „Revier“ für alle erhalten möchte, der möge bitte sich kurz hier informieren:

http://www.fnz.at/fnz/forum/phpBB2/viewtopic.php?f=55&t=5927

Hier ein Auszug:

Liebe Freunde!

Hier ein Artikel vom Spiegel.de, der die Arbeit von mare-mundi bestätigt und aufzeigt wie wichtig unser Einsatz ist: 
Spiegel.de – Weltmeeren droht ein Massensterben: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu … 58,00.html

Als Fundraiser möchte ich die Gelegenheit nutzen, dringend um Spenden für unsere gemeinnützige NGO http://www.mare-mundi.eu zu bitten.

Wenn wir denken, „gute Sache“, aber nicht ich, andere werden schon…….dann sind wir trotz bester Projekte bald am Ende.
Unsere finanzielle Situation ist mehr als angespannt….. Wenn Du wirklich meinst „andere werden schon“, dann spende wenigstens 10 €.

Jede Spende zählt!

Unsere Bankverbindung:

mare-mundi.eu Verein zur Förderung der Wissenschaft am Mittelmeer
Raiffeisenverband Salzburg
Konto-Nr. 3023363
BLZ 35000
IBAN AT193500000003023363
BIC / SWIFT RVSAATZS

Marcel, 28. 07. 2011

Der Hochsommer bedeutet bei uns Sommerpause: kein Wind, überfüllte Ankerplätze, heißes Wetter. Im September haben wir drei Wochen Zeit um von Split über den Kornati-Nationalpark und die Kvarner Bucht nach Pula/Istrien zu segeln. Von dort sind es Ende Oktober 70sm nach Venedig/Giudecca, unserer Winterquartier. Ein Abstecher nach Triest bietet sich an – wenn das Wetter es zulässt, über den Jahreswechsel. Und schließlich im beginnenden Frühjahr eine längere Strecke nach Bari oder Brindisi/Apulien. So werden wir uns im Laufe des nächsten Jahres nach Sizilien und Sardinien vorarbeiten. – Guter Plan. Wir werden sehen, wo der Wind uns hin trägt.

Marcel, 27. 06. 2011

In der mallorquinischen Küche gibt es ein Sprichwort: A qui passa mal de ventre / jo sé què es bo dnoar-li / un poc de fonoll mari / mesclat amb aigo calenta. – Wer Bauchschmerzen hat, dem gebe man ein wenig Meerfenschel, vermischt mit warmem Wasser. Meerfenchel, auch Bazillenkraut genannt, wächst dort, wo Wind und Gischt sonst nicht viel wachsen lässt. Schon seit der Antike ist das Kraut bekannt. Mit Körben schwärmten die Menschen aus, um in den Sommermonaten den Meerfenchel zu ernten. Die fleischigen Blätter schmecken herb, nach Anis und leicht bitter. Sie werden in Essig und/oder Salzlake eingelegt und so mehrere Monate haltbar gemacht. Auf Grund des hohen Vitamin C Gehalts wurde der eingelegte Meerfenchel früher auf Schiffen gegen Skorbut mitgeführt.

Wir sammeln das Kraut, wie auch den wilden Fenchel, und essen es zu Salat, Fisch oder in Saucen. In der Bäckerei in Drvenik sprach mich prompt eine alte Dame auf meine beiden Tüten an, die ich mir unter den Arm geklemmt habe während ich das Kleingeld aus der Tasche kramte. Sehr gut sei das Kraut. Kaum jemand beachte es noch. Wie der wilde Fenchel wird es meinst ignoriert oder als Unkraut angesehen. Auf Mallorca kann man den eingelegten Meerfenchel in Gläsern zu 3€ kaufen. Den wilden Fenchel findet man in Griechenland häufig im Salat. Wir lassen uns die Köstlichkeiten am Weges- und Meeresrand nicht entgehen und nehmen noch zwei gute Tüten mit nach Hause. Bei meinen Recherchen lese ich, dass auch der Queller ein schmackhaftes Gemüse abgibt und sogar in Holland in den Lebensmittelmärkten zu finden sei. Wir werden uns demnächst auf die Suche begeben und berichten.


Meerfenchel



Wilder Fenchel

Joanna & Marcel, 26. 06. 2011

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Zum Mittagessen ankern wir in der Bucht Stivina, an der Westküste von Brač. Der Wind flaut etwas ab, nachdem es zuvor mit bis zu 28kn aus NE geweht hat. Zum Nachmittag ist abnehmender Wind aus NW angesagt.

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Zu der Bucht ist eigentlich nicht so viel zu sagen… außer daß sogenannte Investoren illegalen Bau von Feriensiedlungen begonnen haben. Die geschützten Wälder wurden abgeholzt und der Bau von Bungalows begonnen. Dieses „Vor vollendete Tatsachen“-Stellen klappt leider nur all zu häufig. Wir kennen das zur Genüge aus Griechenland. In diesem Fall aber wurden die Bau- und Rodungsmaßnahmen von der Polizei gestoppt. Wie es weitergehen soll, weiß offenbar keiner. Typisch ist jedoch, daß eine Aufforstung der Flächen nicht geschieht bzw. den kriminellen Verursachern zur Auflage gemacht wird.

Die Bucht war vorher bestimmt sehr schön, denn Wälder sind rar…