Joanna, 05. 09. 2011

Ravni Žakan ist ein nettes kleines Eiland, umkränzt von einigen eng benachbarten Inselchen. Es besteht aus zwei Buchten: einer etwas im Durchgang gelegenen, teils dadurch offenen in Nordwesten und einer großen mit vorgelagerten Inselchen im Süden. Beide wurden ausgiebig in unserem “Bodo Müller: Liegeplätze und Landgänge” Buch (das eigentlich mehr ein Restaurant- und “Wie mache ich am besten Fest”-Führer ist; man sollte sich die Fotos von Bodos Freundinnen (Tochter?) genauer anschauen… sehr hübsch und dekorativ beim Weintrinken oder Festmacherhalten :)).

Wir entschieden uns für die Bucht mit der Konoba “Larus” vor der auch ein Bojenfeld war (alle Boote waren jedoch an diesem späten Morgen bereits abgefahren).

DSC_8545 Hier wieder ein Beispiel für ein porat, dieses Mal ein ganz typisch einfaches, das ursprünglich aus nicht mehr als einem Wohnraum bestand.

DSC_8542DSC_8546DSC_8547 Wer behauptet, daß “Larus” eine einfache Konoba ist, der war offenbar schon länger nicht dort. Zwar macht das Gebäude und die Terrasse tatsächlich einen etwas improvisierten Eindruck, doch das täuscht, will man davon auf die Bedienung (der Chef persönlich) und die Speisen rückschließen.

Die Konoba gehört einem Gastronomen aus Zadar (offenbar Weiterführung der historischen Traditionen, denn die Herren über Kornati waren schon immer die Zadarer), der dort bereits über mindestens ein Lokal verfügt. Das Essen war bis dato das beste, was wir auf den Kornati bekommen haben! Herrliches selbstgebackenes Brot – eine Art nicht-süßem Stuten –, guter Wein, hervorragende Muscheln (keine Miesmuscheln!), die direkt im Behältnis vor dem Lokal lagerten und ein gutes Fischcarpacio. Es war eine sehr schöne Stimmung im Lokal und an diesem kleinen Fischerhafen und Bucht.

Zuvor haben wir uns ein wenig dieses winzige Eiland erwandert und natürlich auch die andere Bucht, fußläufig in fünf Minuten erreichbar, erlaufen. Um dort auf einen Kaffee einzukehren.

DSC_8552DSC_8554DSC_8565DSC_8559DSC_8556DSC_8560 Hier ein Blick vom ‘Berg’ aus auf die andere große Bucht. Man sieht rechts die Gebäude des Restaurants, dem angegliedert eine Mini-Market, Bocciabahn und ein neu angelegter Olivenhain.

DSC_8567DSC_8563DSC_8571DSC_8574 Man (ich) bekommt von dieser Landschaft einfach nicht genug!

DSC_8575 In der großen Bucht treffen wir gleich nach der neuen Bocciabahn zwei alte “Strandhäuschen”: Außenposten der Nationalparkverwaltung. Doch schon schweift der Blick weiter und sieht die neuangelegte, fast schon luxuriöse Café-Restaurant-Kai-Anlage! Fast schon etwas irreal in dieser kargen, steinigen Landschaft. Fast schon gleißend in der Sommermittagshitze. Aber, ich muß es zugeben, nicht unapart.

DSC_8576DSC_8578DSC_8582DSC_8583DSC_8579 Und so sah der Ort vor wenigen Jahren und noch einmal vor wenigen Jahrzehnten aus! Was für eine rasante Veränderung…

DSC_8580 Dieses alte Foto zeigt besonders eindrucksvoll, wie man sich ein wohlhabendes porat früher (vielleicht 1930er Jahre?) vorstellen hat.

DSC_8584DSC_8543DSC_8544 Wieder zurück in unserer kleinen und nicht gar so feinen Bucht ging ich schnorcheln. Viel gab es leider nicht zu sehen – die Adria ist leergefischt und durch Fisch- und Fangnetze, Umweltverschmutzung und Plastik unter Wasser fast so wie oberhalb des Wassers: kahl, nur darin nicht so reizvoll. Die Seesterne habe ich nicht aus dem Wasser geholt, die waren schon vor uns an der Pier ausgebreitet.

P9050164 Könnte das “Goldschwamm” sein?P9050181 Dieses Exemplar könnte vielleicht ein “Beutelbarsch” sein. Der kleinste Vertreter der Gattung im Mittelmeer. Recht scheu und ein Zwitter.

P9050182 Eine “Goldstrieme” von oben.P9050183P9050185 “Goldstriemen” sind ausgesprochen gesellige Fische. Ausgewachsene Exemplare sind Vegetarier und ernähren sich von Algen. Jungfische hingegen ausschließlich von Kleintieren. Goldstriemen machen einen Geschlechtswechsel durch: zunächst sind sie Männchen, die dann sich in Weibchen wandeln.

P9050190 Leider etwas unscharf und nicht so gut zu erkennen, aber wenn man genau hinschaut, dann sieht man einen kleinen “Putzfisch” am Kopf einer Seegurke, der ihm offensichtlich hingehalten wird. Der kleine Fisch ist ein “Längsstreifen-Schleimfisch”. Das Männchen ist ein Alleinaufzieher der Brut, denn er vertreibt das Weibchen nach der Eiablage.

P9050191P9050193 Die neugierigen Fische folgen einem – im gebührenden aber nicht besonders großen Abstand – als ‘Schatten’ fast überall hin. In einigen Buchten umschwärmen sie geradezu das Schiff und folgen einem auf “Schritt und Tritt”. Lassen sich übrigens auch gut und gerne mit Brot, Gurken, Pfirsichen und anderem Essen füttern! Auf diesem Foto sind die Schatten als „Bandbrassen“ zu identifizieren. Ein Teil der Population ist getrenntgeschlechtlich und ein Teil ist Hermaphrodit, in diesem Fall sind die Jungtiere erst Weibchen und werden dann später zu Männchen.

Joanna, 04. 09. 2011

Unsere zweite Kornati-Station ist die große Insel KORNAT und ihre südlichste Bucht Opat.

“Opat” heißt auch die Konoba in der gleichnamigen Bucht, die in der Seglercommunity bekannt wie berüchtigt ist, da die Betreiber schon mal gerne kleine Crews abweisen oder nicht bedienen sollen, um den vielköpfigen Alki-Crews den Vorzug zu geben (mehr Alkohol im Blut = mehr Geld auf dem Konobatisch). Marcel möchte diese Konoba boykottieren (obwohl die Beschreibung der Speisen und der Einrichtung sich sehr gut anhört). Die Opat-Bucht ist ein regelrecht großes porat, das aus mehreren Häusern besteht.

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[Wieder ein Suchbild (Einfahrt in die Bucht Opat)]

DSC_8472DSC_8449 Porat meint eine Behausung direkt an einer Bucht bzw. Küste in den Kornaten. Zwar bezeichnet porat auf Kroatisch soviel wie kleine Bucht, doch der Name wurde im Sprachgebrauch der Kornatibevölkerung auf die Ansiedlung in der unmittelbaren Nähe der Bucht übernommen. Diese porats – große von ihnen können sich bis zu einem kleinen Dorf ausweiten, was jedoch eher die Ausnahme ist – waren die “Zweitsitze” der Kornatibauern. Das größere und besser ausgebaute Haus lag im Inselinneren inmitten der zu bebauenden Felder.DSC_8477 Am kleinen Hafenbecken eine nette einfache Bar, darüber das berühmt-berüchtigte “Opat”. Wir beehrten die Konoba zwar nicht, aber ich glaube, daß man uns nicht abgewiesen hätte: dafür waren einfach auch zu wenige Schiffe mit ‘dicker Crew’ zur Zeit vor Anker.

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Während Marcel sich um die Jacht kümmerte, machte ich einen recht beschwerlichen Ausflug zu dem kleinen Bilderstock am Zipfel der Opat-Bucht.

DSC_8480DSC_8483 Der kleine Ausflug gestaltete sich länger als gedacht, denn es führte gar kein Weg zum Bilderstock. Über Steine krakselte ich bis zur Landzunge. Dort wurde ich mit einer schönen Figur des Sv. Antonius und einem wieder überwältigendem Blick auf die Kornati-Inseln belohnt (und mit einer Dose alkoholfreiem Bier).

DSC_8486 [Ein mit Trockenmauern umzäuntes “Feld” – typisch für Kornatis Feldbebauung -  auf dem Weg zum Bilderstock. Es sieht recht verlassen mit eingestürzten Mäuerchen.]

DSC_8485DSC_8487 [Immortelle: riecht wie Curry]

DSC_8489DSC_8494 [Ein Blick zurück auf den kleinen schwarzen Punkt in der Bucht, das die Chulugi ist.]

DSC_8495DSC_8505DSC_8497DSC_8501DSC_8514 Abendstimmung in der Opat-Bucht der Insel Kornat. Morgen geht es weiter…

Joanna, 04. 09. 2011

Wir laufen die Bucht von Smokvica (unterschiedliche Schreibweisen) am frühen Abend an. Einige Schiffe schaukeln bereits vor Bojen oder Anker in der Bucht, die eine sehr gute Konoba haben soll.

Smokvica: Die Buch bei "Piccolo"DSC_8422

Wir erwischen noch die letzte freie Boje und gehen schnell an Land, um das kleine Bilderstöckchen zu besichtigen, das wir auf der Buchtspitze beim Einlaufen gesichtet haben.

DSC_8424Sv. Rochus auf Smokvica Das Bilderstöckchen ist Sv. Antonius geweiht. Aber auch der traurige Hl. Rochus mit seinem Leprabein, dem treuen Hund und in der Einsamkeit eines von allen verlassen guten Menschen hat hier ein Gedenken bekommen.

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Marcel, 04. 09. 2011

Der Name Kornaten soll vom lateinischen Wort corona (Krone) abstammen. Im geologischen Fachjargon bezeichnen Kronen, die aus dem Meer aufragenden Gipfel versunkener Gebirge. Zudem fällt auf, dass jedes noch so kleine Stück Stein, das aus dem Wasser ragt einen Namen in der Seekarte trägt. Dies soll daher rühren, dass die Beamten der k.u.k. Monarchie besonders penibel waren und großen Wert auf die genauen Bezeichnungen der von Ihnen vermessenen Inseln legten. So befragten die Beamten die Bauern und Fischer der Umgebung und erhielten einige Namen äußerst zweifelhafter Natur, die im Bereich der weiblichen Anatomie anzusiedeln sind.

Marcel, 04. 09. 2011

Unsere Tagesstrecke heute: Zwei Seemeilen! Wir verholen aus der Bucht Lojena, Insel Šmokvica, in die Bucht Opat auf Kornat. Die Insel gibt dem Nationalpark seinen Namen. Sie zieht sich über 13 Seemeilen von Nord nach Südost, parallel zum Küstenverlauf. Opat liegt am südlichsten Zipfel der Insel. Eigentlich wollten wir nur über den Nachmittag bleiben, da der Wind ungünstig genau in die Bucht steht. Da wir aber die einzige Mooringboje ergattern konnten, entscheiden wir uns zu bleiben. Die Nationalparkrangers erinnern sich an uns und ersparen uns die heutige Gebühr von ca. 30€ – so haben wir noch drei Tickets für die nächsten Tage in den Kornaten.

Die Inseln sind karstig und nur spärlich bewachsen. Wir sammeln Meerfenchel und einige andere Pflanzen, die wir mit unseren Bestimmungsbüchern versuchen zuzuordnen. Joanna sammelt außerdem noch einige Wirbelknochen aus denen sie einen Abwehrzauber zu bändseln gedenkt. Vielleicht einen Zauber gegen zu nahe Ankerlieger. Am schlimmsten sind die Franzosen. deren Ankertechnik haben wir an anderer Stelle bereits beschrieben. Aber auch eine Charteryacht mit Süddeutschen kommt uns bedenklich nahe. Den Abend verbringen wir an Bord – immer mit einem Auge auf unseren Nachbarn, der wohl nicht bedacht hat, dass ein 14 Tonnen Langkieler anders schwoit als ein 2 Tonnen Yogurtbecher.

Joanna, 03. 09. 2011

Auf dem Weg in die Kornati:

Erste Station ist die Insel Žirje, die noch nicht zu den Kornati dazugehört, aber sich für den Weg dorthin geradezu für einen Zwischenstop anbietet.

Wir sind heute den ganzen Tag gefahren – mit dem besagten Einkauf von Karten für den Naturschutzpark in der Marina Kremik (jetzt haben wir kaum Bargeld und das heißt, daß wir wahrscheinlich auf den Kornati kaum irgendwo essen gehen können, denn die Konobas werden wohl kaum Mastercard annehmen). Viel los auf dem Wasser, fast wie in Holland, doch die Landschaft der Dalmatischen Inselwelt ist etwas anders als im Norden – und sie kann mich immer noch begeistern, auch wenn andere vielleicht die felsige Insellandschaft für etwas eintönig halten könnten.

DSC_8310[Ein Suchbild]

DSC_8314 DSC_8316[Und hier die Auflösung: Ein Dominikanerkloster Sv. Križ (was Kreuz bedeutet) auf der Insel Čiovo; ein gotisches Ensemble aus dem 15. Jh. Ist im Besitz eines berühmten Kreuzes aus Olivenholz aus der gleichen Zeit. Wird heute von einem Mönch bewohnt und kann besichtig werden, heißt es.]

DSC_8325DSC_8327DSC_8329DSC_8331 [Seit Albanien die ersten Bunker an der Küste.]

Am Abend steuern wir die Bucht Vela Stupica auf Žirje an und gehen an eine Boje, die (natürlich) einen nicht gerade geringen Tagespreis hat, aber wir wollten am Abend kein Ankermanöver mehr fahren.

DSC_8338DSC_8343DSC_8349DSC_8361DSC_8362 DSC_8363 [Inseln können schweben – vor allem am Abend…]

Jetzt schaukeln wir bei windstille angebenzelt an der Boje vor uns hin. Manchmal dongert die Boje an die Bordwand, was ich etwas nervend finde, aber noch keine Lösung für dieses Problem fand… Beim Brüten über der Boje gebeugt, fand ich aber etwas anderes heraus, nämlich das “Wasserleuchten”! Keine Ahnung was das ist, aber plötzlich leuchten kleine Streifen oder Punkte im Wasser auf und ‘verglimmen’ ganz schnell wieder. Guter Rat teuer…

Heute gibt es nichts zu essen – Marcel weigert sich zu kochen! Und ich bereite mich mit leeren Magen auf den morgigen Tag auf Žirje vor: Es gibt eine Burgruine und einen fast verlassenen Ort in den ‘Bergen’ (ca. 163 m hoch).

Marcel, 02. 09. 2011

Auf dem Weg zu den Kornaten stoppen wir kurz in der Marina Kremik, um die Eintrittskarten für den Kornaten Archipel zu erwerben, die im Vorverkauf fast um die Hälfte günstiger sind. Die Nacht verbringen wir in der Bucht Stupica auf der Insel Zirje.

Draußen auf den Kornaten haben wir kleine Internetverbindungen. Es gibt daher nur kurze Schiffsmeldungen. Sobald wir einen WLAN- Zugang finden, gibt es die ausführlichen Berichte.

Joanna, 02. 09. 2011

Endlich – nach zwei Monaten Pause – sind wir wieder unterwegs. Dieses Mal verlassen wir Split und fahren auf die ‘große Fahrt’ Richtung Pula. Auf unserer Route steht als erstes ein Zwischenstop in der Marina Kremik in der Nähe von Primosten an. Hier wollen wir die Eintrittskarten für das Nationalschutzgebiet Kornati erwerben. Unterwegs hoffen wir, unseren Seglerfreund Herbert und sein Kat Symphonie zu treffen, mit dem wir eigentlich schon gestern verabredet waren. Leider ist uns eine sehr unangenehme Überraschung dazwischen gekommen, als wir Chulugi nach unserer längeren Abwesenheit betraten. Daher mußten wir einen ganzen Tag fürs Reparieren und Putzen der Jacht einlegen…

Zwar war uns klar, daß die Arbeiten am Boot nicht so vorangegangen sind, wie wir es eigentlich mit unserem ‘Bootshandwerker’, Bela, vereinbart haben, aber das Ausmaß der Beschädigungen und des Drecks überstieg unsere Vorstellung, die sich hinter einem Satz wie “Ich bin noch nicht ganz fertiggeworden. Tut mir sehr leid, aber…” nciht erahnen ließ. Nach zwei Monaten Zeit für eine, zugegebener Maßen lange, To-Do-Liste fanden wir ein mit schwarzer Fugenmaße verdrecktes Deck, die Spreehood und das Wildleder vom Steuerrad war vollkommen damit überseht, so daß wir erst einmal versucht haben, es zu entfernen. Vergeblich, muß man sagen. Da hilft nur ein Verdünner und dieser ist für den Antislipbelag zu aggressiv. Das heißt, daß auch dieser neu gemacht werden muß! Die fehlerhaft verlegte Fugenmaße im Teakdeck sieht schlimmer aus als unsere alte und muß wahrscheinlich komplett neu gemacht werden! Viel Geld wurde bereits für die Materialien dafür ausgegeben… Bei den Arbeiten am Teakdeck wurde offenbar nichts abgedeckt! Die Spreehood ist jedenfalls hin – der Verdünner schafft zwar die schwarze Fugenmasse, die darauf gespritzt wurde, aufzulösen, das allerdings dann auch so gründlich, daß das Material mit aufgelöst wird. Darüber hinaus war der Anlasser für die Ankerwinch abgebaut und mit Lackfarbe so bekleckert, daß Marcel schnell einen neuen Anlasser kaufen und selbst einbauen mußte, was Stunden gedauert hat. Wir hätten – wären die anderen Dinge nicht da gewesen – sowieso nicht losfahren können. Daß die Hutze von der Belüftung gleicherweise samt Schrauben einfach so auf dem Deck lag, gehört nur zu den Winzigkeiten unter den ernsthaft großen Schäden am Schiff.

Das nagelneue Dingi, das Marcel vor kurzem gekauft hat, muß wochenlang im Wasser gedümpelt haben, dann am Bug haben sich viele hartnäckige Muscheln abgesetzt, die kaum zu entfernen sind. Zudem ist an einer größeren Stelle der Boden bis auf das nackte Grundmaterial abgeschabt. Ganz zu schweigen von der Verdreckungen innen und außen. Was damit gemacht worden ist und von wem… Die Bordwände der Chulugi waren so verdreckt, daß man den Schriftzug kaum lesen konnte. Wir konnten es noch nicht ganz säubern. Ich dachte zunächst, daß da ein anderes Schiff entlang der Außenwand geschrabt wäre und uns den Schriftzug abgekratzt hätte! Gott sei Dank dann doch ‘nur’ Dreck, aber was für einer! Tatsächlich aber war der Namenszug des Heimathafens am Heck zerkratzt, der letzte Buchstabe ist zu erneuern. Die Badeleiter muß gleichermaßen seit Wochen im Wasser gelegen haben, denn sie war nicht nur stumpf (kaum mehr zu beheben), sondern auch mit Algen und Muscheln bewachsen!

Als wir die Schabs zum Unterdeck aufschließen wollten, ist uns aufgefallen, daß der Ersatzschlüssel für Bela offen und für jedermann griffbereit neben dem Schab lag! Ein Wunder – da hat wohl unserer Bordheiliger Nikolaus geholfen –, daß keiner sich an der Schiffsausrüstung bedient hat!

Und Unterdeck ging es dann weiter: Alles war mit dicker Staubschicht bedeckt, denn offenbar hat man auch sich kaum die Mühe gemacht, irgendetwas abzudecken… Eine Körperkreme (unsere) lag dreckig und klebrig achtlos hingeworfen auf der Ablage der Pantry (was aber nur ein kleines i-Tüpfelchen war). Überall waren (sind!) weiße Farbflecken von der Farbe, die Bela unter den Bodenbrettern anbringen sollte. Die Farbe ist wirklich überall: an den Türen, sogar an denen der Küchenschränke, in der Koje, im Bad, auf der Leiter, am Kartentisch etc. Man hat versucht, diese Flecken mit Verdünner zu entfernen – mit dem Ergebnis, daß der Lack ab ist! Wir haben also überall Unterdeck matte Stellen im Holzlack! Ein Bodenbrett ist vollkommen zerkratzt und auf diese Weise vom Verdünner ‘entlackt’… Der vom Voreigner neu gemachte blütenweiße und aus einem Stück gegossene Arbeitsfläche der Pantry hat eine kreisrunde, im Durchmesser 10 cm große Ätzstelle! Es ist wirklich unglaublich aber leider alles wahr! Man hat, so vermuten wir, irgendeine Lack- oder Verdünnerdose darauf abgestellt, ohne auch nur irgendeine Unterlage darunter zu legen! Andere Stellen in der Arbeitsfläche sind einfach ‘nur’ aufgeplatzt und kleiner oder größer und dafür schwarz gerandet. All das geht nicht mehr raus… Zum Heulen. Die Spüle ist innen von einer Dose, die auch lange im Nassen stand, verrostet. Man hat versucht, den Schaden durchs Wegkratzen zu ‘beheben’, mit dem Ergebnis, daß neben dem Rost (der geblieben ist) auch noch tiefe Kratzspuren da sind. Der Salontisch hat große helle Flecken, die gleicherweise matt sind, so daß wir auch hier ein Abstellen von Farbdosen oder ähnlichem vermuten. All das ist nicht mehr zu beheben! Außer wir lassen alles neu machen… was zu kostspielig ist.

Wenn auch nicht die Krönung – denn all die Lack- und Pantryschäden aber vor allem die an Deck sind schlimmer –, so dach eine sehr unschöne Sache mußte ich im Bad ‘entdecken’: Ganz abgesehen davon, daß die große weiße Oberfläche von einem schmierigen Film ausgelaufener (?) Badeflüssigkeit klebrig bedeckt war, bemerkte ich einen sehr unangenehmen Geruch, der das übliche Maß an lange Zeit unbenutzter Toilette erheblich überstieg. Erst als ich die auf der Oberfläche aufgestellten Waschutensilien abräumte, sah (und roch) ich den Grund dafür: In einer Ecke stand noch einige gute Millimeter hoch gelber Urin, daneben unserer Waschlappen und darauf unsere Zahnbürsten. Alles mit Urin vollgesogen! Einfach ekelhaft und unglaublich! Ich rätsele bis heute, was da alles Unterdeck passiert ist! Vielleicht war das auch der Sohn von Bela, der ihm angeblich die Arbeiten zum Schluß abgenommen hat – vielleicht aber auch jemand anderes…  Mittlerweile kann ich mir alles mögliche vorstellen.

So oder so, es ist einfach unmöglich, mit fremden Dingen auf diese Art und Weise umzugehen. Zumal man für die getane Arbeit auch noch Geld erwartet. Man übernimmt Verantwortung und hat für das auf diese Weise ‘übernommene’ Schiff Sorge zu tragen. Wäre Bela mit der Arbeit überfordert – er hätte es uns sagen können. Und es wäre auf jeden Fall für unseres Portemonnaie und die Nerven besser, er hätte die Arbeit erst gar nicht begonnen!

Gestern waren wir nicht nur sprachlos und verzweifelt … auch wenn einem schon ein wenig zum Heulen zumute war. Die Fotos können das eigentlich nicht mal annähernd dokumentieren.

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Das Deck

P9010092P9010119P9010127 Außen und Badeleiter

P9020146P9020155P9020159 Teakverfugung

P9010095P9010123P9010121P9010120 Dingi mit Dreck und Seepocken

P9010099P9010098P9020142 Spreehood

P9010100P9010112 Fugen und Werkzeuge

P9010085P9010129P9010132P9010140 Unterdeck Tisch und Leisten

P9010137P9010136P9010135 Bodenbretter

P9010084P9010086P9010110P9010087 P9010104 Pantryablage und Badablage

P9010124P9010125P9010128 Dies und Das von den vielen Dingen, die wir irgendwann nicht mehr die Kraft hatten, zu fotographieren, und wie man mit fremden Eigentum umgeht…

So, jetzt aber Schluß mit diesem unschönen Bericht. Wir sind seit heute auf der kleinen ‘großen Fahrt’. Das Wetter ist herrlich (heiß), der Wind weht, aber wie immer von vorne, und wir fahren nach Kremik und dann, wenn wir es heute schaffen, auf die Insel Žirje (interessante Ruinen). Alles weitere später.

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Joanna, 02. 09. 2011

Die Insel Žirje ist mit ihren 15,5 km2 die größte Insel im Šibernik Archipel und wie es im Reiseführer heißt, von dem Tourismus kaum entdeckt. Na da hoffen wir, Glück zu haben. Allerdings kann man mit Blick auf die benachbarten Schiffe rechts und links von uns sagen, daß die Skiper & Crews diese schon ‘entdeckt’ haben.

Die Insel war spätestens im 6 Jh. nicht nur besiedelt, sondern bereits mit einer Festung gesichert gewesen. Das lag an der strategisch besonders wichtigen Lage der Insel, so daß sie nicht nur über eine, sondern mindestens über drei Burgen verfügte. Die spätantike Burg bzw. ihre Überreste wollen wir uns auch anschauen. Sie liegt oberhalb der Bucht Velika Stupica, in der wir vor einer Boje liegen, auf dem ‘Berg’ Gradina. Hier ist es auch, wo die Archäologen einiges freilegen konnten, so unter anderem ein Bad, Küche und eine Deckenverzierung (?!), alle Reste aus dem 15. Jh.

Die benachbarte Bucht Mala Stupica hat auf dem sie überragenden und höchsten Berg (ca. 163 m) gleicherweise Burgruinen aus der gleichen Zeit vorzuweisen. Und auch auf der Südseite der Insel gibt es weitere Festungsruinen. Diese stark mit Burgen befestigte Insel hatte dementsprechend auch ein wechselvolles Leben: Im 11 Jh. schenkte der kroatische König Petar Kresimir IV. die Insel den Benediktinern (keine Bebauung? kein Kloster?). Der Fürst Bribir hat sie dann der Stadt Zadar übergeben. 1323 war sie wieder im Besitz von Šibernik. Die venezianische Herrschaft brachte ‘Sommergäste’ auf die Insel: die wohlhabenden Bürger und Adelige bauten sich hier Landhäuser. Die Venezianer benutzten die Bucht, in der wir uns befinden, als ihren wichtigsten Hafen (keine Ruinen oder andere Reste zu entdecken, vielleicht abgetragen oder unter Wasser). Schließlich wurde Žirje im Zyprischen Krieg 1572 fast vollständig von den Türken verwüstet. Sie hat sich bis heute nicht wieder davon erholt. Der Hauptort der Insel mit dem gleichen Namen, der bezeichnenderweise im Landesinneren liegt, ist heute halb verlassen. Auf der gesamten Insel sollen nicht mehr als 70 Menschen leben. Etwas Landwirtschaft, Fischfang und früher, als die Zlarina mit ihrem speziellen Werkzeug auf die Insel kamen, auch der Abbau von Korallen, die es hier gab. Korallen waren zuerst vernichtet, danach der Fisch, den es hier kaum mehr gibt, die Landwirtschaft rentiert sich nicht auf diesen trockenen Böden, die mit der Klimakatastrophe immer trockener werden. Eigentlich eine traurige Geschichte, aber nicht besonders ungewöhnlich für ganz Dalmatien.

DSC_8365DSC_8367DSC_8369 [Voodoo in Kroatien] DSC_8371Antike Ruinenen eines Kastells auf SmokivicaDSC_8374DSC_8378DSC_8384 [Ausgrabungsort der venezianischen Villaruinen] DSC_8386DSC_8387DSC_8383DSC_8393 [Hier sind/wären möglicherweise noch Reste der ven. Hafenanlagen zu finden…] DSC_8395DSC_8399DSC_8402DSC_8403DSC_8404DSC_8400DSC_8409 Und schon sind wir wieder weiter unterwegs…