Marcel, 28. 02. 2010

„Er hatte in seinem Aufbegehren gegen alles etwas Titanisches bekommen, denn der Gegner war hoffnungslos stärker. Und so war er so elend und schäbig gescheitert, wie alle seinesgleichen.“ Lebenszeichen, das Erstlingswerk Werner Herzogs, spielt im Johanniterkastell in Kos-Stadt. Die großzügige Anlage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hafen besteht aus zwei Mauerringen und ist ein Flickwerk aus antiken Steinen der früheren Jahrhunderte. Der deutsche Soldat Stroszek verliert in der sengenden Sonne den Verstand, während er mit seiner griechischen Frau und zwei Kameraden ein verlassenes Munitionsdepot innerhalb des Kastells bewachen soll. Die Hitze und Langeweile der Tage setzen ihm zu. Ganz und gar unzurechnungsfähig wird er, als er sich mit Patrouillengängen abzulenken versucht und in einem Tal eine unglaubliche Anzahl an Windmühlen entdeckt. Wie Don Quixote beginnt er auf die Windmühlen zu schießen.

Jetzt im Winter präsentiert sich die Anlage menschenleer und mit frischem grünen Gras und einzelnen Blumen übersät. Die Versatzstücke antiker Gebäude innerhalb des Johanniterkastells zeugen von der Größe und Kunstfertigkeit eines antiken Kos, welches sich nur noch in Mauerresten und umgestürzten Säulen zeigt.

Weblinks

http://www.urlaub.de/kos.html

Marcel, 26. 02. 2010

Freitreppen verbinden die Ebenen der Kultstätte. Asklepios, der griechische Gott der Heilkunde, wurde hier verehrt. Die Römer fügten der Anlage später eine Therme hinzu. Das Asklepieiron wurde zu einem Kurort. Von den oberen Ebenen hat man einen freien Blick auf die Nachbarinseln und die Küste Kleinasiens.

Joanna, 26. 02. 2010

Asklepios, griechisch Ἀσκληπιός = herausgeschnitten, lateinisch Aesculapius, deutsch Äskulap, ist der Sohn des Gottes Apollon (der wiederum Sohn von Zeus ist) und der sterblichen königstochter Koronis.

In der griechischen Mythologie gilt er als der Gott der Heilkunst. Die Schlange, die sich in den meisten Darstellungen um den Äskulapstab windet, weist ihn zu den Chthonischen oder den Erd-Gottheiten.

Den Asklepios-Mythos gibt es in drei Varianten, von denen hier zwei verkürzt vorgestellt werden.

Steckbrief

  • Asklepios war ein Halbgott und Arzt aus Thessalien, lebte vermutlich zwischen dem 12.-11. Jh.v.Chr.,
  • Seine Gemahlin war Epione („die Lindernde“),
  • Mit ihr hatte er zwei Söhne, Podaleirios und Machaon, die von Homer als Ärzte des Griechenheeres beim Trojanischen Krieg besungen werden, und zwei Töchter, Panakeia („die Allheilerin“) und Hygieia („die Gesundheit“), die auch im Eid des Hippokrates (460 – 375 v.Chr.) genannt werden:

„Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinen zu Zeugen an, daß ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde…..”

  • Pausanias im 2.Jh. n.Chr. überliefert gleich drei verschiedene Versionen der Geschichte Asklepios.

Herkunft

Nach unseren heutigen sehr sterblichen Maßstäben müßten wir sagen, daß Asklepios eine außerordentlich traumatische Kindheit gehabt haben muß. Bereits seine Geburt war äußerst brutal, denn er ist dem toten Leib seiner Mutter entrissen worden während sie beriets auf dem Scheiterhaufen und in Flammen lag.
Wie es dazu kam, ist typisch für die griechische Politik der Götterwelt, die uns so überaus menschlich im negativsten Sinne erscheint, und es beginnt mit einer ungewollten/gewollten Verführung. Seinen unheilvollen Gang nahm die Geschichte, als Apollon – der Licht- bzw. Sonnengott – sich in Koronis, der Tochter (und Nymphe?) des sagenumwobenen Königs Phlegyas von Orchomenos, verliebte und sie unbedingt zu seiner Geliebten machen wollte. Beim Bade im Boibeis-See in Thessalien lernt er sie kennen und schwängert sie – oder wie es heißt: „verliebt sich unsterblich in sie“. Da sie von ihm ein Kind erwartet, und wohl an ihre Liebe zu ihm Zweifel hegt, sandte er ihr zur Bewachung einen wunderschönen weißen Singvogel. Koronis selbst entbrennt nicht in Liebe zu Apollon, sondern ist in den sterblichen König Ischys verliebt. Als sie sich ihm nähert, meldete dies der Vogel sofort seinem Herrn, doch Apollon wurde zornig und bestrafte den Überbringer dieser schlechten Botschaft: Er verdammte das arme Tier, schwarz zu sein, zu krächzen anstatt zu singen und fortan bevorstehendes Unheil anzuzeigen. Seither trägt dieser Vogel auch den Namen der Untreuen: Corvus corone corone – die Rabenkrähe.
Ganz der Sohn seines zörnenden Vaters, Zeus, nicht nur, was die sogennte Verführung anbelangt, geriet Apollon in blinde Wut über diese Schmäh. Er, der schönste und göttlichste Mann – Sonnengott – überhaupt, wird zurückgewiesen und ‚betrogen‘ wegen eines Sterblichen. Das konnte er nicht ertragen und ersann Rache. Doch die Ausführung wollte er nicht selbst übernehmen und überredetes (oder befahl) seiner ihm ergebenen Zwillingsschwester, der jungfräulichen Jägerin Artemis, Koronis zu töten. Als Artemis ihren ganzen Köcher Pfeile auf die schwangere Frau abgefeuert hatte und so Apollon rächte, reute es den verschmähte Gott … Was soll man dazu sagen…

Und nun gibt es drei Versionen, wie es weiterging und am Ende Asklepios ‚geboren‘ wurde:

1) Als der Leichnam der armen Koronis bereits auf dem Scheiterhaufen und den Flammen preisgegeben war, kam der geflügelte Gott Hermes, der die Schatten der Verstorbenen abholte und in die Unterwelt des Hades geleitete, und entriß dem Bauch der Toten im allerletzten Moment das ungeborene Baby,
2) Es war Apollon selbst, der das Baby herausoperierte,
3) Es war Zeus, der Vater von Apollon, der das Kind der Toten ‚entnahm‘,

Ich persönlich finde die erste Variante am besten, wenn auch nicht am plausiebelsten – wenn man dieses Wort im Zusammenhang mit griechischen Mythen überhaupt benutzen kann -, denn Hermes war zu diesem Zeitpunkt entweder ein sehr frisches Baby oder noch gar nicht auf der Götterwelt. Allerdings ist Hermes ein verschlagener Gott, und das schon als Baby, das gerne klaute – z.B. die Rinder des Apollons, das aber etwas später kommt. Vielleicht spielte er Apollon noch früher einen ‚Streich‘? Vielleicht begann er sich schon hier als „Bote der Götter“ hervorzutun, zu dem er erst später offiziell wurde, und übernahm diese Operation im Namen Apollons oder auch für Zeus? Wahrscheinlicher ist aber, daß der hitzige Sonnengott selbst seine böse Rache an der ehemals geliebten Frau etwas abmildern wollte, und selbst das eigene Kind aus dem toten Mutterleib herausnahm. Daher auch Asklepios/Äskulaps Name, der soviel wie „der Herausgeschnittene“ bedeutet.

Auf wessen Geheiß auch immer, jedenfalls brachte Hermes (oder Apollon) das Baby zu dem heilkundigen Kentaur (in der Gestalt halb Mensch, halb Pferd) Cheiron, der ein Sohn Zeus war und damit der Halbbruder Apollons, der das Kind aufnahm und in der Heilkunst unterwies, welche er einst selbst von Apollon gelernt hatte. Ob aufgrund göttlicher Eingebungen oder seiner menschlich-göttlichen Begabung und der guten Unterweisung seines klugen Lehrers wurde Asklepios zum allerbesten Arzt aller Zeiten für Mensch und Gott. So wurde Athene auf ihn aufmerksam und schenkte ihm das Blut der Medusa, die sie selbst aus Neid zu einem Ungeheuer verwandelt hatte und später umbringen ließ. Dieses Blut verwendete Asklepios dazu, einen toten Menschen zum Leben zu erwecken.

Seine Heilungsmethoden – und vor allem die Aussicht auf ‚Unsterblichkeit‘ der Menschen – machten ihn nicht nur zum Freund der Menschen und einiger Götter, die offenbar selbst viel Leid zu tragen hatten, sondern machten ihm auch mächtige Feinde. Zu aller erst Hades und dann in Folge Zeus selbst. So soll sich Hades bei seinem Bruder Zeus darüber beschwert haben, daß ihm dann in der Unterwelt die Menschen ausgingen. Und auch Zeus hatte wie immer Angst, seine Allmacht könnte ihm genommen werden, so daß er beschloß diesen Störefried zu beseitigen.

Tatsächlich läßt sich die Sage oder der Mythos um Asklepios sehr gut psychologisch aufschlüsseln. Denn nur allzu deutlich spricht aus seinen Taten der Wunsch heraus, den Menschen gegenüber den Göttern zu mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu verhelfen. Die Wurzel dessen liegt wahrscheinlich in seiner traumatischen Einsicht in jene Ohnmacht, die seine Mutter gegenüber den Götter empfunden haben muß, somit auch in die eigene Abhängigkeit von dem Wohlwollen der Götter, die gleichzeitig die Mörder seiner Mutter waren. Die Auferweckung des Toten durch das Blut der Medusa kann auch als Metapher für seinen Wunsch interpretiert werden, die so schändlich getötete Mutter durch den „Saft des Lebens“ (wiederum eine Metapher für das Leben, das sie ihm durch die Geburt schenken wollte) wieder lebendig zu machen.

Asklepios Rache, wenn man so will, an den willkürlich handelnden Göttern ist jedoch ins Positive gewandelt: Er hilft, wo Leid ist, das bisher nur die Götter selbst lindern konnten. Damit gleicht Asklepios dem Freund der Menschen, Prometheus. Und so wie Prometheus für die Hilfe, die er den Menschen gegen dir Götter gewährte, so wird auch Asklepios für seine guten Taten bestraft. Denn auch in diesem Fall tötete Zeus Asklepios, indem er einen Blitz gegen ihn schleuderte. Nur nebenbei bemerkt wiederholt sich darin die Totesart seiner Mutter, die von den Pfeilen der Artemis getötet wurde.

Der überaus beliebte Asklepios wird von vielen Göttern betrauert, doch ihren Unmut nimmt Zeus auf sich. Allein Apollon, der Vater von Asklepios, zörnt seinem eigenen Vater nachhaltiger. So wie man ihn kennt, sinnt er erneut auf Rache. Dieses Mal jedoch übernimmt er das Töten selbst: Da er Zeus, den unsterblichen Supergott nicht töten kann, so übt er die Blutrache an den Zyklopen seines Vaters. Diese waren dafür zuständig, Zeus‘ Zornesblitze zu erzeugen.

Und weil Rache wiederum Rache nach sich zieht, so konnte Zeus diese Tat seinem Sohn nicht ungestraft durhgehen lassen und verbannte ihn für ein Jahr, damit er bei König Admetos als einfacher Hirte Schafe und Rinder hütet. Obwohl keiner wußte, daß er ein Gott war, wurde er dort sehr freundlich aufgenommen und als Dank sorgte er dafür, daß alle von ihm betreuten Tiere Zwillige zur Welt brachten. Als der junge Gott Hermes ihm diese Herde stahl, zürnte er natürlichwieder und stellte Hermes zur Rede, der zunächst alles abstritt. Aber das ist jetzt eine andere Geschichte.

Eine andere Variante des Mythos besagt, daß Zeus den Asklepios tötete, weil dieser Geldgierig wurde. Erst später wurde die Sage um ihn verklärt, die Hades-Episode hinzuerfunden und aus dem Asklepios ein Gutmensch und Mertyrergott wie Prometheus gemacht:

„Gold verlockte auch ihn, gleißender Lohn, / der in den Händen blitzte, trieb ihn dazu, / einen Mann dem Tod zu entreißen, der schon gepackt war. / Da schleuderte Zeus mit seinen Händen / unversehens seinen Blitz durch Beide hindurch, / raubte ihnen den Atem aus der Brust, / der flammende Strahl schlug schmetternd zu Boden sie.“
[Pindar, 3. Pythische Ode 54-57, zit. nach Biba.]

Was nach dem Tot von Asklepios aber entstand, war die große Welle der Verehrung, die der tote Halbgott allerorts erfuhr, ganz offenbar analog zu der Häufigkeit und Größe des seelischen und körperlichen Leids, das die Menschen (und einige Götter offenbar auch) plagte.


[Relief aus dem 4. Jh. v. Chr., Arch. Museum Piraeus: Asklepios heilt eine Kranke; die liebevolle Zuwendung des Gottes zu seinen Verehrern kommt hier besonders schön zum Ausdruck; Photo: H. Schmitz]

Kult und Darstellung

Asklepios wird meist als ein bärtiger, ernster Mann, der mit einem Lorbeerkranz bekrönt ist und sich auf einen Stab stützt, abgebildet. Dieser Stab, der von einer Schlange (Natter) umschlungen wird, der sogenannte Asklepiosstab (Äskulapstab), wurde zum Symbol der Heilkunde. Der Hahn, die Eule, die Schlange und die Zypresse waren ihm heilig.

Asklepios besaß je nach Gegend viele Namen, einige davon lauteten: Aglaopes, Apaleriacus, Archgetas, Aulonius, Causius, Coronides, Cotyläus, Demenaetus, Epidaurius, Gortynius, Hagnitas, Pergameuns und Tricäcus.

Ausgeübt wurde der Asklepios-Heilkult, die Ausprägung eines theurgischen Krankheitskonzepts, das auf das 7. bis 5. vorchristliche Jahrhundert zurückgeht vor allem in sogenannten Asklepien, großzögigen Heilanstalten und Vorläufern moderner Krankenhäuser. Zu den bekanntesten gehören die Asklepien in Epidauros, Athen, Knidos, Naupaktos, Pergamon, Sikyon und auf Kos. Aber eigentlich entstanden überall in der griechischen Welt in der Nähe heilkräftig sprudelnder Quellen die Asklepios-Stätten.

„Die Patienten kamen zu diesen Tempelanlagen, die an klimatisch und hygienisch günstigen Orten lagen, um dort geheilt zu werden. Jeder musste zur seelischen Reinigung zuerst einmal fasten, ein Bad nehmen und sich religiösen Übungen unterziehen und im Tempel Opfer darbringen. Abends zogen sie sich dann in die Liegehallen zurück, zum Tempelschlaf. Dort begann der eigentliche Heilakt. Im Traum erschien den Kranken ein freundlicher Heilgott. Er berührte den Patienten, gab ihm eine Arznei, verband ihn oder ließ ihn seine Verordnungen wissen, die dann von den Priesterärzten gedeutet wurden.
Epidauros war eines der Hauptzentren und ist bestens bekannt durch das wunderschöne aus dem 4. Jh. v. Chr. stammenden Theater mit einmaliger Akustik und 1400 (!) Plätzen, ein Werk des Architekten Polyklet des Jüngeren. Man muss sich Epidauros als ganzheitliches Zentrum für Körper, Geist und Seele vorstellen. Wenn man es mit heute bekannten Orten vergleichen wollte, dann wäre es wohl eine Kombination aus Lourdes, Gastein und den Salzburger Festspielen.“

„Wir würden den asklepischen Heilschlaf vielleicht heute als psychotherapeutisches Verfahren bezeichnen. Die Heilung der Kranken wurde günstig beeinflusst durch Traumdeutung und Suggestion, mildes Klima, Ruhe, warme und kalte Bäder, reines Trinkwasser, die verschiedenen Kräutermedizinen, und zweifellos wirkten die Theateraufführungen auf Seele und Geist. Heute noch kann man im kleinen Museum von Epidauros die Stelen besichtigen, auf denen die Krankheiten und Heilungen zu lesen sind. Es wurden u.a. Lähmungen, Kinderlosigkeit, Glatzenbildung, Blindheit, Hautmale und Schlafstörungen erfolgreich behandelt. Kurios ist allerdings der Bericht über eine Frau, die fünf Jahre schwanger war und die nach der Therapie einen gesunden Knaben zur Welt brachte, der sich sofort am Brunnen selbst wusch.“
[Franz Biba, s. unter Quellenangaben unten.]

Das wohl berühmteste Asklepieion steht als ruinöser Rest auf der Insel Kos nahe der Stadt Kos, das in diesem vollenderten Stil als die älteste Heilanstalt der Welt gilt. Hippokrates soll sie gegründet haben, was aber insofern anzuzweifeln ist, als sie wahrscheinlich schon vor ihm bestand. Fraglos trug aber der berühmteste, sterbliche Arzt Hippokrates, auf den unsere moderne medizinische Praxis – gerade mit der Neubesinnung auf die Ganzheitlichkeit von Körper und Geist -zurückgeht. Die Ruinen des riesigen Komplexes mit Tempel, Behandlungszimmern und Altar haben, wie der aufmerksame Leser unserer Chulugi-Homepage weiß, besichtigt (s. unter „Kos“ und „Wandern“). Fraglos besitzt dieser Komplex und Ort eine besondere Atmosphäre, in der ich auch prompt sehr müde wurde… Vielleicht sogar auch geheilt.

Die Römer weihten 289 v. Chr. auf der Tiberinsel einen Asklepios-Tempel ein und haben die Schlange als Symbol der Heilkunst in Europa verbreitet, denn sie führten aus Griechenland die sog. Äskulapnattern zur Heilung – in diesem speziellen Fall war es die Pest – ein. Bis heute hat die Tiberinsel ihre Bedeutung als Heilort behalten. Auf den Ruinen des Äskulaptempels stehen seit den Zeiten Kaiser Ottos III Kirche und Kloster San Bartolomeo, das Israelitische Krankenhaus und ein großes Spital der Barmherzigen Brüder sind auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Heiligtums untergebracht.

Exkurs: Schlange

Im alten Griechenland galt die Schlange als Beschützerin der Unterwelt, sie symbolisierte die religiöse Verbindung mit der Erdtiefe. Ihre Häutung stand für Wiedergeburt, ewige Jugend und Unsterblichkeit. Schlangen wurden aber auch wahrsagende Fähigkeiten zugesprochen. Es heißt, eine Schlange habe Asklepios, auf die Wirksamkeit der unterschiedlichen Heilpflanzen aufmerksam gemacht. Andere Interpretationsvarianten sprechen davon, daß Asklepios selbst ein Erdgott in Schlangengestalt war. Der Äskulapstab, um dessen Schaft sich eine Schlange windet, ist seither das Wahrzeichen der Apotheker und Ärzte.

Von Rom auch, so nimmt man an, wurde die Äskulapnatter allmählich weiterverbreitet, die Römer haben diese Schlangen auch in die besetzten Gebiete mitgeschleppt, was die verstreuten Populationen in Mitteleuropa, insbesondere in der Umgebung von Bädern (z.B. Bad Ems oder in Hessen Bad Schlangenbad im westlichenTaunus, dieser Ort hat die Natter sogar heute noch im Wappen) erklären könnte. Fossilienfunde aus Deutschland, Polen und sogar Großbritannien scheinen jedoch zu beweisen, dass die Nattern in wärmeren Zeiten von Südeuropa einwanderten und sich später nur in sogenannten Wärmeinseln halten. [Zitiert aus Biba; dort auch weitere Ausführungen zur Geschichte der Schlangenkulte bis hin zu Christus und Mittelalter.]

Quellen

Zur Anwendung bei diesem Artikel kam neben dem persönlichen Wissen folgende Quellen:

Wikipedia

www.die-goetter.de/sonnengott-apollon

http://www.planet-wissen.de/natur_technik/reptilien_und_amphibien/schlangen/schlangenmystik.jsp

http://www.mike-epidavros.com/asklepios.htm

http://www.apotheker.or.at/Internet/OEAK/NewsPresse_1_0_0a.nsf/ca4d14672a08756bc125697d004f8841/49712c01bd081b43c1256ac60034f51b/$FILE/schlange%C3%96AZ.pdf [sehr schöner Aufsatz von Franz Biba]

Marcel, 08. 01. 2010

Die letzten Seemeilen liegen vor uns. Für die nächsten Tage sind Stürme mit 8 bis 9 bf aus Nord vorhergesagt. So sind wir froh, dass trotz der ungeplanten Verzögerungen während der Reise unser Ziel, die Kos Island Marina, zum greifen nahe rückt. Wir erreichen das Ostkap von Kos zum Einbruch der Dämmerung. Gewitterwolken ziehen auf, die den Sturm der nächsten Tage ankündigen. Wir melden uns über Funk bei der Marina an, und werden schon an der Einfahrt in den Hafen von einem Dingi in Empfang genommen. Wieder die Sache mit dem rückwärts einparken… Das will noch geübt werden. Der lange Kiel erfordert Übung bei Manövern im Hafen, vor allem Rückwärts unter Motor zieht das Heck in ungewollte Richtungen aus dem gewünschten Kurs. Korrektur kaum möglich. Es bleibt nur ein erneuter Versuch. Die Mitarbeiter der Marina bugsieren uns mit dem Dingi an den Steg. Dort stehen bereits Nachbarn und Leute der Marina und nehmen die Leinen in Empfang. Wir haben es geschafft!

Wir lernen Giacomo kennen, einen Venezianer, der in einer 13m langen Holzketch im Mittelmeer unterwegs ist. Er half uns bereits beim Anlegen. Am letzten Abend verbrachten wir einige Stunden bei Wein uns Whisky unter Deck. Er schickte uns das Foto, welches er ein paar Tage nach unserer Abreise aus seinem Salon aufgenommen hat.

320sm in 8 Tagen – inklusive einem Hafentag – liegen hinter uns; eine Platzwunde am Auge, ein gequetschter Finger (Vorsicht beim Zusammenklappen des Cockpittisches); Flaute und Sturm – eine in zwei Teile gerissene Fock, zwei schöne Wanderungen… wir freuen uns auf die nächsten Törns.

Marcel, 08. 01. 2010

Wir sind um 8:00 aufgestanden und haben einen kleinen Rucksack für unsere Wanderung zu der CALDERA geschnürt – dem Rand des Vulkankraters, denn die Insel ist ein inaktiver Vulkan, der allerdings nicht ex- sondern implodierte, so daß es in der Mitte der Insel ein riesiger Krater entstanden ist. Unsere Wanderung, die uns ein sehr schönes Wanderbuch der gr. Inseln vorgibt, beginnt wie immer damit, den richtigen ‚Eingang‘ zu finden. Bei diesem Herumirren in der Landschaft beobachtet uns ein Bauer, der freundlich sich danach erkundigt, ob er uns helfen könne. Obwohl ich natürlich kaum daran glaube (kaum jemand kennt sich mit der eigenen Gegend so schlecht aus wie die Einheimischen) und des Griechischen nicht mächtig bin, antworten wir höflich auf Englisch, daß wir den Fußpfad (=Monopadí, was für ein schöner Begriff!) zu dem Ort EMBORIO suchen (der Name ist mir da nicht eingefallen). Und der Bauer weiß nicht nur Bescheid, beschreibt uns den Pfad, und setzt uns auch auseinander, warum er so schwer zu finden ist (weil die Touris lieber sich ein Moped oder ein Auto mieten als zu Fuß zu gehen und so werden die alten Wege nicht gepflegt und verschwinden langsam), sondern sagt das auch noch in einem guten Englisch!!! Unglaublich – da ist es das Wenigste, das man in Ermangelung der Sprachkenntnisse sagen muß: „efcharistó!“, „danke!“ Zu unserer Tour zu dem verlassenen Bergdorf mit dem unglaublichen Ausblick Richtung Krater klicke auf das Bild. (Nicht zu vergessen die Natursauna, die von den heißen Dämpfen des Vulkans gespeist wird!). Leider mußten wir PALOI auch schon um 14:00 verlassen, um einigermaßen zeitig in KOS einzulaufen.


Marcel, 06. 01. 2010

Nach stürmischer Fahrt bei 7bf von achtern erreichen wir am Dreikönigstag Rhodos. Der erste Anlegeversuch rückwärts gegen die 7bf an den Steg zu kommen waren erfolglos. Der Umgang mit dem langen Kiel erfordert noch etwas Übung. Wir finden aber einen freien Platz, an dem wir längsseits gehen können.

Am Dreikönigstag wirkt die Stadt wie ausgestorben. Lediglich einzelne Läden in der ansonsten verwaisten Altstadt haben geöffnet, in denen einsame alte Leute vergeblich auf Kundschaft warten. Wir streifen durch die Gassen auf der Suche nach einem geöffneten Restaurant und finden lediglich am Hafen einen schwimmenden Glaskasten, in dem hippe Griechen Cocktails schlürfen. Laurence Durrell schreibt im Herbst 1945 in einem Brief an Henry Miller: „Die winzige Insel besteht aus einer Masse kleiner Winkel, die mit Mauern und Gärten kunstvoll eingefriedet sind und mit purpurner Bouganvillea wild überwuchert sind – ein bisschen zu absichtlich so zurechtgemacht. An der Hafenfront gibt es jedoch nicht eine einzige Taverne oder einen Obststand. Langweilige Fassaden öffentlicher Bauten, alle in riesenhaftem Maßstab, imitiertes Mittelalter, erheben sich in den Himmel.“

Am nächsten Morgen mache ich noch ein paar Fotos des Großmeisterpalastes. Eigentlich war ich auf dem Weg zum Tax-Office um die für Griechenland nötigen Formalitäten zu erledigen. Dieses hat aber eher willkürlich ausgelegte Öffnungszeiten, so dass uns die Hafenpolizei auch ohne Stempel weiterfahren lässt.

Marcel, 06. 01. 2010

Um 01:30h am Morgen werden die Leinen los gemacht. Wir haben ca. 70sm auf dem Weg nach Rhodos vor uns.

Marcel, 05. 01. 2010

InKaş klarieren wir aus. Zunächst geht es zum Hafenamt, dann zum Zoll, zur Polizei und wieder zum Hafenamt. Nach einer Stunde habe ich die Prozedur hinter mir. Wir haben die Stempel in den Pässen und dürfen offiziell ausreisen.

Ein letzter Blick auf die kleinasiatische Küste. In nur wenigen Minuten sind wir in europäischen Gewässern. Na ja, zugegebener Maßen werden wir Kleinasien noch in den nächsten Monaten vor der Nase haben…

Einklarieren in europäische Gewässer. Wir setzen die gelbe Flagge Q (An Bord ist alles gesund, ich bitte um freie Verkehrserlaubnis) und machen uns auf den Weg zum Hafenamt. Zoll gibt es hier nicht. Auch keinen Hafenarzt. Der Polizist wird vom Hafenamt angefordert und kommt in zwanzig Minuten mit einem Geländewagen die Schotterpiste angerumpelt. Wir liegen mit Chulugi direkt vor einem weißen Blechcontainer, in welchem die Polizeistation aufgehoben ist. Ein Seecontainer? Nimmt die nächste Fähre die Polizeistation wieder mit?

Marcel, 04. 01. 2010

Ein Dorfhund aus Ücagiz und unsere nette Wanderbegleitung… die ehem. Mißhandlungen sah man ihm am Fell noch an… leider konnten wir ihn nicht mitnehmen. Ein ziemlich guter Kletterer und Wanderer – möglicherweise auch ein Landschaftsgenießer.

DAS ‚Wahrzeichen‘ von KALE: natürlich ein Sarkophag. Es stand nicht immer im Wasser, sondern wie die anderen an Land. Doch dieses Land um KALE senkt sich seit Jahrhunderten ab, weil die afrikanische Platte auf die europäische stößt… ein bekanntes Problem. Nun reagiert aber dieses Land hier anders, als die Wissenschaftler es berechnen, denn es senkt sich, statt sich zu heben. Leider konnten wir die versunkene lykische Stadt nicht sehen, denn das Wasser war zu trübe im Winter.

Die Sarkophage sind lykischen Ursprungs. Lykien ist eine antike Bezeichnung für den Südwesten der kleinasiatischen Küste. Das Volk der Lykier hatte eine eigene Kultur, Sprache und Schrift. Ausserdem einen Hang zu repräsentativen Grabanlagen in der Form von Felsgräbern, Pfeilergräbern und den bei unser Wanderung allgegenwärtigen Sarkophagen mit spitzen Deckeln.

Eine bekannte Persönlichkeit Lykiens ist der heilige Nikolaus, der um 330 Bischof von Myra war. Nikolaus ist unter anderem Patron der Seefahrer und Händler, unter anderem der Hanse. In Not geratene Seeleute riefen den Heiligen an. Ihnen erschien ein mit Wunderkräften ausgestatteter Mann, der die Navigation übernahm und für den richtigen Trimm der Segel sorgte. Auch lies er den Sturm abflauen, bevor er verschwand. Als die Seeleute später in der Kirche von Myra dem Heiligen dankten erkannten Sie ihn wieder.

Um 1087 raubten italienische Seeleute die Gebeine des Heiligen aus der von Muslimen besetzten Stadt, indem Sie die Knochen in Gefäßen mit Schweineschmalz versteckten. Sie brachten die Reliquien nach Bari, wo sie noch heute verehrt werden.

Ausserdem ist Nikolaus von Myra Schutzpatron von Serbien und Kroatien, unserem Reiseziel im Herbst 2010…