Um 1700 fällt der Anker vor Kardamili. Wir ankern neben dem kleinen, dem Ort vorgelagerten Inselchen, Sir Patrick Leigh Fermors Haus in Sichtweite. Die Fensterläden scheinen geöffnet, auch in der Nacht brennt noch Licht. Ist der große Fermor wirklich zugegen. Joanna zumindest scheint den Geist des Meisters zu spüren…
Die Bucht erwacht Windstill. Wir gönnen uns einen Kaffee, dann geht´s mit dem Dingi an Land. Unser Ziel: Areopolis. Der Ort hieß ursprünglich Tsimova. Der Name Areopolis leitet sich vom Kriegsgott Ares ab. In Areopolis und Limeni residierte der Clan der Lokalfürsten der Mavromichali. Petrobey Mavrochichalis war eine bedeutende Figur im Kampf gegen die Türken zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Mani selbst hat sich, wie bereits berichtet, immer eine rlative Unabhängigkeit bewahrt. Der Mani-typische Wohnturm der Mavromiachali steht in Limeni und bietet uns eine passende Kulisse.
Nach ein paar Windungen auf segend heißem Asphalt biegen wir einen Feldweg nach rechts ab, der uns, so hoffen wir, auf kurzem Wege zu dem höher gelegenen Örtchen bringt.
Die Abkürzung verlief dann aber schnell im Sande. Etwa 500m unterhalb einer kleinen Kapelle brach der Weg in unsere Richtung ab. Es hieß also klettern. Über jahrhundertealte Mauern kraxelten wir den Berg hinauf. Die Kapelle bot willkommenen Schatten und hielt tatsächlich einen Fahrweg nach Areopolis bereit. Das Dorf war von hier bereits in Sichtweite.
Areopolis bietet pittoreske aufgehübschte Fassaden und Gassen.
In einer kleinen Backstube kaufen wir frisches Brot und Paximadia. Überall im Laden liegen Backbleche mit vorbereiteten Paximadias in vorgebackenem Zustand. Daneben Berge von Broten und an den Wänden Fotos der Familie.
Neben der Bäckerei, gegenüber einer Kirche, die leider verschlossen ist, speisen wir zu Mittag. Kaninchen, Lamm, Gemüse, Kichererbsen gewürzt mit Dill und wildem Fenchel; dazu Zaziki und Feta und natürlich Weißwein und Wasser.
Wir verlassen Porto Kayio gegen Mittag und segeln bei 3bf aus West unter vollen Segeln drei Meilen nach Süden. Das Kap Tainaron, der südlichste Punkt von Festland-Europa ist zum Greifen Nah. Der Anker fällt in der Doppelbucht des antiken Tainaron Asomato/Spilio, in der sich einer der Eingänge zum Hades befinden soll. Doch schon der Reiseschriftsteller des Altertums Pausanias spöttelt über den Aberglauben, dass Götter unter der Erde die Seelen der Toten sammeln sollen. Außerdem endet die Höhle bereits nach wenigen Metern.
Da heute zur Abwechslung das Echolot nichts mehr anzeigt, und nicht der Windmesser, der jetzt wieder funktioniert, bleibe ich zu Reparaturarbeiten auf Chulugi, während Joanna und Dietmar sich mit Retzina und Oliven ausgestattet zum Leuchtturm aufmachen. Das Aufschrauben und Abnehmen von Verkleidungen und Instrumentenabdeckungen hätte ich mir allerdings sparen können. Ein Tauchgang unter den Rumpf zeigt die Ursache des Übels: In der Einmuldung des Echolotgebers hat sich eine Luftblase gesammelt. Diese heraus gewedelt und siehe da, wir liegen auf 9 Meter Wassertiefe.
Etwas Gutes hatte es aber dann doch, dass ich an Bord geblieben bin. Das Schabgeräusch der Kette unter Deck hat es bereits angezeigt: Der Anker hat sich nicht eingegraben und schlürt über den Grund. Der Tauchgang gibt auch hier Klarheit: Der Anker liegt nur mit einer Fluke an einem Felsvorsprung verkeilt auf nacktem, felsigen Grund. Weit und breit ist kein Sand zum eingraben zu sehen.
Am Nachmittag runden wir Kap Tainaron noch unter Segeln. Das Kap liegt auf der Flugroute vieler Zugvögel auf ihrem Weg nach Afrika. Und hier noch eine weitere Anekdote: Die SS Californian, das Schiff, das die Titanic vor den ihr zum Verhängnis werdenden Eisbergen warnte, sank 1915 beim Kap Tainaron, nachdem sie von der deutschen Flotte torpediert wurde.
Den Rest der Strecke ist bei NW natürlich wieder Fahrt unter Motor angesagt. Hin und wieder, die ein oder andere Meile, können wir den Motor ausmachen und eine kurze Strecke segeln.
Um 2200 fällt der Anker im letzten Dämmerlicht des Tages in der Buch Limeni. Vor uns der beleuchtete Wohnturm der Mavromichali. Dazu später mehr. Zwei Tavernen liegen direkt am Wasser. Davor dümpeln ein paar Fischerboote in der schwarzen Dünung.
Wir nähern uns der Mani über den Lakonischen Golf zwischen dem mittleren und dem östlichen Finger des Peloponnes. Der auslaufende Taigetos zeichnet sich dunkel vor dem Abendhimmel ab. Die Bergkette ist in Pastell gezeichnet, schwingt sich nach Norden in die Wolken und verschwimmt. Das Meer ist immer noch grau und glatt wie Blei. Wie in den letzten Tagen wummert der Motor. Gerne hätten wir diesen Anblick unter Segeln genossen, wenn nur das Rauschen von Wind und Wellen zu hören ist.
Wir stehen am Bug und beobachten das Farbenspiel von Bergen, Sonne, Wolken und Meer. Plötzlich tauchen mehrere Schwanzflossen aus dem Wasser. Wir vermuten Tunfische. Doch dann sehen wir die Rückenflossen. Eine Schule Delphine schwimmt uns vor den Bug. Die Meeressäuger schwimmen neben dem Schiff, tauchen aus dem Wasser und drehen den Kopf zu uns hinüber, so dass sie uns in die Augen sehen können. Sie tänzeln wenige Zentimeter neben dem Schiff und vor dem Rumpf umher und drehen in unserer Bugwelle ab.
Auf die Delfine und auf die Mani. Endlich erreichen wir diese karge Landzunge. Der letzte und südlichste Zipfel Festland-Europas. Dieses noch vor wenigen Jahrzehnten vom Rest-Europa unbekannte Ende der Welt ist aus Sicht der Manioten die “Innere Mani (Méssa Mani)”. Ein Ort des Rückzugs und der Isolation. Nie von fremden Herrschern, seien es Venezianer oder Türken vollständig erobert, war dieses Fleckchen Land immer sich selbst überlassen und gebar so einen eigenen Menschenschlag, eine Architektur, die an San Giminiano erinnert und eine Kultur in der noch vor kurzer Zeit Blutrache geübt wurde (wie auch in Kreta – siehe hierzu den Film Alexis Sorbas). Eine Landschaft die schon Patrick Leigh Fermor, Bruce Chatwin und Laurence Durrell verzaubert hat, und die sie nie wieder los ließ. Bruce Chatwins letzter Wunsch war in der Mani begraben zu werden, und so schmuggelte seine Frau nach seinem zu frühen Tod die Asche zu Patrick Leigh Fermor, der noch heute, mit über 95 Jahren, hier lebt, und der sie vor einer kleinen Kapelle dem Wind und der maniotischen harten Erde übergab, mit den letzten Worten, “möge sie leicht auf ihm ruhen”.
Um 2130 erreichen wir Porto Kayio. Die Mani-typischen Wohntürme zeichnen sich auf den Hügeln ab. Ab Nordhang der Bucht lehnt sich ein Kloster an die steile Felswand. Der Anker fällt im letzten Dämmerlicht des Tages. Wir bringen das Dingi ins Wasser und betreten noch am Abend maniotischen Boden.
Die Nacht vor Anker ist mehr als ruhig. Nur ein wenig Dünung rollt in die kleine Bucht. Das venezianische Kastell im Bonsai-Format ist hell illuminiert. Der Morgen empfängt uns mit weißen Quellwolken vor blauem Himmel, die Farben Griechenlands. In Avlemonas landen wir nach dem Frühstück und einer kleinen Reparatur- (Steuersäule fixieren, Außendusche reparieren) und Aufräumaktion mit dem Dingi an und erkunden die drei Straßen und das Kastell in dem noch mehrere rostige Kanonen herumliegen. Auf der Rückseite klafft ein Loch, wie durch eine der Kanonen verursacht, in das man in den Hof gelangt. Das solide Tor ist jedoch verschlossen.
Wir suchen uns eine kleine Taverne aus, von der wir durch eine Blütenpracht auf Chulugi und das offene Meer blicken können. Obwohl der Weißwein mundet und wir einen Teller mit Käse, Oliven und Gemüse serviert bekommen, stellt sich die Taverne als die falsche Wahl heraus: Den frischen Fisch zum Weißwein gibt´s ein Haus weiter. Wir entscheiden uns zum Schiff zurückzukehren und den Anker zu lichten.
Beim Anker Aufholen gibt die Ankerwinsch den Geist auf. Gut, dass nur noch der letzte Meter per Hand heraufgezogen werden muss. Es stellt sich als ein Defekt des Schalters heraus. Ein Reparaturversuch scheitert. Wir können jedoch einen improvisierten Ersatzschalter installieren, bis wir im nächsten Bootszubehörshop einen entsprechenden Ersatz finden.
Es geht vorbei an Diakofti. Vor dem kleinen Örtchen ragt mahnend ein imposantes Wrack eines Frachters aus dem Wasser. Das Meer liegt schwer wie Blei vor uns. Weiter unter Motor!
Wir starten nach einer ruhigen Nacht und gemütlichem Frühstück an Deck gegen 1100 von Kissamos. Kurz bevor wir ablegen wollen, möchte ein Beamter der Küstenwache doch noch gerne unser Pleasure Craft Document stempeln. Nach Kos ist das erst der zweite Stempel in dieser übergroßen Stempelkarte. Über den Felsmassiven die an der Halbinsel Gramvousa steil ins Meer fallen hängen kleinere Regenwolken wie graue Watte. Nach kurzem motoren gegen einen mäßigen Wind aus N (versprochen hat man uns W bis SW) können wir am Kap Gramvousa dann auf unseren Kurs nach Kythira abfallen und setzen Groß, Fock und Klüver. Endlich pflügen wir unter voller Besegelung mit 6 bis 7 Knoten Fahrt auf Kurs 320° der Insel Kythira entgegen, wo der Sage nach die Göttin Aphrodite aus dem Meeresschaum entstiegen ist. Es tut gut, das Wummern der Maschine nicht mehr zu hören, das uns die letzten zwei Tage (und die erste Nacht) begleitet hat. Unter Deck schläft man wie in Abrahams Schoß, hört draußen das Wasser an der Bordwand gluckern. Die Bullaugen im Salon sind bei Rauschefahrt von den Wellen überspült.
Gegen Mittag lassen wir Kythiras kleine Schwesterinsel Antikythira an Backbord liegen. Zum Mittagessen bereitet der Smutje einen griechischen Salat mit Paximadia, dem harten griechischen Zwieback und einem lokalen Weichkäse, der an den italienischen Ricotta erinnert. Dazu ein Gläschen kretischen Weißwein. Was will man mehr? Der Wind hat auf 3bf abgenommen. Wir gleiten aber immer noch mit 5 Knoten durch die ägäische See. Keine Fischer, keine Frachter, keine anderen Segler sind zu sehen.
Vorbei an Stavros, dem Drehort von Alexis Sorbas fahren wir unter Motor weiter wir in Richtung Chania um dort Diesel zu bunkern und einen Ersatzschäkel (den mittlerweile zweiten) für das Großfall zu kaufen.
Am Nachmittag legen wir von Chania wieder ab. Wir haben 193 Liter Diesel gebunkert und den Schäkel des Großfalls ersetzt. Der Ort wird im Winter eine angenehme Atmosphäre haben. Viele alte Häuser reihen sich um den Hafen und schmiegen sich eng aneinander. Die Fassaden sind in Ocker- und Rottönen getüncht. Dazwischen stecken einige moderne Bauten, die sich jedoch unauffällig zwischen die Fassaden mischen. Jetzt zur Hauptsaison war jedoch an einen ruhigen Stadtbummel nicht zu denken, und zumindest in der Altstadt rings um den Hafen wurde nur Tünnef und Nippes feilgeboten.
Der Hafenmeister war äußerst zuvorkommend. Als er unsere Enttäuschung auf die Information bemerkte, dass es Diesel erst wieder am nächsten Morgen und dann nur bis 1100 werden kann – eine Anordnung der Hafenpolizei –, organisierte er doch noch, dass der Tankwagen zu uns an die Pier kam. Auch den Schäkel des Großfalls konnten wir fünf Minuten vor Ladenschluss noch erwerben.
Endlich können wir ein paar Meilen segeln. Doch auch dieses Vergnügen scheitert am frühen Abend am Gegenwind. Um noch halbwegs im hellen einen Liegeplatz anzusteuern, entscheiden wir uns, Balos wegen der Westwindlage auszusparen, und Kissamos anzusteuern. Doch auch dort kommen wir bei Dunkelheit in dem kleinen Hafen an und gehen am schiffs- und menschenleeren Betonpier längsseits. Der Hafen wirkt für die zwei großen Ausflugsboote nach Balos und ein paar Fischer etwas zu überdimensioniert. Riesige Betonmolen mit hell erleuchteten Parkplätzen empfangen uns hier. Eine Taverne mit übellaunigem Wirt und eine verschlossene Zollstation deuten auf mehr Aktivität hin. Doch auch am nächsten Tag haben wir den Eindruck als dass der Hafen schon bessere Zeiten gesehen hat .
Wir kamen von der Seeseite her – natürlich. Es war noch Dämmerung und der Tag begann sich erst langsam zu regen als wir die sehr schmale, sehr tiefe Seeräuberbucht erreichten. Ich habe auf spielgelglattes Wasser gehofft, damit wir trotz des sehr tiefen Wassers hier ankern könnten.
Mein Ziel: von der Seeräuberbucht aus zu einem verlassenen Kloster, zu einer Eremitenhöhle, einer Maria-Kapelle in der “Bärenhöhle” und schließlich am Ende der Tour zu einem sehr bekannten, wehrhaften Kloster zu wandern. Poseidon war mir wohlgesonnen und ließ das Wasser ruhig und eine kleine ‘Untiefe’ von 16 Metern entstehen. Wir konnten den Anker fallen lassen.
Aber es sollte trotzdem anders kommen… wie immer war ich für die vorgesehene Dauer der Wanderung – ca. 2,5 Stunden – viel zu langsam. Angesichts der vielen Natur- und Kultureindrücke, die alle paar Meter auf mich warteten, war an einen wandermäßigen Schnellschritt nicht zu denken und auch nicht erwünscht.
Die erste Überraschung war die fjordartige Bucht selbst: Unglaubliches azzuro-grünes Wasser und eine in Naturstein gehauene Anlegerstelle. Sie diente früher nicht nur den München als Pier, sondern auch den Seeräubern, die das Kloster regelmäßig übervielen. So sahen sich die frommen Männer irgendwann dazu gezwungenen, nachzugeben und sich ein auf der Höhe gelegenes neues Kloster – wehrhaft wie eine Burganlage – zu bauen: mein eigentliches Tourenziel.
Ich ruderte also in diese wunderbare Bucht, während die Jungs sich auf Chulugi die Zeit vertrieben (mit schlafen, trinken und baden wie echte Piraten eben). Mich zog es eher auf den Spuren der Piraten hoch hinaus und zu dem verlassenen Kloster.
Die Fotos zeigen den ‘natürlichen Anleger’ oder aber die Ruinen von ‘Hafenanlagen’. Ich habe gelesen, daß in der Nähe der Bucht Steine abgebaut wurden und diese Stelle zu einem Steinbruchan- und ableger wurde.
Wie ein echter Fjord.
Der Wanderweg entpuppte sich sogleich als eine Schluchtwanderung – und was für eine! Die Fotos geben die Eindrücke sehr ungenügend wieder, da die starken Helldunkelkontraste, die in der Schlucht vorherrschten, von der Kamera nicht dem visuellen Eindruck entsprechend festgehalten werden konnten.
Und dann schließlich die Bogenbrücke – gewaltig umspannte sie die Schlucht, in deren Tiefe die Wanderung mit den blauen Markierungspunkten weiterging (wohin weiß ich jedoch nicht, weil es in meinen Wanderbüchern nirgends beschrieben ist. Ich war sehr versucht, den blauen Punkten zu folgen…)
Das verlassene Kloster liegt oberhalb dieser Bogenbrücke und man muß einen steilen Pfand nehmen (=hochkrachseln; ich nahm übrigens aus versehen den falschen, nämlich einen noch steileren Ziegenpfad und wunderte mich, wie man diesen Pfad den ungeübten Wanderern zumuten könne).
Was für ein Ausblick, was für eine ehemals schöne Anlage!
Unverkennbar italienische Renaissanceeinflüsse (was für eine orthodoxe Kirche eher ungewöhnlich ist, denn die Fremdherrschaft der Venezianer und damit der Katholiken war ein zusätzliches Hindernis, Kunstformen der jeweils anderen Religion zu übernehmen): die beiden Spitztürmchen bzw. Bögen, der Spitzgiebel mit dem (in sehr bröckeligem Zustand) Arkantenfries und schließlich die Felsenkirche selbst mit ihrem Rundfenster über dem Haupteingang und den ziselierten Pfeilern an den Seiten. Das Kircheninnere war neueren Datums bzw. ähnelte mehr einer Grotte. Von der Decke tropfte unablässig Wasser und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich hier Stalaktiten und Stalakmiten bilden werden. Ich schob die zur Anbetung ausgestellte Ikone zur Seite, auf der die vielen Männer wie stellvertretend für die ehemals geflüchteten Mönche die Hände zum Gebet heben und in dieser wunderbaren stillen Landschaft die Stellung halten, damit sie nicht selbst zu Stalaktiten werden.
[Ein Suchbild: Wo sind die kleinen Berghütten?]
Mein Weg führte einen langen als Treppe angelegten Weg hoch, ich bewunderte die Schlucht und die Berghänge mit ihren gut in die Landschaft assimilierten Bebauungen, die bestimmt noch die Mönche angelegt hatten, als sich unvermittelt zu meiner Rechten ein Höhleneingang öffnete.
Ich muß gestehen, so sehr mich Höhlen und Grotten anziehen – über Jahrhunderte genutzt, nicht selten zu sakralen, mythisch aufgeladenen und verehrungswürdigen Räumen gewachsen –, so sehr wecken sie auch tiefsitzende Ängste in mir. Also, schnell ein- und ausatmen und einen Schritt hinein wagen.
Der kleine improvisierte Altar machte mir schnell deutlich, dies müßte die Höhle des Eremiten Johannes (Ioannes) sein. Ich zündete eine Kerze an und leuchtet mit der bereitgestellten Scheinwerferlampe in das Dunkel der Höhle. Sie war nicht besonders lang, aber für mich unheimlich genug. Ich vermute, in ihrem Inneren gibt es noch einen weiteren Altar.
Was folgte, waren atemberaubende Ausblicke und ein wunderschöner gepflasterter Pilger- und Eselspfad! Ich war überwältigt. Und all diese Schönheit nur für mich alleine, denn hier war weit und breit kein anderer Mensch. Nur die sehr zahmen Ziegen – offenbar auch nicht mehr an Menschen gewöhnt – begleiteten meinen Weg.
Und weil meine Begeisterung ausgekostet werden wollte und Zeit dabei keine wesentliche Rolle spielte, mußte ich auf die Bärenhöhle und auch auf das wehrhafte Kloster (noch von Mönchen bewohnt) verzichten und wieder in die Schlucht hinabsteigen, die plötzlich so weit unten lag…
Der Rückweg:
Gleisendes Licht auf dem Berg. Das Meer verlockend blau und kühl in der Ferne.
Ich teilte mein Imbiss mit den Ameisen.
Und wieder in der schattigen Schlucht:
Dann der vertraute Anblick des schimmernden Wassers – die Fjordbucht und um die Ecke die wartende Chulugi mit den badenden Jungs:
Es war die schönste Wanderung, die ich bisher gemacht habe…
Wir starten am frühen Nachmittag von Agios Nikolaos bei (zu) leichtem Wind aus Nordwest. Dicke Wolken hängen über den Bergmassiven und Hochebenen im Hinterland von AN. Manche der Berghänge verschwinden im Nebel. Die dunklen Schatten der Wolken lassen manche Dörfer düster erscheinen. Doch je weiter wir aus der weit geöffneten Mirabello-Bucht in die Süd-Ägäische, die Kretische See fahren, desto sonniger wird es. Am Johannis-Kap setzen wir Segel, kommen aber bei 8kn Wind nicht wirklich gut voran, so dass wir uns entscheiden unter Motor weiter zu fahren.
Es gibt also im Verlauf des Nachmittags nichts weiter zu tun, als alle 15 Minuten einmal den Blick ringsum schweifen zu lassen. Ansonsten genießen wir den Blick auf die Küste, die an Backbord an uns vorbeizieht, lesen oder halten ein Nickerchen. Bis zur nächsten Landmarke, einem kleinen, Iraklion vorgelagerten Inselchen sind es noch gute 5 Stunden. Gleich wird es Zeit für ein Glas Wein oder ein Fahrtbier, welches man sich bei diesem Wetter durchaus gönnen kann. Der Wetterbericht verspricht zwar zum Abend eine weitere Windstärke für uns, aber wir bleiben skeptisch. Und so motoren wir auch noch Stunden später der untergehenden Sonne entgegen.
Gestern Abend hatten wir auf der Fahrt vom Flughafen nach AN noch die Sonne im Rücken. Der Transfer wurde unerwartet komfortabel. In einer mit weichem hellbraunen Leder, ich vermute edelstes Kalbsleder, ausgestatteten S-Klasse Limousine wurden wir vom Flughafen zur Marina chauffiert. Wir standen an der Bushaltestelle und warteten auf den schon mehrere Minuten überfälligen Überlandbus nach AN als ein schickes Taxis neben uns hielt und uns fragte, ob wir nach AN wollten. Für 20€ würde er uns alle drei mitnehmen! 20€? Wir waren erstaunt. Und auch nach mehrmaligem Nachfragen ob der Preis pro Person gelte oder für alle drei, versicherte der Fahrer, uns für den Betrag, den sonst die Busfahrt gekostet hätte, nach AN zu bringen. (Das ‘Geheimnis’: Der Taxifahrer hatte zuvor Fahrgäste zum Flughafen gebracht und würde sonst leer nach AN zurückfahren.)
Am frühen Abend erreichen wir die kleine, Iraklion vorgelagerte Insel Dia, ein karges, felsiges Eiland. Auch hier finden sich ein oder zwei Tavernen für Tagesausflügler und, wie auf jedem, noch so kleinen, griechischem Inselchen, eine Kapelle. Die Seekarte verspricht guten Ankergrund auf 10m Wassertiefe. Die felsige Küste fällt jedoch steil ins Meer ab. Wir loten zwischen 20 und 45m Wassertiefe in den Buchten. Eigentlich war hier das Abendessen geplant. Nun heißt es, unterwegs zu kochen. Das “Gulasch”, welches von Joanna gewünscht wurde, misslingt mir gründlich. (Ja, das ist leider überhaupt nicht untertrieben; JB.)
Das Motoren durch die Nacht wird anstrengend und monoton. Wachwechsel im 2-3 Stunden-Takt. Wache, Bereitschaft, Freiwache. Um 0700 erreichen wir endlich nach exakt 80 Seemeilen die Seeräuberbucht. Die Crew ist noch matschig von der im Halbschlaf verbrachten Nacht. Wir ankern ungeschützt vor einer rauen Bergkulisse auf 16m Wassertiefe. Wind ablandig 1bf, später auflandig drehend, jedoch weiterhin schwach. Joanna lässt es sich nicht nehmen, mit dem Dingi anzulanden und die Schlucht, die direkt über der schmalen Einfahrt beginnt, zu erklimmen. Dietmar und ich bleiben an Bord. Über unseres Handfunkgerät bleiben wir mit Joanna in Kontakt. Die Handys haben hier keinen Empfang.
Verschlafene Matrosen beim Sonnenaufgang.
J. unterwegs zu der Seeräuberbucht (im Bananaboot).