Zwischenmeldung aus dem Hafen, in dem wir liegen (eine Marina kann man es definitiv nicht mehr im strengen Sinne des Wortes nennen, denn…).
Seit dem es hier in Venedig warm geworden ist – nachts liegen die Temperaturen noch recht niedrig, aber die Sonne scheint schon seit ein paar Tagen recht kräftig, und macht frühlingshafte Temperaturen –, scheint das normale, geschäftige Leben zu erwachen. Der kleine Hafen ist zu einer Verladestation für riesige Betonmischer und andere Güter geworden. Wer das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird es kaum glauben, daß es überhaupt möglich ist, so große schwimmende Plattformen mit zwei enormen Betonmischern in den winzigen Becken zu bugsieren. Dabei liegen eng rechts und links davon Schiffe so wie unsere Chulugi… ich möchte gar nicht so genau wissen, was hier alles sonst noch passiert.
Der tägliche Verkehr von Ambulanzen, Taxen, kleinen und größeren Transportbooten, Guardia welche auch immer und all die Einheimischen, die offenbar ihre Boote für Stunden aus- und einkranen, hat enorm zugenommen. Und gleichzeitig haben wir auch die offene Lagune im Blick mit den Seevögeln, den Sonnenuntergängen und den Lateinseglern und Ruderern. Und knapp nebenan die “Autobahn”, wie ich den vielbefahrenen Weg neben dem Hafen nenne.
Sollten wir wegen dem Karneval und den dazugehörigen Festigkeiten nach Venedig gekommen sein, dann wären wir sicherlich sehr enttäuscht. Da ich aber zum Arbeiten hier bin, hält sich die Enttäuschung in Grenzen, und betrifft nur das Internet an Bord, das wieder einmal nicht funktioniert.
Heute gab es einen kleinen Spaziergang im Dorsoduro hin zu der Chiesa San Pantalon (Nr. 5 orange).
Die Gegend habe ich bis dato nicht richtig bewußt wahrgenommen. Vielleicht war es heute auch anders, weil ich allein unterwegs war. Marcel ist nämlich nach Hause geflogen, um zu arbeiten und ist seit dem krank und allein zuhaus.
Das ist die überwältigende Decke von San Pantalon! (Nur mit dem Handy und heimlich fotografiert. Der Eindruck kann, wie so häufig, nicht wiedergegeben werden.) Ausgemalt wurde sie in ca. 24 Jahren von Antonio Giovanni Fumiani (1680-1704). Sie ist aus ca. 40 Leinwandstücken zusammengesetzt und stellt ein beeindruckendes Beispiel der illusionistischen Architektur und barocker Deckenbildkomposition dar! Darüber habe ich den Veronese vergessen, der dort auch sein soll.
Die Chiesa hat noch zwei kleine Kapellen zu bieten, in denen sich durchaus interessante Werke befinden. Auch eine relative Seltenheit ist die Tatsache, daß der Eintritt nach eigenem Bemessen dotiert wird.
Hier die Reste der Fresken von Pietro Longhi (1702-1785) von ca. 1745:
Cappella del Chiodo: zu sehen ist Antonio Vivarini (ca. 1420 bis nach 1484) und Giovanni d’Alemagna (dokumentiert ab 1441-1450), Die Krönung Mariä datiert auf 1444. Die kleine Madonnen-Skulptur ist Französische Schule Ende 15.Jh.
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Das Gemüseboot, das sonst am Campo San Barnaba liegt, und wo es bereits 1955 am Canale lag (siehe weiter unten), habe ich durch Zufall heute einige Kanalecken weiter gefunden. Der Campo ist unter Cineasten bekannt, seitdem dort “Indiana Johens” von Spielberg gedreht wurde und Katharine Hepburn in den Kanal gefallen ist (in dem Film “Traum meines Lebens”/”Summertime” in der Regie von David Lean, der auch “Doktor Schiwago” gedreht hat).
1955 war in diesem Laden ein Antiquitätenhändler und Liebhaber im Film von K. Hepburn.
Auf dem Weg zur Uni:
Die Universität von Venedig in der Ca’Foscari am Canal Grande:
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Und immer noch geschlossen – die Chiesa San Trovaso:
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Und auf dem Weg ein bisschen Carnivale – für alle die das noch nicht wissen: der Karneval in Venedig, so wie er sich heute präsentiert, ist eine Erfindung der 1980er Jahre. Genauer: in dieser Zeit haben einige Venezianer sich zusammengetan und den Carnivale, der von Napoleon, d.h. im 18.Jh., wie so vieles niedergeschlagen wurde (=verboten), wiederbelebt. Zuerst war das eine Veranstaltung von Venezianern für Venezianer. Da es sich großer Beliebtheit erfreute, wurde es wenig später von der Touristikindustrie aufgegriffen, vermarktet, mit Events (keine historischen) aufgepeppt und … so wurde der Carnivale wieder ‘niedergeschlagen’. Heutzutage ist es eine beinahe ausschließlich touristische Angelegenheit. Dabei feiert man hier nicht so wie bspw. in Kölle, sondern “posiert” in zumeist historischen oder aufwändigen Phantasiekostümen. Die Karnevalisten sind in Venedig vielmehr Schausteller, die sich dann gerne fotografieren lassen. Ob sich unter dem Kostüm eine echter Venezianer oder ein “Affizierter” und möglicherweise weithergereister befindet, weiß man natürlich nicht.
Dieses braune Etwas auf dem Wasser gegenüber dem Dogenpalast ist kein Bär (was ich zunächst dachte), sondern ein Stier mit roten Augen und goldenen Hufen. Er hat etwas mit Venedig und Karneval zu tun, was aber genau, habe ich vergessen. Ich vermute, dies ist eine ‘moderne Tradition’.
Es war ein sehr kaltes aber sonniges Wochenende, wo Marcels La Familia zu Besuch nach Venedig kam. Wenn ich mich nicht täusche, war das für alle, die aus Hattingen und Berlin angereist kamen, das erste Mal, in Venedig zu sein.
Abgestiegen wurde in dem Hotel “Priuli” und zwar in dem Haupthaus, und nicht so wie wir vor Jahren (zu Marcels Geburtstag) in dem kleinen Haus neben an einquartiert wurden!

Nach einem Abendessen in “La Mascareta” sind wir alle recht spät in unsere Kojen.
Am nächsten Tag – es war der 09. Dezember 2011 – ging es dann früh zum ältesten Sestiere der heutigen Stadt: San Polo.
Verschwommenes Venedig auf der Rialto-Brücke, wo unsere kurze Führung begann. Rio alto/rivo alto = hohes Ufer, oder hoher Fluß, bestand ursprünglich aus einer Reihe kleinster Inselchen, auf denen die Menschen vom Festland (auf der Flucht vor den Langobarden und anderen nordischen Usurpatoren) ansiedelten. Erste Dokumente bezeugen ihre Ansiedlungen ab dem 9. Jh. Rio Businiaco, der heutige Canal Grande, wurde an der Stelle der heutigen, berühmt gewordenen Rialto-Brücke durch einer Zugbrücke aus Holz überquert und auf diese Weise zum ersten Mal mit den Inselchen der anderen Flußseite verbunden. Das war erst am Ende des 11. und beginnenden 12. Jh. Lange Zeit war dies die einzige Brückenverbindung über den gesamten Businiaco. Um diesen Bezirk der heutigen Brücke herum entstanden Handels- und Umschlagsplätze, siedelten sich Händler und wohlhabende Familien, so entstand das ursprüngliche Zentrum des frühsten Venedig. Heute bezeugt das nicht minder geschäftige Treiben der Käufer und Verkäufer die ungebrochene Tradition, wenn auch nicht mehr im gleichen großen und internationalen Stil. Obwohl es an chinesischer Ware weiß Gott nicht mangelt…
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Eine der ursprünglichen Rialtobrücken – eine Zugbrücke aus Holz – auf dem Gemälde von Vittore Carpaccio: Il miracolo della reliquia della Santa Croce (1494), “Das Wunder der Reliquie des Heiligen Kreuzes” (Ausschnitt).
So sah die Brücke um 1882 auf einem Albuminfoto von Carlo Naya. Erbaut wurde die Brücke 1588-91 aus Stein, da die vorherigen Holzbrücken alle entweder verrotteten oder abbrannten. Die letzte dieser Holzbrücken stürzte 1444 zusammen, als eine große Menschenmenge von hier aus die Hochzeitszeremonie des Marchese di Ferrara verfolgte.
Der Bauzuschlag ging an Antonio da Ponte (nomen est omen), der Entwürfe von Palladio, Michelangelo und Sansovino ausstach, denn die Republik entschied sich für einen Bau der “gut zu Venedig passte” und sicherlich nicht so kostspielig war.
Und schließlich die Brücke, wie sie heute erscheint:
Fondaco dei Tedeschi (Fondaco im venezianischen Dialekt aus dem Arabischen “Funduk” für Warenbörse): Die Deutsche Handelsniederlassung. Gleichzeitig Warenumschlagplatz, Stapelplatz und Herberge für alle aus Nordeuropa kommenden Völker, wenn auch vor allem für Deutsche und von Deutschen Kaufläuten am meisten frequentiert. Dazu gehörte jenes berühmte Handelshaus der Familie Fugger aus Augsburg. Erste Erwähnung 1228, abgebrannt ist das Haus 27./28. Januar 1505 und 1508 wiederaufgebaut, woran sich die Stadt Venedig beteiligte. Den Entwurf lieferte Frà Giovanni Giocondo unter der Bauleitung von Antonio Abbondi. Die Fassade gestaltete Tizian und Giorgione – von den Fresken ist jedoch nichts erhalten.
Durch die offenen Arkaden im Erdgeschoss lud man Waren ein und aus. Die Bewohner mussten einer Bruderschaft beitreten und standen unter venezianischer Aufsicht. Man traute vor allem den Protestanten nicht. 1870 bis 2011 hauste hier das Hauptpostamt von Venedig und hat angeblich so einige Räumigkeiten ruineirt. 2008 kaufte es die Benetton Group. Wie man jüngst in der FAZ lesen konnte, wird der niederländische Stararchitekten Rem Koolhaas das historische Gebäude erbamungslos in ein Einkaufs- und Ausstellungszentrum umbauen. Daß diese Pläne bei der Bevölkerung auf Widerstand stossen und daß dennoch nichts daran geändert wird, liegt gleichermaßen auf der Hand.
Damit werden unwiederbringlich auch die wenigen Spuren der deutschen Händler verschwinden, die die italienische Post nicht ausgetilgt hat: an Wänden und Geländer eingeritzte Damespiele oder Mühle, Namen und ähnliche “I was here”-Inskripte, wie wir sie noch heute kennen, Zahlen, Rechnungen etc.
Über die Rialto-Brücke gelangen wir in den Sestiere San Polo und den kleinen Platz mit der Kirche, die in ihren Grundmauern zu den ältesten Venedigs gehört: Man beachte auch die 24-Stunden-Uhr im Turm. Die weitaus geachtete ist die auf dem Marcus-Platz, dem Tore dell’Orologio.
Es hat sich nur wenig geändert, doch ist die Stimmung eine andere, die Canaletto auf diesem Bild festhielt (Gemäldegalerie Dresden).
Kunst- und Kulturführung – nicht jedermann Sache :)
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Der Campo di Rialto, Mercà, die Märkte von Rialto – vor allem der berühmte Fischmarkt:
Und überall: “Le gondole Signori! Le gondole, le gondole!"
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Museum hatte leider zu und das Palazzo des Signor Fortuny war eingerüstet…
23/01/2012
“Schockierende Fakten über Kreuzfahrtschiffe in Venedig” – so betitelt eine Zeitschrift ihren Artikel (nachzulesen im Original auf “Venice in Peril” )
Man sehe sich eines der riesigen Kreuzfahrtschiffe durch Venedig fahren. Im Jahr 2000 ging es 400 mal rauf und runter den Canale della Giudecca , im Jahr 2011 waren es 1.308 mal. Der Canale ist offiziell als “offenes Meer” kategorisiert und untersteht der Aufsicht einer staatlichen Stelle, der “Autorità Portuale di Venezia”, über die der Bürgermeister keine Autorität verfügt.
Anzahl der riesigen Kreuzfahrtschiffe, die durch Venedig fahren:
2000: 400 fuhren den Canale della Giudecca hin und her
2007: 1.100
2011: 1.308
Der Hafen in Venedig wird derzeit ausgebaut, um noch mehr von den Mega-Kreuzfahrtschiffen aufnehmen zu können. Es gibt sehr große wirtschaftliche Interessen, wobei der Bürgermeister wenig zu sagen hat, und der Canale della Giudecca steht unter der Aufsicht der Hafenbehörde von Venedig, diese wiederum ist ein Organ der Zentralregierung, und deren mächtige Präsident, Paolo Costa, glaubt fest daran, daß die wirtschaftliche Entwicklung auf jeden Fall Vorrang vor dem Naturschutz [man muß jedoch ergänzen: auch vor dem Stadtschutz] hat.
Es ist – wie immer – eine Frage der Perspektive: ob der ethischen, ästhetischen, ökonomischen … oder einfach jener, die für möglichst wenig Geld, möglichst viel zu sehen bekommen wollen…
1786, am 28. September, traf Goethe in Venedig ein. Er kam mit einem Schiff (nicht mit einer Gondel) vom Festland, genauer: von Padua aus an! Denn Venedig war damals noch eine echte Insel, ohne feste Verbindung zum Festland. Regelmäßig fuhr ein Schiff den Brenta-Kanal entlang, teilweise von Pferden am Ufer gezogen, in die Lagune von Venedig. Die gesamte Fahrt soll sehr reizvoll gewesen sein: malerische Dörfer, große Gärten, einfache oder herrschaftliche Landsitze, Palazzi, die Sommerresidenzen der wohlhabenden Venezianer, reihten sich wie an einer Perlenkette an. Reste davon lassen sich heute noch hier und da sehen. Aber die Fahrt und das erste Erblicken der sagenhaften Stadt im Meer, die auf der Wasseroberfläche zu schwimmen schein, lassen sich nicht mehr nachvollziehen. Enorme Industrieanlagen versperren nicht nur die Sicht, sie verpesten vor allem die Luft und das Wasser, denn als sie gebaut wurden, hat es niemanden in Italien oder Europa interessiert, wo und welche Abwässer, ungeklärt, ins Meer abgelassen werden. Und jetzt hat man sich daran “gewöhnt” – es bringt schließlich Arbeitsplätze und vor allem große Gewinne. Da wo Goethe erwartungsvoll hinschaute und die schwimmende Stadt inmitten einer blau-grünen Fischer- und Vogelidylle erblickte, guckt man beflissen weg … wenn man mit dem Auto über die Brück nach Venedig einfährt sowieso.
Goethes und seiner Zeitgenossen Schiff fuhr in den Giudeccakanal ein, fuhr weiter an der Punta della Salute vorbei und legte direkt am Marcusplatz an. Man war inmitten der Stadt angekommen – und sicherlich überwältigt!
Venedig, Stadtansicht und Markusplatz, Kolorierter Kupferstich von Matthäus Seutter, um 1750.
Auch heute fahren Schiffe den Guideccakanal hoch und runter – allerdings kommen die meisten vom Meer her und sind riesige Vergnügungsschiffe Marke “Aida” und schlimmeres. Diese schwimmenden Hochhäuser – man müsste sie aber eigentlich mit Megacities vergleichen – überragen die gesamte Stadt Venedig. Das muß man sich mal vorstellen, was es für die Stadt, für den Kanal und schließlich für auf Holzpfählen liegende Fundamente der Stadt bedeutet! Schon lange machen die Stadtbewohner und verantwortungsvollere Politiker auf diesen Mißstand aufmerksam, erfolglos, denn diese Vergnügungstanker bringen Geld (wem auch immer). Ich bin mir recht sicher, daß kein Bisschen von diesem Geld der Restaurierung der Stadt oder sei es auch nur der Fundamente (damit die Häuser nicht absacken) zugute kommt. Für diese restauratorischen Kleinigkeiten – damit die Stadt noch von den Aida-Urlaubern angefahren wird – kommt wahrscheinlich dann die EU auf.
Es soll fünf Uhr Nachmittags gewesen sein, als Goethe die Insel erblickte oder vielleicht bereits schon betrat. Sicherich sah er sie nicht wie die modernen Vergnügungsfahrer von oben, das heißt auf die Dächer und Köpfe der Menschen herab. Er näherte sich Venedig auf “Augenhöhe” und in eher gemächlicher Geschwindigkeit. Auch hatte er die Sonne im Rücken und damit ein ganz besonderes rötliches Licht auf Venedig. Auch war seine Fahrtrichtung eine andere, nämlich hinaus aufs Meer und gleichzeitig hin zur Stadt! Und er war schwer begeistert, ohne jedoch, wie man zu berichten weiß und bei Julius Vogel (Leipzig 1918) nachgelesen werden kann, seinen guten Beobachter- und Kennerblick getrübt zu haben.
Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, welchen Tagesrhythmus Signor Goethe auch in Venexia hatte.
Den frühen Morgen (ich stelle es mir als "sehr sehr früh" vor) verbrachte er mit "Beschäftigungen an Iphigenien, des Mittags mit Betrachtungen des Sehenswürdigen in Natur und Kunst, mit Beobachtungen der Menschen, ihres Verkehrs, ihrer Sitten und Vergnügungen, des Abends mit Besuch des Theaters, und selbst der Nachts mit Aufzeichnungen des Gesehenen, Gedachten, Empfundenen zu eigener Erinnerung und zu brieflicher Mitteilung an die entfernten Freunde – nach einer solchen fleißigen Zeitbenutzung zu Vorübung seines Auffassungsvermögens und Gewöhnung seiner Sinne an die vielfältigen Gegenstände seiner Studien fühlt er sich wiederum ergriffen von dem Verlangen weiter zu kommen.” Und reist nach 17 Tagen Richtung Rom ab.
Mit anderen Worten: Zunächst die Arbeit dann das Vergnügen, das er nicht versäumte in Briefen und Tagebucheinträgen festzuhalten. Ein voll und ganz ausgefüllter und durchgeplanter Tag. Ich sollte mir also ein Beispiel an ihm nehmen… Dazu später mehr.
28. September 1786
Abreise von Padua mit dem »öffentlichen Schiffe«, Laguna Morta, Fusina, Laguna Viva. Abends »nach unserer Uhr um fünfe … Venedig zum erstenmal« Ankunft mit der Gondel.
Markusplatz, Unterkunft in der »Königin von England, nicht weit vom Markus Platz … Meine Fenster gehen auf einen schmalen Kanal [Seitenkanal des Rio Memmo], zwischen hohen Häusern, gleich unter mir ist eine Brücke [Ponte dei Fuseri] und gegenüber ein schmales belebtes Gäßgen [Calle dei Fuseri]«.
[Das Hotel ist abgerissen worden.]
29. September 1786
Canale Grande, Insel S. Giorgio gesehen (nicht betreten). San Marco, die vier Bronzepferde. Dogenpalast, besondere Erwähnung seiner Säulen, vor allem die »auf der Piazzetta«. Goethe wirft sich »ins Labyrinth der Stadt« Rialtobrücke (Ponte Rialto).
30. September 1786
»Markusthurm«, Lido, Spaziergang am Ufer (Riva degli Schiavoni)«.
1. Oktober 1786
»Kirche der Mendicanti« (San Lazzaro die Mendicanti), Spaziergang »beym Rialto«.
2. Oktober 1786
San Giorgio, dort: Carità
Besichtigung der nur teilweise realisierten Gebäudeanlage Palladios. »Antickensaal« (Sammlung Griani in der Libreria di S. Marco, erbaut von Jacopo Sansovino und Scamozzi). Oper à S. Moisé.
3. Oktober 1786
Dogenpalast. Paradies von Tintoretto in der Sala del Maggior Consilio des Dogenpalastes.
I Scalzi (Kirche S. Maria degli Scalzi). La Salute (Kirche S. Maria della Salute), darin Bild: Hochzeit zu Kana v. Tintoretto sowie Deckenstücke v. Tizian.Il Redentore auf der Insel Giudecca. Gesuati, »eine wahre Jesuistenkirche«, »Gemählde von Tiepolo.«
Theatro S. Luca (am Canal Grande).
4. Oktober 1786
Haus Farsetti/Canal Grande. Bilder/Skulpturen: »Kleopatra« (schlafende Ariadne), Mutter Niobe.
Kirche Francessco alle vigne.
5. Oktober 1786
»Arsenal« (Staatswerft, gegr. 1104).
6. Oktober 1786
»des Doge Zimmer« im Dogenpalast. Bilder: »Der Doge Grimani«/Tizian.
Spaziergang am Meer bei Ebbe, Besuch der Friedhöfe (?) »auf dem Lido«, wo »Engländer und weiter hin Juden begraben« liegen.
Theater S. Crisostomo.
7. Oktober 1786
»Pallast Pisani«. Scuola di S. Marco. »Schöne Gemählde von Tintoretto« (aus dem Legendenkreis um S. Marco).
8. Oktober 1786
Palazzo Pisani Moretta. Scuola di S. Rocco (Bilder: Gemäldezyklen Tintorettos). »Judenquartier« (Ghetto).
9. Oktober 1786
»Ich fuhr [über Malamocco, Volta] biß Pellestrina, gegen Chioggia über wo die Großen Baue sind, die die Republick gegen das Meer führen läßt.«
10. Oktober 1786
Theater S. Luca
14.- 16. Oktober 1786
Nachts Fahrt mit dem »Courierschiff nach Ferrara« über »Laguna Viva, Chioggia, poaufwärts, Pontelagoscuro«