Joanna, 01. 06. 2010

„Gehen ist eine Tugend, Tourismus eine Todsünde.“

Werner Herzog – der herausragende deutsche Nachkriegsregisseur – hält das Wandern für eine heilige Lebensnotwendigkeit.
Befreundet mit Bruce Chatwin hat er darin einen Gleichgesinnten gefunden. Für beide gibt es „den heiligen Aspekt des Gehens“.

Er und ich glauben beide, daß Gehen nicht einfach nur einen therapeutischen Wert besitzt, sondern eine poetische Handlung ist, die die Welt von ihren Übeln heilen kann. Er [Herzog] resümiert seinen Standpunkt in einer strengen Erklärung:
‚Gehen ist eine Tugend, Tourismus eine Todsünde.‘

[Bruce Chatwin über Herzog]

Als Herzog eines Tages 1974 hörte, daß Lotte Eisner – Filmkritikerin, Mitarbeiterin von Fritz Lang (in Berlin) und geistige Wegbereiterin des Nachkriegsfilms in Deutschland sowie Mitgründerin der Cinémathèque in Paris der 30er Jahre – schwer erkrankt sei oder sogar im Sterben läge, machte er sich zu Fuß auf, um sie auf diese Weise zu heilen.

Chatwin berichtet darüber folgendermaßen:

„[…] Begab er sich zu Fuß durch Eis und Schnee von München nach Paris, im Vertrauen darauf, daß er ihre Krankheit irgendwie wegwandern könne. Als er schließlich ihre Wohnung erreichte, war sie genesen, und sie lebte noch weitere zehn Jahre.“

Solvitur ambulando

Patrick Leigh Fermor ist, mehr noch als Chatwin, ein Anhänger der augustinischen Solvitur ambulando„. Es ist ein Ausspruch des Hl. Augustin (Aurelius Augustinus Hipponensis) überliefert. Wörtlich genommen bedeutet er soviel wie „geheilt/gerettet durch das Gehen/Wandern„. Wandern ist somit nicht nur eine physische Betätigung, sondern auch eine Stimulation kreativer Kräfte und vielleicht sogar eine Grundvoraussetzung für schöpferische Prozesse überhaupt.

Solvitur ambulando ist „jene melancholische Nomaden-Philosophie, nach der das Wandern als Heilung und Katharsis zu betrachten ist, als eine poetische Handlung, als einzig mögliche Lebenshaltung des Rastlosen, als Grundlage intensivsten Erlebens.“

[Wolf Reiser zu Fermor in SZ]



Marcel, 30. 05. 2010

Am Donnerstag werden wird von Agios Nikolaos und somit auch von Kreta Abschied nehmen. Wir segeln entlang der touristisch bis ins letzte Dorf erschlossenen Nordküste nach Westen. Dann werden wir auch die Insel Kreta verlassen, auf der man etwa die Hälfte der illegalen Waffen in Griechenland vermutet; man nimmt an, aus traditioneller Vorstellung von einer wehrhaften und stolzen Sippe. Immerhin stand die Insel von 1645 bis 1913 unter osmanischer Herrschaft und Kretas Geschichte ist an blutigen Auseinandersetzungen, die bis in den zweiten Weltkrieg reichen, nicht arm. In Anbetracht der voll besetzten Party-Boote, die die Ruhe in den Buchten empfindlich beeinträchtigen, können wir unwillkürliche Reflexe zu den Waffen zu greifen, nur schwer unterdrücken und verstehen die archaische Neigung der Kreter zu undiplomatischen Konfliktlösungen. Die Party-Boote kommen noch einmal davon, denn wir haben keine Waffen an Bord.

Unser erstes Ziel auf der Reise in das Ionische Meer ist die kleine Halbinsel Akroti. Der „Hafen“ des Klosters Katoliko soll einen hervorragenden Schnorchelspot abgeben. Aufgrund der laut Seekarte großen Wassertiefen >15m müssen wir dieses Vorhaben jedoch vom aktuellen Wetter und er vorherrschenden Windlage in der nächsten Woche abhängig machen. Die dort ins Meer mündende Schlucht führt zu dem bereits erwähnten Kloster und zu Einsiedlerhöhlen. Siehe hierzu unsere Routenplanung und die von Joanna gewünschte Wanderung zu dem Kloster.

Auf dem Wege nach Akroti gibt es noch einige Stadthäfen, die wir anlaufen könnten. Malia kommt dabei, auf Grund der Nähe zu Agios Nikolaos eher nicht in Frage. Aber wer weiß, wir hatten auch schon mal 8 Windstärken aus West. Dann wären wir vermutlich genauso schnell in Santorin, wie in Malia. Etwa drei Kilometer vom Küstenort entfernt befindet sich eine bedeutende minoische Ausgrabungsstätte. Stadt und Ausgrabungsgelände werden wir wohl an Backbord liegen lassen.

Iraklion liegt auf dem Landweg etwa 35 Kilometer weiter westlich. Und sollte Aeolus einmal auf unserer Seite stehen, werden wir wohl auch Iraklion im Kielwasser hinter uns lassen. Knossos, ganz in der Nähe der Stadt, der bedeutendsten minoischen Ausgrabung Kretas, wird eine Anmutung wie Disneyland nachgesagt. Wir hatten bei Wein und Abendessen in Köln hierzu schon umfangreiche Fachberatung durch einen befreundeten Archäologen aus Berlin.

Auf dem weiteren Weg nach Akroti finden wir noch einige kleine Ankerbuchten, von denen die meisten nach Norden offen sind. Auf der Ostseite schließt die Halbinsel Akroti mit dem „Festland“ Kretas einen Naturhafen ein, der jedoch zum Großteil als militärisches Sperrgebiet ausgewiesen ist. So wäre es für uns ein Umweg in diese Bucht einzulaufen. In der ausladenden Bucht östlich der Halbinsel befindet sich Chania. Auch hier wollen wir aber nur einlaufen, wenn das Wetter uns keine andere Wahl lässt und eine Nacht vor Anker unmöglich ist.

Unsere Hoffnung liegt also in ruhigem Ankerwetter um der Halbinsel Akroti einen Besuch abzustatten. Vor Stavros, dem Ort, der durch die Alexis Zorbas Verfilmung zu Weltruhm gelangte, gibt es mehrere gute Ankermöglichkeiten bei unterschiedlicher Wetterlage. Stavros befindet sich nur wenige Meilen weiter westlich des kleinen „Hafens“ des Klosters Katoliko.

Der letzte Tag vor Kretas Küsten ist dann der Lagune von Balos, bzw. Gramvousa gewidmet. Die Lagune ist eine der großen Naturattraktionen Kretas. Hierzu mehr siehe Routenplanung. Am Samstag wollen wir dann Kreta endgültig den Rücken, bzw. das Heck zukehren. Die Inseln Kithyra und Antikythira, die auf Halber Strecke zum Peloponnes liegen, werden schon zu den Ionischen Inseln gezählt.

Marcel, 29. 05. 2010

Ludwig Salvator: Wintertage auf Ithaka. Archäologische Plaudereien und geschichtliche Winke  (Originaltext)

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Marcel, 29. 05. 2010

Den Mallorca Urlaubern ist er bestens bekannt. Dass er auch im Ionischen Meer unterwegs war, und zwar mit dem eigenen Schiff, wissen die wenigsten:

Erzherzog Ludwig Salvator. Forscher und Chronist des Mittelmeers.

Die folgenden Informationen haben wir auf der umfangreichen Internetseite www.ludwig-salvator.com gefunden:

Deutliche, wiewohl diplomatisch verbrämte Missbilligung sprach aus dem Telegramm des Grafen Crenneville, das am 8. November 1900, nach dem Einlaufen der Dampfsegeljacht Nixe in den Hafen von Korfu, den Grafen Gotuchowski in Wien erreichte: „Seine K.u.K. Hoheit bewahrte während seines Aufenthaltes in Corfu das strengste Incognito, welches auch von den Lokalbehörden respectirt wurde und beehrte nur meine Frau mit Höchstseinem Besuche. Nicht unterlassen kann ich zu berichten, dass die aus zwei Damen, einem jungen Mädchen und einer jugendlichen Persönlichkeit, deren Geschlecht trotz männlicher Kleidung zu Tage tretenden weiblichen Formen und wallendem Haupthaare nicht gut definirbar erschien, bestehende Reisegesellschaft Sr. K.u.K. Hoheit bei ihren Spaziergängen in der Stadt nicht unbedeutendes Aufsehen erregte.“ Kaiser Franz Joseph hatte es zu diesen Zeitpunkt bereits aufgegeben, sich das schüttere Haar über den ganz und gar unhabsburgischen Lebenswandel seines Cousins „Luigi“ zu raufen.

Nixe II vor Zakynthos (Zante)

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Marcel, 29. 05. 2010

Aus Leo Woerls Biographie Ludwig Salvators (Siehe Reisebegleiter) mit Originalzitaten aus Paxos und Antipaxos von 1889:

Klein und scheinbar unbedeutend, wurden Paxos und Antipaxos bisher nie selbständig geschildert, sondern bloss bei den vielen Reisebeschreibungen der schönen grossen Nachbarinsel Korfú nebensächlich behandelt, und doch sind es reizende Eilande voll grossartiger Naturschönheiten, die eine grössere Würdigung seitens der vielen, die übrigen jonischen Inseln besuchenden Fremden verdienen.

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Joanna, 26. 05. 2010

Der Film “Alexis Sorbas”

Der Regisseur Michael Cacoyannis/Kakogiannis adaptierte hiermit die weltberühmten gleichnamigen Roman von Nicos Kazantzakis. K., der den Regisseur kannte, hat ihn bereits vor Jahren auf den eigenen, gut zu verfilmenden Romanstoff aufmerksam gemacht. Der Film wurde jedoch erst nach dem Tod des Autors in Angriff genommen.

Entsprechend der Vorlage, spielt der Film auf Kreta – und nicht auf der Halbinsel Mani, wo K. und Zorbas ihr Bergwerk hatten.

Der Film bekam drei Oskars und wurde für sieben nominiert:

Für die Kamerarbeit von Walter Lassaly, für die Musik und für die beste Nebenrolle die Schauspielerin Irene Papas.

Der Hauptdarsteller Anthony Quinn war nominiert, ging aber leer aus.

Dennoch hat die Griechische Regierung im Überschwang der Stunde Quinn eine kleine Bucht auf Kreta geschenkt. Später zurückgenommen (keine feine Art), doch die Bucht heißt immer noch Anthony Quinn.

Die Drehorte auf Kreta

Es gibt vor allem drei Drehorte auf Kreta:

Das Bergdorf Kókkino Chorió

Lange Zeit nur unter Filmkennern bekannt. Dort wurden die meisten Dorfszenen gedreht, vor allem die im Dorfkafeníon, das auch noch heute existiert. Es ist gleichzeitig auch ein Mini-Dorfladen (Raki zum abfüllen in Flaschen!). Aber Vorsicht, genau gegenüber gibt es ein Kafeníon, dessen Besitzer die Touristen und die Einheimischen davon überzeugten möchte, hier haben die Dreharbeiten statt gefunden. Dabei hat er nur als Statist mit den meisten der Dorfbewohner am Film mitgewirkt. Der Betreiber des echte Kafeníons nimmt es mit bemerkenswerter Gelassenheit, indem darauf hinweist, das andere Café gab es damals noch nicht…

Das Dorf selbst hat eine wunderbare Lage über der Souda-Bucht mit ruhigen Gäßchen. Seine zweite Attraktion ist eine Glasbläserei im unauffälligen Gebäude am Ortseingang (mit einem Altglaslager davor). An Wochentagen ist Zuschauen und Fotografieren erlaubt. Und schließlich auch ein  Atelier des deutschen Malers (Hinterglasmalerei) mit dem Künstlernamen Antónios o Santorínios.

Das Fischerdorf Stavros und den Strand von Stavros.

Weblinks

http://stigmes.gr/br/brpages/articles/lassaly.htm

http://www.hellenica.de/Griechenland/Film/MichaelCacoyannis.html

http://www.hellenica.de/Griechenland/Film/AlexisSorbas.html

http://www.kreta-treff.de/kokkino-chorio/artikel/2504-der-drehort-des-films-alexis-zorbas

 

http://www.hellenica.de/Griechenland/Film/MichaelCacoyannis.htm
Joanna, 26. 05. 2010

Nikos Kazantzakis

Νίκος Καζαντζάκης

* 19. Februarjul./ 3. März 1883greg. in Iraklion, Kreta, Osmanisches Reich † 26. Oktober 1957 in Freiburg im Breisgau (an Krebs).

K. war einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Ich muß zugeben, daß Kazantzakis mir bis dato zwar als Autor des Buches »Alexis Sorbas« bekannt war, doch habe ich (bisher) nicht mal dieses Buch gelesen, sondern wie die meisten den gleichnamigen Film gesehen. Und lang ist es her…

Mittlerweile habe ich mit Vergnügen seine Autobiographie “Rechenschaft vor El Greco” (in der Bordbibliothek) gelesen – wunderbare Sprache, wenn auch etwas verschachtelt, teils pathetisch, teils beschreibungsmächtig (doch mag ich genau das). Ich bin froh diesen Autor kennengelernt zu haben und zwar genau über seine Autobiographie, die sein bewegtes Leben und einen Einblick in die Gedankenwelt des Autors freilegt!

Biographisches

Kazantzakis stammte, wie man so sagt, aus kleinen Verhältnissen und wuchs in der damals von den Türken besetzten Stadt Iraklion, die noch “Megalo Kastro” hieß (K. spricht in seiner Autobiographie von „dem Kastell“), auf.

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Haus seiner Geburt in Iraklion 1883.

»Sein Vater, Michalis Kazantzakis (1856-1932), war Händler und Grundbesitzer und stammte aus dem Dorf Barbaroi (heutiges Myrtia) aus der Provinz Heraklion. „Als wilder und unzugänglicher Mann“, herrschsüchtig und streng, auf einen unbeugsamen, moralischen Code fixiert, verlangt er von seinem Sohn, die Tradition der Familie und die kretische Herkunft zu ehren. Selten wird er ihn für welche Errungenschaften auch immer loben und noch seltener wird er ihm Zärtlichkeit zeigen. Ein Ausgleich für die väterliche Strenge wird die mütterliche Liebe sein. Als „Heilige Frau“ charakterisiert Kazantzakis seine Mutter, Maria Christodoulaki (1862-1932), die aus dem Dorf Asyrtoi der Provinz Mylopotamos in Rethymnon stammt.«

[Zitiert aus der Homepage des Kazantzakis-Museum in Iraklion]

K. studierte Rechtswissenschaft – kein ungewöhnliches Studienfach für die damalige Intelligenzija – in Athen von 1902 bis 1906. Bereits 1907 wurde er mit seinem Erstlingswerk »Der Tag bricht an« in Griechenland berühmt. 1909 ging er zum weiteren Studium nach Paris, wo er in das Collège de France eintrat und Staatswissenschaften studierte.
Daneben hörte er Vorlesungen und besuchte Seminare von keinem geringeren als dem Nobelpreisträger (allerdings für Literatur) und Philosophen Henri Bergson.  Er wurden zu seinem wichtigsten Lehrer, wie K. selbst vermerkte. In dieser Zeit entstanden weitere Romane, Dramen und philosophische Texte.
Kazantzakis schloß sein Studium mit einer Dissertation über Friedrich Nietzsche ab – in seinem Buch “El Greco” nennt er Nietzsche als seinen großen geistigen Lehrer, dem er viel zu verdanken hat – und kehrte 1909 nach Griechenland zurück. Dort lernte er die junge Intellektuelle Galatea Alexiou kennen, die er 1911 heiratete. Sie war selbst Schriftstellerin (Kinderbücher) und selbständig tätig. In dieser Zeit arbeitet K. mit seiner Frau zusammen, indem er europäische Schriftsteller ins Neugriechische übersetzte. Die Ehe scheiterte und wurde 1926 geschieden. Danach beginnt die „große Wanderzeit“ K.s, in der er viele Reisen innerhalb Griechenlands und Europas unternimmt.

Reisen: zweite Lebensphase

“Er bereist unter anderem Griechenland, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Russland, China, Japan, Italien, Ägypten, Palästina, Spanien. In einigen Ländern ist er zu Besuch, in anderen lässt er sich für eine kurze Zeit nieder. Er arbeitet als Journalist, Auslandskorrespondent, Übersetzer, Autor und engagiert sich in der griechischen Politik.
Einige Monate lang wird er Generaldirektor des Ministeriums für Soziales unter Venizelos (1919 – 1920). Er organisiert die Repatriierung von 150.000 Griechen aus dem Kaukasus. In dieser Phase seines Lebens entstehen wichtige Übersetzungen (Dantes „Göttliche Komödie“, Goethes „Faust“), das Werk „Askitiki“ und viele Reiseberichte.
Immer wieder bereist Kazantzakis die Sowjetunion. Er begeistert sich für die Ideen des Kommunismus und des Sozialismus, schreibt Drehbücher, Essays und Artikel in der Prawda. Wegen seiner politischen Aktivitäten wird Kazantzakis in Griechenland sogar kurzfristig verhaftet. Nach einiger Zeit wendet er sich jedoch enttäuscht vom Kommunismus ab. Nikos Kazantzakis hat sich in seinem Leben für viele Ideale leidenschaftlich eingesetzt. Doch schließlich sagt er selbst: „Ich war ein Küfer, ein Anwalt der Katharevousa, ein Nationalist, ein Anwalt der Demotiki, ein Intellektueller, ein Poet, ein religiöser Fanatiker, ein Atheist, ein Ästhet – und nichts davon kann mich je wieder täuschen.““

Im Jahr 1936 findet Kazantzakis zum ersten Mal eine Heimat. Er lässt sich auf der Insel Ägina nieder. Kazantzakis lebt jetzt mit seiner langjährigen Weggefährtin Eleni Samiou zusammen, die er 1945 heiraten wird. Es beginnt eine sehr produktive Zeit des Autors. Er beendet eines seiner Hauptwerke, die „Odyssee“, beginnt „Alexis Zorbas“, „Die letzte Versuchung Christi“, „Freiheit oder Tod“ und arbeitet an seinem Werk über Buddha. Außerdem ist er weiterhin in der Politik aktiv, unternimmt Reisen und arbeitet ein Jahr lang für die UNESCO.”

[Zitiert aus der Homepage “Hellenica.de”, die wiederum einiges aus Wikipedia übernommen hat]


K. und Eleni Samiou: letzte Lebensphase

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Von Eleni, seiner zweiten Ehefrau, berichtet die Biographie des Kazantzakis-Museums online:

“Die erste Begegnung Kazantzakis mit Eleni Samiou fand im Mai 1924 bei dem Wanderverein in Pendeli statt. Einige Monate später verbringen die beiden den Sommer in der einsamen Bucht von Lentas, südlich von Heraklion, daraufhin besucht „Lenotschka“ ihn im September 1925 in Ägina.

1928 fährt sie nach Moskau, um ihn dort zu treffen. Das war der Anfang ihres gemeinsamen Lebens, der auf ein gegenseitiges Versprechen absoluter Hingabe beruhte. Ihre Hochzeit fand im November 1945 statt, mit Angelos und Anna Sikelianos als Trauzeugen.

Eleni stand mit voller Treue und unermüdlich an Kazantzakis Seite. Sie folgte ihm überall hin, akzeptierte sein sprunghaftes Leben, sorgte sich um alle praktischen Probleme, kümmerte sich um das Tippen seiner Werke, antwortete auf Briefe und sammelte die Kritiken, die von der Presse veröffentlicht wurden.

Nach seinem Tod übernahm sie die Förderung seiner Werke, die Rettung des unveröffentlichten Materials, der Schreiben, Notizen und seiner Tagebücher.”

[Museum-Online]

Es ist offensichtlich, daß das Versprechen “der absoluten Hingabe” ziemlich einseitig ausgefallen ist. Und so verwundert es auch nicht, daß gerade diese Beziehung bis zu seinem Tod gehalten und hervorragend funktioniert hat. All die anderen Verhältnisse zu bedeutenden, sog. “starken Frauen”, haben ihn sicherlich viel bedeutet – temporär – für seine eigene Arbeit war aber jemand so hingebungsvolles, wie er es aus dem klassischen Verhältnis seiner Eltern her kannte, sicherlich dienlicher.

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Abb.: 1937 in Ägina und in 1954 in Antibes

“Seine letzten Jahre sind durch die Arbeit als Schriftsteller geprägt. Er zieht 1948 gemeinsam mit seiner Frau Eleni nach Antibes (Südfrankreich). Es erscheinen „Alexis Zorbas“, „Die letzte Versuchung Christi“ und „Die griechische Passion“. Die katholische und die orthodoxe Kirche verfolgen Kazantzakis aufgrund der Bücher und der darin bestehenden Auslegungen des Lebens Christi und der kritischen Darstellung der großen Kirchen. Der Papst setzt „Die letzte Versuchung Christi“ auf den Index der verbotenen Bücher (1954). Dies macht Kazantzakis endgültig weltbekannt.

Im Jahr 1953 wird bei Nikos Kazantzakis Leukämie diagnostiziert. In den letzten Jahren, die ihm verbleiben, beendet Kazantzakis die Bücher „Kapitän Michalis“, den autobiografischen Roman „Rechenschaft vor El Greco“ und „Mein Franz von Assisi“.
1956 wird ihm in Wien der internationale Lenin-Friedenspreis verliehen.

Im folgenden Jahr 1957 stirbt Kazantzakis, von den Folgen seiner Krebserkrankung gezeichnet, nach einer Reise nach China in Freiburg im Breisgau an einer zu spät therapierten asiatischen Grippe.”

[s.o. “Hellenica.de“]

Sein Grab befindet sich in Iraklion auf der Bastion.

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Die Grabinschrift lautet:

„Δεν ελπίζω τίποτα. Δε φοβʊμαι τίποτα. Είμαι λέφτερος.“
„Den elpízo típota. De fovoúme típota. Íme léfteros.”
“Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“

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Wenn man seinen geistigen Werdegang kennt, seine Vorliebe für Buddha, Nietzsche, Franz von Assisi, dann versteht man den Sinn der Inschrift erst im ganzen Umfang.

Auf den Spuren von “Alexis Sorbas” alias Georgios Zorbas

Iraklion ist zwar die Stadt seiner Geburt, Jugend und auch die Stadt seiner letzten Ruhestätte, aber berühmt wurde er durch ein Buch, das in Teilen deutlich autobiographische Züge trägt und sich auf Máni abspielt. Kazantzakis hatte in Prastova, einem winzigen Ort auf der Halbinsel Máni, zusammen mit seinem Freund Georgios Zorbas, den er auf dem heiligen Berg Arthos kennenlernte, in den Jahren 1916 bis 1917 ein Bergwerk gepachtete und versuchte, damit ‚das große Geld‘ zu machen.
Das Bergwerk ist noch heute, wenn auch im ruinösen Zustand (ein Stollen) in der Nähe des Fischerdorfes Prastova zu entdecken. Prestova selbst, wo Kazantzakis in der Zeit wohnte, ist heute zu einem bloßen Vorort von Stoupa, einem touristisch eingenommen Ort auf Máni, verkommen. Einige Quellen berichten – oder stellen es sich recht romantisch vor -, daß Kazantzakis dort seinen Roman »Alexis Sorbas«, der ihm den internationalen Ruhm brachte, entwarf oder bereits schon daran schrieb: während er nach der getanen Bergarbeit seine Füße im Meer am Stand von Prestova kühlte… auf jeden Fall eine nette Vorstellung, und warum sollte sie nicht für uns wahr sein?

Andere Quellen sehen die Entstehung des Buches erst 30 Jahre später und zwar auf der nordgriechischen Insel Ägina (s.o.), auf der Kazantzakis von 1936 bis 1948 lebte (in einem nahe des Leuchtturms an der Nordwestecke der Insel gelegenen Haus, heute noch vorhanden). Tatsache ist wohl, daß das Buch dort auf jeden Fall vollendet wurde. (Aber K. schrieb seine Bücher mehrmals um und neu…)

Auch wenn das Unternehmen am Bergwerk aus Prastova finanziell scheiterte, so lieferten die Zustände und Erfahrungen, die K. in dieser Zeitspanne sammelte, die Vorlage für »Alexis Sorbas«. Dort ist nicht nur die geographisch-ökonomische Hintergrund – das Bergwerk – dem eigenen Unternehmen entliehen, sondern vor allem die Figur “Alexis Sorbars” und die Beziehung des Protagonisten zu einem jungen Engländer. Kazantzakis setzte damit seinem Freund und Mitpächter Georgios Zorbas, den er auf einen seiner Reisen auf dem Heiligen Berg Athos kennengelernt hatte, ein literarisches Denkmal.

Prastova ist längst ein Vorort von Stoupa (wenn man vom Norden her kommt) geworden, doch der Strand des ehem. Fischerdorfes Prastova wirbt immer noch mit der “ursprünglich gebliebenen Magie”, das auch Kazantzakis und Zorbas einnahm. Sie sollen eine kleine Hütte unter den Eukalyptusbäumen am Rand vom Kalogria-Strand bewohnt haben.

Der echte Zorbas

Hier ein Zeitungsfoto von dem echten Zorbas:

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Zorbas Leben

Georgios Zorbas (Γιώργης Ζορμπάς) wurde ca. (c. 1867 in Katafygi, West-Pieria, Makedonien, geboren, also noch zur Zeit der Türkisch-Osmanischen Herrschaft. Er war der Sohn von Fotio Zorbas, einem wohlhabenden Landbesitzer und Schafzüchter, bei dem er zunächst auf den Feldern arbeitete. Später ging er nach Palaiochori (Chalkidiki), wo er als Minenarbeiter für die französiche Gesellschaft in Gisvoro arbeitete. Er freundete sich mit dem Minenverwalter Iannis Kalkounis (Γιάννης Καλκούνης) und ehelichte seine Tochter Eleni Kalkounis. Mit ihr hatte er 13 (oder 8?) Kinder. Der Krieg und der Tod seiner Frau brachte eine negative Wende in sein Leben (lebte dort bis 1913).

Eine gewisse Zeit verbrachte er bei seinem Bruder Georgios, der ein Mönch und Arzt war. 1915 entschloß er sich, Mönch zu werden, und verließ seine Familie, um ins Kloster auf dem Heiligen Berg Arthos zu gehen. Dort traf er auf Nicos Kazantzakis und wurde sein engster Freund und der spätere Minenverwalter (oder Vorarbeiter) von Prastova. Nach den Stolleneinstürzen und der Aufgabe der Mine trennten sich die Freunde nicht sofort, denn Zorbas begleitete K. auf seiner Rettungsaktion der griechischen Landsleute aus dem Kaukasus (“Kleinasiatische Katastrophe”). Allerdings ist mir nicht ganz klar, um welche Welle der Vertreibung es sich handelt (1913, 1921, 1944). Erst danach gingen sie getrennte Wege – sie haben sich sporadisch aber regelmäßig geschrieben, gesehen haben sie sich nie wieder. K. berichtet von der eigenen Schuld an diesem Zustand: er habe immer gezaudert und abgewogen, die Reise verschoben, was er (natürlich) bedauerte.

Zorbas wanderte wiederum 1916 nach Skopje in Mazedonien (ehem. Jugoslawien) aus, dort ließ er sich nieder, übte verschiedene Tätigkeiten aus bis er schließlich ein Magnesit-Bergwerk betrieb, er heiratete erneut (er soll noch mit zwei Russinnen verheiratet gewesen sein) und bekam aus dieser Ehe Kinder. 1942 starb er und wurde in Butel, eine Gemeinde in Skopje, auf dem dortigen Friedhof beerdigt.

Kazantzaki soll die Nachricht von Zorbas‘ Tod (ein Brief eines Schullehrers aus der Ortschaft) zum Auslöser geworden sein, über seinen Freund und die gem. Freundschaft ein „literarisches Denkmal“ zu verfassen. Ein langes Kapitel in “Rechenschaft vor El Greco” macht die tiefe Bedeutung dieser Freundschaft und die außergewöhnliche Rolle, die die Person Zorbas für K. hatte, deutlich. Dieses “literarische Denkmal” für Zorbas war ein großer Entwurf, eine Art Lebensphilosophie für Kazantzakis. Er konnte nicht ahnen, daß einige Söhne und Töchter Zorbas an den Schilderungen der literarischen Figur Anstoß nehmen und als eine Ehrverletzung empfinden werden. Zu vagabundierend, zu lotterhaft, zu “frei” habe K. ihren Vater geschildert…

Zorbas und “Nachkommenschaft” heute

Dietmar Grieser – ein österreichischer Autor u.a. von “Piroschka, Sorbas und Co.” (1980) – begab sich auf die Spurensuche in der Stoupa-Gegend und hat einen schönen knappen Artikel dazu verfaßt und Online gestellt!

Online einzusehen auf der WWW.ZORBAS.DE Seite: Zorbas-heute.

Dort kann man nachlesen, wie einige der noch lebenden (griechischen) Kinder des echten Zorbas über ihren Vater und Kazantzakis’ Buch denken. Es ist nicht besonders schmeichelhaft, auch nicht besonders intelligent und vor allem verletzend für den damals schon sehr kranken Kanzantzakis, der wenige Monate vor seinem Tod einen unschönen Brief von einem Sohn Zorbas bekam.

Doch eins kann man sicherlich verstehen: den Ärger der einen noch in Stoupa lebenden Tochter darüber, daß der Vater, ein Wittwer mit 13 (oder 8) Kindern, sie alle alleine ließ und sich auf seinem abenteuerlichen Weg begab. Daß Kazantzakis an Zorbas vor allem seine freiheitsliebende Natur, seine Sicht auf die Welt, seinen Humor und seine Agilität liebte, ist verständlich. Daß er die andere aber daraus resultierende Seite – die Verantwortungslosigkeit, den Egoismus – nicht sah oder nicht sehen wollte, liegt sicherlich auch an der eigenen Lebenseinstellung und der ‘männlich-dominanten’ Erziehung.

Die Verbitterung der Kinder ist nachvollziehbar, denn wie so häufig bei berühmten Eltern, werden die Kinder nur aufgrund ihres Verwandtschaftsgrades nicht völlig der Vergessenheit überlassen. Auch war Zorbas fraglos ein ‘kalter’ Vater, der auch nach Selbstaussagen sich tatsächlich nicht um das Schicksal seiner Kinder (oder der Ehefrauen) kümmerte.

Ein weiterer lesenswerter Artikel (auf Englisch) ist unter “Zorba the Greek Unmasked. Chorba the Macedonian” (von Dr. Alex K. Gigeroff) als PDF herunterzuladen.

Hier ist die Kohlenmiene aus der Zeit von K. & Zorbas zu sehen und sein Haus in Prastova:

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Der Zugang zu der Kohlenminde existiert noch, ist aber nicht ganz einfach zu finden, versteckt in einem Olivenhain. In den 1940er Jahren hat man noch einmal versucht, die Mine zu nutzen, ohne Erfolg. Einige Gerätschaften sollen aus der Zeit noch vor dem Eingang herum liegen.

Auch das Haus, in dem Zorbas lebte, gibt es noch. Und es sieht für unsere  stahlbetongewöhnten Augen recht hübsch aus. Wenn es noch stimmt, dann hat das Haus ein deutscher Künstler gekauft, der sich – begeistert von dem “Sorbas”-Buch und der dort vermittelten Lebensstimmung – in den 1980er Jahren nach Mani aufmachte, um hier sein Glück kaum fassen zu können, als ihm dieses Haus (für wenig Geld, das aber für die damalige Mani-Verhältnisse schon Touristenpreis war) angeboten wurde. Er weiß es also sehr zu schätzen und hält es im ‚reduzierten Zustand‘, der an den berühmten Mann erinnern soll (so z.B. ein Stück Kohle, die nie verheizt wird!) Was ihn am meisten sorgt, ist die Möglichkeit, sich nicht mehr vor zudringlichen “Sorbas-Touristen“ retten zu können. … Daher überlegen wir, ob es denn ratsam ist, diesen Ort und den ruhesuchenden Bewohner aufzusuchen.

Verfilmungen

Vier Romane Kazantzakis sind bisher verfilmt worden. An erster Stelle ist der berühmt gewordene Filmklassiker “Alexis Sorbas” mit Anthony Quinn in der Hauptrolle zu nennen. Aber auch “Die letzte Versuchung Christi“ und “Der Mann, der sterben muß” sind von namenhaften Regisseuren realisiert worden. Leider ist der letztgenannte nicht aufzutreiben! “Alexis Sorbas” geht natürlich mit auf die Reise an Bord.

  • 1957: Der Mann, der sterben muss (Celui qui doit mourir; Regie: Jules Dassin) nach dem Roman Griechische Passion
  • 1964: Alexis Sorbas (Zorbas The Greek; Regie: Michael Cacoyannis; mit Anthony Quinn)
  • 1978: Höllenkommando Kreta (Dawn of victory; Regie: Dimis Dadiras)
  • 1988: Die letzte Versuchung Christi (The last temptation of Christ; Regie: Martin Scorsese), übrigens ein hervorragender Film und einer der Besten Bibelinterpretationen von Judas, die ich kenne! Mit einer hervorragenden Filmmusik von Peter Gabriel! (Marcel)

Literarische & filmische Begleitung

  • Alexis Sorbas. Abenteuer auf Kreta (1946, Βίος και πολιτεία του Αλέξη Ζορμπά, Vios ke politia tou Alexi Zorba; dt. 1952) –> bei uns in der Bordbibliothek befindet sich allerdings nur der Film.
  • Rechenschaft vor El Greco (1961, Αναφορά στον Γκρέκο, Anafora ston Greko; Berlin: Herbig)
  • Im Zauber der griechischen Landschaft (Aufsätze, dt.: 1988, A.L.G. Müller Verlag, München)

Weblinks

Historisches Museum Kreta

Kurzer Artikel mit Fotos zu Eleni

Zorbas-Homepage (privat) aus Stoupa

Joanna, 23. 05. 2010

Thomas Abel Brimage Spratt (11 May 1811 – 12 March 1888), English vice-admiral, hydrographer and geologist, was born at Woodway House, East Teignmouth

He was the eldest surviving son of Commander James Spratt, RN, a hero of Trafalgar and entered the navy in 1827. He was attached to the surveying branch, and his first ship was HMS Victory. He was engaged almost continuously until 1863 in surveying the Mediterranean. As commander of the “Spitfire” he rendered distinguished service in the Black Sea during the Crimean War, and was appointed CB in 1855.

At an earlier date he was associated with Edward Forbes, then naturalist to the “Beacon”, and during the years 1841-1843 they made observations on the bathymetrical distribution of marine life. To Forbes he was specially indebted for his interest in natural history and geology, and together they published Travels in Lycia, etc. (1847).

Whilst on sick leave in Teignmouth due to the after effects of malaria he investigated the movements of the Sand Bars at Teignmouth and suggested practical means of improving the entrance to the harbour. He published his research in 1856 and was congratulated by Isambard Kingdom Brunel, who was building the South Devon Railway at the time, for the clarity and practicality of his work.

Spratt investigated the caves at Malta and obtained remains of the pygmy elephant (Elephas melitensis), which was described by Hugh Falconer. He investigated the geology of several Greek islands, also the shores of Asia Minor, and made detailed observations on the Nile delta.

He was especially distinguished for his Travels and Researches in Crete (2 vols., 1865), in which he ably described the physical geography, geology, archaeology and natural history of the island. Two fossil species were named in his honour and several books were dedicated to him. He was commissioner of fisheries from 1866 to 1873; and acting conservator of the Mersey from 1879 until the close of his life. He married in Sophia Price and had a son. He died at Tunbridge Wells on 12 March 1888.

Trivia: One of the maps made by Thomas Spratt known as ‘Spratt’s Map’ was used by archaeologists Heinrich Schliemann, Wilhelm Dorpfeld and Carl Blegen, which contributed to the discovery of Troy, because the name Troy with a question mark was added by a German professor of classical antiquities working with Spratt over the spot of the real Troy. He had added it, because it was over top the ruins of the identified Greek city of Novo Ilium (New Troy.) Schliemann simply looked at the map he was using saw Troy with a question mark and thought that it would be a good place to start digging leading to the discovery of Troy. This was covered in the book The Ulysees Voyage, by Tim Severin.

Literarische Begleitung

  • Travels and Researches in Crete. 2 Bände. J. van Voorst, London 1865, (Band 1, Band 2). ~~> Online vollständig einzusehen.


Weblinks

http://reference.canadaspace.com/search/Woodway%20House/

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John („Jock“) Robert Liddell (* 13. Oktober 1908 in Tunbridge Wells; † 23. Juli 1992 in Athen) war ein englischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler.

Liddell besuchte die Haileybury School bei Hertford sowie die University of Oxford. In Oxford arbeitete er auch in der Bodleian Library. Dort lernte er in den 1930er Jahren die britische Schriftstellerin Barbara Pym kennen, der er bei ihren ersten literarischen Versuchen kritisch zur Seite stand. Ihre wechselvolle Freundschaft wurde von Barbara literarisch verarbeitet; die Figur des “Dr. Nicholas Parnell” in ihrer Novelle Some Tame Gazelle ist nach ihm gezeichnet.

Anschließend ging er nach Griechenland, wo er in der britischen Botschaft in Athen arbeitete. Nach dem deutschen Überfall auf Griechenland im April 1941 floh er nach Ägypten, wo er sich den Cairo poets anschloss, einer Gruppe von englischen Literaten, die sich dort infolge der britischen Militärpräsenz in Ägypten um 1942 konstituiert hatte. Nach dem Krieg ließ er sich dauerhaft in Athen nieder, wo er auch starb.

Liddell veröffentlichte literaturwissenschaftliche Schriften – darunter Kritiken und literaturgeschichtliche Arbeiten -, Übersetzungen ins Englische sowie Romane und Novellen. Größere Bekanntheit erlangte er durch seine lebenslange Auseinandersetzung mit dem Werk von Konstantinos Kavafis, über den er eine viel gelesene Biographie schrieb, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde (1974, mehrere Auflagen).

Ein Kritiker schrieb über ihn in den Siebziger Jahren: “Liddell, der seit dreißig Jahren in Griechenland lebt, hat dieses Land von Jahr zu Jahr näher kennen gelernt; nichts Griechisches ist ihm mehr fremd: Bei den Dichtern des heutigen Griechenland ist er ebenso zuhause wie bei Homer, im antiken Theben ebenso wie bei den wandernden Schafhirten der Gegenwart.”

Literarische Begleitung

  • Aegean Greece, London: Cape 1954. Landschaft Apolls. Fahrten durch die ägäische Welt, Zürich-Stuttgart: Fretz & Wasmuth 1957.

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Johannes Gaitanides (auch Hans Gaitanides * 1909 in Dresden; † 1988 in Schondorf am Ammersee) war ein griechisch-deutscher Schriftsteller und Publizist.

Zu Gaitanides etwas Biographisches zu finden, das auch noch eine gewisse Eindeutigkeit und ‘Allgemeingültigkeit’ hat, ist schwer. Noch schwieriger ist es, ein Foto von ihm zu bekommen (nämlich erst einmal gar nicht). Was ich im Netz fand, ist nicht uninteressant und eröffnet auch einen Blick auf das Deutschland der 1930er bis Nachkriegsjahre:

Biographisches

Das Zitat, das jetzt folgt, ist mit Vorsicht zu genießen, erstens: weil der Autor unter Pseudonym “Nikolas Dikigoros” schreibt und eindeutig ein vielleicht belesener aber auf jeden Fall ein schlauer Kleinnazi ist (hier eine Seite, die mich darauf gebracht hat, siehe vor allem den letzte Beitrag: http://www.ureader.de/msg/14513860.aspx; Dikigoros “Reisen-Homepage” ist allerdings als Studiengegenstand nicht uninteressan), zweitens: weil das Geschriebene ohne Quellenangabe/ohne Impressum steht (und ich davon ausgehe, daß der Autor “Dikigoros” kein Freund und Augenzeuge der historischen Figuren ist). Warum ich es dennoch hier anführe, liegt nicht zuletzt daran, daß es zu Gaitanides tatsächlich recht wenig gibt und um den biographischen Zeitraum zwischen 1933 bis 1945 eine auffällige Lücke klafft. “Dikigoros” schreibt dazu:

“Sein »Griechenland ohne Säulen« war Jahrzehnte lang die Bibel aller Griechenland-Kenner und solcher, die es werden wollten; selbst die alternativ angehauchten Verfasser von »Anders Reisen Griechenland« (nebst Teilbänden) haben es durch alle Auflagen hindurch unverändert empfohlen. Und »Das Inselmeer der Griechen« wurde anläßlich der Olympischen Spiele von 2004 posthum noch einmal neu aufgelegt. Über den Autor erfährt man dagegen sehr wenig. “Johannes Gaitanides, geboren 1909 in Dresden, 1933 aus politischen Gründen nach Griechenland emigriert [zwischen den Zeilen glaubt man lesen und ergänzen zu müssen: „als guter Demokrat und Anti-Faschist“], später in die Bundesrepublik zurück gekehrt, 1988 gestorben” liest Dikigoros in einem Klappentext. Das ist herzlich wenig – und selbst das stimmt nicht alles. Beginnen wir mit dem Namen. Sein Vater war Grieche und arbeitete an der Gesandschaft in der Hauptstadt des Königreichs Sachsen; die Mutter war Deutsche. Für den Sprößling einer solchen Verbindung ist “Johannes” der ideale Vorname; man konnte ihn nämlich beliebig abwandeln, sei es zu “Ioannis”, sei es zu “Hans” – und so hieß er denn auch erstmal, bis 1945. 1933 machte er eine Reise nach Griechenland; aber die hatte keine “politischen” Gründe und mit Emigration vor dem National-Sozialismus [sic! J.B.] gleich gar nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: 1936 schloß Hans Gaitanides sein literatur-wissenschaftliches Studium an der Universität München mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Seine Doktorarbeit hatte er über den Barockdichter Georg Rodolf Weckherlin geschrieben, der u.a. am englischen Königshof gewirkt hatte – das war Mitte der 30er Jahre, als Hitler noch auf die britische Karte setzte, ein dankbares Dissertationsthema. Aber noch viel interessanter ist, unter welchem Aspekt er es sich vorgenommen hat: “Versuch einer physiognomischen Stilanalyse… das Leib-Seele-Problem. […] Im Zweiten Weltkrieg war Hans Gaitanides als überzeugter National-Sozialist wie sein Altersgenosse Joachim Fernau Kriegsberichterstatter und Sonderführer der Waffen-SS.

Nach dem zweiten Weltkrieg tauchte Hans Gaitanides erstmal ab und dann als “Johannes Gaitanides” wieder auf. Als er sein Griechelandbuch 1955 unter dem Titel “Griechenland ohne Säulen” neu heraus brachte, las sich das plötzlich alles ganz anders. Die politische Lage hatte sich grundlegend geändert, und mit ihr offenbar auch die historischen Fakten: Venizelos war jetzt ein genialer Politiker und großer Held gewesen, der halt bloß Pech gehabt hatte. Über Metaxás wurde dagegen – wie allgemein – nur noch wenig geschrieben: Für die einen war er ein Fascistenfreund, der das Glück hatte, rechtzeitig zu sterben, für die, die ihm wohlwollend gesonnen waren, war er der couragierte Neinsager, der Begründer des “Ochi”-Feiertags. Nanu – doch nicht etwa wegen seiner Weigerung, die britischen Invasoren ins Land zu lassen?” [der Vollständigkeitshalber ist das Zitat aus: http://dikigoros.t35.com/reisende/gaitanides.htm]

Es gibt zwei Meinungen: die einen, die G. Kolaboration mit dem NS-Regiem nachweisen, und jene, die das Gegenteil behaupten. Zu den ersten gehört Andrea Ilse Maria Reiter, die in ihrem Buch “Die Exterritorialität des Denkens: Hans Sahl im Exil” (S. 258, Fußn.; siehe unter: http://books.google.com/books?id=nLyU0tjPiZYC&pg=PA258&lpg=PA258&dq=Gaitanides+Reiter+Sahl&source=bl&ots=pbqXTCwIPQ&sig=ajuIE_pxYm6JZaciRVtqr_h8HiQ&hl=de&ei=jskSS9eWGc6J_gap-og2&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CAoQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false) Gaitanides als Sonderführer der Waffen-SS nachweist.

In seinem 1940 erschienen Werk “Neues Griechenland” schreibt Gaitanides, so berichtet Wikipedia, “in Griechenland gibt es keine Judenfrage, nur in der Türkenzeit haben Juden eine bedeutsamen Stellung gehabt, ihre Gefährlichkeit ist weiterhin durch ihre geringe internationale Versippung eingeschränkt.”

Nach dem Krieg nannte sich Gaitanides “Johannes” (statt wie bisher in der Kurzform “Hans”). Er begann als freier Publizist für verschiedene Zeitungen und als politischer Kommentator für den Bayerischen Rundfunk zu schreiben. In den 1970er Jahren war er Chefredakteur des Donaukuriers in Ingolstadt. Bedeutung erlangte Gaitanides mit seinen zahlreichen Publikationen über Griechenland, das er regelmäßig bereiste. So wie die Werke von Jacques Lacarrière für das französischsprachige Publikum das Bild von Griechenland prägten, waren Gaitanides’ Werke für das deutschsprachige Publikum von Bedeutung. Sein Buch “Griechenland ohne Säulen”, das die Geschichte Griechenlands in der Neuzeit darstellt, gilt als Standardwerk. 1964 wurde Gaitanides mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Er starb 1988 in seinem Wohnort Schondorf am Ammersee. [Die Angaben sind aus Wikipedia entnommen.]

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Rudolf Schneider-Manns-Au [1935]

Zu diesem Coautor ist nicht so ohne weiteres etwas im Web zu finden.

Dipl. akad. Bühnenbildner heißt es im Klappentext des Buches, Architekt und Österreicher. Studiert hat er an der akademie der bildenden Künste in Wien. Offenbar auch heute noch freischaffender Bühnenbildner und Designer. Überraschen war es dann dennoch zu sehen, daß er auch Filmdesigner (Filmbauten) ist und für einen so wunderbaren Regisseur wie Werner Herzog und seinen Film “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” gearbeitet hat. Übrigens… Werner Herzog hat einen Film auf Rhodos gedreht: sein Erstlingswerk. Zu Herzog siehe unter “Filme”.

Literarische Begleitung

  • Traumfahrten auf und um Kreta. Auf den Spuren der minoischen Welt von Johannes Gaitanides & Rudolf Schneider-Manns Au (1980)

Joanna, 23. 05. 2010

Lawrence George Durrell
(* 27. Februar 1912 in Jalandhar, Britisch-Indien; † 7. November 1990 in Sommières, Département Gard, Frankreich; sein Grab ist unbekannt)

Er war ein britischer Schriftsteller und Diplomat.

Biographisches

Der Sohn der britischen Kolonialisten Louisa und Lawrence Samuel Durrell verbrachte seine ersten Lebensjahre in Indien. Mit elf Jahren wurde er zum Schulbesuch nach Canterbury (England) geschickt, wo er sich jedoch nie heimisch fühlte. Er verließ die Universität ohne Abschluss, da er den Beruf des Schriftstellers anstrebte.
Am 22. Januar 1935 heiratete Durrell Nancy Isobel Myers, seine erste Ehefrau. Im März 1935 zog er nach Aufenthalten in Paris und Athen mit Mutter, Frau und Geschwistern einschließlich Bruder Gerald nach Korfu. Zu dieser Zeit begann auch seine lebenslange Freundschaft mit dem Schriftstellerkollegen Henry Miller. Im gleichen Jahr veröffentlichte er seinen ersten Roman Pied Piper of Lovers.

1941 mussten die Durrells Griechenland wegen der näherrückenden deutschen Armee verlassen. Die Familie zog nach Kairo. In der Folge lebte Durrell in Alexandria, nach dem Ende desZweiten Weltkrieges auf Rhodos, 1947/48 in Argentinien, 1949 bis 1952 in Belgrad. Er arbeitete in verschiedenen Positionen, meist als Presseattaché, für die britische Regierung.

Im Jahr 1952 zog Durrell nach Zypern, wo er zunächst Englischunterricht erteilte und später wiederum für die britische Regierung in Nikosia arbeitete. Seine Erlebnisse aus der Zeit der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen türkischen und griechischen Zyprioten verarbeitete er in dem Buch Bittere Limonen (veröffentlicht 1957).
Noch während der Zeit auf Zypern begann Durrell mit der Arbeit am Alexandria-Quartett, das zwischen 1957 und 1960 veröffentlicht wurde. Diese vier Bücher brachten Durrell internationale Anerkennung ein.

Als Durrell Zypern verlassen musste, siedelte er sich in Südfrankreich an, wo er den Rest seines Lebens verbringen sollte. Durrell war viermal verheiratet und hatte zwei Töchter.

Durrell wurde wiederholt für den Nobelpreis vorgeschlagen. Seine Dramen Sappho und Actis wurden in Deutschland von Gustaf Gründgens, Ein irischer Faust von Oscar Fritz Schuh am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt.

http://www.lawrencedurrell.org/bio.htm

~~> Biographie

Literarische Begleitung

für Korfu

  • Schwarze Oliven – Korfu. Insel der Phäaken (1945, Prospero’s Cell; Rohwolt )

für Kreta

  • Das dunkle Labyrinth (1947, The Dark Labyrinth; Rowohlt 1992)

für alles andere

  • Griechische Inseln (1978, The Greek Islands; Rowohlt 1987)

Über Durrell, seine Familie und die Insel Korfu:

  • In the Footsteps of Lawrence Durrell and Gerald Durrell in Corfu (1935-39): A Modern Guidebook, Taschenbuch von Hilary Whitton Paipeti
  • Im Garten der Götter. Eine Kindheit auf Korfu,
  • Die Geburtstagsparty. Eine heitere Familiengeschichte unter griechischer Sonne,
  • My Family and other Animals (1956), dt: Meine Familie und anderes Getier, alle drei Bücher von Laurence´ Bruder Gerald Durrell.
  • Das Buch ist 2005 von Sheree Folkson verfilmt worden: My Family And Other Animals, http://www.imdb.com/title/tt0482552/fullcredits#cast. Das folgende Filmstill erinnert ein wenig an eine Szene aus Fermors Buch Mani:


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Henry Valentine Miller
(* 26. Dezember 1891 in New York; † 7. Juni 1980 in Los Angeles)

Er war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Maler. Miller war ein enger Freund von Laurence Durrell, über ihn lernte er auch den griechischen Lyriker Katsimbalis kennen und schätzen, so daß er mit ihm Griechenland bereiste und in dem Buch „Der Koloss von Maroussi“ festhielt.

Das Foto zeigt Miller im Jahr 1939 in Hydra. Aufgenommen wahrscheinlich von George Seferis (tatsächlicher Name Seferiades), der zusammen mit Miller und Katsimbalis nach Hydra kam, um den Maler Ghika in seinem Haus zu besuchen. Miller hat über diesen Besuch einige Seiten in Koloss von Maroussi geschrieben (angefangen mit S. 52)

Biographisches ~~> Folgt bald

Henry Miller wurde am 26. Dezember 1891 in Yorkville/New York in einfachen Verhältnissen geboren. Seine Eltern stammten aus Deutschland – die Mutter aus Hessen und der Vater, der von Beruf Schneider war, aus Bayern.

Literarische Begleitung

  • Der Koloß von Maroussi. Eine Reise nach Griechenland (1941, The Colossus of Maroussi, San Francisco: Colt Press)

Ein Artikel aus dem SPIEGEL vom 02.12.1959 über Durrell und weitere Links:

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