Marcel, 09. 11. 2012

An der Hafeneinfahrt zur Bucht von Fornells entdeckten Archäologen Reste einer frühchristlichen Siedlung, die um 900 wieder verlassen wurde. Das Dorf selbst soll auf das Jahr 1625 zurückgehen. Jetzt leben hier ca. 500 Einwohner und im Sommer eine Menge Touristen, die die angeblich besten Langusten des westlichen Mittelmeeres wegessen. Selbst König Juan Carlos soll hier zum Langustenessen vor Anker gegangen sein. Das einzig geöffnete Restaurant im November macht keinen einladenden Eindruck, so dass wir eine selbst zubereitete Mahlzeit an Bord bei einem Glas menorquinischen Rotwein einnehmen.
Die Fahrt hierhin war ruppig und mit drei Meter Wellen unruhiger als am ersten Abend. Diesmal bleibt aber alles beisammen und alle sind wohlauf. Vielleicht war es doch das fruchtbare, oder furchtbare, Essen aus Fertilia.

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Dietmar unerschrocken!

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Marcel, 06. 11. 2012

Wir erwandern einen gut 18 Kilometer langen Abschnitt des rund um die Insel führenden Camí de Cavalls, einem erst vor kurzem rekultivierten, ehemaligen Pferdeweg, von unserer Marina bis Es Grau. Der kleine Ort liegt am Rande eines Naturschutzgebietes gleichen Namens, der das Kernstück des UNESCO Biosphärenreservats Menorca bildet – über 40% der Insel stehen unter Naturschutz.

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Und wieder eine etwas späte Ergänzung aus meiner Handy-Kamera:

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Marcel, 05. 11. 2012

Seit ca. 1600 v. Chr. setzte die Talaiot Kultur ein. Der Name rührt von den turmartigen Gebäuden aus Trockenmauerwerk troncocónica, ca. 10 Metert hoch und 10 Meter im Durchmesser. Vermutlich wurden sie zur Kontrolle der Umgebung gebaut. Um sie herum finden sich höhlenartige Behausungen.

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Eine griechische Landschildkröte bewacht die kreisförmig angelegte Siedlung.

Marcel, 05. 11. 2012

Tief hängen die grauen Wolken über Port Llum, dem Lichthafen, in Addaia, Menorca, aus denen über Nacht der Regen fiel und dessen Tropfen an Deck uns in den Schlaf säuselte. Wir wollten Maó, die Hauptstadt der Insel mit dem zweitgrößten Naturhafen der Welt nach Pearl Habour, ansteuern. Doch auch unter Zuhilfenahme der Maschine war gerade der Kurs hierher zu halten. Schon bei der Einfahrt lockte der Duft der Pinien.
Im Jahre 1798 wählten die Briten diese tiefe Bucht im Norden, um Menorca ein drittes Mal zu erobern, da der Hafen von Maó bereits mit einer 770 Fuß langen Eisenkette versperrt war.
Der Jachtfen mit Bojenfeld ist wunderschön gelegen und zumindest jetzt im November wunderbar ruhig. Der Supermarkt hat bereits Winterpause. Nur ein Indisches! Restaurant und ein englischer Pub sollen angeblich noch geöffnet haben.
Bevor wir uns im Mietwagen auf Exkursion begeben, stehen allerdings noch einige Reparaturen am Masttop an: Die schlauen Mechaniker in Brindisi haben die Dreifarbenlaterne um 90° versetzt montiert; außerdem muss das Fall des Klüvers gerettet werden.

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Marcel, 04. 11. 2012

Die Erinnerung an den gestrigen Tag auf See ist nur schemenhaft. Die meiste Zeit habe ich versucht zu schlafen, um die Magenkrämpfe zu beruhigen. Es überkam uns alle schon in der ersten Nacht. Und das war vermutlich Fehler Nummer eins und zwei. Schlechtes Essen und Bier in einer seltsamen Pizzeria oder Bar in Fertilia. Der Name bedeutet Fruchtbarkeit und bezieht sich in diesem Fall wohl auf das, was das servierte Essen später mit einem macht. Fehler Nummer zwei war wohl ein zu schneller Aufbruch bereits am Abend ohne sich zu akklimatisieren. Allerdings, wären wir erst am Morgen gestartet, hätte dies eine Nachtansteuerung bedeutet. Der direkte Kurs auf Maó war nicht zu halten, weswegen wir in Addaia gelandet sind. Und hier ist eine Nachtansteuerung für Ortsunkundige unmöglich. Fehler Nummer drei war ungenügende Vorbereitung von leichter Nahrung und warmen Getränken. Ist man erst einmal im Modus der Seekrankheit angelangt, ist eine Konzentration auf die Zubereitung von Speisen nicht mehr möglich.
Bei mir kam es so: Dietmar hatte mich in seiner Wache an Deck gerufen, da sich ein schlagendes Segel nicht mehr bändigen ließ. Ein Blick auf das viel zu tief hängende Schothorn des Klüvers machte schnell deutlich, dass entweder das Fall oder der Segelkopf gerissen war. Ich musste also wohl oder eher übel bei hohem Seegang und in voller Fahrt aufs Vorschiff, um den 40m2 großen Klüver zu bergen und im Wind zu bändigen. Der Bug bewegte sich dabei munter und mit unglaublicher Beschleunigung auf und nieder. Ein weiterer Fehler: Unter Fock und Groß hätten wir in einen Beilieger gehen können um Ruhe ins Schiff zu bringen.
Nachdem ich ohne sonstige Blessuren wieder heil im Cockpit angekommen war, drehte sich mein Magen zur Belohnung einmal im Kreis und knotete sich zusammen. Das war es dann für mich. Die restliche Nacht, ein Tag und eine weitere Nacht sind aus meinem Gedächtnis gelöscht. Natürlich gibt es auch keine Bordbucheinträge, denn dies hätte unnötige Konzentration abverlangt.
Der zweite Tag auf See brachte mich auf den Weg der Besserung. Das Segeln machte wieder Spaß, die Aufnahme von salzigen Keksen funktionierte ohne inneren Widerwillen und auch 30 Knoten Wind am Nachmittag auf Amwindkurs konnten mir nichts mehr anhaben. Trotzdem bin ich froh, nach 205 Seemeilen sicher im Hafen von Addaia zu liegen. Meiner Crew geht es wohl ebenso. Dietmar hat mit Mühe alles bei sich behalten können und Joanna – na ja – einmal musste auch sie den Fischen was zu essen bringen.

Merkst du denn
Wie weit der Horizont sich neigt
Das leise Zittern, wenn das Schiff ganz langsam in die Höhe steigt
Wie eine alte Frau, die sich mit Mühe aus dem Sessel hebt
Wie alles um uns bebt und ächzt und stöhnt
Als ob es lebt

Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz

Der kleine Hund
Den du neulich erst gefunden hast
In dessen Maul, das nie zu stopfen war
Ein jeder Käse, Fisch und Kuchen drückte
Der mit seiner Niedlichkeit das ganze Schiff entzückte
Der ging gerade über Bord
Eben noch lustig
Jetzt schon fort

Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz

Und während ich schon krank bin
Und den Fischen was zu essen bringe
Nimmst du das Gabelfrühstück ein
Kaust krachend Brot und halbe Heringe
Trinkst Wein und lachst so laut
Als ob du´s extra machst
Ist das so?
Tust du das?

Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz

Jetzt wirst auch du ganz blaß
Und krallst dich in die Reling
Dein Blick ist starr und deine Augen matt
Wer´s einmal hat, dem geht es nie mehr aus den Knochen raus
Krall dich an mich und danke, daß du mir vertraust
Ich will dein fester Boden sein
Obwohl ich selber schwanke
Obwohl ich selber schwanke

Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz
Schwere See, schwere See, mein Herz

Element of Crime, Schwere See

Joanna, 04. 10. 2012

Ich glaube, das muss man nicht kommentieren… Dabei ist es wirklich ein unvergleichliches Erlebnis, wenn sie neben einem schwimmen…

http://www.delphinschutz.org/projekte/rettung-der-letzten-adria-delfine/nachrichten-uebersicht/631-brutaler-delfinmord-in-kroatien

Joanna, 03. 10. 2012

Marcel ist der Meinung, dass man die Delfine nicht sehen kann: zu klein auf den Fotos.

Ich bin da ganz anderer Meinung – und außerdem kann ich unmöglich meine kleinen Lieblinge einfach unerwähnt lassen!

Also ist hier ein wichtiger Nachtrag für unsere gesamte Reise in Fotos:

Zunächst die Wasserschildkröten – wenn man es weiß, dann sieht man sie auch :)

Und nun die Hauptakteure:

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Marcel, 29. 09. 2012

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Marcel, 28. 09. 2012

Wir ankern gegenüber von Alghero in einer hübschen, kleinen Bucht, die von seichten Hügeln umgeben ist. Die Landschaft erinnert stark an die spanische Mittelmeerküste, vor allem an die, der Balearen, die knapp 200 Seemeilen im Westen liegen. Macchiabedeckte Hügel, die plötzlich schroff in die Buchten abfallen. Dazwischen winzige Sandstrände, die von Pinienwäldern eingeschlossen sind. Und tatsächlich, über den Dächern von Alghero weht die rot gelb gestreifte katalanische Flagge neben der Sardischen und Italienischen! Über viele Jahrhunderte gehörte Alghero, Katalanisch L’Alguer, zum Hause Aragon. In vielen Dingen lebt die katalanische Geschichte weiter: es gibt eine lokale Variation der Paella und viele Familien sprechen noch immer einen katalanischen Dialekt. Wir werden die Stadt in den nächsten Tagen noch erkunden.
Hinter der nächsten Landzunge wartet die Marina von Fertilia, die nach knapp 700 Seemeilen für ein paar Wochen unser Stützpunkt wird. Fertilia wurde in den 30er Jahren von den Faschisten angelegt, nachdem die umliegenden Sümpfe (Fertilia bedeutet Fruchtbarkeit) trockengelegt wurden. Eine Stadt auf dem Reißbrett angelegt. Eine „Prachtstraße“ als zentrale Ache führt vom Meer, von der Marina, gesäumt von Arkaden auf die Kirche zu. Der Pastor schaut bei geöffneten Pforten über die Köpfe seiner braunen Schäfchen hinweg direkt aufs Meer und das auf der anderen Seite der Bucht gelegene Alghero!

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