Joanna & Marcel, 21. 04. 2011

DSC_6488

[Wir haben eine sehr schöne Anlegestelle in der Marina des Ortes Vrboska auf Hvar zugewiesen bekommen. Es ist ein sehr schöner, unaufgeregter Ort mit sehr netter ACI Marina. Das ist eine Seltenheit! Dazu später mehr.]

Angekommen, einklariert und gleicht auf den Weg – den Passionsweg – zur Kirche St. Laurencius bzw. Sv. Lovre gemacht. Diese ca. 20 bis 25 km lange Prozession, die eigentlich an 3 verschiedenen Orten der Insel Hvar begonnen wird, ist mittlerweile auf die UNESCO Liste der IMMATERIELLEN KULTURGÜTER aufgenommen worden. Damit hat die Insel Hvar bereits zwei UNESCO Eintragungen – wenn das nicht rekordverdächtig ist! (Siehe Ager-Felder zwischen Stari Grad und Vrboska. ) Allerdings fragt man sich, ob gerade die List der „Immateriellen Kulturgüter“, die sie auszeichnet, nicht ein wenig inflationär gehandhabt wird, so daß zu befürchten ist, daß diese Liste bald keine Aussagestärke mehr hat (Stichwort: Deutsches Brot… nicht schlecht, aber sollte das nicht eher eine Selbstverständlichkeit sein statt „immaterielles Kulturgut“ der ganzen Welt? Und vom Verschwinden bedroht ist es ja auch nicht.)

Zurück zu der Ostern-Kreuzprozession – Wir starteten also in der Kirche Sv. Lovre, in die übrigens die Gemälde aus der Wehrkirche Sv. Marija übertragen wurden. Dazu zählen vor allem jene Gemälde, die Tizian oder Veronese (mal so mal so – wahrscheinlich ist es aber die Werkstadt von Veronese) zugeschrieben werden.

Die kleine Kirche war innen sehr voll, wir standen mehr auf der Schwelle der Kirche (Foto 2), und konnten nur kurze Blicke zwischen die gedrängten Menschen werfen. Dieser, aber auch die anderen Altäre der besuchten Kirchen, waren sehr aufwendig und kunstvoll mit Blumenschmuck dekoriert.

DSC_6489
[Wehrkirche Sv. Maria am Abend; noch menschenleer.]

DSC_6493 DSC_6491 DSC_6492 DSC_6496 DSC_6499
[Erste Prozessionsstation: Die Wehrkirche wird umrundet.]

DSC_6500 DSC_6504 DSC_6505
[Das mit schwarzem Flor verhüllte Kreuz wird vorgetragen.]

DSC_6507 DSC_6509
[Von Unterwegs nach Jelsa, der dritten, großen Station der Prozession.]

DSC_6511 DSC_6541 DSC_6540DSC_6520 DSC_6527
[In Jelsa angekommen. Für uns endete hier die Prozession. Weiter haben wir es an diesem Abend nicht mehr geschafft.]

DSC_6515 DSC_6517

So sieht der gesamte Prozessionsweg in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag aus:

procesija-za-krizem

Später, erst am Ostersonntag, als wir also die letzten Tage nur so von einer Veranstaltung in die nächste ahnungslos gestolpert sind, hat uns ein Einheimischer (ein sehr netter Mitarbeiter der Marina vor Ort) über die Hintergründe der Prozession von Vrboska aufgeklärt.

Hier in kürze die Hintergründe:

Die große Prozession in der Nacht von Gründonnerstag ist eine “Volksprozession”. Der Kreuzträger – bei uns ein junger Mann mit modischer schwarzer Hornbrille der 60er Jahre – lädt die Ortsbewohner, Familie und Freunde ein, ihn auf diesen 20 km langen Weg zu begleiten… und sie folgten dieser Einladung. Für den jungen Mann ist es eine große Auszeichnung, das Kreuz vorzutragen. Er trägt so zu sagen stellvertretend das Kreuz für Christus. Und er muß auf jeden Fall Kondition haben, dieses Gewicht (wörtlich wie übertragen) auf dieser Streckenlänge und das auch noch die ganze Nacht zu tragen! Die Eingeladenen leisten ihm ‘Gesellschaft’ und Beistand im auf sich genommenen symbolischen Leid. Die Eltern verabschieden sich vom Sohn vor der Kirche – eine ergreifende Sitte! – und wünschen ihm alles Gute auf dem folgenden “Leidensweg Christi”. An anderen Orten (siehe Karte) machen das andere Kreuzträger und seine “Gäste” genauso. Die Prozessionen dürfen sich nicht begegnen bzw. überholen – das brächte Unglück!

Dies ist also ein volkstümlicher sakraler Ritus, in dem sich ein wenig Aberglaube mischt. Die Ursprünge sind mir nicht klar, vielleicht gab es vor der Christianisierung bereits Umzüge zum Frühlingsanfang.

Wir fanden den Anfang der Prozession sehr schön, im Laufe des Weges Richtung Jelsa gestaltet sich die Prozession immer mehr in Richtung Volksauflauf mit abendlicher Freizeitgestaltung. Es wurde sehr viel gequatscht, getrunken und gegessen (wenn auch kein Alkohol). Unerträglich lachende und quatschende Paare liefen neben uns (wir hatten wahrscheinlich wie immer Pech damit). Da haben wir uns mehrfach gefragt, warum diese Leute nicht besser in der Kneipe blieben… Nun, mit den neuen Informationen des Einheimischen, können wir uns das besser erklären.

Der “Marinero” hat uns für unsere gute Beobachtung gelobt – auch er machte deutlich einen Unterschied zwischen dieser Prozession und der am folgenden Abend/Karfreitag, die er als feierlich und dem Anlaß angemessener fand. Wahrscheinlich ist die volkstümmliche Prozession mit der Zeit etwas aus den Fugen geraten, da die Menschen nicht mehr von sich zu dem sakralen Gegenstand Bezug haben. Auch fehlte, so fand ich, der Respekt – wenn nicht vor dem Ritus und Glauben (einiger Anwesender), so doch vor der Anstrengung des Kreuzträgers, der mir leid tat (so wahrlich ganz alleine in dieser Horde). Andererseits entspricht das wohl eher der ursprünglichen Kreuztragung auf dem Golgataberg.

Karfreitagsprozession

DSC_6637 DSC_6644 DSC_6645 DSC_6647 DSC_6648 DSC_6651 DSC_6663 DSC_6665

Leider stand Marcel an diesem Abend sehr unglücklich hinter der kleinen Kirche, so daß die Fotos aus der dritten Reihe sind. Ich hatte wiederum das Glück, direkt vor der Kirche zu stehen und konnte dem sehr getragenen und von zwei hohen Würdenträgern geleiteten Ritus sehr gut folgen. Unter einem Baldachin wurde die Hostienreliquie getragen, natürlich mit verhüllten Händen, das Kreuz (der gleiche Kreuzträger) war bereits enthüllt und gewissermaßen gedoppelt, denn es gab noch ein zweites, das symmetrisch auf der anderen Seite des Baldachins getragen wurde. Jugendliche beweihräucherten die Reliquie und einer machte auf einem “Raspel-Gerät” von Zeit zu Zeit ziemlichen Lärm (Sinn und Hintergründe davon uns unbekannt).

Die Gruppe, die dieser Prozession folgte, war klein (vor allem nur Frauen), sehr ruhig und sang schöne traurige Lieder. Kinder trugen Lichter und quatschten weniger. Alles in allem eine schöne nächtliche Erscheinung – denn wir haben davon nichts gewußt und sind nur zufällig zur selben Zeit an der Kirche gewesen.

Was am Samstagabend für eine Prozession bzw. Grabwache war und wie sie gestaltet wurde, können wir nicht berichten: Wir waren an diesem Tag wandern. Ein Gewaltmarsch von ca. 20 Km in die Berge und zerschlagen sind wir dann um 23:00 oder später in die Koje gefallen.

Marcel, 10. 03. 2011

Heute fuhren wir mit Marcels Eltern und Andrees von Split nach Supetar auf der Insel Brac. Fahren ist schon der adäquate Ausdruck dafür, denn wir hatten Windstärke 1, das heißt Windstille. Die Sonne schien, es war gefühlt wärmer als in Split selbst, man düste an Deck vor sich hin, nachdem man zunächst etwas für Arbeit sorgte: Das Großsegel setzen, dann den Klüver, die Fock auspacken, um dann wieder alles zusammenzurollen und zu bergen, denn ohne die Hilfe des Motors dümpelten wir nur auf der Stelle.

DSC_5557

Auf unserer gemächlichen Fahrt stand Roland am Ruder und hielt Kurs auf das Örtchen, wo die wenigsten Brac-Besucher bleiben, vielmehr ankommen und abfahren – es ist der größte Fährhafen der Insel.

Circa 1,5 Seemailen vor Supetar sichteten wir einige Meter vor uns entfernt eine fünfköpfige Delphin-Familie! Leider etwas zu weit von uns entfernt, um gute Fotos machen zu können, aber dennoch zu Freude der gesamten Crew. Die Sichtungsdaten müssen noch an die Delphinschutz-Zentrale durchgegeben werden.

DSC_5562_2

Für Inge, Roland und Andrees war Supetar nichts neues, denn sie haben sich das Örtchen bereits gestern angeschaut, indem sie die Fähre von Split genommen haben. So wußten wir sofort, welche Konoba die ideale für uns ist.

Zu Supetar folgendes aus dem Internet-Führer der Homepage der Insel Brac (mit Originalfehlern):

  • “Neben der Kirche zu bewundern wäre ein frühchristliches Mosaik (6 Jh.) Die heutige Kirche ist auf dem Fundamenten einer frühchristlichen Basilika des hl. Petrus erbaut. Der hl. Petrus ist Patron der Stadt Supetar. Diese Basilika mit ihrem Patron gab den Namen dem Orte.”

Dem ist wenig hinzufügen, außer daß das frühchristliche Mosaik im katastrophalen Zustand ist und es wahrscheinlich nicht mehr so lange zu sehen sein wird. Denn es ist weder restauriert noch versiegelt. Jeder geht direkt darüber und parkt sein Fahrrad darauf.

  • “Über die Bucht von Supetar auf dem Friedhof dominiert einer Zypresse ähnelndes weisses Mausoleum mit seinen byzantinisch- orientalischen Elementen. Das Mausoleum gehört der Familie Petrinovic und ist ein Werk von Toma Rosandic ( 1878-1957) Auf dem Friedhof neben dem Kirchlein befinden sich zwei altchristliche Sarkophage.
    Unterhalb des Friedhofes sind noch die Reste einer villae rusticae zu sehen. Der gröste Teil der Grabdenkmäler auf dem Friedhof tragen Handschrift von Ivan Rendic (1849-1932): das Relief “Pieta“ ( Grabstätte der Familie Franasovic, das Grab Rinalda Culica, sowie die Gruft der Familie Rendic. Seine Jugendzeit sowie die letzten 11 Jahre des Lebens verbrachte Rendic in Supetar. Er studierte in Trieste, Wenedig und Firenca. Er zählt zu den bedeutesten Künstler Kroatiens im 19. Jh. Sein 208 Werke findet man in 51 Städte. Einige kann man sehen in der Galerie „ Ivan Rendic“ in der Stadtbibliothek im ersten Stock. Vor der Galerie (hinter dem Lebensmittegeschäft an der Hauptpromenade) steht Rendics Statue „ Denkerin“.”

Das Mausoleum ist wirklich sehenswert. Warum es einer Zypresse ähneln soll, ist mir nicht klar. Von innen war es nicht einsehbar, aber die Reliefs außen, eine Mischung aus “ägyptischen” und “syrischen” Stil, sowie die “mittelalterlichen” Speier, die als Kapitele gesetzte trauernd-nachdenkliche Putten, sowie überhaupt der Ort des Mausoleums (wie der sehr stimmungsvolle Friedhof überhaupt) sind auf ihre Weise beeindruckend. Man erkennt deutlich, daß der Künstler einen thematischen Plan verfolgte, der sich um den Tod und das Sterben einerseits und die Vision des Jüngsten Gerichts andererseits dreht. Der strafende oder auch nur kraftvoll-bestimmende Gottvater befiehlt eine Schar sehr resoluter Engeln, die das Hauptportal im Relief schmücken. Über dem gesamten Gebäude, auf der Spitze der Kuppel, hockt oder kniet ein gewaltiger Engel aus Bronze (?) – eine Mischung aus Todesengel und Rodons Denker.

DSC_5575DSC_5595

  • “Auf dem Hauptplatz steht die Kirche des hl. Martin aus dem 18. Jh. zur Zeit Ausstellungsplatz. Oberhalb von Supetar steht eine von 19 guterhaltenen frühromanischen Kirchen auf der Insel Brac. Die Kirche ist dem hl. Lukas geweiht. Bekant durch eine Zeichnung des Schiffes ( die erste bekannte in Dalmatien) an der Mauer im Innen der Kirche. Rund um Supetar sowie überall auf der Insel Brac sieht man kleine aus Steinen rundgebauten Häusern mit dem runden Dach, von den Einheimischen Bunje gennant. Diese Häuser dienen heute den Feldarbeiter als Schutz, in der Vorgeschichte als Wohnraum. Bauten änlicher Art findet man sehr oft im Mittelmeerraum unter Namen tholos, nuragho, cabana, barraca, caslla, trullo und noch bei uns in Istrien Kažuni.”


Dieser letzte Absatz hier der vollständigkeitshalber zitiert, denn gesehen haben wir weder die St. Martin Kirche noch die frühromanische mit der ersten überlieferten Zeichnung eines Schiffes, was ich sehr bedauere. Allerdings sind uns auf unserer früheren Wanderung von Milna aus (siehe dort) und insbesondere von Stari Grad auf Hvar sehr wohl die Rundbauten aus aufeinandergeschichteten Feldsteinen aufgefallen. Jetzt wissen wir, daß sie bunje heißen und tatsächlich mit ihren italienischen und griechischen Verwandten, den thalos, nuraghos und trulli so zu sagen alles gemeinsam haben.

DSC_5604


map_supetar

Joanna & Marcel, 07. 03. 2011

Um es gleich vorweg zu sagen: Wir haben den Sv. Jure in dem Biokovo-Nationalpark (oberhalb der Makarska Riviera) mit seinen knappen 1800 m – er ist der dritthöchste Berg Kroatiens – nicht geschafft. Und noch genauer: Wir haben es nicht einmal mit dem Auto zu unserem hochgelegenen Ausgangspunkt für die Wanderung geschafft!

Woran lag es? An der Bora und der sibirischen Kälte in diesem heulenden Wind. Aufgebrochen sind wir von der Makarska Riviera, als auch dort schon der Wind über das Wasser pfiff und Chulugi in der Marina in Split bereits die ganze Nacht an den Festmachern riß.

DSC_5256

[Fotos geben solche bedrohlichen Natureindrücken, gerade die auf dem Wasser, nie, nicht mal annähernd realistisch wieder.]

Es waren 7, in Böen 8 Windstärken als wir uns nach oben mit dem Auto vorgearbeitet haben, um diese kleine Wanderung zu machen. Laut Wanderführer nur mäßig ansträngend, weil von einem schon hoch gelegenen Wanderparkplatz ausgehend. Was der Wanderführer jedoch vergaß zu erwähnen, war die Tatsache, daß der Weg bis zu diesem Ausgangspunkt alles andere als einfach war. Nun, wenigstens der Fahrer sollte mindestens schwindelfrei und nervenstark sein. Wir waren beide der Meinung, daß wir diese Autostrecke – bin mir fast sicher, daß dies ursprünglich ein Esels- und Karrenweg war – nicht im Sommer mit touristischen Gegenverkehr, genervten Kroaten und anderen Genossen, die es eilig haben, machen wollen.

Oben auf dem ersten Sattel angekommen, wurde die Straße immer schmaler und der vereiste Schnee immer näher. Irgendwann hatte Marcels Angst vor … schlimmen Glatteis, Sturmböen, ausgehungerten Bären u.ä., das heißt vor einem kaputten Motor und keinem Handyempfang, überhand genommen und wir parkten irgendwo an einem Wanderpicknickplatz. Von dort aus waren es (angeblich) nur 4 km bis zu unserem ursprünglichen Ausgangspunkt … auch diese paar Kilometer haben wir nicht bewältigen können … Es war ein Vorgeschmack auf Patagonien :-)

DSC_5127 DSC_5128 DSC_5137

[All die sehr netten Hütten hatten geschlossen. Trotzdem hatte ich immer wieder gehofft, daß etwas auf hat.]

DSC_5139 DSC_5142 DSC_5150 DSC_5159

[Dieser Wegweiser hat unsere Aufmerksamkeit gefesselt: In 20 Min. zum Abflugsstandort der Paragleiter! Nichts wie hin.]

DSC_5161

[Der Weg was sehr vereist, was das Gehen aber erleichterte, weil man auf der “Schneedecke” laufen konnte. Schon nach wenigen Metern pfiff die Bora so heftig von den Hängen herunter, daß ich nicht gegen ankam bzw. mit dem Wind fortgetragen worden wäre, hätte ich mich nicht beinahe auf dem Boden gelegt. Wir mußten also umkehren.]

DSC_5173 DSC_5172

[Der Kampf mit dem Wind, der mich gerade niederwerfen will.]

DSC_5170 DSC_5178 DSC_5179 DSC_5184

[Gedrückt in eine etwas windstillere Ecke auf einem kleinen Felsvorsprung oberhalb der Straße: unserer Picknick.]

DSC_5153 DSC_5192

[Und immer wieder sahen wir kleine oder größere Ruinen aus Naturstein. Sie hoben sich nur bei genauerem Hinsehen von der Landschaft ab. Höfe oder sogar kleine Weiler, die aufgegeben worden sind. Im Winter – ehemals sicherlich nicht nur im Winter – ist die Einsamkeit hier garantiert.]

DSC_5195 DSC_5200 DSC_5203 DSC_5205 DSC_5207 DSC_5213

[Wir entdeckten bei der Fahrt herunter einen als “Geologischer Pfad” ausgewiesenen Wanderweg, den wir sofort in Angriff genommen haben. Schließlich wollten wir auf jeden Fall uns in dieser Gegend etwas bewegen, allerdings hatten wir keine Wanderkarte… nur die Beschreibung der nicht zu schaffenden Sv. Jura-Besteigung…]

DSC_5222

[Am Ziel angekommen, waren es ungefähr diese Formationen, die offenbar als etwas Besonderes betrachtet werden sollten. Diese Gegend war fraglos sehr interessant (und viel wärmer in der Sonne als da oben), auch wenn auf den ersten unkundigen Blick unscheinbar. Sie erinnerte mich sofort an die Winnetou-Filme, die, wenn ich mich nicht irre, zum Teil im Biokovo-Gebirge gedreht worden sind. Eingebettet zwischen den einzelnen Berghügeln und Karstlandschaft lagen diese Senken canyonartig eingesenkt und von kleinen Felsbrocken aus Kalkstein (?) eingefaßt. Überall wuchsen Zwergeichen (?) und man konnte überall deutliche Spuren von Pferden entdecken: nicht nur Pferdeäpfel, sondern auch aufgescharrte Erde und ausgebuddelte frische Blumenzwiebel. Wären da nicht die deutliche Extremente und hätten wir nicht einige Stunden vorher Pferde mit dicken Winterfell gesehen, hätte ich auf Wildschweine getippt. Aber wir haben wohl (ausgewilderte) Wildpferde gesehen! Danach erinnerte ich mich undeutlich, bereits davon gelesen zu haben. Zumindest gab es früher in diesen Bergen kleine Wildpferde.]

DSC_5223

[Hier ein Blick in so einen baumbewachsenen Mini-Canyon. Man kann sich gut vorstellen, daß dort Pferde ihr Schlaflager aufschlagen, oder sich vor Wind und Wetter schützen. Und vor allem, daß dort Filmszenen gedreht wurden, bspw. wie man wilde Pferde zusammentreibt, oder auch Mitmenschen Fallen stellt. Tatsächlich fand ich in einem solchen Senke auch große, blankgeputzte Knochen. Einige der Canyons waren auch mit kleinen Mäuerchen erhöht, so daß sie wie Tiereinfriedungen aussahen.]

DSC_5219 DSC_5227 DSC_5229 DSC_5231

[Ein Suchbild: Finde das Haus.]

DSC_5233 [Auf dieser Zwischenhöhe (zwischen ganz hoch und hoch) konnte man auf einem windgeschützten Hang sich in das trockene Gras fallen lassen und etwas sonnen. Hier der Blick auf die Landschaft aus der Liegeperspektive.]DSC_5235 DSC_5240 DSC_5243 [Auf zu Sv. Jure. Dieses Kirchlein stand wohl (ich hoffe, daß es auch tatsächlich dieses ist) ursprünglich auf dem gleichnamigen Berg. Sie mußte aber dem häßlichen Funkmast weichen und wurde dann hierhin versetzt (immerhin). Das Kirchlein konnte ich nicht besichtigen, denn weiter als bis zum halben Wege mit schönem Blick darauf, war für mich nicht möglich. Dort blies der Wind wieder so stark, daß ich mich hinsetzen mußte, um nicht weggeweht zu werden.]

DSC_5246 DSC_5263 [Wieder zurück in Makarska. Die Straßen wirkten wie ausgestorben, der Wind heulte und fegte jede Gasse entlang. Das schön in der Abendsonne glitzernde Meer wurde von der Bora “glattgestrichen”.]DSC_5258 DSC_5257

Joanna, 05. 02. 2011

Wir steuern noch an unserem Ankunftstag die Insel Brač und die Ortschaft Milna an. Brač (lateinisch Bretia, italienisch Brazza, deutsch veraltet Bratz) ist die drittgrößte Insel Kroatiens und hat den höchsten Berg aller kroatischer Insel vorzuweisen, den schönen Vidova Gora (778 m), den ich schon mal bestiegen habe (aber das ist eine andere Geschichte, da gab es Chulugi noch nicht). Wir wissen, daß es in Milna eine im Winter offene Marina gibt, so daß auch eine Abendansteuerung unproblematisch sein dürfte. Wir laufen ein, als die letzten Sonnenstrahlen noch den Horizont und uns die Buchteinfahrt erhellen. Wir legen an einer leeren Pier an, da es windstill ist, können wir das mehr oder weniger problemlos alleine – auch wenn wir uns über die Mooringleinen zunächst (und zuletzt) nicht einig werden. Prompt bekommen wir von einem Angestellten der Marina Anweisungen, woanders festzumachen, denn diese Pier sei noch nicht fertiggestellt bzw. aus anderen uns nicht klaren Gründen. Wir werden uns jedoch mit ihm einig und bleiben auf unserem schönen Platz mit einem herrlich freien Blick auf die Bucht und das Städtchen.

Milna ist ein kleiner, ehemaliger Fischerort, der sich durch eine kleine (vor allem die einzige auf der Insel) ACI-Marina touristisch gemausert hat. Dennoch, einige alte schöne Häuser stehen leer und verfallen. Diese Ortschaft wird als eine besonders harmonische „mali mista“ (kleiner Ort) an der dalmatischen Küste gepriesen, die in einem „barock-urbanistischen“ Stil erbaut ist. Darüber läßt sich insofern nicht streiten, weil der Ort tatsächlich einen sehr harmonischen Eindruck vermittelt, auch wenn man dies sofort ein wenig relativieren muß, denn diesen Eindruck machten auf uns viele Orte in Dalmatien (insbesondere die auf den norddalmatischen Inseln). Was diesen Ort aber tatsächlich besonders auszeichnet, ist sein Hafen, der der beste (wohlgemerkt) natürliche Hafen in Dalmatien sein soll. Hier hat ehemals die Kaiserflotte des berühmten Diokletians – dessen Palast uns in Split als eine schöne Kulisse vor unserer ACI-Marina dient –  Zuflucht und sicheren Ankerplatz gefunden.

Milna ist im wesentlichen eine Gründung aus dem 16. Jh. und entwickelte sich nach und nach um das Kastell der Familie Cerinic. Die Kirche St. Mariae Verkündigung (eingeweiht 1783) geht auf ihre Stiftung zurück. Dieser barocke Bau hat eine aparte schlichte Rokokofassade. Die Skulpturen des hl. Joseph und des hl. Hieronymus, einige folkloristisch geschmückte Grabmale im Inneren der Kirche, aber vor allem das Gemälde der Verkündigung, das meiner Ansicht nach fälschlicherweise Tizian selbst zugesprochen wird, und zwei Skulpturen von Ivan Rendić (1849-1932; erster international bekannt gewordener Bildhauer Kroatiens, tätig in Kroatien und Triest) machen sie durchaus sehenswert. Wir konnten nur einen schnellen Blick in die Sakristei erhaschen, sahen aber, daß dort noch einiges an kleinen und vielleicht auch „großen“ Schätzen abgestellt steht! Auch wenn der Altarraum einen überproporzionierten Eindruck macht, was wahrscheinlich daran liegt, daß das barocke Altarretabel für die große Konche des Altarraums zu klein ausgefallen ist.

Ruhm und Wohlstand erlangte dieser kleine Ort durch die – wie sollte es auch anders sein (wären wir jetzt in Griechenland, dann käme noch Olivenöl als eine andere Möglichkeit hinzu) – Schiffahrt. So wurden die großen schönen Steinhäuser in der ersten Reihe am Hafen von den zu Wohlstand gekommenen Schiffseigner und Kapitäne im 18. und 19. Jh. gebaut und bewohnt. Schiffsbauer, Seemänner und Fischer aus Milna waren nicht nur für ihre besonderen Segelfähigkeiten im gesamten Mittelmeerraum bekannt, sondern berühmt für das charakteristische dalmatische Holzboot, genannt Bracera (so genannt nach dem italienischen Inselnamen: Braca, Brazza), dessen Prototyp in den großen Werften, die Milna ehemals besaß, entstand.

Interessanterweise wurde die Bucht und der Hafen von Milna in der napoleonischen Zeit von der russischen Armee als Stützpunkt genutzt. Und das mit Unterstützung der Bevölkerung. Im Jahr 1806 wurde hier eine für die zaristische Flotte wichtige Seeschlacht geschlagen: die Franzosen, die Brač und die Region um die Insel unter ihre Verwaltung gestellt hatten, versuchten diese Annektion  militärisch durchzusetzen, was jedoch die Russen zu verhindern suchten. Erfolgreich, weil die Bračer die Feinde ihrer Feinde gerne im Kampf unterstützten. Nach der gewonnen Schlacht gegen die Franzosen wurde Milna – als Belohnung -, wenn auch für die kurze Zeit von einem Jahr, zur Verwaltungszentrale der Insel und zur kaiserlichen Residenz. Daß der Zar hier tatsächlich seinen „Urlaub“ verbrachte, ist gleicherweise (wie das Tizian-Gemälde) nur ein Gerücht.
Heute ist Milna vor allem ein Ferienort und Anlaufstelle für Segler – insbesondere leider jene, die in Split ihre Charterboote abliefern müssen. Ich kann mich daran erinnern, als ich hier in einem Sommer durchgefahren bin, daß der Ort von Seglern und anderen Touristen am bersten war. Jetzt im Winter ist alles sehr beschaulich und in der Hand der Einheimischen. Uns ist es nur recht – das einzige, was bedauerlich bleib: Keine Konoba hatte auf! Es mußte also an Bord gekocht werden (was natürlich auch schön ist und dank dem Skipper-Smutje gehobene Kochkunst bedeutet).

Das Kastell Angliscina aus dem 16. Jh. haben wir nicht gefunden, sind aber wahrscheinlich mehrfach daran vorbeigelaufen. Und auch für die romanische Kapelle Sveti Josip (Schutzheiliger der Fischer), die einen schönen Ausblick auf das Meer und die Badebucht im Süden Milnas bieten soll, mußten wir auslassen. Vielleicht gibt es noch ein nächstes Mal…

DSC_4856

DSC_4851 DSC_4869 DSC_4859 DSC_4820 Für den nächsten Tag hatten wir eine Wanderung geplant – Marcel konnte tatsächlich eine Wanderkarte von 40:000 Maßstab ergattern! Der Bericht darüber folgt auf einer anderen Seite. An dieser Stelle aber füge ich schon die Abschiedsfotos unserer Rückfahrt nach Split, wo uns noch ein Vormittag des Saubermachens erwartete – und dann der Flug zurück nach Köln…

ENDE

Marcel, 14. 01. 2011

Marcel, 06. 01. 2011

Bela hat die Flex schon im Anschlag als ich mich mit seinem blauen SLK auf den Weg in das nahegelegene Städtchen Makarska mache, um das übliche Zeugs zu kaufen, das man so braucht, um das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen: Flexscheiben, Opferanoden, 2-Komponenten-Primer, Schlauchverbinder, Drahtbürsten, usw. Was ich nicht beachtet habe: Heute ist der 6. Januar – Drei-Königs-Tag – in Kroatien ein Feiertag. Also haben alle Bau- und Fachmärkte geschlossen. Lediglich die Supermärkte halten die Stellung. Eine Einrichtung, die ich sehr befürworte, da man sich die Grundversorgung nicht an Tankstellen organisieren muss. Ich kaufe also anstatt dem oben Erwähnten Bier, Wein, Konserven und Putzmittel. Danach bleibt Zeit für einen Spaziergang an der Hafenfront, an der eine Menge Fischer, die mir schon auf dem Weg zur Marina aufgefallen waren und Chulugi freundlich grüßten, ihren Tagesfang feilbieten.

Am späten Nachmittag ist der Rumpf bereits an Steuerbord geflext. Die Schraube glänzt wieder kupfern in der Abendsonne, die durch die dicken, graublauen Wolken bricht. Ich hänge den gesamten Nachmittag unter der Toilette und kämpfe mit altem und neuem Seeventil in 1½ Zoll. Erst bei Sonnenuntergang gemeinsam mit dem Suchscheinwerfer in der Bilge ist die Tat vollbracht. Morgen muss das andere Ventil dran glauben.

Marcel, 05. 01. 2011

Am morgen mache ich mich von Split auf den Weg nach Krvavica zum Kranen. Um 0715 starte ich bei mäßigem Wind aus NE-E. Den Vormittag über weht der Wind mal aus E-lichen dann wieder aus N-lichen Richtungen. Also: Segel runter, Segel rauf, Segel runter, Motor an, Motor aus. So geht das den gesamten Vormittag bis ich um 1200 in der Marina Ramova unterhalb der kleinen am Hang gelegenen Ansammlung von Häusern Krvavica ankomme. ‚Marina‘ ist allerdings etwas hoch gegriffen. Es gibt zwar eine Kneipe für die Hafenarbeiter aber der Rest der Anlage ist ziemlich abgeratzt. Um 1400 liegt Chulugi auf dem Trockenen. Die Winterarbeiten können beginnen.


Bela, unser ungarischer Freund und Helfer, den wir über Herbert kennengelernt haben, als wir im Sommer auf Mljet waren. Bela wird sich in den nächsten zwei Wochen um Chulugi kümmern und sie wieder auf Hochglanz polieren.


Das Willkommensschild der Marina mit der Anmutung eines Schrottplatzes.

Marcel, 04. 01. 2011

Eigentlich wollten wir in Kremik Chulugi aus dem Wasser heben für die Winterarbeiten. Doch trotz mehrfacher Absprache und Terminbestätigung per e-mail ist das Kran- und Werkstattteam nicht vor Ort und der Chef in Österreich Ski laufen. Uns bleibt nichts anderes übrig als in eine andere Marina zu fahren. Joanna geht von Bord und muss leider nach Deutschland zurück fliegen. Also mache ich mich schon an diesem Morgen wieder auf den Weg nach Split und von dort weiter nach Süden bis zu einer kleinen Marina in der Nähe von Makarska.

Joanna, 02. 01. 2011

Auf dem Weg von Hvar nach Šolta/Maslinica wird uns klar, daß wir wohl nicht mehr mit dem versprochenen sonnigen Wetter rechnen können. Dafür ist der Himmel, wie man so sagt, sehr interessant. Ich steuere aus dem Hafen, M. sammelt Fender ein – der übliche Vorgang und Routine mittlerweile. (Wir beobachteten im Sommer, daß es bei den anderen Yachten anders aufgeteilt ist: Mann am Steuer, Frau läuft an Deck herum und verrichtet schwere Arbeit, Gäste dümpeln herum. So etwas gibt es bei uns nicht ;).)

Auf dem Wasser habe ich die erste Stunde das Gefühl, daß die Seeluft die Grippe verpustet, daher stehe ich noch am Steuer, als Backbord etwas dunkles das Wasser durchschneidet. Ich kenne mein Glück, mir ist also ganz klar, um was es sich dabei handelt: DELPHIN! Marcel ist natürlich sofort an Deck und macht ein paar Fotos. Der allein schwimmende Delphin hatte wohl keine Lust auf Boote, er blieb auf relativer Distanz zu uns. Dennoch, man fühlt sich seltsam glücklich und aufgeregt, wenn man einen Delphin gesichtet hat. Daher liebe Leute: Ißt keine Schwert- und Thunfische mehr! Dann können die Delphine nicht in den gleichen Netzen verenden und uns, die wir ja alles essen, macht es nicht wirklich etwas aus, wenn man auf Thunfischsalat und Thunasteak verzichtet (was heißt da schon ‚verzichten’… wir können ja noch die tausend anderen Dinge essen). Übrigens: Interessierte können auch unter unserer Kategorie „Umweltschutz“ einen kurzen Hinweis unter dem Kapitel „Delphin-Bucht“ lesen.

DSC_4649DSC_4650 DSC_4651

Zu Maslinica läßt sich in den einschlägigen Reisebüchern nur wenig finden. Malerisch ist es und klein, und vor der gefährlichen Bora geschützt. Wer Ruhe sucht, sollte hierher. Und wer ein nobles Hotel mit ganzem Wellnessprogramm braucht auch.

DSC_4656

[Ansteuerung auf Maslinica]


DSC_4657[Klares Wasser – bald wird hier alles mit Stegen der Marina und einem Supermarkt zubetoniert sein.] DSC_4659

[Ein sehr beschaulicher Ort, wir sind ganz angetan, auch wenn das Wetter nicht mitmacht.] DSC_4661 DSC_4662 DSC_4664 DSC_4665

Nun, mit der Ruhe wird es ab Juni 2011 wohl auch hier vorbei sein – davon erzählt uns ein Plakat vor dem (geschlossenen) Nobelhotel, das sich in einem trutzartigen Palast aus dem 17. Jh. befindet. Denn im Sommer dieses Jahres wird hier in diesem beschaulichen Fischerdorf eine große Marina entstehen, wofür man die naturbelassenen Klippen mit den Föhren zubetonieren wird, einen Supermarkt hinstellen und die Stege verlängern. Und dann wird man einen Wellenbrecher bauen, der von dem Schwell schützen, aber vor allem für die sog. Megayachten Raum geben wird.


DSC_4660 [Wir haben alles für uns allein und noch unverbaut … glücklich und traurig zugleich.]DSC_4673 DSC_4674 [Das Nobelhotel, ehemals eine Burg/Schloß im Hintergrund.]

Wir genießen den unverstellten Blick auf die wunderschöne Einfahrt in diesen naturgeschützen Minihafen. Bald all das wird es nicht mehr geben – das macht tatsächlich sehr traurig; schön zu sein, lohnt sich allein nicht, es muß in Geld umgewandelt werden. Wehmütig versuchen wir unsere Aussicht dennoch zu genießen.

DSC_4672

DSC_4688