Marcel, 12. 09. 2011

Im Westen der Insel Olib liegt in einer großen Einbuchtung das gleichnamige Inseldorf mit Fähranleger. An dessen Rückseite gehen wir längsseits. Einst war Olib eine der am dichtesten besiedelten Inseln im Archipel. Doch schon vor dem Ersten Weltkrieg begann die erste Emmigrationswelle. Die Zahl der Inselbewohner, meist heimgekehrte Aussiedler, ist von über 2000 auf jetzt ca. 200 gesunken. Die Insel ist autofrei. Dafür knattern vereinzelt Motorräder über die schmalen Wege und das beliebteste Fortbewegungsmittel ist eine Mischung aus Sqout und Traktor. Die Fahrer machen mit Cowboyhut, Sonnenbrille und meist beachtlichem Leibesumfang tatsächlich den Eindruck von Amerikaheimkehrern. Aber man grüßt freundlich und genießt das Rentnerdasein. Zu sehen gibt’s eine fußballfeldgroße, betonierte Zisterne, ein Wehrturm aus dem 17. Jahrhundert und eine Kirche vom Ende des 18. Jahrhunderts. Die Häuser stehen großzügig auseinander. Dazwischen überall hüfthohe Mäuerchen aus Trockenmauerwerk, die die einzelnen ehemaligen Weinparzellen trennen. Auf den Brachflächen und am Wegesrand Unmegen von wildem Fenchel, der unsere Bordküche bereichert (Joanna sagt, ich solle nicht überall wilden Fenchel oder Meerfenchel rein tun). Gut versteckt hinter dem Wehrturm gibt es auch eine auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlte Post, wo wir endlich, nach eineinhalb Wochen, wieder Bargeld bekommen. Auch unsere Euroreserven waren bereits aufgebraucht.

Bei einer platinblonden Französin essen wir zu Mittag. Wir sitzen an Plastiktischen auf Plastikstühlen. Die Terrasse liegt direkt am Hafen mit Blick auf die kleinen Fischerboote und den Fähranleger. Oktopussalat und Pasta mit Scampi, als auch vorzüglicher Hausein werden in gemächlichem Tempo auf einem Servierwagen zu uns geschoben. Als Dank gibt’s zur Rechnung eine Karte der Insel mit rückseitiger Widmung der Chefin des Hauses.

In praller Mittagssonne legen wir mit vollen Bäuchen ab. Kurs

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Marcel, 11. 09. 2011

Von Molat führt unsere Route vorbei an der Nachbarinsel Ist nach Olib. Vor der kleinen Kapelle Sv. Nikola von 1911 in der gleichnamigen Bucht liegen wir an einer der vielen freien Mooringbojen. Im Sommer scheint es hier mehr Yachten hin zu verschlagen, jetzt liegen außer uns nur zwei weitere Schiffe an den Bojen. Wir schwimmen an Land zu dem kleinen Anleger vor der Kapelle, die leider verschlossen ist. Im Staub finden wir eine arg mitgenommene Halterung, vielleicht einer Lampe oder Kerze.

Später liege ich in der Hängematte, die ich in Thailand erstanden habe, auf dem Vorschiff und genieße die Abendsonne. Joanna ist von dieser wirklich bequemen und entspannten Liegetechnik nicht so begeistert. Auch gut, so bleibt mir mein neuer Lieblingsplatz ganz für mich alleine.

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Marcel, 11. 09. 2011

Nach einem arbeitsreichen Vormittag, wir putzen und schrubben an und unter Deck, laufen wir am Nachmittag den kleinen Inselhafen auf Molat an. Das Eiland liegt nur etwa eine Stunde Motorfahrt NNE-lich der Pantera Bucht von Dugi Otok. Eigentlich wollten wir uns das hier im Aufbau befindliche Delfinschutzzentrum der GRD ( Gesellschaft zur Rettung der Delfine), des berühmten Seglers Rollo Gebhard anschauen – immerhin ist PKB hier Spender, doch man teilt uns per Mail mit, dass just in dieser Woche das Zentrum nicht besetzt ist.
Im örtlichen Laden decken wir uns nach eineinhalb Wochen wieder mit frischem Obst und Gemüse, sowie Wein ein. Joanna wandert zu einem ehemaligen Konzentrationslager der – nein, diesmal nicht der Deutschen, sondern der Italiener.

Zurück an Bord bricht die volle Idiotie der Menschheit in Form einer schon beim Einlaufen grölenden sechs Mann, eine Frau Crew über uns ein. Unseren Manöverfender habe ich noch gerade rechtzeitig zur Hand. Noch bevor alle Leinen fest sind, springen die ersten schon schreiend ins Hafenbecken, während der Rest in der Bar gegenüber Hochprozentiges ordert. Der Anblick des bierdosenbeladenen Cockpits erklärt den Rest. In dem Moment, als der Landstrom gelegt ist, ertönt die Titelmusik von Baywatch für den gesamten Ort hörbar. Dies ist der Moment, in dem Wir uns spontan entscheiden wieder abzulegen und den auf der anderen Seite der Insel gelegenen Ankerplatz aufzusuchen – scheiß auf die 40€ Liegegebühren, die wir bereits bezahlt haben.

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Marcel, 09. 09. 2011

Am Nordzipfel von Dugi Otok ankern wir auf vier Meter Wassertiefe vor einem Wrack eines italienischen Frachters, der in den Achtzigern hier gestrandet ist. Bug und Heck des Schiffes ragen aus dem Wasser hervor. Ein idealer Schnorchelspot!

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Marcel, 09. 09. 2011

Windstille und spiegelglattes Meer bedeuten eine Strecke von 30 Seemeilen entlang der Insel Dugi Otok unter Motor. Dies lädt dazu ein, den Wassermacher in Betrieb zu nehmen. Für den Spülwasseranschluss in der Backskiste fehlen leider noch die passenden Schlauchfittings. Da wird improvisiert. Eine Schlauchverlängerung führe ich durch den achteren Doradelüfter und von dort außerbords. Die Spannung steigt beim umlegen des Hauptschalters, der Förder- und 60 bar Boosterpumpe in Betrieb nimmt. Und siehe da, durch die Probeentnahmeleitung, die ich an der Deckdusche vorbei in die Plicht geführt habe, läuft ein kleiner, aber stetiger Strahl Süßwasser. Das Wasser schmeckt sogar noch weicher und weniger mineralisch als ich vermutet habe. Spannend – jetzt machen wir unser eigenes Trinkwasser!

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Marcel, 08. 09. 2011

Der Talasšćica Nationalpark schließt unmittelbar südwestlich an den Nationalpark der Kornaten an. Wir fahren durch die fast fünf Meilen nach Nordwesten geschlossene Bucht bis in den letzten Zipfel ein und ankern vor der Konoba Goran, wo wir für den Abend einen in der Peka gegarten Oktopus mit Kartoffeln vorbestellen. Am Nachmittag wandern wir zu dem sechs Kilometer entfernten Salzsee und auf dem Grat der berühmten Steilhänge, die über hundert Meter in die Adria stürzen. Die Aussicht in der Nachmittagsonne ist gigantisch. Morgen steht uns nach Tagen des „Verholens“ wieder ein längerer Schlag von 35 Seemeilen bevor.

Marcel, 08. 09. 2011

Auf einem Hügel hinter der Bucht Kravljacica wurde im 6. Jahrhundert die Festung Tureta errichtet, die heute als nackte Ruine auf dem Gipfel steht. Man hat einen wunderbaren Blick über die umliegenden Eilande, etwa nach Mana, wo eine alte Filmkulisse in Ruinen verfällt. Etwas unterhalb der Festung steht die kleine Kapelle Gospe o ‚Tarca, die in den Überresten einer kleinen, frühmittelalterlichen, dreischiffigen Basilika errichtet wurde. Wir wandern durch in Steinmauern aus Trockenmauerwerk eingefasste Olivenhaine aus der Bucht den Hügel hinauf – Joanna am Nachmittag, und ich am am frühen Morgen in rosa Morgenlicht. Am ersten Julisonntag soll in der Kirche eine Messe zur Segnung der Felder und des Meeres stattfinden. Hunderte von Booten soll die Messe in die kleine Bucht locken. Auf dem Rückweg zur Ankerbucht sammle ich Salbei und pflücke ein paar wilde Brombeeren, die runzelig sind wie Trockenobst.

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Marcel, 07. 09. 2011

Der Windgenerator arbeitet noch bis in die Nacht. Mondschein erhellt die Bucht und hebt die umliegenden Inseln als Silhouetten schwarz gegen den sternenklaren Himmel ab. Unter der Sprayhood sitzt man im Windschatten, hier lässt sich die Ehrenfelder Zigarre entzünden, die ich zu Nikolaus geschenkt bekommen habe. Den Geschmack des Rauchs vermische ich im Mund mit Highland Malt und genieße das Zusammenspiel aus nächtlichem Silber und Schwarz der Bucht, dem stetigen, zunehmendem Wind und den scharfen, würzigen Aromen von Tabak und Malz. Man hört Gelächter und Stimmen von anderen Schiffen, vielleicht zehn, verteilt in der geschützten aber geräumigen Bucht Lopatica, und hin und wieder den Lärm der Dingies, die zwischen der Konoba und den vor Anker liegenden Schiffen manövrieren. Mit vier bis fünf Beaufort rauscht der Wind zwischen den Hügeln hinab in die Bucht. Ich stecke noch großzügig zehn Meter mehr Kette. Insgesamt 40 Meter sollten bei gutem, sandigen Ankergrund reichen. Der aktivierte Ankeralarm soll für ruhigen Schlaf sorgen.

Joanna, 07. 09. 2011

„Am letzten Schöpfungstag wollte Gott sein Werk krönen und so schuf er aus Tränen, Sternen und Atem die Kornaten.“

George Bernard Shaw muß man – hat man die Kornati-Inseln gesehen – unumwunden zustimmen, auch wenn diese Inseln kurz nach ihrer göttlichen Schöpfung dann doch bewaldet waren.

FILM auf der Mana Insel

Ein Film, der auf der Insel Mana und den angrenzenden Inselchen der Kornati-Archipels gedreht wurde, scheidet die Ansichten der Sportbootfahrer in den entsprechenden Internetforen: Heißt er nun „Raubfischer in Hellas“ oder „Tobendes Meer“? Fest steht eigentlich, daß es sich um ein filmisches ‚Werk‘ von Horst Hächler handelt. In den Hauptrollen Maria Schell (Mana), Cliff Robertson (Clements), Cameron Mitchell (Psarathanas) und Fritz Tillmann (Stassi) – das half wenig: der Film wurde von der Presse verrissen. Gedreht in der damaligen Jugoslawien 1959, ist er eine Produktion der BRD.

Bei dem Film handelt es sich um eine (beinahe) Romanverfilmung des Buches „Raubfischer in Hellas“ von Werner Helwig, dessen Handlung in Griechenland spielt: Zwei Fischerinseln bekämpfen sich. Bereits dem Autor bereitete die Stoffumsetzung Unannehmlichkeiten, da er offenbar nah am Plagiat arbeitete, indem er die Geschichte den Briefen seines Freundes entnahm. Vorbelastetes Terrain also, dem sich der Filmemacher Horst Hächler jedoch insofern entzog, als daß er sich bei seiner ‚Verfilmung‘ kaum an die Handlung des Buches hielt.

Unverkennbar: Kornati

In „Krotien-Forum“ gibt es auch sehr wissenschaftliche Bildvergleiche :), die eindeutig die Filmzuordnung klären.

Und das heißt: Einen Film namens „Tobendes Meer“ gibt es nicht, sondern nur eine wörtliche Übersetzung des englischen Titels „As The Sea Rages“, den der deutsche Film „Die Raubfiher in Hellas“ international bekam. Aber interessant ist die Internetspur dieses Filmes schon, denn es führt uns zu diesen schönen Ruinen der Filmkulisse auf der Insel Mana, leider sind es seit den 1960er Jahren immer weniger Steine…

Raubfischer in Hellas – Filmausschnitt auf YouTube

Ein paar Links hierzu:

Zum Film und Buch

http://www.cinema.de/film/raubfischer-in-hellas,1307025.html

http://www.imdb.com/title/tt0052582/

Raubfischer-Buch

Zu Kornati allgemein:

Kroatien-Kornati