„Risi e bisi (Reis mit Erbsen; auch Risibisi oder Risi-Pisi genannt) ist ein Klassiker der venezianischen Küche, der jährlich am St.-Markus-Tag dem Dogen als erster Gang serviert wurde. Zur Zubereitung werden Speck, Zwiebeln und Petersilie in einer Mischung aus Olivenöl und Butter angeschwitzt, die jungen Erbsen und wenig starke Fleischbrühe (evtl. mit Fleischextrakt) hinzugegeben und alles eine kurze Zeit gedünstet. Dann wird mit kochender Fleischbrühe aufgefüllt, der Reis dazugegeben und gegart. Nach dem Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Zucker werden noch Butter und Parmesan untergemischt. Sehr junge Erbsen können mit den Schoten verwendet werden.“ Wikipedia
Am Sonntag Abend sind wir bei Giacomos Eltern zum Essen eingeladen. Beppe kocht für uns das klassisch venezianische Risibisi – ich assistiere – und Marisa bereitet ein ungarisches Gulasch. Dazu gibt es Salat von einer der benachbarten Laguneninseln und vorzüglichen Wein. Einen leichten Rotwein, der nur kurz auf der Maische lag und einen ausgezeichneten Barbera di Asti. Der Abend ist sehr herzlich und wir bekommen viele Geschichten zu hören.
Grazie mille a Marisa e Beppe!
There are these two young fish swimming along and they happen to meet an older fish swimming the other way, who nods at them and says „Morning, boys. How’s the water?“ And the two young fish swim on for a bit, and then eventually one of them looks over at the other and goes „What the hell is water?“
David Foster Wallace
Zwischenmeldung aus dem Hafen, in dem wir liegen (eine Marina kann man es definitiv nicht mehr im strengen Sinne des Wortes nennen, denn…).
Seit dem es hier in Venedig warm geworden ist – nachts liegen die Temperaturen noch recht niedrig, aber die Sonne scheint schon seit ein paar Tagen recht kräftig, und macht frühlingshafte Temperaturen –, scheint das normale, geschäftige Leben zu erwachen. Der kleine Hafen ist zu einer Verladestation für riesige Betonmischer und andere Güter geworden. Wer das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird es kaum glauben, daß es überhaupt möglich ist, so große schwimmende Plattformen mit zwei enormen Betonmischern in den winzigen Becken zu bugsieren. Dabei liegen eng rechts und links davon Schiffe so wie unsere Chulugi… ich möchte gar nicht so genau wissen, was hier alles sonst noch passiert.
Der tägliche Verkehr von Ambulanzen, Taxen, kleinen und größeren Transportbooten, Guardia welche auch immer und all die Einheimischen, die offenbar ihre Boote für Stunden aus- und einkranen, hat enorm zugenommen. Und gleichzeitig haben wir auch die offene Lagune im Blick mit den Seevögeln, den Sonnenuntergängen und den Lateinseglern und Ruderern. Und knapp nebenan die “Autobahn”, wie ich den vielbefahrenen Weg neben dem Hafen nenne.
Sollten wir wegen dem Karneval und den dazugehörigen Festigkeiten nach Venedig gekommen sein, dann wären wir sicherlich sehr enttäuscht. Da ich aber zum Arbeiten hier bin, hält sich die Enttäuschung in Grenzen, und betrifft nur das Internet an Bord, das wieder einmal nicht funktioniert.
Heute gab es einen kleinen Spaziergang im Dorsoduro hin zu der Chiesa San Pantalon (Nr. 5 orange).
Die Gegend habe ich bis dato nicht richtig bewußt wahrgenommen. Vielleicht war es heute auch anders, weil ich allein unterwegs war. Marcel ist nämlich nach Hause geflogen, um zu arbeiten und ist seit dem krank und allein zuhaus.
Das ist die überwältigende Decke von San Pantalon! (Nur mit dem Handy und heimlich fotografiert. Der Eindruck kann, wie so häufig, nicht wiedergegeben werden.) Ausgemalt wurde sie in ca. 24 Jahren von Antonio Giovanni Fumiani (1680-1704). Sie ist aus ca. 40 Leinwandstücken zusammengesetzt und stellt ein beeindruckendes Beispiel der illusionistischen Architektur und barocker Deckenbildkomposition dar! Darüber habe ich den Veronese vergessen, der dort auch sein soll.
Die Chiesa hat noch zwei kleine Kapellen zu bieten, in denen sich durchaus interessante Werke befinden. Auch eine relative Seltenheit ist die Tatsache, daß der Eintritt nach eigenem Bemessen dotiert wird.
Hier die Reste der Fresken von Pietro Longhi (1702-1785) von ca. 1745:
Cappella del Chiodo: zu sehen ist Antonio Vivarini (ca. 1420 bis nach 1484) und Giovanni d’Alemagna (dokumentiert ab 1441-1450), Die Krönung Mariä datiert auf 1444. Die kleine Madonnen-Skulptur ist Französische Schule Ende 15.Jh.
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Das Gemüseboot, das sonst am Campo San Barnaba liegt, und wo es bereits 1955 am Canale lag (siehe weiter unten), habe ich durch Zufall heute einige Kanalecken weiter gefunden. Der Campo ist unter Cineasten bekannt, seitdem dort “Indiana Johens” von Spielberg gedreht wurde und Katharine Hepburn in den Kanal gefallen ist (in dem Film “Traum meines Lebens”/”Summertime” in der Regie von David Lean, der auch “Doktor Schiwago” gedreht hat).
1955 war in diesem Laden ein Antiquitätenhändler und Liebhaber im Film von K. Hepburn.
Auf dem Weg zur Uni:
Die Universität von Venedig in der Ca’Foscari am Canal Grande:
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Und immer noch geschlossen – die Chiesa San Trovaso:
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Und auf dem Weg ein bisschen Carnivale – für alle die das noch nicht wissen: der Karneval in Venedig, so wie er sich heute präsentiert, ist eine Erfindung der 1980er Jahre. Genauer: in dieser Zeit haben einige Venezianer sich zusammengetan und den Carnivale, der von Napoleon, d.h. im 18.Jh., wie so vieles niedergeschlagen wurde (=verboten), wiederbelebt. Zuerst war das eine Veranstaltung von Venezianern für Venezianer. Da es sich großer Beliebtheit erfreute, wurde es wenig später von der Touristikindustrie aufgegriffen, vermarktet, mit Events (keine historischen) aufgepeppt und … so wurde der Carnivale wieder ‘niedergeschlagen’. Heutzutage ist es eine beinahe ausschließlich touristische Angelegenheit. Dabei feiert man hier nicht so wie bspw. in Kölle, sondern “posiert” in zumeist historischen oder aufwändigen Phantasiekostümen. Die Karnevalisten sind in Venedig vielmehr Schausteller, die sich dann gerne fotografieren lassen. Ob sich unter dem Kostüm eine echter Venezianer oder ein “Affizierter” und möglicherweise weithergereister befindet, weiß man natürlich nicht.
Dieses braune Etwas auf dem Wasser gegenüber dem Dogenpalast ist kein Bär (was ich zunächst dachte), sondern ein Stier mit roten Augen und goldenen Hufen. Er hat etwas mit Venedig und Karneval zu tun, was aber genau, habe ich vergessen. Ich vermute, dies ist eine ‘moderne Tradition’.