Joanna, 28. 12. 2011

Natürlich ist Venedig unerschöpflich – und sehr duldsam in bezug auf die Milliarden von Fotos, die man von ihr, der betagten Serenissima, macht.

Es gibt Tage und Momente, an denen ich auf keinen Fall noch mehr Fotos produzieren will. Richtet man die eigene Aufmerksamkeit zu lange auf die Fotografierenden, dann beginnt man (so ergeht es mir wenigstens) zu verstehen, daß das Fotografiertwerden in den Anfängen des Mediums bei einigen eine große Verlustangst auslöste. Dabei könnte die ganze Seele mit einem Foto (oder vielleicht auch mit dem sie begleitenden Blitzlicht) gestohlen werden. Oder – daran glaubte angeblich Victor Hugo oder Honoré Balzac (ich kann mich nicht mehr so genau entsinnen) – man ging mit jedem Foto Schicht für Schicht der eigenen Aura verlustig, bis schließlich alles abgeblättert ward.

Bei Venedig und ihren Fotos glaube ich fast selbst daran und dennoch, ganz davon lassen kann ich nicht!

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Marcel, 04. 12. 2011

…besonders am Abend, wenn man sich in Selbstablehnung verliert.“ Man sollte nicht am Abend Joseph Brodskys „Ufer der Verlorenen“ lesen, wenn man in Dieser Stadt allein in tiefen Ledersesseln, in aufwühlenden Jazz eingelullt, das Rotweinglas leert. Man versinkt in glücklicher Melancholie, in tiefer Zufriedenheit mit all den Missständen dieser Welt. Hier im „i figli delle stelle“, meinem Lieblingsrestaurant auf der Giudecca nahe der Kirche Zitelle, bekommt man ein hervorragenden Lammrollbraten mit Ofenkartoffeln und getrockneten Tomaten.
Draußen vor der Fondamenta gleiten die Vaporetti und die größeren Fähren durch den Regen, die die Autos auf den Lido bringen. Die Autos fahren hier nicht, sie werden gefahren. Neulich am Samstag Vormittag tauchte plötzlich (nein, nicht plötzlich, sondern wie durch eine Weißblende) ein Lastwagen aus dem Nebel auf, um den Supermarkt auf der Giudecca zu beliefern. Der LKW stand auf einer Art Floß mit winzigem Führerhäußchen und ließ seine Ladeklappe auf die Fondamenta nieder.
Am heutigen Samstag Abend ist die Fondamenta nicht gar so neblig, jedoch fast ebenso menschenleer. Die wenigen, die sich nach dem Regen in die feuchte Nacht hinauswagen, werden von ihren vierbeinigen Begleitern ungeduldig durch die Gassen getrieben, sich nach dem wohligen Sofa sehnend oder nach der nächsten Einkehr.
Für mich wirkt das von außen ziegelgelb illuminierte Molino Stucky wie ein strahlender Magnet aus einer anderen Welt. Sonst scheint man hier auf der Giudecca mit Licht zu geizen, was nicht weiter schlimm ist. Schließen die Supermärkte, Apotheken oder Tabakläden auf der Fondamenta ihre Läden, erlischt auch jeder Hinweis auf ihre Existenz. Man ruft nicht laut „hier bin ich“, um Kunden vor verschlossener Tür abzuweisen. Wer hier wohnt, weiß, wo er hin muss.
Und wer am lautesten ruft… In der „Rooftop Bar“ des Molino Stucky, im 8. Stock des „Giudecca Building“ drehe ich auf dem Absatz um, bevor sich die Fahrstuhltür schließen kann. Nur einen kurzen Blick über die Brüstung gönne ich mir, doch genießen lässt sich der Ausblick bei ca. 120 Dezibel lauten Bässen nicht. Im Augenwinkel sehe ich Leute, die man dabei sogar zu einem Buffet locken kann. So gelungen und dezent der Umbau der alten Mühle von außen, ist das Innere zu Tode restauriert. Hier will man nicht bleiben.
Unsere kleine Trattoria nahe der Haltestelle Pananca, in der man am Tresen für 2€ ein Caliche di Vino und einen Happen zu Essen aus der Vitrine bekommt, ist im Vergleich zur „Rooftop Bar“ ein Hort der Ruhe. Hier sitze ich noch auf ein letztes Glas Wein am Abend und beobachte die seltsamen Kellner und einen so kleinen und gedrungenen Italiener mit gockelhaftem Gang und Gehabe, der, kaum steht er wieder am Tresen, sich die nächste Kippe aus der Schachtel des seltsamen Kellners nimmt und mit eben jenem gockelhaften Gang auf die Fondamenta wackelt um zu rauchen.

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Marcel, 20. 11. 2011

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Marcel, 19. 11. 2011

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Marcel, 13. 11. 2011

La Certosa. Eine kleine Insel, östlich von Venedig nur einige Meter gegenüber S. Elena, durch einen schmalen Kanal von der Hauptinsel getrennt. Die Insel war lange verlassen, nachdem die ursprünglichen Kloster- und Kirchenanlagen unter Napoleon zu Munitionsdepots umfunktioniert wurden. Bis spät ins 20. Jahrhundert hinein wurden die Gebäude der Insel zu militärischen Zwecken genutzt. Seit einigen Jahren entsteht hier ein Park – eine Marina und ein Hotel wurden bereits realisiert und werden noch weiter ausgebaut.
Es ist wunderbar ruhig auf Certosa. Abseits der Menschenmassen, die tagtäglich Markusplatz und Rialtobrücke bevölkern. Das Vaporetto hält nur auf ausdrücklichen Wunsch an dem langen Landungssteg. So fahren die meisten Leute einfach an der Insel vorbei.

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Marcel, 12. 11. 2011

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Marcel, 31. 10. 2011

Am Morgen steht um 08:30 wie verabredet Maurizio am Schiff um den Papierkram zu erledigen. Im Büro des Consorzio unterschreibe ich den Mietvertrag und bekomme einen Schlüssel für das Tor zum Fondamenta, das wir gestern Nacht verschlossen vorfanden. Den sonnigen Tag verbringen wir ohne besonderen Plan. Während Joanna noch ein wenig arbeitet, begebe ich mich zum Verkaufsschalter der elektronischen Fahrkarten für Residenten (imob). Was die meisten nicht wissen: auch Nicht-Venizianer können die Karte beantragen. Die Karte kostet einmalig 40€ und ist 5 Jahre gültig. Sie berechtigt zum Kauf der vergünstigten Tickets zu 1,10€ anstatt 6,50€, die man als Tourist hier für eine einfache Fahrt auf den Tisch legen muss.

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Marcel, 31. 10. 2011

Venedigs Seele, die Seele mit der die alten Künstler die schöne Stadt bekleideten, ist herbstlich.
Grabriele D’Annunzio (1900)

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Marcel, 30. 10. 2011

Um 09:00 laufen wir in die Lagune von Venedig ein. Der Flutstrom schiebt uns, wie von Giacomo versprochen, mit guten 7kn durch den porto di Lido in die Lagune von Venedig. Riesige Kreuzfahrtschiffe ziehen wie schwimmende Hochhäuser dicht an uns vorbei. Es ist ein besonderes Erlebnis die Serenissima von See kommend zu erreichen, auf eigenem Kiel ein um so größeres. Wir lassen die Insel Certosa und das Biennalegelände zu unserer Rechten und drehen vor dem Markusplatz und der Einfahrt zum Canal Grande in Richtung Giudecca.

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Unser Liegeplatz für die nächsten Monate. Der erste Versuch in die Nachbarbox einzuparken, die uns eigentlich zugewiesen war, scheiterte an wenigen Zentimetern an Breite. Gerade liegen wir fest in einer Box gegenüber, als man für uns das Motorboot nebenan verholt, um die breitere Box freizumachen. Maurizio, der „Werftchef“ nimmt uns herzlich in Empfang, zeigt uns Einkaufsmöglichkeiten und stellt uns seinem Lieblingswirt vor, wo man vorzüglich speisen soll.