Joanna, 22. 01. 2012

Zu Giudecca ließe sich bestimmt einiges erzählen. Sicherlich auch anderes als zu der Hauptinsel: wenig kunsthistorisches, keine Einkaufstipps, wenig ‘sehenswerte’ Bars und Restaurante … Das sind nicht die Geschichten von Giudecca, wo es zwei Gefängnisse gab (ein Frauengefängnis immer noch), wo man die Villen und vor allem die enormen Gärten abgerissen und zubetoniert hat, weil die “Stadt” auch günstige Unterkünfte für arme Venezianer braucht (und wohlhabende ohne Geschmack), wo die Industrie versuchte, sich festzusetzten, die Insel zerstörte, und dann wieder abzog, weil es nicht lukrativ genug war. Wo es noch einige Werften gibt, und versteckte Kantinen der Arbeiter. Wo es ganz viele Hundebesitzer und demnach auch Hunde und Hundekot gibt, der – offenbar und Gott sei Dank – niemanden stört. Und wo Sonntags der kollektive Waschtag ist.

Ach ja, Madonna und noch jemand (Elton John?) sollen hier ihre Wohnungen haben… Auf jeden Fall lebte hier in der “Villa Eden” von ca. 1972 bis zu seinem Tod irgendwann um 2009 herum Hundertwasser.

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Marcel, 21. 01. 2012

Eine Sammeltasse der besonderen Art. Dieser surreale Fundort ist mir zunächst nicht aufgefallen. Ich war auf dem Weg zum nahegelegenen Flughafen auf dem Lido. Im Abfertigungsgebäude aus den dreißiger Jahren soll es eine Bar aus eben jener Zeit geben. Leider hatte diese geschlossen und es ließ sich lediglich ein Blick durch die geschlossene Glastür werfen. Auf dem Rückweg ist mir erst aufgefallen, dass das gesamte Hospital dem Verfall ausgeliefert ist. Einzelne Gebäude hatte ich schon vorher durch das Gatter der Ummauerung fotografiert. Die Gebäude sind alle leer. Die Türen und Fenster fehlen oder stehen offen. Hier und da findet man Reste medizinischer Einrichtung, Patientenakten, kleine Glasträger für Autopsieproben, Anamnesebögen, Reste der Großküche, eine Espressomaschine, die sicherlich noch funktionieren würde. Diese riesigen Geräte für die Gastronomie kosten sicherlich ein paar tausend Euro. Wer also demnächst mit dem Auto auf dem Lido ist, sollte sich das Ding unter den Nagel reißen! In einem der Gebäude hat eine alternative Theatergruppe ihren Spielort eingerichtet. Ein skurriler Ort, der allerdings in unserem neuen Reiseführer „Verborgenes Venedig“ noch keinen Eintrag gefunden hat. Man sollte nicht daran vorbei laufen, solange die Tore noch weit offen stehen – keine Absperrung, kein Vorhängeschloss, noch nicht einmal Flatterband um die Gebäude. Die Suppenterrine war aber leider ein Einzelstück.

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Joanna, 20. 01. 2012

Willkommen an Bord: Rike und Helmut

…Rike war das Schiff, der Steg und überhaupt … nicht ganz so geheuer (das gleiche Problem wie mit den Kühen: sehn harmlos aus, könnten aber ganz böse sein) –  aber was macht man nicht alles für die Kunst!

Joanna & Marcel, 06. 01. 2012

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Da ist sie! Die schönste unter allen. 12 Jh., restauriert aber nicht zur Tode.

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Im gläsernen Sarg und unter der Goldmaske liegen die Gebeine des Hl., den man auf die Insel rettete. Und das Kreuz, das auch vor den Langobarden flüchtete, schaut auf die Gläubigen hernieder. Alles ist still hier, alles hat seine Würde – da stören die paar Souvenirtische draußen nicht. Aber Geduld und Zeit muß man haben, um die Abfahrt der Touristen abwarten zu können. Jetzt im Winter ist es besonders schön, und die Touristen fahren schnell ab. Hoffentlich bleibt es so, wenigstens für einen Monat.

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Burano: In Sichtweite Torcello, der nach oben strebende Kampanille, die schneebedeckten Berge im Hintergrund… Kaum zu glauben, daß hier ehemals so viele Menschen lebten; tausende sollen es gewesen sein. Malaria und andere Krankheiten sollen sie ausgerottet und vertrieben haben. Keine Spur von ihnen – keine sichtbare für uns. Auch das kaum zu glauben, wo die andere Insel – Burano – einen Steinwurf entfernt liegt. Sie blieb von den Mücken verschont? Nur die Kathedrale und ihre kleinere Schwester harren aus.

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Zu Torcello läßt sich einiges sagen (hat Marcel hier nicht getan). Der Baedecker tut es nicht wirklich und auch sonst ist keiner offenbar bereit, zu der ältesten erhaltenen Kirche der Lagunge etwas lesenswertes zu sagen. Unglaublich finde ich das! Dabei sind die Mosaike atemberauben – das der Madonna vor allem, aber auch das Jüngste Gericht gen Westen gerichtet und der Madonna gegenüber nicht schlecht. Wir haben viel Zeit in der Kirche verbracht… bis keiner mehr da war.

Zu Burano kann man auch einiges berichten. Das tut unserer “Geheimer Reiseführer” durchaus (habe ich bereits darüber berichtet? Gekauft in Venedig, in ein sehr spannendes Deutsch übersetzt, und in Deutschland selbst nicht erhältlich!), nur haben wir nichts gefunden, was zu besichtigen sein sollte. Der Grund: keine Straßennamen – kein Internet… Das heißt für uns: auf jeden Fall wiederkommen und weiter suchen.

Marcel, 04. 01. 2012

In einer Nachtansteuerung erreichen wir am Abend Venedig. Trotz guter Sichtverhältnisse sind die Fahrwassertonnen aus der Ferne nur undeutlich zu erkennen, manche entpuppen sich als kleine Funzeln. Ist man aber einmal im Porto di Lido, lässt es sich dem Fahrwasser leicht folgen. Warum wir schon zurück auf der Giudecca sind? Nun, Wasser von oben zum Wandern und Wind von über 30 Knoten von vorne. Das sind die Wetteraussichten für die nächsten Tage. Ab übermorgen soll es wieder sonnig werden. So haben wir uns für morgen einen Museumstag vorgenommen und am Freitag besuchen wir die Kathedrale von Torcello – der eigentlichen Keimzelle der Besiedelung der Lagune.

Marcel, 03. 01. 2012

Trieste triste – grau ist noch immer der Himmel und bleischwer das Adriatische Meer als wir uns auf den Weg machen die Stadt zu erkunden. Trieste, Tergeste, Triest, Trst, liegt im Grenzgebiet zu Slowenien und war über Jahrhunderte Freihafen der k.u.k.-Monarchie. So spricht man hier Italienisch, Slowenisch und häufig auch Deutsch. Trieste hat hat eine wechselvolle Geschichte, die bei den Römern (Tergeste) beginnt hinter sich, bevor es 1957 endgültig Italien zugesprochen wurde. Das wienerische macht sich in der Architektur ebenso bemerkbar wie in den Speisekarten. In einem der ältesten Kaffeehäuser der Stadt trinken wir Kaffee zu Apfelstrudel. (Trieste ist die Hauptstadt der Kaffeeröstereien Italiens – Illy und Hausbrandt sind nur zwei der bekanntesten.) Am Abend essen wir in einem der Buffets, in denen man reichlich und günstig essen kann – hauptsächlich Schweinefleisch in großen Bottichen gesotten, Rinderzunge und Würste.
In Trieste wandert man außerdem auf den Spuren von Ettore (Hektor) Schmitz, genannt Italo Svevo, der „italienische Schwabe“ und James Joyce, der mit Svevo eng befreundet war und hier seinen Ulysses begann. Man erinnere sich: Joyce begegnete uns schon in Pula. Er kam aus Trieste, da er die ihm dort versprochene Stelle nicht antreten konnte, blieb kurz und kehrte gelangweilt und arm nach Trieste zurück, wo er sich mehr schlecht als recht mit Englischunterricht durchschlug.

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Marcel, 02. 01. 2012

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Wir liegen in Trieste an der Molo Venezia in der Marina San Giusto. Bisher war das Wetter (nicht der Wind, der blieb bisher aus) auf unserer Seite, doch heute fielen die ersten Tropfen Regen, das Meer liegt schwer wie Blei vor uns. Die großen Frachtschiffe, die vor Trieste auf Reede liegen, verschwinden in einer Mischung aus Nieselregen und Nebel.

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Joanna, 01. 01. 2012

Na ja, nüchtern darf man das neue Jahr nicht begrüßen … sonst bekommt man keine (Glücks-) Kekse…

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Die Schutzmadonna auf der Dalbe (solarbeleuchtet weist sie den Weg nachts in die Lagune). Für Glück zuständig, so wie die Kekse.

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Marcel, 01. 01. 2012

Am Nachmittag des Neujahrstages laufen wir in die nahe dem Schloss Duino gelegene Bucht Sistiana an. Der große Jachthafen ist auch zu dieser Jahreszeit gut gefüllt, so dass wir an einer großen Betonmole längsseits gehen. Über den Rilkewanderweg erreicht man von dort das Schloss, auf dem der erwähnte Bewohner seine berühmten Elegien geschrieben hat.

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Auf dem Rilke-Weg begegnen dem Wanderer immer wieder ehemalige Geschützstellungen aus dem Ersten Weltkrieg.

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Das Schloss Duino der Familie Thurn und Taxis (Torre e Tasso) auf dem außer Rilke weitere berühmte Dichter Unterkunft fanden: Hofmannsthal, D’Annunzio oder der Musiker Liszt. Auf dem Foto unten sieht man vom Turm der Schildmauer auf die Ruine der alten Burg (Castello Vecchio) aus dem 11. Jahrhundert und auf den Dante Felsen, der angeblich den Dichter zu den Versen der Divina Commedia inspiriert haben soll. Der Felsen heißt auch Dama Bianca. Der Legende nach, handelt es sich dabei um eine versteinerte Frau.

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Seit ein paar Jahren lässt sich der 400 Quadratmeter große Bunker besichtigen, der 1943 von Zwangsarbeitern der deutschen Kriegsmarine bis zu 18m in den Fels gehauen wurde, um Sistiana gegen eine Landung der Alliierten zu verteidigen.