Alltag auf Mayotte – Leben eines digitalen Seenomaden

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Eigentlich gibt’s nichts neues. Wir ankern vor Petit Terre, einer kleinen Insel im Osten von Mayotte, vor dem lokalen Segelclub ACHM, mit dem Charme eines Schrebergartenvereins. Vormittags wird gearbeitet. Ich fange meistens um sechs Uhr morgens an. Zur Zeit haben wir viel zu tun. Fast schon zu viel. Neben den täglichen Brot- und Butterjobs – SEO-Texte über Urlaubsdestinationen, Weine und Winzer stehen Datenbankarbeit in Shopware an, das Erstellen von Blogbeiträgen unter anderem über Polen, Sardiniens Westküste und kulinarische Spezialitäten auf Mallorca sowie ein neuer Artikel für das Schweizer Magazin Waves über Kapstadt. Das ist schon fast stressig. Am späten Nachmittag fahren wir rüber in den Club und nehmen einen Sundowner. Zur Auswahl hier: Bier aus Linz, Österreich (Flasche, Weißbier), aus Madagaskar (rote Dose, deutscher Braumeister, das Bier aber bescheiden), von Reunion (gelbe Dose, zu viele Zusatzstoffe) und aus Frankreich (1664, blaue Dose, meiner Meinung nach, die beste Wahl). Oder aber Pastis (gelb) mit Wasser (trübe). Ein doppelter heiß Chinese, wegen des bällchenförmigen Dosieraufsatzes. Wir bleiben meistens für zwei Wochen beim Club und fahren dann wieder ein paar Wochen um die Insel herum, ankern mal hier mal da, je nach Windrichtung und Schwell. Einer der schönsten Ankerplätze ist leider sehr exponiert und recht weit draußen, sodass sich schnell unangenehmer Schwell aufbaut. Wir hatten Glück und konnten ein paar Tage vor einem Strand ankern, an dem sich ein Wasserfall direkt ins Meer ergießt. Auch hier heißt es leider: vormittags arbeiten. Die Internetverbindung ist super. An den meisten Ankerplätzen haben wir 4G-Empfang, mittlerweile leider die wichtigste Grundvoraussetzung für die Auswahl der Ankerplätze. Am frühen Morgen einen Text über den Schwarzwald, dann Fotobearbeitung für den Bericht über Kapstadt und nach dem Mittag noch ein paar Stunden Erstellung von internen Verlinkungen und Meta-Daten in Shopware. Puh. Zur Entspannung geht es mit Nico an den Strand: Schwimmen, mit dem Gummihuhn spielen, Yoga und Duschen unter dem Wasserfall. Achtung, nicht zu weit drunter stellen. Das Wasser plattert ganz schön den Hang runter. In der Mitte ist der Massagestrahl auf bretthart eingestellt. Nach ein paar Wochen geht es wieder zurück in die „Hauptstadt“. Arzttermine. Woher kommen nur diese tropischen bakteriellen Ausschläge? Erst eine entzündete Haarwurzel, dann ein Eiterpickel, am nächsten Tag eine böse, leuchtend rote Beule. Das hatte ich schon am Bein, am Arm, an der Nase und am Auge. Unangenehm bis schmerzhaft. Und wieder Antibiotika futtern. Das ist ein Nachteil der tropischen Gegenden. Das und die großen Spinnen, die Wirbelstürme und die permanente Hitze. Nachts fallen die Temperaturen nicht unter 29 °C, der Körper kommt kaum zur Ruhe. Ok, es wird gerade „Winter“. Es ist morgens auch mal 27° C kalt. Dann deckt sich Joanna schon zu. Unser Nachbar am Ankerplatz ist ein Arzt aus Reunion (Frankreich). Er meint, das mit den Entzündungen sei normal. Wir treffen uns am Abend im Club zum Sundowner. Ich bestelle zwei blaue Dosen und einen Chinesen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag zu einer Fahrt zum Baumarkt. Außerdem brauche ich noch 400 Liter Diesel. Mit meinen fünf Kanistern (die gelben Behälter für Frittierfett aus indonesischem Palmöl – böse, böse) heißt das: vier Mal zur Tanke fahren, die Kanister mit dem Dingi zum Schiff bringen und mit der Schüttelpumpe umfüllen. Hier gibt es so viele Boote. Warum dürfen nur die Fähren an der der Pier bunkern? Fragen über Fragen. Außerdem warten wir wieder einmal auf ein Paket aus der Heimat. Darin: alles mögliche, was man bei Amazon oder Ebay bestellen kann und spätestens am übernächsten Tag vor der Tür steht. (Wird eigentlich bei euch schon mit der Drohne ausgeliefert?) Hier gibt es so einiges gar nicht oder ist sauteuer. Ihr seht: Alltag auf einer Insel im Indischen Ozean ist eben auch nur Alltag.

Alltag im Club. Beim Sundowner den sonntäglichen Tatort herunterladen.
Mit der Fähre von Petit Terre nach Grande Terre zum Einkaufen und zum Arzt.
Die Fährverbindung ist angeblich die, mit dem höchsten Personendurchsatz in ganz Frankreich. Natürlich gefördert von uns allen, durch die Europäische Union.
Der Markt auf Grande Terre. Eigentlich gibt es hauptsächlich importierte Gurken und Möhren. Die Auswahl sieht nur auf den ersten Blick gut aus und ist spätestens nach dem zweiten Besuch enttäuschend.
Und Gemüse ist sauteuer: Ein mittelgroßer Kürbis kostet 10 €. Hätten wir das gewusst, hätten wir in Kenia den Bauch des Schiffes mit Kürbissen gefüllt und so unseren Aufenthalt hier finanziert. Bei etwa acht bis neun Euro Gewinn pro Kürbis ein gutes Geschäft.
Das Baguette hält auch nicht das, was es verspricht.
Und der Wein? Na ja, tut mir leid, liebe Franzosen, wir haben den südafrikanischen Wein zu schätzen gelernt.
Fleisch kommt unter anderem aus Spanien, Polen und Uruguay.
Schlange stehen für eine Flasche Gas. Stellvertretend stehen die Gasflaschen Schlange. Ich muss mir merken, an welcher Stelle ich dran bin. Ich brauche ja eine neue Flasche.
Beim Umfüllen im Club in meine kleinen Flaschen fängt neben mir jemand an eine Stahlkonstruktion zu schweißen. Keine gute Idee, wie ich finde. Aber Sicherheitsbedenken werden zurückgewiesen. Hakuna matata – kein Problem.
Typische Inselarchitektur. Der Club, die Pizzeria und das benachbarte Restaurant bestehen aus ausrangierten Überseecontainern. Ästhetisch gibt es hier Nachholbedarf.
Der „Öffentliche Garten“ auf Peter Terre. Vielen Dank für diese schöne Grünfläche.
Ist es ein Flugzeug? Ein fliegender Rochen? Oder Super Grobi? Nein, es ist ein Flughund.
Noch einer.
Der Ankerplatz vor dem Club bei Sonnenaufgang.
Sauber geteerte Straßen. Besser als in Bochum. Nur den Bürgersteig, pardon, das Trottoir, hat man vergessen.
Im Südwesten der Insel. Ein idyllisches Plätzchen, nur per Boot oder über einen Wanderweg zu erreichen.
Duschen bei Sonnenuntergang.
Ein anderer Ankerplatz im Südosten von Mayotte.
Spuren von Meeresschildkröten, die zur Eiablage nachts den Strand hoch robben.
Nico und sein Gummihuhn. Der Kleine vergisst beim Spielen alles.
… sogar seine Wasserscheu.
Neugieriger Besuch am Abend. Ein Maki. Gehört zur Familie der Lemuren.

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