Harte Begegnung mit einem Korallenkopf auf Madagaskar

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Heute gab es eine unerfreuliche Begegnung mit einem Korallenkopf, der in keiner Karte eingezeichnet ist, und sich knapp unter der Wasseroberfläche befindet. Auch auf den Satellitenbildern von Google und Bing ist er nicht zu erkennen und auch das Sonarbild von Navionics zeigt diese fiese Gefahrenquelle nicht an.

Betrachtet man die Situation nachträglich genauer – auf der Karte -, dann hätte man sich schon ‚etwas‘ Bedenkliches dabei denken können. Vielleicht. Aber andererseits auch nicht, denn die eingezeichnete Untiefe von knappen 5 Metern ist eben kein Korallenkopf.

Wie konnte es passieren?

Ganz einfach. Ich umfuhr eine langgestreckte Insel im Norden Madagaskars in einem, wie ich fand, gebührenden Abstand zu den (in der Navionics Seekarte eingezeichneten) Riffen. Auch nahm ich extra einen Schlenker, um ein zwischen 4,5 und 5,5 Metern Tiefe ausgewiesenen Spot sicher zu passieren. So mutig, mitten hindurchzufahren, war ich dann doch nicht. Ganz offensichtlich ein Fehler. Mal zu viel Mut, mal zu wenig Mut.

Navionics Seekarte mit der von mir umfahrenen Untiefe.
Auch im Sonar Scan von Navionics nichts im Weg.

Gerade mir musste es passieren, wo ich doch sonst der Angsthase unter den Skippern bin. Dieses Mal wollte ich jedoch keinen allzu großen Umweg zu unserem avisierten Ankerplatz auf der anderen Seite der Insel fahren. Wir hatten erneut kein Glück mit dem Übernachtplatz, spricht es war wackelig und unruhig, jetzt wollten wir wenigstens schnell zu einem geschützten, ruhigen Platz kommen. Und wurden prompt mit einem gefährlichen Aufsetzer belohnt.

Wo?!

Es passierte im Norden der Insel Nosy Faly in späten Morgenstunden. Es passierte bei Niedrigwasser, aber immer noch knapp einem Meter über Kartennull – angeblich. Wir hatten die Navionics Karte schon einige Male zuvor geprüft und sie war im großen und ganzen sehr zuverlässig gewesen. Vor allem die Tiefenangaben stimmten. Bis heute.

Einmal kein Angsthase sein – so geht’s

Fakt ist, ich habe uns mit gut 5 Knoten Geschwindigkeit seitlich an ein namenloses, nicht eingezeichneten Riff gesetzt. Das muss erst einmal begriffen, überstanden und verdaut werden. Der Schock sitzt Stunden später zwar nicht mehr an der Oberfläche des Gemüts, dafür hat er sich in tiefere Schichten gefressen.

Der Echolot zeigte immer noch 4,5 Meter Tiefe an… Zunächst ging es 11, 10 und 9 Meter geordnet, stetig und langsam runter. Ich ließ die Anzeige nicht aus den Augen, denn ich hatte die Semi-Untife vor mir, die mit circa 4 bis 5 Metern (plus eins) ausgewiesen war, und die ich an Steuerbord nehmen wollte. Bloß nicht mitten durch, habe ich mir noch gedacht.

Unserer Echolot ist mittschiffs Steuerbord angebracht. Da er bis zum Schluss 4,5 Meter Wassertiefe anzeigte, denke ich im Nachhinein, dass der Korallenkopf uns erwischte, w e i l ich der Untiefe an Steuerbord ausweichen wollte.

Dann gab es das furchtbare aller furchtbaren Geräusche, wenn Metall an einem Stein entlang schrappt. Gleichzeitig auch das schlimmste aller Gefühle, wenn das eigene Schiff aus voller Fahrt heraus abgestoppt wird und sich leicht auf die Seite legt…

Ich war geschockt und rief nach dem Skipper. Was tun, was tun?! Eine Ewigkeit später waren wir mit einem langen Schliddern und Ruckeln wieder frei. Es ging alles schnell, eben hatte ich noch 5 Meter Tiefe unter dem Kiel, dann dieses ‚ewige‘ 4,5… und dann der Knall. Das Echolot, das beim Aufprall immer noch genug Wassertiefe anzeigte, starrte ich immer noch ungläubig an.

Guter Rat teuer

Sich zu beruhigen, ist gar nicht so einfach. Katastrophen müssen eingeübt sein, sonst ist man zu lange ratlos oder kopflos. Wir entschieden uns – nachdem die Bilgen überprüft wurden – zu unserem avisierten Ankerplatz weiter zu fahren. Dabei musste erst einmal der Skipper das Steuer übernehmen, ich musste mich sammeln. Für einen Rum definitiv zu früh, ausserdem ist mir selten nach Alkohol zumute, wenn ich geschockt bin. Stunden später fahre ich immer noch zusammen, wenn unter Deck eine Schapptür zuknallt, oder Marcel etwas fallen lässt.

Nach dem Ankermanöver am neuen Ankerplatz, circa 30 Minuten später, ging Marcel erst einmal Tauchen. Die Unterwasserkamera war mit dabei, für den Fall, dass der Schaden Unterwasser der Versicherung gemeldet werden sollte. Marcels anschließender Bericht fällt nicht schön aus:

# Der Korallenkopf hat eine der ganz großen Opferanode abgerissen,

Ohne Worte. Bin mir sicher, die Unterwasserkamera verschönert es noch.

# dabei den Bolzen, an dem sie befestigt war, abheknickt und

# eine ziemliche Beule an der Backbordseite eingedellt.

Hier fehlt die große, schwere Opferanode. Der Bolzen ist verbogen.
Schrammen und Dellen.

# Ganz zu schweigen von den vielen tiefen Schrammen, die durch das Antifouling und die Grundierung bis aufs Stahl gehen.

Bisher kein Wassereinbruch (sichtbar). Jetzt überlegen wir, was zu tun ist. Auskranen geht hier nicht. Vielleicht Trockenfallen in der sogenannten Marina an einer alten Kaimauer? Aber auch das ist nicht ohne Risiko… Guter Rat teuer.

Fazit – nächstes Mal besser?

Für mich heißt es, ab jetzt wieder Angsthase. Jede auch noch so sichere Untiefe wird auf ihrer freien Seite hin umfahren. Ansonsten: sofort auskuppeln und Gas wegnehmen. Was ich ja nicht gemacht habe. Andererseits war vielleicht die Geschwindigkeit auch Glück im Unglück? Wer weiß…

Knapp unter Wasser liegende Korallenriffs sieht man nur, wenn es zu spät ist. Kein Mensch kann permanent Ausguck halten. Zumindest ist das in der täglichen Praxis nicht üblich. Natürlich frage ich mich, hätte ich aufmerksamer sein müssen? Sofort aufstoppen, als es so schnell mit den Tiefen runterging, das hätte mich warnen sollen, sage ich mir zurecht. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass an dieser Stelle die Wassertiefe durchaus auch runter gehen sollte.

Sicherlich wird bei uns nie wieder über ein solides Stahlschiff gemeckert. Mag das noch so sehr mit dem permanenten Rost nerven.

2 Antworten

  1. Wolfgang. Kaluza

    Hasr ni hts falsch gemacht, ich bemühemivh in unbekannten, „verdächtigen“ Gewässern bei
    Wassertiefen unter 10m um Ausschau was bestimmt auch nicht immer nutzt.
    Sei froh das es so ausgegangen ist und buch’s ab unter : shit happens.
    Immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel
    Skipper der “ RED CHILLY“

    • Joanna

      Ahoi Wolfgang und die Red Chilly!
      Danke für deine netten Worte. Ausschauhalten hätte uns wahrscheinlich in diesem Fall geholfen. Aber wir schippern ausschließlich in Riffgewässern zwischen 13 und 5Metern Tiefe und da lässt sich sicherlich auch aus Mangel an Disziplin etc., aber auch weil keiner von uns Stunden am Bug stehen will, das nicht durchsetzen… Besser wäre das auf jeden Fall.

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