Tagebuch einer Fahrt von Indien durchs Rote Meer NICHT nach Kreta: Suez nach Ismailia und Said {Part III}

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Froh sind wir, rechtzeitig vor einem stürmischen Wetter, das aus dem Süden im Anmarsch ist, im Suez Yacht Club an zwei Bojen festgemacht zu haben. Der Club ist zwar geschlossen, und das Gelände klein, aber ich mag es hier irgendwie ganz gerne. Wir liegen sicher, geschützt, unser Marinero bringt alles, was wir brauchen und wir haben Ausblick auf die vorbeifahrenden Riesenpötte im Suez-Kanal. Mir gefällt das. Doch lange können wir hier nicht verweilen.

Port Suez und Yacht Club, 13.01.2021

Heute ist Starkwind angesagt und wie immer bei solchem Wetter irrt sich das GFS-Wettermodell nur in Bezug auf die Windstärke… Es pfeift ordentlich, es ist diesig um uns herum und überall bahnt sich der Suez-Sand in großen Mengen seinen Weg aufs Schiff und unter Deck (wir drehen die Doradenlüfter zu spät um, aber wahrscheinlich ist es auch egal). Schon bald ist das gesamte Schiff außen wie innen mit einer nicht unwesentlichen Sandschicht bedenkt. Die ersten Wellen sind natürlich auch schon da, sie bleiben bis zum Schluss jedoch einigermaßen klein. Dadurch, dass wir an zwei Bojen – vorne und hinten – festgezurrt sind, spüren wir unter Deck kaum eine Schiffsbewegung, doch das Pfeifen des Windes ist nicht zu überhören. Ach, wie froh wir doch sind, gestern aus der Suez Bay in den Hafenbereich verholt zu haben! Da draußen liegen aber ein französischer Kat und eine Megayacht vor Anker! Die Vorfahrt hat immer der Konvoi, der direkt an unserem Liegeplatz vorbeiführt. Die großen Pötte sind langsam in diesem engen Fahrwasser und verursachen daher sehr wenig Schwell. Ganz im Gegensatz zu den Bugsierern, die sich wie betrunkene Taxifahrer benehmen. Nach circa acht Jahren „Weltumseglung“ machen wir die Erfahrung, dass Taxifahrer, Motorbootfahrer und Handwerker über die Grenzen hinweg eng miteinander verwandt sind.

Während des stürmischen Wetters. Dieses Foto schickt mir Yasinne per WhatsApp zu, doch das ist noch eine andere Geschichte, die ich gleich erzählen werden.
Krkr – für uns ein ungewöhnlicher Name, dessen Aussprache nicht ganz so einfach von den Lippen geht, die gute Seele und in der Corona-Zeit die einige tüchtige Verbindung zwischen Seglern und dem Dadraußen. Auf ihn kann man sich verlassen und fühlt sich in guten Händen.

Krkr, unser Marinero, vermittelt uns einen „old man“, der für uns alles organisieren wird, was wir möchten. Ich habe den „alten Mann“ nie gesehen, aber das Alter hat ihn nicht vor Wucherpreisen abgehalten.

14.01.2021

Was für eine Wahnsinns-Überraschung! Yasinne, den wir in Knaysna (Südafrika) kennengelernt haben, meldet sich bei mir via Messenger. Er hat auf Facebook gesehen, dass wir nach Suez reinfahren. Eine der wenigen guten Sachen an Facebook. Seine Nachricht: „Ich bin auch in Suez!“ Ich kann es gar nicht glauben. Er hier – auch?!

Yasinne ist ein ganz besonderer junger Mann. Ähnlich wie wir, ist er ein Langsamreisender, mit dem Unterschied, dass er es per Fahrrad macht. Aber hier ist Yasinne, wie ich sogleich erfahre, nicht zum Radeln da. Er habe in der Nähe des Suez Yacht Clubs sein Haus, erzählt er mir kurz angebunden via WhatsApp. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, als dieser Handsam Guy, der in Südafrika noch ein eingefleischter Single war, mir mitteilt, er habe letzte Woche in Suez geheiratet. Seine Frischvermählte trägt den schönen Namen Sophia, die Weisheit.

Yasinne kommt aus Marokko, genauer: aus Casablanca, wo er seine Grand-Tour vor gut zwei Jahren startete. Mit wenig Geld und viel Enthusiasmus umrundet er zunächst Afrika und benachbarte Länder. Für die Low-Budget-Übernachtungen sorgt die tolle Einrichtung „Couch-Hopping“, wo an Abenteurern und ihren Geschichten interessierte Menschen Übernachtungen für umsonst anbieten. Auf diesem Wege kommt Yassine zu Mark Beard in Knaysna, mit dem wir wiederum befreundet sind und auch schon eines seiner schönen Appartements in Beschlag nahmen. Wir waren Yassine schon mehrmals ganz nahe gekommen, in Tansania und Kenia beispielsweise, doch ein Wiedersehen hat nie geklappt. Jetzt aber wollen wir es nicht vermasseln, obwohl die Vorzeichen dafür schlecht stehen. Wir sind in Ägypten nicht einklariert, sondern haben ausschließlich einen In-Transit-Status. Wir dürfen nicht aus dem eingezäunten Marinabereich heraus, und eigentlich darf uns keiner besuchen. Eigentlich. Um so schöner, dass sich die Wächter unserer erbarmten und wir uns in einer ‚Grauzone‘ zwischen Marinetor und Clubgelände treffen dürfen.

Links: Yasinne und Sophia, rechts wir in zu dünner indischer Garderobe.
Zur Erinnerung: Yasinne als Biker in Knysna 2018. Auch im Winter. Damals noch ein glücklicher Junggeselle. ;-)

Für uns ist es geradezu unglaublich kalt, gerade mal 18 °C, als wir uns wiedersehen. Doch die Herzen wärmt neben dem indischen Chai, den wir mitbringen, natürlich auch die Freude eines solchen unverhofften Wiedersehens. Nur Umarmen können (oder wollen) wir uns nicht und so werden nach neuer Manier die Ellbogen berührt. Es gibt so viel zu erzählen, so viele Fragen… Wo warst du? Was hast du erlebt? Wie habt ihr euch kennengelernt? Was machst du – was macht ihr? … Doch wir haben keine unbegrenzte Zeit. Irgendwann schlendert ein „Offizieller“ vorbei und verkündet, jetzt sei Schluss, der Besuch zu Ende. Wir hoffen natürlich auf ein baldiges Wiedersehen – irgendwo auf dieser manchmal doch sehr kleinen Welt! Die nächste Zwischenstation von Chulugi ist Ismailia im Suez-Kanal. Dort hat Sophia Freunde, wir sollen sie unbedingt kontaktieren, sagt sie…

Wer Lust bekommen hat auf die Geschichte von Yasinne Ghallam und seiner Weltumcyclung – und sie ist lesenswert! – dem empfehle ich Yasinnes Kanäle sowohl auf YouTube als auch auf Facebook. Auf Facebook hat er eine Seite mit vielen Fotos und kurzen Informationen. Dort erzählt er auch, wie man ihm in Südafrika sein Fahrrad gestohlen hat. Jetzt denken bestimmt viele Leser, „War ja klar, wo wenn nicht dort“. Das war zum Zeitpunkt als sich unsere Wege zum ersten Mal kreuzten. Gleichzeitig kaufte ein Südafrikaner, der über Yasinnes großen Verlust in der Zeitung las (darüber wurde ausführlich berichtet), ihm ein neues Fahrrad, damit er seine Tour fortsetzen kann (das Fahrrad war viel besser als das gestohlene). (Na, doch nicht alles nur so schlecht dort?) Viele spannende Menschen, aber auch wichtige Politiker und Möchtegerne-Wichtige-„Fürsten“ hat er auf seiner Fahrt getroffen – unter anderem auch seine Zukünftige in Saudi-Arabien. Auf YouTube gibt es die Geschichten in bewegten Bildern und Ton, man muss sich durch die Playliste durchklicken und den sympathischen Mann wenigstens einmal in Aktion erleben.

Yasinne, ob wir uns noch einmal in unserem Leben wieder treffen? Man sagt, man sieht sich immer zweimal, aber dreimal auch… ? Wir hoffen es und lassen uns überraschen, wo das vielleicht sein wird.

Freitag, 15.01.2021, Abfahrt Suez nach Ismailia (Suez-Kanal)

Heute klingelt der Wecker um 5:00 morgens. Das ist die Zeit, die nach Ayurveda die Menschen mit Pitta oder Vata Dosha aufstehen sollten – also ich. Aufstehen, Chai trinken, warm anziehen (ja, es wird immer kälter in diesem Wüstenstaat) und auf den Piloten warten, der obligatorisch auf die Reise durch den Suez-Kanal mitgenommen wird. Einen kräftigen Mann, so sagt man wohl, bringt uns der Marinero irgendwann nach 6:00 Uhr und dann geht es gleich auf die Reise.

Ich mime brav die Hausfrau. Mit Kopftuch, das nicht nur der Landessitte entgegenkommt, sondern vor allem gut den Kopf wärmt, was ich bei 13 °C dringend nötig habe, koche ich. Ich will es nicht beschwören, aber in diesem Land kriege ich noch eine Erkältung, wenn nicht gar eine Grippe, wenn es mit der Kälte so weiter geht. Unterwegs messe ich vorsichtshalber schon mal die Temperatur… Nicht nur Kopftuch ist neu bei uns unter Deck, sondern auch die Tatsache, dass ich in der Küche stehe. Marcel hat allerdings heimlich für mich das Gemüse geschnitten. Zum Frühstück gibt es Shakshuka – eine Art Eierpfanne aus Tomaten, Zwiebeln, viel Dill, etwas Minze und Paprika (natürlich auch mit vielen Eiern) -, denn aus Erfahrung weiß ich, dass die wenigsten Menschen kulinarischen Entdeckungen offen gegenüber stehen. Da ein „kräftiger Mann“ meiner Ansicht nach wesentlich mehr essen müsste, als das, was ich unserem Lotsen auf den Teller hebe, gehe ich davon aus, dass meine wenig scharfe, wenig gesalzene Variante des türkischen Gerichts nicht voller Erfolg war. Ein Nachschlag war nicht erwünscht.

Unser Lotse fand den indischen Chai – den Marcel ganz hervorragend und stilecht macht, seitdem wir im „Host“ kondensierte Gewürztropfen für ebensolchen gekauft haben – auch nicht so gut. Er ließ sich dann von Marcel einen schwarzen Kaffee und schwarzen Tee zubereiten. Sicherlich hat er Marcel bedauert, eine so miserable Hausfrau erwischt zu haben.

Unser Lotse ist ein tendenziell stiller Mann mit wenig aber ausreichenden Englischkenntnissen. Krkr, unser Marinero, hat ihn als „den Besten unter den Lotsen“ angekündigt. Wir haben mit Lotsen bisher gar keine Erfahrungen, daher können wir das Prädikat nicht diskutieren, aber definitiv auch nicht verneinen. Ich habe am Vorabend noch schnell unsere nächste Yacht-Bleibe recherchiert und bin auf paar Blogseiten gekommen, auf denen über die Lotsen keine gute Meinung geäußert wird. Wir sind mit unserem dann doch zufrieden. Sicher steuert er uns durch einen schnurstracks geraden, auf ordentliche Tiefe ausgebaggerten und beidseitig betonnten Kanal. Hätten wir das ohne fremde Hilfe geschafft? Aber immerhin, so kommen wir zu einem kleinen Ausflug, ein wenig Urlaub auf dem eigenen Boot. Ich vermute, dass die Lotsen ganz unten in der Nahrungskette der Suez-Kanal-Angestellten stehen, ausgediente Lotsen, ausgediente Kapitäne… daher ist es okay, dass diese mitgebucht werden müssen und so einen Job haben.

Yacht Club Umgebung in den frühen Morgenstunden.
Ich bleibe vorerst lieber unter Deck und hinter der Schutzhutze im Niedergang.

Im Suez-Kanal (von Suez bis Ismailia)

Viel gibt es nicht zu der relativ kurzen, circa 5 Stunden dauernden Passage. Unser Lotse lotste uns eng an den gewaltigen Betontonnen vorbei. Den „Bitter Lake“, den bitteren See, den der Kanal schneidet, haben wir als eine große stille Wasserfläche empfunden, die den großen aber nicht so schnellen Pötten als Wartestation dient. Sie müssen dort vor Anker liegen, bis ihre schnelleren Genossen im Konvoi vorbeiziehen. Erst dann dürfen sie als Schlusslichter sich dem Konvoi anschließen. Wie als Sportboote dürfen trotz Schneckentempo passieren, dafür müssen wir aber eine Übernacht-Station im Hafen bzw. in der Marina von Ismailia einlegen. Vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit im Kanal: 7 Knoten. Wer diese garantieren kann, darf auch als Sportboot durchfahren. Uns passieren daher so einige Megayachten, diese weiß Gott hässlichen Motoryachten, die von Geld aber auch fehlendem Geschmack zeugen (ganz zu schweigen von der Umweltverschmutzung durch Dieselverbrauch). Sie machen locker im Durchschnitt 10 Knoten.

Der beste Captain nach Captain Nico natürlich.
Diese Pötte machen erstaunlich wenig Schwell. Vorausgesetzt, sie fahren langsam (ca. 10 kn).
Über weite Strecken hinweg sind die Ufern „Sperrzonen“. Heute sieht vieles Verlassen aus. Unser Lotse erzählt uns, dass das was wir als herumliegende ‚Paletten‘ sehen, sind Pontons, die im Krieg gegen Israel als Brücken für die übersetzenden Soldaten dienten. Sie sind allzeit einsatzbereit… In dieser militärischen Wüste erblicken wir eine Gruppe von sieben oder acht Hunden. Sie suchten in dieser Wüste nach Abfällen. Hoffentlich erwischen sie wenigstens paar Möwen.
Dramatisch norddeutsches Wetter. Wie lange wir das nicht gesehen haben!
Im Hintergrund überraschend große Siedlungen oder Städte und hohe Bergketten. Das Wasser hat eine türkise Farbe angenommen und sieht erstaunlich sauber aus. Hier begegnen uns recht sogar recht viele kleine, traditionelle Fischerboote mit Lateinersegel oder lange Kanus.
Es tut sich nicht viel auf der Durchfahrt.
Wir genießen den ‚Ausflug‘, wenn auch nicht die Kälte.
Schön ist es, windgeschützt den anderen Großen nachzublicken. Und immer schön wachsam sein… es passiert immer etwas Neues für die wachsamen Augen und Nase des Captains.
Für uns passiert nicht so viel.
Im See des Kanals sehen wir sehr viele Schiffe auf Reede. Im Vorbeifahren winken uns einige Crewmitglieder zu, rufen etwas, was wir nicht verstehen, und machen Gesten, die wir als „Na los, jetzt aber schnell“ interpretieren. Sie müssen warten (da zu langsam) und wir dürfen im Schneckentempo fahren.

16. bis 20.01. 2021, Yacht Club Ismailia

Im Yacht Club Ismailia kommen wir bereits um 15:00 Uhr an. Wir machten eine gute Fahrt mit teilweise über 6 Knoten. Ich weiß nicht, ob Marcel uns so geprügelt hat, oder ob ein schiebender Strom mit uns war. In Ismailia dürfen, ja sollen, wir längsseits anlegen und nicht wie ich auf Google gesehen habe mit Heck zu Pier. Uns ist das eigentlich gar nicht so recht, denn die Betonpier ist ramponiert und darüber hinaus liegen wir direkt in Tuchfüllung zu den Tischen eines großen Restaurants. Wir sind sehr überrascht, zu sehen, wie voll es hier ist. Und erst recht überrascht uns die Tatsache, dass hier keiner eine Maske trägt. Okay, ich übertreibe. An die fünf Personen haben ihre „chirurgischen Masken“ unter dem Kinn, ganz „Indian Style“ also. Das müssen alles engste Familienangehörige sein, denn sie sitzen nicht nur ohne Masken, sondern auch ganz ohne Distanz aufeinander. Ich sehe mich allmählich dazu gezwungen, mein Wissen über die Corona-Resonanz, das ich mir in deutschsprachigen Zeitungen und auf Facebook angelesen habe, zu revidieren und ausschließlich auf Europa zu beziehen. Ich kann allen Kritikern (aka „Andersdenkende“ aka „alle, die ich doof finde“) empfehlen, zur Erholung nach Ägypten zu fahren. Hier werden sie sicherlich nicht auffallen.

Der Yacht Club von Ismailia. Restaurant leer nur in frühen Morgenstunden.

Yacht Club Ismailia – Wie ist es dort so?

Wir sind nicht ganz so mit unserem Ismalia-Liegeplatz zufrieden. Ehrlicherweise müssen wir bekennen, dass wir zu jenen Seglern gehören, die gerne etwas Abstand von der nächsten Bar und den Mitmenschen haben. An der Boje hängen und den großen Pötten im Kanal beim Vorbeifahren zusehen, wie es im Suez Yacht Club in Suez war, ist für uns die bessere Option als der durch Laufkundschaft vollbesetzte Club in Ismailia. Aber, leider, so schnell kommen wir hier nicht weg. Der Grund dafür ist doppelt zu verbuchen. Zum einen tobt gerade der Bär in südlichen Mittelmeer. Starkwinde bis Stürme fegen von Westen nach Ost und von Nord nach Süd. Zum anderen hängen wir in einer ungeklärten Situation was unsere Aufnahme in Griechenland betrifft. Doch dazu später mehr.

Ich habe bereits vorrecherchiert und Ismailia-Aufenthalte als Erzählmittelpunkte andere Segelblogs gefunden. Zur Zeiten des Lockdowns lagen die Segler hier vollständig abgeschnitten von der Umgebung und gleichermaßen vollständig dem Good-Will des ‚Managements‘, der Aufpasser des Clubs und des unteren Managements ausgeliefert. Lebensmitteln bekamen sie mit einer 100%-Auflage. Die schon sowieso für Ausländer doppelten Einkaufspreise wurden dann mal zwei genommen. Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Zumal diese Crews zum Teil sehr lange hier verbleiben mussten. Die Erklärung für diesen nicht unerheblichen Aufpreis lautete: Innerhalb der Anlage müssen die Restaurantpreise bezahlt werden. Das Restaurant hatte geschlossen. Sonst hätte es sich vielleicht gelohnt, gar nicht einzukaufen… Was für eine schöne Erklärung.

Wird es bei uns auch so sein? Wir denken positiv, obwohl wir bereits aus Suez Club wissen, dass auch unser „Einkäufer“ für drei Tüten frische Lebensmitteln und Brot – alles das kostet auf dem Markt nichts – uns 35 Dollars abknöpfte, was einfach nicht „okay“ ist. Ich kann es schon vorwegnehmen: Wir werden in Ismailia noch mehr enttäuscht werden.

„Geschenke“, Geschenke, noch mehr Geschenke – Oder: Gib mir alles was du hast, gib mir noch mehr!

Als wir an der Pier des Yachtclubs in Isamilia am frühen Nachmittag ankommen, warten schon zwei hilfsbereite Marineros auf uns, um die Leinen anzunehmen. Wir sollen längseits gehen – und nicht wie die anderen Yachten mit Heck oder Bug an die Pier. Für uns ist das Manöver einfacher, aber leider nicht schön für den Lack des Bootes, denn die Pier ist bröckelig und wir werden hier viel Schwell bekommen, der uns manchmal sehr heftig Auf und Ab schaukeln wird.

Nach erfolgreichem, schnellem und unkompliziertem Manöver von circa 5 Minuten heißt es seitens der Marineros: „Gib mir ein Geschenk für die Hilfe beim Anlegen“. Das fängt schon mal gut an. Der Captain bleibt stur. „Wofür?“ Für eine Hilfe, die zum Service gehört? „Geschenke mache ich höchstens beim Abschied, wenn mir die Menschen sympathisch sind.“ Okay, nach einer gewissen Zeit des sturen Wartens zogen unsere Helfer unbeschenkt davon.

Auch unser Lotse hält die Hand auf. Ob er auch eine Maske haben könnte. Wir geben ihm zwei mit Ventilen und noch weitere chirurgische Masken mit. Ob er denn auch noch Instantkaffee haben könnte. Wir geben ihm eine kleine Packung. Unser Agent, Captain Heebi, sagt, 20 Dollar sollten für die Lotsen genug sein. Unser bekommt 25 Dollar, die ihm zu wenig sind. Wir haben aber wirklich nicht mehr viel Dollars. Alles ist sehr knapp bemessen, weil wir nirgends zum ATM (Geldautomat) gehen dürfen und zudem keiner unsere Dollars akzeptiert. Sie seien zu alt und einige etwas angerissen, heißt es als Begründung. Lange ‚Verhandlungen‘ mit dem Lotsen schließen sich den vorhergegangen mit den Marineros an… Hinterher sind wir immer ziemlich fertig mit den Nerven. Das haben wir nie gelernt, das strengt uns sehr an, das ist einfach nicht nett und hinterlässt immer ein schlechtes Gefühl für Land & Leute.

Schnell quellen uns die Augen über: Gefühlt hunderte von unmaskierten Menschen vergnügen sich vor dem (geöffneten) Restaurant beziehungsweise der Bar des Clubs. Für sie sind wir die Attraktion der Lokation schlechthin. Nichts wie hin, über die Metallbrüstung rüber und möglichst nah ran an das Schiff – nur so gelangen die richtig guten Selfies! Weit und breit niemand, der sie von den ‚gefährlichen‘ und im Transit befindlichen Ausländern warnen oder gar verscheuchen würde. Und die Bar hat sehr lange geöffnet…

Lukenfotos. Belagerungszustände. Privatsphäre ade. Kinder werfen mit Steinchen uns sonst was ans Deck, damit irgendjemand von uns sich blicken lässt.

Lebensmitteln nur zu Restaurantpreis: Das zweite Treffen mit Yasinne & Sophia

Plopp – eine neue Nachricht im WhatsApp. Dieses Mal von Yasinne. Was wir machen, wo wir sind. Wir vereinbaren, dass er uns hier noch einmal besucht und versprechen ihm, dass Sophia sich das Boot von Innen anschauen kann. Was soll schon schiefgehen, denken wir. Hier stehen täglich an die zwanzig Leute bei uns „auf der Matte“ und machen ungeniert Fotos.

Yasinne und Sophia machen sich die Mühe und fahren zum Cafore Supermarkt, um für uns einzukaufen. Das war natürlich nicht so gemeint, als wir ihre Fragen ob wir denn etwas bräuchten, mit Ja benatworteten. Irgendwann am späten Abend werden wir nervös. Wo seid ihr?, frage ich via WhatsApp an. Wir stehen vor dem Tor der Marina. Man lässt uns nicht zu euch durch. Was?! Das kann einfach nicht sein. Seid ihr am falschen Tor? Hier kommen stendig Leute ‚zu uns‘ durch. Gerade eben auch ein Pärchen.

Tja, Yasinne war zu ehrlich als er mit den Einkaufstüten am Wachmann vorbeiging. Auf die Frage Wohin des Weges, antwortete er wahrheitsgemäß. Statt zu sagen „Ins Restaurant“ sagt er zu Besuch. Falsch. Und schon beginnen die Probleme.

Zunächst dürfen Lebensmitteln nicht zu uns gelangen. Das ist gegen die Vorschrift. Nur das Restaurant „darf“ für uns einkaufen. So ist die Regel. Dann dürfen die Lebensmitteln doch zu uns, aber der „Manager“ will 100% Aufpreis. Yasinne hat für den Einkauf laut Kassenbon 500 EGP bezahlt und so berechnet ihm der Manager weitere 500,- für das Passieren durch die Pforte und die Übergaben an uns. Yasinne bedankt sich für das Angebot. Lieber verschenkt er das Essen an Arme als dass er das zahlen wird. Seher gut! Wir stehen voll dahinter.

Dann darf Yasinne auch ohne die Einkaufstüten nicht ohne ein Passierschein durch. Ägypter ja, er als Marokkaner aber nicht. Sophia verweist darauf, dass Yasinne ihr Ehemann ist mit gültiger Aufenthaltserlaubnis in Ägypten, der zumal in Suez wohnhaft ist. Macht nichts, er darf dennoch nicht rein. Okay, dann muss eben die nächste Instanz angerufen werden, sie soll einen „Passierschein“ ausstellen. Es wird viel telefoniert, mit Gott und der Welt, ob ein echter Offizieller auch darunter ist, weiß nur Gott allein. Yasinne bleibt stur – es wird kein Bukshish gezahlt.

Sophia darf durch und trifft uns am Restaurant. Wir gehen gemeinsam zu ‚unseren Manager‘, der natürlich nicht der oberste Manager ist, sondern jemand im mittleren Rang. Auch er muss telefonieren. Die Diskussion, die sich zwischen Sophia und ihm entspinnt, ist auf Arabisch. Wir verstehen nichts Wörtlches, aber wir verstehen den ansteigenenden Lautsterkenpegel, die härtere Artikulation ,die Blicke und Körpersprache. Ich lenek ein. Bloß keine Staatsaffäre daraus machen. Wir verstehen, es ist wie es ist. Und tut es auch sehr leid um Sophia und Yasinne. Soviel unanehmlichkeiten. Sie sind zwei Stunden gefahren, um uns zu besuchen. Wollten nur das Schiff von innen sehen und plaudern. Uns einen Gefallen tun, und Lebensmitteln einkaufen… Und jetzt das alles. Natürlich wird nichts daraus, dass sie aufs Schiff dürfen. Wir warten noch eine weitere Stunde bis Yasinne endlich passieren darf. Tüten mit Lebensmitteln jedoch nicht.

Wir stehen in Eiseskälte vor unserem Boot und trinken Tee aus der Thermoskanne. Alles wie gehabt nur die Umstände sind unerfreulicher als in Suez. (Noch mehr Pluspunkte für Yacht Club Suez und den Marinero Krkr!) Wir machen das beste daraus. Wärmen uns an der Unterhaltung. Und vereinbaren, morgen früh einen zweiten Anlauf zu nehmen und das Essen in kleinen Rücksäcken reinzuschmuggeln. Also, um 9:00 zum Frühstück!

Wartet! Es wird noch besser

Wir machen uns gerade gemütlich mit einem indischen Curry vor einem „Heimatfilm“ aus dem Alten Land bei Hamburg, da hören wir Rufe „Captain! Captain!“. Es is bereits 21:00 Uhr. Marcel lugt aus dem Cockpit heraus und sieht drei oder vier junge Burschen – und dann sieht er die Tüten in ihren Händen. Doch zuerst wird ihm ein Handy entgegengehalten. Ich höre nur auf dieser Seit „Ah. Yes, yes. Okay. Aha. Mhmm, mhmm. I apriciate this! Thank you. Anderstand.. anderstand… Thank you!“ Ich begreife, dass die Jungs uns die Einkäufe bringen und stecke Marcel doch noch 20 Dollar für sie zu.

Nicht ohne eine gewisse Dramatik gehen gleichzeitig bei mir auf dem Handy Nachrichten ein. Yasinne: „Did you get the food?“ Und: „Don’t give them any money!“ Okay. Auf Deutsch zu Marcel (der leider schwerhörig ist ohne es wahrhaben zu wollen): „Kein Geld sagt Yasinne!“ „Was?!“, die obligatorische Nachfrage während ihrgendwie gerade all zu reden anfangen. (Wiebitte.) „Ach nix!“, ich winke ab. Wir bekommen unser Lebensmitteln. Keiner zahlt 500,- drauf, keiner nimmt 20,- Dollar an sich. Marcel verabschiedet sich noch lange am Telefon und dann von den jungen Männern. Wir sind glücklich, sie sind glücklich (vielleicht), der Manager ist auf jeden Fall „zufrieden“ vermute ich. Keine verliert das Gesicht und wir sind irgendwie stolz auf Yasinne, den einsamen Ritter und seine Braut, die gegen die Korruption und Unverschämtheiten in Ägypten einen kleinen Sieg erkämpft haben.

Natürlich wissen wir, dass nicht alle Ägypter so sind! Wir richten auch nicht das ganze Volk nach unseren minimalen Erfahrungen mit einzelnen. Dennoch ist das, was wir im zwischenmenschlichen hier erfahren, nicht schön. Und bisher auf unerer Weltumsegelung einmalig. Uns tut es auch ein wenig Leid um all jene Tausende ehrlicher, hilfsbereiter und freundlicher Ägypter, die unter solchen Berichten wie meinem (und schlimmeren) leiden.

Am nächsten Morgen sitzen wir mit Sophia und Yasinne im Außenbereich des Resaturant und trinken Tee aus Papbächern aber auf kleinen Steroportabletts, die jedesmal drohen, davon zu wehen. Ja, es ist weiterhin bitterkalt und ein westlicher Wind fegt immer wieder durch die Tische. Ich frage Sophia, ob das der Normazustand in Ägypten sei. Ja, bekomme ich als Antwort, Ägypten, vor allem die Suez-Ecke ist im Winter sehr kalt. Diese Temperaturen, auch Regenschauer und Wind sind nichts besonderes. Wie war das eigentlich mit den Lebensmitteln, wollen wir genauer wissen. Yasinne kann nicht viel berichten. Als sie das Tor am Abend passierte wurden sie von dem Manager gerufen, der die Tüten haben wollte und sie an seine Jungs weitergab. Ganz offensichtlich hat der oberste Manager entschieden, dass eine Mitbeteiligung von Einheimischen – Sophia – vielleicht doch zu späteren Komplikationen, Beschwerden etc. schlußum, zu vermeidenden Schwierigkeiten führen könnte. Schließlich bin ich mir sicher, dasss es kein „Gesetz“ gibt, das Ausländer das doppelte (oder sonst verhungern) des bezahlten Einkaufs zu zahlen zwingt. In Indien gibt es für solche Fälle (die dort wahrscheinlich auch deswegen nie vorkommen) die Touristenpolizei, die ihre Aufgabe sehr ernst nimmt und ganz besonders durchgreift, wenn Frauen sich beschweren.

Die nächste und letzte Hürde ist aber Yasinne selbst, der partou keine Geld von uns haben will. Die Lebensmitteln sin ein Geschenk. Ich insistiere auf eine IBN Nummer (denn wir haben nur Bargeld für die überfahrt und paar offene Hände abgezählt). Yasinne weigert sich, wir fragen Sophia, die nur Yasinne anschaut. Ich weiß nicht, wie häufig wir Yasinne bedrengen dürfen ohne dass es zu unhöflich wird. Ich versuche es noch drei Mal, zwei weitere über WhatsApp, dann gebe ich es auf. Nächstes mal sind wir aber dran!

Uns tut es leid, dass wir Sophie nicht das Schiff von Innen zeigen können. Ich habe vorsorglich Innenaufnahmen gemacht und so wenigstens anhand dieser das Funktionieren des Schiffs im täglichen Leben erklärt. Wir fotografieren uns gegenseitig vor der Chulugi und dann wollen die beiden auch schon zurück nach Suez. Sie erwartet bald eine Reise nach Marokko zu Yasinns Eltern und Schwestern. Und dann soll es in drei Monaten auch nach Saudi-Arabien gehen. Zu Yasinns Fahrrad und der unterbrochenen Reise. Sophia wird mit von der Partie sein. Wir drücken den beiden alle Daumen, dass sie zusammen den Weg meistern.

21.01.2021, es geht nach Port Said

Bevor es auf unsere zweite und letzte Etappe von Ismaili nach Port Said am Mittelmeer geht, erreicht und erst einmal eine Hiobsbotschaft. Es ist Mittwochabend, wir haben das Schiff auf die Überfahrt im Mittelmeer und die letzte Etappe im Suez-Kanal soweit vorbereitet. Wir warten nur noch auf den Anruf des Agenten, der uns mitteilen wird, wann der Lotse für Port Said an Bord kommen wird. Marina ist bezahlt, Marineros sind „beschenkt“ – doch da hören wir wieder „Captain, captain“ von draußen jemand rufen. Was ist passiert? Das Geld wird wieder nicht angenommen. MArcel muss in Begleitung zum ATM und am allerletzten Abend Geld ziehen. Der ATM azeptiert unsere KArte nicht. Das unakzeptable Geld wird dann doch noch akzeptiert.

Wir sitzen vor unserem Abendessen und schauen einen schwerverstädnlichen thriller, da hören wir wieder die Captain-Anrufe. Dieses Mal gibt es die nachricht,wir können morgen nicht auslaufen. Ein US-Kriegsschiff passiert den Kannal und da dürfen Sportboote nicht gleichzeitig im Kannal sein. (Später stellt sich heraus, es war ein Russisches Kriegsschiff. So kann man sich heutzutage smittlerweile irren.) Das ist wirklich schlimm, denn wir haben nur ein ganz kleines Wetterfenster und müssen, sollten wir dieses verpassen, vielleicht sogar eine Woche im Kanal bleiben (und erneut all diese Probleme haben, die wir schon hatten). Was nun? Wir rufen natürlich unseren Captain Heebi an. Er weiß wie man uns hilft. Er kann nichts versprechen. Aber wir wissen, dass er dann doch irgendetwas für uns machen können wird. Und so ist es. Wir dürfen um 10:00 – das ist spät aber nicht zu spät – mit unserem neuen Lotsen auslaufen. Danke Captain Heebi! Der beste Agent überhaupt.

Planen zu Zeiten der Corona-Kriese (und Hysterie)

Wohin wollen wir – wohin können wir – und wohin könnten wir im Mittelmeer fahren? Wollen würden wir nach Kreta, so wie ich meine Tagebucheinträge bisher auch betietelt habe. Zu großspurig und zu gewagt optimistisch war ich offenbar zu diesem Zeitpunt. Wir haben uns am Anfang unserer langen Fahrt nicht vorstellen können, dass Europa, insbesondere die EU-Länder nach einem Jahr Erfahrungen mit Corona in eine zweite Hysteriewelle verfallen könnten. Während alles südlicher des Mittelmeeres Lockerungsübungen bezüglich der Corona-Gesetze macht – oder sich einfach mit einem Virus arrangiert -, erlassen die europäischen Staaten immer mehr, immer wunderlichere Erlasse zum Wohle des Lebens. „Null-Corona“ beispielweise. Vorbild dafür ist eine Insel (sic!). Warum nicht „Null-Grippeviren“, „Null-Krebs“, „Null-Gluposat“ (letzteres am besten und am einfachsten zu meistern)? Okay, das sind nur meine Gedanken ganz am Rande dessen, was wir „Neuplanung“ und „Kriesensizung an Bord“ nennen.

Das Wetter im Mittelmeer sieht für eine Weiterfahrt nicht gut aus. Wir können (und wollen auch nicht) Kurs direkt nach Italien, Tunesien, Spanien oder Kroatien anlegen. Starkwinde mit Sturmstärken würden uns dann auf die Nase wehen. Hatten wir schon, wollen wir nicht. Das würde man kaum gute Seemannschaft nennen. Das Wetter für die nächsten Wochen zeigt minimale Wetterfenster von maximal drei Tagen, die annehmbar uns nach Israel, Zypern, Türkei oder Kreta bringen würden. Nicht von ungefähr haben wir „fest“ mit Kreta gerechnet. Griechenland verschärft den Lockdown (auf Kreta sind circa 10 Personen Covid-positiv) und lässt offiziell keine Sportboote hinein. Inoffiziell erfahren wir andere Geschichte.

Es heißt, wer einen Werftvertrag vorweisen kann, darf rein. Die Offiziellen in Kreta halten sich bedeckt, wollen uns keine Zusicherungen geben, dass wir dort bleiben dürfen (mit Vertrag). Von unseren Seglerfreunden vor Ort hören wir gemischtes. Mal dürfen Segler rein und ankern (nicht immer die besten Ankerplätze und es weht ordentlich gerede in Kreta), mal dürfen sie rein, dann aber das Schiff abstellen und hoplahop in den nächsten Flieger in die Heimat… mal aber werden Schiffe abgewiesen.

Wir überlegen hin und her, hin und her… Wollen wir es dennoch riskieren? Immer wieder machen wir uns Sorgen um den Hund. Wenn sie uns in den Flieger setzen wollten, wären die Sorgen und der Stress um Nico groß. Und abgewiesen zu werden, bedeutet eine lange Strecke gegen vorherrschende Winde im griechischen Gewässer.

Wir recherchieren Israel, ein Land gleich um die Ecke mit vielen Marinas. Große überraschung: Keine Marina, die eine funktionierende Internetpräsentation hätte. Das kann doch nicht sein? Die meisten eMails kommen zurück. Ich verfalle auf die Idee, Segelschulen anzuschreiben (sie haben Homepages) mit der Bitte um weiterleitung oder Informationen zur Einreisemöglichkeiten. Bis heute keine Antwort. Da ich Videos über die Einsätze der israelitischen Polizei bei Nichteinhaltung der Covid-Gesetzen gesehen habe, nehmen ich davon Abstand, einfach so hinzufahren.

Okay, wir haben Seglerfreunde auf Cypern. Ich starte eine ausführliche Messengerkommunikation mit Barbara von der #, die sehr hilfsbereit ist und uns gerne mit Rat und Tat zur Seite steht. In Cypern haben wir zwei Hürden zu nehmen. Die erste: sehr teuer. Das übersteigt unser Budget, das wir für die vielen Reparaturen an der Chulugi brauchen. Über 1.000,- Euro kostet die Marina im Monat für 12 Meter Schiff. Die zweite: Neu ist, dass wir bei Einreise einen negativen Covid-PCR-Test brauchen, der nicht älter als 72 h ist. Wir können einen solchen Test nicht in Ägypten bekommen. Genauer ist zu sagen: Wir bekämen diesen schon, wenn wir 150,- Dollar pro Person für den Test (nicht eingerechnet all die offenen Hände die diesen ermöglichen würden) zahen und in die hiesige Klinik gingen. Der Test wir nicht in der Marina gemacht. Doch wir dürfen die Marina nicht verlassen, denn wir haben nur einen Transit-Status. Okay, damit wären wir diesbezüglich patt.

Wie sieht es aus mit der Türkei? Dieses Land wollten wir eigentlich nicht anfahren. Die Gründe sind mannigfalltig. Winer davon ist: Seit einem Jahr verbeitet die griechische Regierung jedem eine Einreise, der aus der Türkei kommt. Egal welcher Nationalität man selbst oder das Schiff ist. Auch wenn wir EU-Bürger sind? Auch dann. Aber nun stehen wir mit dem Rücken zur Wand – oder vielmerh mit dem Gesicht im Wind – und dürfen uns diese ‚Feinheiten‘ nicht so zu Herzen nehmen. Unsere Segelfreunde aus Kochi auf der SY Joanasind schon lange in Alanya, wo sie ausgekrant haben und alles in allem recht zufrieden mit der Situation sind. Auch wir müssen auskranen, brauchen dann eine Bleibe, die einen Hund erlaubt (in muslimischen Ländern ein Problem) und auch sonst wäre es sehr schön, hilfreiche Hände um uns zu haben. Aber, Alanya Marina will uns nur mit einem negativen PCR-Test nehmen. Wir können keinen hier besorgen. Patt.

Wir stehen seit dem Übertritt ins Rote Meer in einem sehr netten Kontakt mit dem deutschen Attachee für Sicherheitsfragen, Captain Otte von der Deutschen Botschaft in Kontakt. Wir senden ihm unsere Standorte und kurze Befindlichkeitsraporte seit Sudan und bekommen auch immer nette Antworten zurück. Jetzt senden wir ein SOS. WO können wir denn noch hin? Kann man etwas an Griechenland/Kreta für uns „drehen“? Nein, leider fallen die Bemühungen und Nachfragen von Herrn Otte für uns negativ aus. Herrn Otte sind häufig genug die Hände gebunden, da er ist eigentlich nur für Ägypten zuständig.

Dann erfahren wir von einem schwedischen Segler, der uns in Isamilia auf der entgegengesetzten Route nach Süden passiert, von einem Agenten in Finike, Türkei. Wir melden uns unverzüglich bei ihm. Und er antwortet prompt. „Kein Problem“, wir können in die Finike Marina rein. Dort wird bei der Ankunft ein PCR-Test gemacht und eine 10-tägige Quarantäne absolviert. Danach kommt noch ein PCR-Test auf uns zu. Wir dürfen in der Zeit in der Marina verbleiben. Wenn alles gut geht, dürfen wir auch auskranen. Was passiert, wenn wir positiv sein sollten, das erfragen wir lieber nicht. Der tTst kostet pro Person 30,- Euro. Normalerweise braucht man für das Einklarieren in die Türkei keinen Agenten. In diesen schwierigen Zeiten und bei unserer Lage in Ägypten buchen wir ihn aber lieber mit. Das ist bisher das beste Angebot, das wir haben. Alles andere war bisher bloß halb illegal und speiste sich aus gutgemeinten Ratschägen von Facebook-Freunden, die gerne ihre Erfahrungen aus der ersten Corona-Krisen mitteilen und sich offenbar nicht vorstellen können, dass es in den Köpfen der Regierenden nicht sortierter geworden ist. Einige Segler sind in damaliger Zeit (oder auch jetzt noch) ohne Erlabnisse, ohne PCR-Test, ohne langes Hin und Her in griechische, italienisch, israelitische Marina gefahren. Einige hatten Glück, andere aber nicht. Die letztgenannten hatten nicht bloß Pech. Diese haten dann definitiv richtig „gelost“. Das wollen wir nicht wagen.

Es geht für uns also morgen, Donnerstag der 21. Januar 2021, nach Finike in der Türkei. Daher wird jetzt auch Kreta in der Übergrifft gestrichen. Basta.

21.01.2021, von Ismailia nach Port Said

Unser neue Lotse ist ein junger Mann, der sein Frühstück samt Getränken mitbringt und uns davon auch noch etwas anbietet. Marcel greift unverschämt zu, die Falafel sind auch wirklich lecker, die man hier zum Frühstück ist. Ich wiederhole das Prozedere von der letzten Überfahrt, aber unser Lotse lehnt alles ab. Kein Chai, kein Kaffee, kein Mittagessen. Nur ein Stück Kuchen nimmt. Wir versichern, unsere Kombüse ist Halal, wir verwenden kein Schweinefleisch und Nico ist auch nicht von unseren Tellern. Hilft nichts, unser Lotse möchte nichts… Hmm. Na gut. Dafür hört er gesungene und musikalisch unterlegte Koranverse. Sehr schön. Passen zu der Fahrt. Sie beruhigen ungemein, meint er im gebrochenen Englisch. .. Wir passieren auf dieser Strecke wesentlich mehr eindeutige Militäranlagen und vollbesetzte Militärposten. Ich traue mich nur selten, ein Foto zu machen. Dabei sind viele Ansichten sehr fotogen.

Lecker, so eine mitgebrachte Falafel. Unser Lotse traut Nico nicht über den Weg. Und Nico auch nicht ihm.
Marcel träumt immer noch vom Yacht Club in Knysna.
Die besetzten Anlagen wurden nicht fotografiert.
Wer sehr genau hinguckt, der wird Stacheldrahtzäune sehen.
Interessante Motive überall, wenn man nicht aus der Hüfte schießen müsste.

Fazit für Ägypten, Suez-Kanal Überfahrt

Ich mache es kurz und bündig. Wie ist die Überfahrt im Kanal selbst? Sehr simpel, gut organisiert und eigentlich auch ohne einen Lotsen problemlos zu bewältigen. Ich fand sie sehr interessant. Viele gute Fotomotive warten hier, geschossen zu werden, wenn da bloß nicht die Angst vor Repressalien gäbe. Wir befinden uns hier in Militärsperrzone und Fotos sind bekanntlich verboten.

Was wir an der Durchfahrt und Begegnungen mit Ägypten mochten?

1. Den Agenten Captain Habeebi (Facebook hier). Schade, dass er nicht an allen Stationen (es sind insgesamt drei) gleichzeitig oder hintereinander sein kann.

2. Den Agenten Captain Habeebi und seine unermüdliche Hilfe zum Wohle der Segler, die sich an ihn vertraunesvoll wenden und somit in seine Hand (und die des Gottes natürlich) begeben. Sein Lohn für diese erstklassige Betreeung ist beinahe schon zu gering, bemißt man ihn an den Agentenpreisen im Sudan oder an den vielen offenen Händen in Ägypten. Hier würden wir jeden höheren Betrag sofort verstehen.

3. Yasinne (okay, er ist Marokkaner) und seine Frau Sophia, die eine waschechte Ägypterin ist und ein super Beispiel dafür, wie warmherzig und hilfsbereit die Ägypter sein können.

4. Den Marinero Krkr in Suez Yacht Club. Ehrlicher, hilfsbereiter Mann in seinem roten Dinghi, der uns das erste Treffen mit Yasinne ermöglichte und auch frei heraus sagte, wenn seine Mitmenschen uns zuviel Geld abknöpften (30 Dollar für paar Lebensmittel).

5. Die ganz spezielle Erfahrung einer Kanafahrt an so einem historisch trächtigen Ort und einer einmaligen technischen Leistung. Ganz im Hintergrund schaute uns Larence von Arabien bei der Überfahrt zu (den man auch ganz schön über den Tisch, wenn auch etwas anders als uns, hier gezpgen hat). Ich genoß die Fahrt, die Landschaft, die Militärposten, die zum Teil sehr bizzar ausfielen (wie wahrscheinlich alle Militäreinrichtungen auf Zivilisten machen).

Na, das ist doch schon mal was, oder?

[Jetzt aber schnell hochladen. Fehlersuche später! Wir gehen aus dem Kanal raus und ins Mittelmeer rein.]

2 Antworten

  1. Eugen Manko

    Hallo Joanna,
    Twoje reportaże są bardzo ciekawe i co najważniejsze napisane są HOCH DEUTSCH
    gdzie się tego nauczyłaś? Studia?
    czekam z niecierpliwością na dalszy ciąg.
    Pozdrowienia i całusy od nas dla was.
    Benia i Gienio.

  2. Czapracki Edmund

    Hallo Marcel und Besatzung,
    wie ist die Zeit vergangen. Ich habe euere Berichte gerne gelesen. Nun nähert Ihr euch wieder den heimischen Gefilden.
    Ich hoffe, es geht allen gut. Ich wünsche euch für die restliche Fahrstrecke alles gute und bleibt Gesund.
    MfG
    Edmund

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