Safe the Dogs – Sailors Taskforce While Corona-Virus in Marina Kochi

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Wir haben seit dem Lockdown in Indien eine neue Aufgabe. Es begann schon etwas früher mit vier Welpen und ihrer Mama, aber im Lockdown wurden wir regelrecht zu einer Taskforce für Hunde. Wir konnten einfach nicht mitansehen, wie die auf Knochen und Fell abgemagerten Hunde auf dem Gelände des Bolgatty Palace Hotels ihrem Schicksal überlassen wurden.

Madam, don’t do it!

Als ob das Leben dieser Geschöpfe nicht schon schlimm genug gewesen wäre, verscheuchte das Personal des Bolgatty Palace Hotels die Hunde, damit sie nicht zum Betteln in die Nähe der Anlage kamen. Das ist die Order des Managements. Dabei sind die Hunde hier geboren und würden auf keinen Fall diesen Ort verlassen – auch nicht verlassen können, denn sie wissen sehr wohl: Jenseits des Tores beherrschen andere Hunde das Terrain.

Wie häufig hörte ich von einem unserer guten Guards „Madam, these dogs are very dangerous! Don’t go there, don’t give them to eat! They are angry and bad!“ – „No, definitely not! Look, how nice and lovely and greatful they are!“ – „Yes, but only with you!“

Ja, da hat der Wachmann wohl recht. Zu uns sind sie nett, weil sie von uns weder vertrieben noch mit Steinen beworfen werden. Weil wir die Schönheit in diesen armen Geschöpfen sehen und auch ihre Unschuld. Denn, wer hat sie zu dem gemacht, was sie sind? In meinen Augen sind sie schön. Am schönsten ist für mich, ihre unbändige Freude zu sehen, wenn sie uns von weitem erblicken. Es geht nicht immer um das Fressen, häufig genug auch bloß um ein freundliches Wort von uns. Einige wollen so gerne angefasst werden und trauen sich doch nicht den letzten Schritt zu machen.

Ich liebe diese „indische Rasse“ der weißen oder hell-beigen, langbeinigen Hunde. Die Abneigung einiger (vielen?) Inder gegenüber Hunden kann ich nicht verstehen. Begleitete nicht ein solcher Hund (shvan) Lord Bhairava und wurde zu seinem Vehikel (vahana)?

Lord Kaal Bhairava with Shwan vahana.

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Hunde und Ausländer – geteilte Haft im Lockdown

Wir hatten viel Empathie mit den Hunden, die genauso wenig gern gesehen werden, wie wir Ausländer während des Lockdowns. Es hieß, Ausländer brächten das Virus – und Hunde sowieso Krankheiten. Ich sehe da eine kleine Parallele. Einst gern gesehene Begleiter (Hunde) und Gäste (Menschen), die den anderen das Leben und Überleben einfacher machten (die Gäste mit ihrem Geld), wurden sie beide nun zu potenziellen Gefahr.

Uns war es während des Lockdowns nicht erlaubt, auf die Straße zu gehen und einzukaufen. Wir bestellten via WhatsApp und Mithilfe der Angestellten vom Bolgatty Palace Hotel alles, was möglich war. Unter anderem auch Hundefutter. Bei dem Versuch wurde uns erst bewusst, dass die Regierung bei der Erlassung der Lockdown-Gesetze die Versorgung der Haustiere vergessen hat. Kann in der Eile einem Politiker schon mal passieren. Wer denkt schon an „alles“ oder an Tiere, nicht wahr?

Dieses Gesetz erlaubte offenbar nicht, Tiergeschäfte zu öffnen. Die Besitzer oder die Angestellten der Pet Shops waren offenbar nicht tapfer genug, sich gegen diese Bestimmung hinwegzusetzen, oder fühlten sich für die Tiere einfach nicht verantwortlich. Wir lasen in der Zeitung, dass Tiere in diesen Geschäften verhungerten und verdursteten, weil man sie sich in den Käfigen ihrem Schicksal überlassen hat.

Die Tiere in den Pet Shops starben, weil die Besitzer der Geschäfte sie nicht mehr versorgten. Sie verdursteten oder starben in den winzigen Geschäften am Hitzetod.
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Unsere gute Seele und Tuk-Tuk-Fahrer Nazar brachte uns, sofern er konnte, Hähnchenabfälle und Trockenfutter mit, das ich mit sehr viel Reis streckte und mit Haldi (Curcuma) anreicherte. Zugegeben, Haldi wurde nur gegessen, als der Hunger groß war. Ansonsten rümpften die Hunde schon mal die Nasen darüber. In großen Töpfen wurde das dann in unserer kleinen Pantry unter Deck gekocht, so dass auch die Temperatur trotz unserer altersschwachen Klimaanlage auf 33° C stieg. Aber, was soll man machen, die Hunde mussten etwas essen, und wir hatten nur so wenig Fleisch für sie.

Mittlerweile versorgen wir uns – und die Hunde – mit 12-Kilo-Futtersäcken via Zomato-App, was nicht billig aber sehr praktisch ist, denn nun ist das Raumklima unter Deck besser. Da der Lockdown in Indien schon länger aufgehoben ist, bekommen wir auch Fleischabfälle, die wir den Rackern direkt roh geben. Das ist für sie ein mörderischer Spaß, bei dem WIR es mit der Angst zu tun bekommen.

Rundöhrchen (li), Chefin, Junhund Goldi, Whity (Mama der Junghunde), Junghud Bo (re.). Die Futterlinie ist fürs Foto gezogen. Ansonsten werden Häufchen gemacht. An der Schnauze vom Rundöhrchen sieht man deutlich die Bissspuren. Die Hunde sind mittlerweile dünner als während des Lockdowns. Das liegt daran, dass wir sie nicht mehr auf dem Gelände füttern dürfen.

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Füttern muss gelernt sein

Ich gebe zu, ich hatte es mir einfacher vorgestellt. Zunächst spazierte ich an den ungläubig dreinschauenden Wachleuten und dem Hotelpersonal mit meinem Reis-Fleisch-Haldi-Topf vorbei Richtung Golfplatz. Möglichst weit weg, damit der Manager des Hotels sich nicht darüber beschwert, denn Hunde sind strickt unerwünscht (weil böse und weil sowieso).

Jeden Nachmittag seit der ersten Lockdown-Woche das gleiche Prozedere. Ich will gar nicht wissen, was die Inder sich angesichts des Topfes und meiner Wanderung zunächst so alles zusammenreimten. Irgendwann fragte mich dann doch einer der Wachleute. „What is it?“ „Reis, Haldi, Hundetrockenfutter oder Fleischabfälle. Für die dünnen Hunde.“ „Ah!!!“ Ich denke, danach wussten alle Bescheid.

Meistens sah ich die Hunde auf Loch 6 apathisch liegen. Zunächst trauten sie ihren Augen und Ohren nicht, da pfiff jemand, damit sie kämen und etwas aßen! Jetzt erkennen sie mich schon von Weitem an der Statur oder am Geruch, spätestens aber am Pfiff. Sie kommen freudig jaulend angerannt, keine Spur mehr von Angst oder gar Aggressivität. Vor lauter Wedeln biegen sich ihre mageren Körper wie gebogene Ruten. Ein Konzert an unterschiedlichen Geräuschen begleitet die Begrüßung. Einige von ihnen sind noch nach Monaten unserer Bekanntschaft schreckhaft und vorsichtig. Das ist eigentlich auch gut so. Uns ist klar, wie unsere Wachleute und das Hotelpersonal mit ihnen umgehen wird, wenn wir nicht mehr da sind. Wir machen uns keine Illusionen darüber.

Zunächst gab ich den Hunden alles auf einmal und hielt Abstand. Wie ich schon befürchtet hatte, gab es schnell böses Blut und Futterneid. Ich hatte keine soziale Gruppe vor mir, keine Wölfe, die sich selbst versorgen würden, sondern Hunde, die vom Menschen abhängig und im Stich gelassen worden sind. Hier wurde mit ausgehungerten Bäuchen gekämpft und Unterdrückte wurden noch mehr unterdrückt.

Während des Lockdowns: Unsere Hunde bekommen etwas mehr auf die Rippen. In der Mitte „Plattgesicht“, ein überdrehter Rüde, der allen Hunden das Futter streitig macht. So wie er sich benimmt und wohlgenährt aussieht, denken wir, dass er der Liebling der Köche ist.

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Ich lernte dazu und platzierte nächstes Mal mehrere Häufchen Futter in einigen Abstand voneinander. Zunächst auch dieses Prozedere mit nur mäßigem Erfolg, denn nun dachten die Hunde, jedes Häufchen sei etwas ganz besonderes und das des Nachbars sowieso das Beste. Ich gab nicht auf. Innerhalb von Wochen zeitigten sich nach und nach deutliche Erfolge ab. Das Vertrauen der Hunde zu mir wuchs, und ich traute mich auch, die praktizierte Unterdrückung nicht mehr zu dulden.

Zugegeben, ich griff nur da ein, wo ich glaubte, nicht selbst den Kürzeren zu ziehen. Da musste anfänglich schon mal die Suppenkelle herhalten, um besonders aufdringliche Rüden zu maßregeln. Mittlerweile reicht es meistens, wenn ich böse die Stimme erhebe. Tatsächlich begriffen sie mehr oder minder gut, dass die Futterkämpfe keine gute Sache sind. Das Futter ist für alle gleich und wird ihnen nicht entzogen. Das Futter ist immer zu wenig, doch wir kommen mit dem Einkaufen nicht hinterher.

Wir füttern die Hunde manchmal heimlich hinter einem Baum, so dass das Personal uns nicht sofort sieht. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie alles sehen…
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Goldi (li.) schlingt so schnell – oder hat Magenprobleme -, dass er manchmal aufhört zu fressen und einfach nur stehenbleibt, so als ob er Schmerzen hätte. Vielleicht liegt es am Trockenfutter. Rundöhrchen (re.) ist so abgemagert… Viel schlimmer als im Lockdown. Sie muss sich zum Fressen hinlegen.

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Unsere „Wilden“ hautnah beobachten

Unser Rudel besteht aus einem Kern von drei Mädchen, zwei Halbwüchsigen und einem Rüden. Dazu kommen wechselweise noch weitere „Stammplatz-Rüden“ und zwei Mädchen, die mal da sind mal nicht. Mit der Zeit hat sich auch ein Leitrüde herausgebildet, doch seine Aufgabe ist nicht eindeutig. Vielleicht wird er nur von den Mädels geduldet. Über drei Monate lang konnte ich beobachten, wie die Hunde in der Gruppe miteinander interagieren. Spannend war das.

Zunächst waren die Damen untereinander recht brutal. Jetzt denken vielleicht einige, das sei nun nichts besonderes. Eine erschreckend dünne Hündin – ich nenne sie „Whity“ – mit einer vernarbten und mit Bisswunden übersäten Schnauze ist mir besonders aufgefallen. Ein schönes Tier, das nur bisschen mehr Aufmerksamkeit, Zuneigung und Futter braucht, um seine Qualitäten zu entfalten. Sie leckte allen Hunden die Schnauze und machte sich trotz ihrer beachtlichen Größe ganz klein. Doch das half alles nichts, sobald Whity sich dem Futter näherte, schoss die Stärkste des Rudels, die „Chefin“, hervor und hat ihr brutal die Schnauze zugehalten und zum Boden gedrückt. Andere stimmten in das Mobbing ein und haben sie in die Hinterbeine gebissen. Nur die beiden Junghunde – „Goldi“ und „Bo“- schauten sichtlich verstört zu. Whity ist so ein liebes Geschöpf, das ständig in unserer Nähe sein möchte und mittlerweile übermütig zum Spielen auffordert. Sie liebt Nico und umgarnt ihn ständig. (Ohne Erfolg.)

Whity (Mitte) mit ihren beiden Junghunden. Links von ihr Goldi, der wieder aufhört zu essen und eine Weile so stehenbleibt, so als ob er Schmerzen hätte.

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Trotz aller, auch unschöner Rituale und Verhaltensweisen, die die Gruppe untereinander praktiziert, bin ich der Meinung, dass sie letztendlich kein zusammengewachsenes Rudel sind. Worum die Hunde buhlten, ist in erster Linie die Zuneigung eines Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass fast alle Rudelmitglieder sich nur zu gerne uns anschließen wollen würden. Ich sehe es nicht als bloß eine Reaktion auf die Tatsache, dass ich ihre einzige Futterquelle bin. Bei vielen dieser Hunde sehe ich deutlich ein emotionales Bedürfnis, ein Bedürfnis nach körperlicher oder wenigstens nach stimmlicher Zuneigung.

Mittlerweile sind die Hunde zutraulicher und gleichzeitig auch etwas entspannter untereinander geworden. Ich möchte fast sagen, sozialer. Sie versuchen uns in der Marina zu besuchen, um wahrscheinlich ein Teil der „Familie“ zu werden. Das ist natürlich nicht möglich und nicht erlaubt. Marcel muss den bad guy mimen und sie vertreiben. Es ist aus verschiedenen Gründen besser für sie, den „heiligen“ Boden des Hotels zu meiden.

Unsere Hunde. Dieses Mal mit dem „Einauge“, einem Rüden, der ein blindes Auge hat.
Rundöhrchen (li.) hört plötzlich auf zu essen und scheint Bauchschmerzen zu haben. Dabei ist sie so fuchtbar dünn.
Sie geht an die Seite, weg von den anderen und frisst nicht mehr…

Nico ist der ganz große Liebling des Rudels – abgesehen natürlich von den Machos, die Nico gerne zeigen würden, wer hier das Sagen hat. Von den Damen wird Nico jedoch ausnahmslos umgarnt und zum Spielen aufgefordert (vergebliche Lebensmühe). Die Vermutung liegt nahe, dass die Mädels auf diese Weise sich mit uns gut stellen und Eingang in unsere Familie finden wollen.

Nico ist bei der Fütterung nur Zuschauer.

Eine fast täglich Prozession: Marcel, Joanna, Nico und sechs weitere Hunde, die keine Straßenhunde und Streuner sein wollen, sondern das, was sie genetisch auch sind: Haus- und Hofhunde. Vor allem aber Begleiter des Menschen. Leider geht das nicht und das tut manchmal in der Seele weh. Dann müssen wir uns umdrehen und den Hunden nicht in die Augen sehen.

Zuhause auf dem Steg: die Sailor-Hunde-Bande

Unsere Hilfe hat sich unter den Hunden herumgesprochen und eines Tages brachte uns eine Hündin vier kleine Welpen. Sie wollte sie unbedingt beschützen und wusste nicht wohin mit ihnen. Irgendwann hatten wir sie vor dem Marina House, später auf dem Steg unter einem umgedrehten Dinghi. Eines der kleinen Racker ist nachts ertrunken. Wir hörten seine Hilfeschreie leider nicht, aber ein Segler hat uns später davon berichtet… leider hat er ihn nicht gerettet.

Die „Mama“ bringt uns ihre Babys.
Mama, drei Babys plus der vierte im Hintergrund. Sie haben sich vom Gelände nebenan auf die Wiese vor der Marina vorgearbeitet.

Mit der gewachsenen Familie wuchsen auch die Sorgen: Marcel und Bryan von der benachbarten Yacht fuhren mit der kleinen Bande 5 Tage lang zum Tierarzt, um sie an den Tropf zu legen. Ohne unsere Intervention wären sie alle gestorben, denn sie hatten die Staupe bekommen. Sie haben es überlebt! Nun sind alle drei groß, und wie wir finden, schön geworden. Geimpft, entwurmt, gegen Flöhe behandelt – und sie suchen dringend ein gutes Zuhause! Auch die Mama ist eine tolle Hündin, die sich lieb um ihren Nachwuchs kümmert, mit ihnen spielt und ein großes Herz für Menschen hat. Doch leider wird sie von den anderen Hunden sehr gemobbt. Sie ist vor kurzem mit klaffenden, tiefen Wunden an den Hinterbeinen zurückgekommen und hat seitdem große Angst vor den anderen Hunden, die hier auf dem Gelände sind. Was wird aus unserer kleinen Familie werden, wenn wir nicht mehr hier sind? Diese Frage betrübt uns häufig sehr.

Daher möchte ich den nächsten Beitrag diesen drei Super-Rackern und ihrer Mama widmen und gleichzeitig für ihre Adoption werben. Wir werden einen Versuch mit den hiesigen Tierschutzvereinen unternehmen und hoffen, dass sie uns weiterhelfen können.

Bleiben Sie also bitte dran.

  1. Hans

    Der Lockdown ist auch eine Chance. Zumindest für die Hunde.
    Herzlichst, ebenso Weltumsegler im Lockdown und ehemaliger Hundebesitzer. Hans / TUVALU

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