Pinheira und die Ilha do Papagaio

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I Die Praia da Pinheira

Wieder zieht eine Kaltfront aus dem Süden über uns hinweg. Gute 300 Seemeilen weiter draußen, im Seegebiet Alpha, tobt ein Sturm mit Orkanstärke. Mehr als 60 Knoten Wind. Wellen bis elf Meter! Bisher haben wir hier mehr als Glück gehabt. Wir liegen in der Bucht von Pinheira mit wenig Wind, aber hoher Dünung. Das heißt, dass wir permanent durchgeschaukelt werden.

Der weiße Strand ist mehrere Kilometer lang. Für Nico genau das Richtige. Am Morgen verkaufen die Fischer ihren Fang an windschiefen, selbst gezimmerten Verkaufsständen am Strand. Was nicht verkauft wird, sondern überall am Strand herum liegt, das sind die vielen toten Schildkröten, die vermutlich in den Netzen verendet sind und dann von den Fischern zurück ins Wasser geworfen wurden.

In Pinheira sitzen wir irgendwie fest. Mit drei Schiffen liegen wir hier und warten. – Die Lop To mit Kerstin und Helmut, die Anastasia mit Frank und Sophie und wir mit der Chulugi. Kräftige Süd- und Nordwinde wechseln sich in kurzen Abständen ab. In zu kurzen Abständen. Wir finden kein Wetterfenster, um die 350 Seemeilen lange Strecke nach Rio Grande do Sul zu segeln. Dafür brauchen wir mindestens drei Tage guten Nordwind. Denn wenn die nächste Front aus Süd früher kommt, als vorhergesagt, dann bliebe uns nur, die drei Tage wieder zurück zu segeln. Die Küste bietet keine Häfen, keine Buchten. Und die nautischen Führer warnen davor, auch nur den Versuch zu starten, gegen den Südwind anzukreuzen. Mann muss das Beste daraus machen. Wir warten nicht. Wir sind einfach hier.

Frischer Fisch.

Fischerhütte am Strand.
Alt und neu.
Am Strand.
Das Anker- und Mooringfeld.
Feierabend.

 

II Wanderung über den Morro da Pinheira

Hinter Pinheira findet man sich plötzlich in einer völlig anderen Landschaft. Vom Strand aus schlendern wir zunächst durch ein paar Straßen bis die Piste in einen Fahrweg übergeht und man sich vor einem Zaundurchgang Marke Viehweide wiederfindet. Dahinter führt ein Fußweg vorbei an einigen Wohnhäusern, Scheunen, Gemüse- und Bananengärten, Viehställen mit Rindern und gackernden Hühnern. Man erklimmt den Morro da Pinheira und auf der anderen Seite erstrecken sich plötzlich saftige, grüne Weidewiesen bis hinunter an einen kleinen, steinigen Strand. Dort steht eine ebenso windschiefe Hütte wie die der Fischer. Kapitale Lettern versprechen kaltes Bier für müde Wanderer.

Leider finden wir die BAR geschlossen vor. Doch kurze Zeit später trottet ein bärtiger Mann mit allerlei Arbeitswerkzeug beladen den grüen Hang hinunter und stellt sich als der Besitzer der Bar vor. Wir kommen doch noch zu unserem Bier. Er erzählt, dass ihm die gesamten Ländereien hier gehören, die BAR, die Rinder, die überall große Haufen hinterlassen, der Zeltplatz, und außerdem ein Sardinenkutter. Bei letzterem beschränkt er sich vermutlich auf die Rolle des Patrons.

Um kurz vor eins schaut er dann auf die Uhr, streicht sich über seinen imposanten Bauch und meinte, er müsse nach Hause, da seine Frau mit dem Essen wartet. Auch wir müssen zurück zuden Schiffen, denn am Nachmittag soll der Wind auf Nord drehen. Dann müssen wir in den Norden der Bucht verholen.

 

Grüne Hügel…
…soweit der Blick schweifen kann.
BAR.
Felsen.
Kerstin im Gespräch mit dem Patron.
Schmeichelt an den Pfötchen.
Die Verursacher der großen Haufen.

 

 

III Die Ilha do Papagaio

Am östlichen Rand der Nordbucht von Pinheira liegt, nur durch einen schmalen Kanal vom Festland getrennt, die Ilha do Papagaio. Durch das Fernglas sehen wir vom Ankerplatz eine Pousada im luxuriösen Stil, mit einzelnen Pavillons, Pool, gefplegtem Garten und Hubschrauberlandeplatz. (In Sao Paulo gibt es eine App die so etwas ist, wie Uber für Hubschrauber.) Nett, denke ich mir und mache mich mit Nico auf den Weg zur Insel.

 

Am Strand empfängt mich ein Marinero, begrüßt mich und hilft mir, das Dingi auf den Strand zu ziehen. Ich frage, ob die Insel privat sei und ob wir anlanden dürfen. Ja, sagt er, es sei hier eine Privatinsel mit einer Pousada und er werde die Chefin fragen, ob ich mich hier bewegen dürfe. Ich werde zum Rezeptionsbungalow geführt und dort telefonieren zwei freundliche Damen mit der Chefin. Die steht dann auch fünf Minuten später in der Tür. Währenddessen wuselt zwischen meinen Beinen Nico umher und eine kleine, schwarze Hundedame, die es gar nicht fassen kann, dass Hundebesuch da ist. So sehen glückliche Hunde aus.

 

Normalerweise kostet ein Tagesticket für die Insel (Poolnutzung, Wanderwege, Strand, usw.) umgerechnet ca. 25€, doch wir dürfen umsonst kommen, so oft wir möchten. Renata hat übrigens, wie jeder zweite im Staat Santa Catarina, deutsche Vorfahren. Ihr Großvater hat die Insel vor Jahren gekauft. Sie spricht leider kein Deutsch, aber hervorragendes Englisch. Ich gebe meinen Namen an der Rezeption ab, so dass wir die Bar benutzen dürfen. Wir machen so zu sagen einen Deckel.

 

Am Nachmittag erkunden wir die naturbelassenen Wanderwege, die einmal um die Insel herum führen und auf die beiden kleinen Picos hinauf. Von dort oben hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Ankerbucht und den offenen Ozean. Die Vegetation ist üppig subtropisch, wie man sie in den Wäldern auf Madeira findet.

 

Hinter einem der Gästepavillons entdecken wir ein kleines Gewächshaus. Im Halbkreis stehen auf Tischen Pflanzensetzlinge, davor ein paar alte Holzstühle und auf dem Tisch in der Mitte ein großes Acrylgemälde. Gibt es hier Therapie-Seminare im Gärtnern und Malen? Oder tragen die Hobbys der Chefin zum Ambiente der Pousada bei? Wir können leider nicht mehr nachfragen, da Renata gerade zum Festland herübergebracht wurde. Nico sucht überall nach der kleinen Hündin, doch die scheint mit abgereist zu sein. Die nächsten drei Tage sind weder die Chefin noch Gäste da und wir haben, abgesehen von einem netten Marinero, die ganze Insel für uns alleine.

 

 

Man könnte denken, man sei in Thailand.
Versteckte Ferien-Domizile.
Blütenpracht.
Die zwei Hobbys der Chefin? Malen und Gärtnern.
Blick zum Ankerplatz.
Und all die Tage: Viel Wind.

 

 

3 Antworten

  1. Edmund Czapracki

    Die Ilha do Papagaio ein tolles Refugium um zu Entspannen. Herrliche Landschaft und tolle Blütenpracht.

    Ich beneide euch für euere Erlebnisse.
    Viele Grüße Edmund.