Das Museu do Mar in São Francisco do Sul

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Über São Francisco do Sul schreibt unser Reiseführer euphemistisch, es sei „ein koloniales Bilderbuchstädtchen in malerischer Lage auf einer Insel“ und zudem „ein Genuss, durch die Gassen des historischen Zentrums zu flanieren und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.“ – Bullshit. Zwar gilt São Francisco als die drittälteste Stadt des kolonisierten Brasiliens, doch das Atribut „koloniales Bilderbuchstädtchen“ mag auf die Altstadt von Parati zutreffen, auf São Francisco nicht. Das, was der Reiseführer als „Atmosphäre“ bezeichnet, ist bescheiden unspektakulär, und was den Touristen als historisches Zentrum präsentiert wird, ist gänzlich ideen- und wirkungslos. Da wundert es einen, dass im Sommer gar Kreuzfahrtschiffe in dem direkt neben der Altstadt liegenden Containerterminal anlegen, denn die drei Straßen des Zentrums hat man in einer halben Stunde gesehen. Flanieren wird hier kaum jemand.

Einen kleinen Spaziergang kann man jedoch schon machen. Es gibt eine schöne, alte Tankstelle, deren Modell man im Museu Historico der Stadt bewundern kann. Viel mehr gibt es auch dort nicht zu sehen. Wieder wird man enttäuscht – nichts über die Zeit vor der Kolonisation, nichts über die Anfänge der Stadt (bereits 1504 ging der französische Seefahrer Binot Paulmier de Gonneville hier vor Anker), lediglich ein paar Fotos und Überbleibsel aus den letzten 100 Jahren. Wie auch schon in Bahia (die verlassenen Klöster und Kirchen), Rio de Janeiro (das Museo Indio) und den alten Gefängnissen auf den Inseln (Ilha Grande und Ilha Anchieta), hat man den Eindruck, dass die meisten Brasilianer an ihrer Geschichte nicht wirklich interessiert sind. Ganz nett, naja, und auch ein schönes Modell einer alten Tankstelle.

Aber um dem Städtchen wenigstens ein wenig gerecht zu werden, sei das Museu National do Mar zu empfehlen und jedem ans Herz gelegt, den es hierhin verschlägt. Der oben erwähnte (nicht uneingeschränkt glaubwürdige) Reiseführer weiß von 286 Modellen und 80 Originalschiffen zu berichten. Wir konnten dies nicht überprüfen, da ein Großteil der Ausstellungfläche wegen Renovierungs- und Umbauarbeiten geschlossen war. Zum Beispiel konnten wir das Ruderboot nicht bewundern, in dem Amyr Klink alleine den Südatlantik überquert hat. Ja, genau der, der in Parati eine Marina betreibt und sein Expeditionsschiff Paratii II dort stationiert hat. Und der Amyr Klink, der uns in dem Geschäft mit Second-Hand-Nautikbedarf in Parati einen kleinen Anker vor der Nase weggekauft hat. Ob der nicht schon genug Anker hätte.

Das historische Zentrum.

Blick über das Museu do Mar (gelbe Gebäude) zum Containerterminal.

Ganz nett: Die kleine Markthalle am Flussufer.

Zum Gedenken an die Stadtgründung im Jahre 1504.

30er Jahre?

Die Kirche N. S. da Graça aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

Nico mag die alte Texaco-Tankstelle nicht, weil dort zwei große Hunde in den Pappkartons wohnen, die hinter der Zapfsäule an der Mauer stehen.

Auch bei dem Modell steht eine kleine Hundekiste links neben dem Gebäude.

Neben der Kirche finden wir eine Weberei mit schönen, handgefertigten Stoffen.

Fotostrecke: Möwen- und Schiffsmodelle im Museu do Mar.

Wir denken an Sol.

Ja, so sind sie, die Brasilianer.

Viele Einwanderer in der Gegend waren Wahlfänger von den Azoren.

Amyr Klink: Atlantiküberquerung mit dem Ruderboot.

Und ein Modell der Paratii, mit der die Antarktis einhand umrundet wurde.

Die Paratii II ist etwas größer geraten.

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