Kurs Azoren nach Madeira

Eingetragen bei: Madeira, Portugal, Segelroute, Subscribe | 3

Die Wetterlage schien zunächst günstig. Nachdem wir am Vortag noch unseren Kleinen beim Tierazt versorgen mussten — Nico ist beim Raufen mit einem anderen Hund rücklings die Steinschüttung der Mole hinuntergestürzt und hat sich eine tiefe Schnittwunde, die genäht werden musste und einige Abschürfungen zugezogen — lichteten wir am Donnerstag Nachmittag den Anker und setzten Kurs West — zu den Azoren, unserem Traumziel, vielmehr als die nächsten Destinationen weiter südlich. Mit leichten Winden aus Süd ging es gemächlich dem Sonnenuntergang entgegen. Das Cabo São Vicente verschwand im warmen Nebel achteraus, am Bug tauchte eine große Schule Delfine auf, die auch Nico faszinierten. Auch in den weiteren Tagen hatten wir eher zu wenig als zu viel Wind. Doch dann begann der Wind zuzulegen und drehte auf westliche Richtungen, so dass wir Kurs Nordwest setzen, um später nicht gegen den Wind wieder hinaufkreuzen zu müssen. Doch mehr als die Hälfte der Strecke nach Westen haben wir nicht geschafft. Das Tiefdruckgebiet nördlich von uns, welches wir schon seit Tagen in den Wetterdaten verfolgten, entwickelte sich zu einem Zyklon mit Windstärken bis 9bf oberhalb der Azoren. Auch der Wetterbericht für den Ostatlantik, den wir von Meteo-France bezogen, gab Sturmwarnungen für die Seegebiete um die Azoren bekannt.imageimage
Wir setzten Kurs Süd, haben fast einen ganzen Tag Kreuzkurs verloren und ließen eine Menge Recherchen und Träume zu den Azoren im Kielwasser. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellte. Denn selbst in den Ausläufern des Sturms hatten wir noch Windstärken bis 8bf, jedoch mit Halbwind unter Fock und dreifach gerefftem Groß noch gut beherrschbar, wenn auch ungemütlich und nervenaufreibend, vor allem in den Nächten.
Erst am Tag acht auf See, dem Tag der Ansteuerung von Porto Santo, der kleinen Schwesterinsel Madeiras, entspannte sich die Lage zu einem angenehmen Segeltag.
Und dann ist da noch die Geschichte mit dem großen Wäschebündel auf dem Achterschiff: Kissen, Laken, Handtücher, Decken, Hosen und T-Shirts stapelten sich dort und wurden abwechselnd von Regenwasser und überkommendem Salzwasser gewaschen. Denn der Lernvorgang bei unserem kleinen Seehund, dass man auch bei schlechtem Wetter auf jeden Fall draußen pinkelt und nicht in der Koje, auf dem Sofa oder im eigenen Hundebettchen, dauerte länger, als wir es uns vorgestellt hatten, zumal er auf dem Vorschiff bereits seine Geschäfte verrichtet hatte.
Wie sah es mit der Seekrankheit aus? Wir hatten keine. Auch im Sturm und in der Nacht war bei mir eher das Gegenteil der Fall: Segeln macht hungrig, hatten wir schon bei unseren Segelkursen gelernt. So gingen bei Nachtwachen mehrere Packunhen Schokolade, Chips und Kekse weg. Warme Mahlzeiten gab es eine bis zwei am Tag, plus Frühstück mit getoastetem. Brot. Auch der Angelerfolg ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem Tag zappelte ein bonitoähnlicher Fisch, sowie eine Makrele am Haken. Am letzten Tag allerdings zappelte sich eine etwas größere Makrele beim Anlanden vom Haken. Nächstes Mal liegt das Gaff griffbereit.
Insgesamt waren es 1.000 Seemeilen erste Erfahrung des Ozeansegelns.

P1010944.JPG

P1010913.JPG

P1010155.JPG

P1010919.JPG

Ihr könnt unseren Beitrag teilen:

3 Responses

  1. Werner Sadlowski

    Aiolos möge Euch auf allen Meeren wohlgesonnen sein. Toll, daß wir auf diese Weise „mitreisen“ dürfen. Anerkennende Grüße von Claudia und Werner

  2. Katja Hupatz

    Gratulation zur ersten Etappe! Tapfer gemeistert! Wünsche einen erholsamen Aufenthalt auf Porto Santo und Madeira und freundlichere Winde für die nächste größere Strecke. Lieben Gruß aus Köln von Katja

  3. Javier Fernández

    Hola chicos, vaya travesía!
    Ya estábamos preocupados viendo la previsión meteorológica en Azores.

    Buena suerte!

    Un abrazo.