Tag I auf Porto Santo (Madeira-Archipel)

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Lieber Thomas, danke Dir für die Aufmunterung und den Hinweis, dass Columbus auch zunächst ungeplant auf den Kanaren “strandete” bevor es dann richtig über den Atlantik ging! Ich hoffe, wir erreichen noch die Kanaren.

Unser erster Tag auf Porto Santo und in der Marina “Porto Santo” gestaltete sich zunächst so, dass wir die regen- und salzwasserdurchtränkte Wäsche, Decken, Kissen etc. auf dem wackeligen Pontonsteg, den wir ganz für uns allein hatten, ausbreiteten. Salzwasserdurchtränktes Gewebe trocknet übrigens nicht… Marcel war mit der Inspektion der Schäden am Schiff – vor allem technisch-elektronisch-elektrischer Art – beschäftigt, nachdem er uns in dem Office (in einer Baracke untergebracht) angemeldet hat, und leider erfahren musste, dass Wäschewaschen nur als Abholservice für 21, Euro (!!!) à 5 Kg Wäsche existiert. Das sind natürlich nicht die eigentlichen Sorgen der Segler, aber ‘bewegen’ einen schon mittlerweile mehr als wissenschaftliche Texte. Tragisch ist es auch, wenn der Kühlschrank ausfällt – wie bei uns. Warmes Bier, warme Cola, warmes…

Und schon hatten wir die ersten Besucher: Ekkie, der uns bereits mitten in der Nacht gehört und beim Anlegemanöver sehr geholfen hat (danke!). Ein Sachse, der zusammen mit seiner Ehefrau eine nagelneue luxuriöse Nauticat aus Finnland herüber gesegelt hat, um an der ARC teilzunehmen. Die Nachbarin aus Schweden, die Nico ganz toll findet, sagte Hallo. Dann irgendjemand einige Schiffe weiter, der auch begrüßen wollte. Schließlich noch Almuth, eine Hanseatin aus Bremen, die unseren Heimathaven Bremerhaven am Bug gelesen hat, und sich vorstellen wollte. Sie segelt mit ihrem Ehemann Edurad/Eddi, einem Schweizer, zum Überwintern auf die Kanaren. Mittlerweile liegen wir nebenan, weil hier gerade ein Tief über die Insel mit 30-35 kn fegt, und an unserem ursprünglichen Außensteg die entsprechenden seitlichen Festmachermöglichkeiten fehlen.

Marina Porto Santo und ihrer Gäste stellen einen riesengroßen Unterschied zu den Marinas und ihren Segelgästen im Mittelmeer und der Adria dar, wo es vor allem Wochenendsegler und Charterer gibt. Auch die Schiffe und ihrer Ausrüstung sehen hier ganz anders aus. Man sieht es ihnen nämlich an, dass sie für Langfahrt gerüstet sind und dauerhafter als “Wohnhäuser” dienen. Egal ob groß oder klein im Schiffsformat und Geldbeutel. Die bisher nur lesend erfahrene aber sprichwörtlich genannte Hilfsbereitschaft der Segler ist hier tatsächlich Praxis und Usus.

Die Marina selbst ist nicht besonders schön – zwei große Becken (vielleicht ehemals militärische Nutzung des marinen Areals) und eine hierzu im Vergleich kleine, in die Ecke gequetschte eigentliche Marina mit langen und sehr wackeligen Stegen und Seitenfingern. Sanitäre Anlagen sind ok, keine Laundry, wie bereits angemerkt, und ein modernes Café, das ganz schön ist bzw. sein könnte, wenn nicht der im Süden Europas offenbar obligatorische große Parkplatz direkt davor wäre. Dennoch, es ist nicht überfrachtet und “Chic” und das ist schon ganz ok so.

 

Die Kulisse ist eigentlich ganz nach meinem Geschmack, nämlich karg, rotbraun und sieht vulkanisch aus. In das kleine Städtchen braucht man ca. 20 Min oder 30 Min am Strand entlang, der direkt hinter dem Wellenbrecher nebenan beginnt und wirklich schön ist.

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Wir hatten dringend eine Erholung nötig gehabt und so ging der Tag schnell mit nur kleinen Handgriffen vorbei. Am frühen Abend machten wir uns dann am Strand entlang spazierend zu dem kleinen Örtchen auf.

Auffällig an dem Strand ist die unglaubliche Feinheit des Sandes, die natürlich kein Foto vermitteln kann. Gar keine Muscheln weit und breit, was mir seltsam vorkommt. Vielleicht ist den Muscheln hier zu warm? Denn das Wasser hier ist tatsächlich sehr warm, zumal im Vergleich zu Spanien und Festlandportugal! Sogar abends und trotz des Windes sind es noch 25 Grad Lufttemperatur und bestimmt auch genauso viel Wassertemperatur. Wir waren zum ersten Mal seit Spanien freiwillig im Wasser.

Alles in allem scheint die Insel eine echte Erholungsinsel zu sein, genau das richtige für uns.

Ein paar Impressionen von unserem abendlichen Weg zum Ort – kleine und größere Fischerhütten, die offenbar jetzt als Ferienwohnungen den Einheimischen oder auch als richtige Wohnungen dienen. An der einen Stelle wird der Sand weggespült und die niedrige Klippe abgerissen, an einer anderen Stelle türmt er sich neu auf. Vermutlich ist seine natürliche Bewegung durch die betonierte Führung der “Strandstraße” gestört.

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Zum eigentlichen Ort haben wir an diesem Abend nicht mehr geschafft, denn kurz davor entdeckten wir ein Restaurant ganz nach unserem Geschmack, dessen Fundamente uns den Weg am Strand versperrten. Leider hatten wir nur wenig Bargeld mit, so fiel das hier entgegen der scheinbaren Budenatmosphäre nicht ganz so preiswerte Abendessen etwas überschaubarer als sonst aus. Der Hund war sehr willkommen, also blieben wir.

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