Du kennst nicht Almir Tã auf der Insel Araújo? Dann wird es aber Zeit!

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Wir bekamen den ersten Tipp, und dann noch einen – zunächst von Milan, unserer “grande Instanz” in Sachen Paraty, dann von Ariane und Jens, Kunsthistorikerin und Künstler, die auf dem Weg nach Süden diese Gegend bereits passierten (und wieder Retour).

Milan sagte: Ankern vor der Insel Araújo! Günstige Camarão (Garnelen) von Fischern, schön entspannte Insel.
Ariane & Jens sagten: Ankern vor der Insel Araújo und den índigenen Künstler Almir Tã besuchen!
Dann las ich: Wunderbares Wandern auf der Insel, sehr ursprüngliche Fischerdörfer, jenseits des Tourismus.

Wir steuerten die Insel auf unserem Weg nach Paraty (schon wieder auf dem Weg nach Paraty…) an, doch wir waren etwas mitgenommen, denn just einen Tag vorher hatten wir 40 kn auf die Nase bekommen, als wir ganz ahnungslos vor der Ilha do Cedro ankerten. Der von Milan empfohlene Ankerplatz – eigentlich auch der einzige für eine Yacht mit gewissem Tiefgang – war uns zu ungemütlich-windig. Anlanden mit dem Hund gestaltete sich zudem schwierig, da überall Häuser, natürlich mit Hunden, direkt am Wasser grenzten. Kurzentschlossen fuhren wir wieder ab. Verschoben, nicht aufgehoben, sagte ich mir.

Zweiter Anlauf, nun als Tagestripp geplant. Das Wetter war absolut ruhig. Der Anker fiel in der Durchfahrt zwischen Festland und Insel auf der südlichen Seite. In Sichtweite des Fischerdorfes. Auch hier erlaubten die Untiefen der Lagune und unsere Angst es uns nicht, sich näher an die Pier des Ortes voranzutasten. Ein längerer Dinghi-Ritt war also zu absolvieren.

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Unser Ankerplatz im Süden ist bei ruhigem Wetter durchaus zu empfehlen. Der Ankerplatz, der uns auch fürs Übernachten empfohlen wurde, liegt im Norden der Insel. Die Wahlfahrtskirche, ein angeblich sehr gutes traditionelles Restaurant und des Künstlers Haus und Bibliothek samt Werkstatt und Verkaufsterrasse befinden sich im Westen der Insel. Auch dort gibt es eine Pier zum Anlanden (uns war die Dinghi-Fahrt dorthin zu lang).

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Ich gebe es zu, beim ersten und zweiten Anlauf war ich zunächst etwas enttäuscht. Auch hier muß sich seit einigen Jahren viel verändert haben. Die gesamte Süd-Ost-Flanke der Insel ist vollständig mit Villen zugebaut und dort haben wir keinen öffentlichen Weg mehr gefunden. Alles privat, Anlanden unmöglich. Auch hatte ich eine andere Vorstellung von dem, was man üblicherweise als “ursprünglich” bezeichnet. Ein “ursprüngliches Fischerdorf”, nun ja, meine Vorstellung hat imaginative Bilder von einfachen Hütten, Fischernetzen, vom salzwasser- und windgegerbten Gesichtern projiziert. Von schnicken Häusern und Villen, von Pousadas je nach Geldbeutel war jedoch kein Bild dabei. Ilha do Araújo ist dennoch verglichen mit Orten wie Paraty oder Abraão tatsächlich “ursprünglich”. Alles eine Frage des Blickwinkels. Sie ist fraglos eine sehr unaufgeregte Insel, trotz der zunehmenden Bautätigkeit.

Nach längerer Fahrt mit dem Dinghi landeten wir also an einer langen Pier an und inmitten eines – zugegeben – sehr netten Bar-Restaurants. Schlichte aber geschmackvolle Ausstattung, die mich an … nun ja, an eine holländische Nordseeinsel denken ließ. Und ein wenig an den Katalog von “Impressionen” (für Eingeweihte verständlich).

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Nichtsdestotrotz war beim zweiten oder dritten Hinsehen doch einiges ursprüngliche zu entdecken – nicht zuletzt die Armut einiger Bewohner.

Wir kamen zu Mittagszeit an und merkten, dass das Ziel unserer Reise am anderen Ende der Insel, in jenem kleinen Ort lag, der nur aus wenigen Häusern und der mächtigen Wahlfahrtskirche besteht und eigentlich dieser Bezeichnung nicht gerecht wird. Die überraschend großen Kirche leitete uns von Weitem an und wir marschierten los auf jenen Wegen, die für die Anwohner normale Verbindungen zwischen den Orten und Häusern darstellen, denn auch diese Insel hat keine Straßen. So blieb uns auch nichts anderes übrig, als hier und da hinzuschauen, wie Jugendliche ohne Tätigkeit herumlungern, Familien vor ihren Häusern – die auf dem zweiten Blick recht armselig ausgestattet sind – ihre Mahlzeiten zu sich nahmen, und was so alles auf den Tisch kam. Viel abwechslungsreiches war es nicht. Mit Vorliebe gekochtes Gemüse mit Eiern und manchmal Fisch oder etwas Fleisch oder Würstchen.

In der Paraty-Bucht ist Araújo die zweitgrößte Insel (nach Ilha Algodão). Zwei Kilometer lang und ein Kilometer breit hat die Insel zwei Hügel, die zwar kaum 200 m Höhe erreichen, hier aber in der Wirkung auf mindestens das doppelte anwächst. Eine Besonderheit der Insel, etwas das ehemals überall in der großen Bucht anzutreffen war, nun aber vom Aussterben bedroht ist, stellt die Community der Caiçaras dar. Ich habe an einer anderen Stelle unseren Blogs diese besondere Community bereits erwähnt (Saco do Mamanguá). Caiçaras sind traditionelle Fischergemeinschaften, die auf eine besondere – heutzutage geradezu biologisch-artgerechte – Art fischen und ausschließlich von dieser Tätigkeit leb(t)en. Ihre Boote sind in der Struktur, Material und Herstellung wahrscheinlich seit Jahrtausenden gleich geblieben: Einbaumboote, bunt bemalt, gut ausbalanciert und schnell. Wikipedia belehrt uns über die Etymologie des Wortes: Caiçara soll angeblich auf das indigene Wort aus der Tupi-Sprache ka’aysá oder ka’aysara zurückgehen, das eine rustikale Hecke oder Zaun aus Baumzweigen bezeichnet. Im übertragenen Sinne könnte Caiçara also so etwas wie umfriedete, abgesteckte Gemeinschaft oder die Art zu fischen bedeuten, sofern die genannte Übersetzung überhaupt zutrifft.

Einige dieser Caiçaras versuchen immer noch traditionell zu leben. Vielleicht waren es auch jene ärmlichen Familien, die wir im Vorbeigehen gesehen haben. Die meisten aus der Gemeinschaft der traditionellen Fischer und Küstenbewohner arbeiten heutzutage in den Pousadas – als Hausmeister und Mädchen-Für-Alles –, oder sie bieten Lancha-Fahrten an und verdingen sich als Taxifahrer für jene wohlhabenden Städter, die sich immer mehr der Insel bemächtigen. Die Community der Caiçaras schart sich – sicherlich auch das auf lange Geschichte zurückgehend – um die Kirche São Pedro (“Sankt Peter”) und um die Praia Pontal auf der Westseite der Insel.

Die gesamte Ostseite der Insel wurde hingegen an kaufwillige Fremde verkauft, allesamt geldschwere Städter, die von der Kultur der Caiçaras vermutlich noch nie etwas gehört haben, und (vermutlich) auch keinen gesteigerten Wert darauf legen,  Rücksichten darauf zu nehmen. Sie bauen Pousadas und Ferienhäuser, für sich selbst und für andere, die nur kurze Zeit im Jahr bewohnt werden. Sie verschließen die Areale mit Rasenflächen, die an Kunstgras erinnern, roden das Land, ziehen Zäune und lassen „Privat“-Schilder auf der Meerseite aufstellen.

Ich lese, dass diese Insel, da sie an der engsten Stelle des Kanals nur 300 Meter vom Festland entfernt ist, als erste und einzige Elektrizität besitzt (ist das immer noch so?), tatsächlich verbindet ein langes Kabel die Insel mit dem Festland, und macht den Segeljachten die Passage dazwischen unmöglich.

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Araújo hat zwei Hauptattraktionen: Die Wahlfahrtskirche im alten Ortsteil und das CamarãoFest, zu dem Tausende an Touristen und Festländer auf die Insel geschippert werden und an dem Tonnen der (wegen Überfischung) immer kleiner werdenden Garnelen verspeist werden. Darann sind sicherlich nicht die traditionellen Camarão-Fischer. Es gibt Gesetzte, die Schonzeiten der Garnelen vorschreiben, aber daran halten sich nicht die großen Garnelenfangfischer, die die Gegend um Ilha Grande, wie wir selbst gesehen haben, täglich durchpflügen. Schließlich wollen wir alle diese Delikatesse immer und immer günstig auf der Speisekarte sehen. Es liegt wie immer an uns, dass sich etwas zum Guten ändert.

Die Kirche São Pedro ist dem Heiligen der Fischer und Seefahrer, dem Hüter des Wetters, dem heiligen Petrus geweiht. Hierhin findet jedes Jahr im Juni eine Schiffsprozession statt, an der hunderte von feierlich geschmückten Fischerbooten, begleitet von genauso vielen Lanchas (kleine Schnellboote), teilnehmen sollen. Ich shreibe „sollen“, denn tatsächlich geht diese Tradition verloren, unabhängig davon, wie sehr die Reiseführer es anpreisen. Das Hauptboot der Prozession, ein großer Schoner, führt eine Figur des Heiligen Petrus mit sich, und ist traditionell mit Blumen und kleinen Flaggen in Blau und Weiß dekoriert (bei uns waren es jedoch rot-grün-blaue, große Fahnen; so ändern sich die Zeiten). Ihm folgen gleicherweise dekorierte Begleitboote, es wird Musik gemacht und sehr viel – natürlich, wir sind schließlich in Brasilien – mit Feuerwerkskörpern geknallt. Wir haben dieses Schauspiel an alter Fischertradition von unserem Ankerplatz vor dem Pier von Paraty aus beobachtet, wo die Schiffsprozession ihren Ausgang nimmt. Wegen der Angst, die Nico vor Feuerwerkskörpern hat, haben wir auf das Begleiten der Prozession verzichtet. Vielleicht nur an die zehn Boote nahmen an der Prozession teil.

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Das Fest des São Pedro wird vor der Kirche mit einem Festessen, Tanz, traditioneller Musik und Liedern der Caiçaras begangen. Es hängt zeitlich – und wahrscheinlich auch historisch – eng zusammen mit dem Fest der Camarãos, das gleichfalls vor der Kirche stattfindet. Es beginnt in der Novene des Festes des São Pedro und feiert das Ende der Camarão-Schonzeit, in der die Tiere nicht gefangen werden dürfen, um den Bestand (und die Größe) der Garnelen zu garantieren. Diese sinnvolle Maßnahme ist den Menschen schon früh in den Sinn gekommen.

Auf dem Fest werden traditionelle Spezialitäten zubereitet, die – Gott weiß warum – von den Speisezetteln der hunderten Restaurants von Paraty und Umgebung verschwunden sind. Dazu gehören jene Leckerbissen der Fischerküche wie “camarão casadinho” (große Garnelen gefüllt mit zerkleinerten kleinen Garnelen) und “bobó de camarão” (Garnelen-Sautéed in grüner Kokosmilchsauce, gemixt mit Cassava, Ingwer, trockenen Garnelen und Palmöl).

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Selbstverständlich kann man auf der Insel auch wandern. Wer Portugiesisch kann, ist klar im Vorteil auf Araújo, denn dann kann er oder sie sich von einem echten Caiçara führen lassen, Höhlen, Mühlen oder andere Insiderplätze entdecken und dabei alles über Pflanzen und ihre Verwendung aber auch über den “caiçara way of life” aus erster Hand erfahren.

Die Insel versteckt ein paar interessante Tocas (Höhlen), von denen die größte die Toca da Tapera ist. Sie liegt in der Nähe des gleichnamigen Strandes und zeichnet sich durch einige große Innenräume aus, in denen man Knochen und Gerätschaften, auch Muschelhaufen, die sogenannten “Sambaqui”, vorfand, was auf eine frühe indigene Kultur und möglicherweise auf sakrale Praktiken hindeutet (Muschelhaufen alleine können bloß Orte des Zusammentreffens gewesen sein, die auf bestimmte Lebenspraktiken hindeuten, erst wenn andere Funde hinzukommen, kann man von bspw. Beerdigungsritualen sprechen). Archäologische Untersuchungen wären auf der Insel von Nöten, doch die Offiziellen haben daran kein Interesse. Wo bspw. all diese Zufallsfunde landen, ist mir nicht bekannt. Es läßt schlimmes befürchten, wenn man sieht, wie schlecht bestückt die hiesigen ethnographischen Museen sind. Andere Tocas, wenn auch kleiner, so nicht minder interessant, sind die sogenannte “Toca dos Ossos”, die Knochen-Höhle, und die “Toca das Andorinhas”, die Schwalben-Höhle.

Interessant ist, von Frau America Carolina da Silva, einer alten Insulanerin, zu erfahren, dass die Insel ehemals Dom João Araújo und seiner Familie gehörte. Sie verließen die Insel und gaben sie schließlich gänzlich auf, nachdem sich eines Tages eine seltsame Explosion in der oberen Region der Insel ereignete. Was hat sich damals eauf der Insel tatsächlich ereignet? Die späteren Siedler der Insel begründeten die Community der Fischer, so wie sie heute in Resten noch traditionell gepflegt wird. Sie besteht heute aus ca. 300 Personen.

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Die eigentliche, man könnte sagen: die heimliche Hauptattraktion der Insel und eine lokale Prominenz ist aber der Künstler Almir Tã, Fischer, Inselführer, Schriftsteller, Sammler, Maler und Holzschnitzer vom Beruf. Bei den Einheimischen ist er nicht unbedingt für seine überaus schönen, einfachen Schnitzwerke bekannt oder geschätzt, sondern vielmehr wegen seines Engagements für den Erhalt der Ursprünglichkeit (da haben wir wieder das Wort) der Region und der Kultur der Caiçaras. Als Vorstand der Vereinigung konnte er auf diese verlorengehende Kultur 2012 in Paraty einen größeren Kreis an kulturinteressierten Brasilianern aufmerksam machen und sein Engagement gegen den Ausverkauf der Insel, gegen den ungebremsten Tourismus, die großen Fangflotten, gegen die Ausbeutung der Natur und die Privatisierung der Küsten bekräftigen.

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Von einen Selbstverständnis her ist er zunächst Fischer, “ser Caiçara” verkündet eine Informationstafel auf seiner Veranda, die gleichzeitig auch sein Verkaufsraum und eine kleine Bibliothek ist.

Almir Tã ist ca. 60 Jahre alt, auf der Insel Araújo geboren, wo er seitdem ohne Unterbrechung lebt. Seine indigene Herkunft ist seiner Physiognomie abzulesen. Ich frage mich, ob diese Tatsache ihn prädestiniert, hellsichtig gegen die Zerstörung von Kultur und Natur anzugehen, sich den Ausverkauf der Insel(-n) nicht schönzureden. Gleichzeitig ist er einer der seltenen Individuen, die einen Gemeinschaftssinn unter Beweis stellen, indem er unentgeltlich etwas schafft, was allen zugute kommen soll. Ist es Zufall, dass es gerade ein Índio tut? Tã wird zu dem Stamm der Guaianá gezählt, doch was heißt das schon angesichts der Tatsache, dass die Portugiesen (und nun auch die Brasilianer) die Índio-Ethnien falsch zuordneten. Vielleicht weisen seine Gene auf die Tupi-Indianer hin, den alten Stamme dieser Region, jener Ethnie, die die Weißen erbarmungslos mordeten bis sie als ausgerottet galt. Vielleicht ist er aber auch ein Tupiniquin-Índio, die den ausgerotteten Tupi-Indianern nachfolgten und fälschlicherweise als Guaianá bezeichnet werden (siehe dazu meine Einleitung zum Paraty-Artikel).

Zunächst begründete Tã eine Art “Bücherei” in seinem Haus: “Es begann als ich eine Kiste mit 15 Büchern im Müll fand und entschied damit eine Bücherei in meinem Haus, für alle Insulaner offen zugänglich, zu organisieren”, erinnert sich Tã.

Die Sammlung wuchs und wuchs, und schließlich wurde sie vom Ministerium für Kultur in eine “Biblioteca y Centro Culturale” offiziell umgewandelt. Sie soll ca. dreitausend Bücher beherbergen, die wir leider nicht einsehen konnten. Die Biblioteca war geschlossen. Nur schlechtes timing? So blieb uns nichts weiter zu tun, als das schlichte Schild von Almir Tã zu betrachten und die schöne, friedliche Atmosphäre der alten Fischersiedlung an der westlichen Spitze der Insel zu genießen.

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Vielleicht ist es Dona America da Silva, die hier friedlich in der Sonne schlummert? Wir wollten sie nicht wecken.

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Das traditionelle Fischerhaus (bereits modernisiert) von Almir Ta, das ihm gleichzeitig als Atelier dient. Es ist als “Projeto Robalo” ausgewiesen.

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Wir schauen uns ein in die Kunst des “Pescador”. Es gibt so vieles Wunderbares im Kleinen zu entdecken.

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Das Internationale Literaturfestival von Paraty, genannt FLIP, von dem ich bereits begeistert berichtet habe (unter: „das schönste Literaturfestival der Welt„), hat Tã bekannt gemacht, als er 2012 dort sein Buch “Cultura Caiçara” vorstellen konnte. Autor und Illustrator zugleich, diskutiert er darin die ‘Zutaten’, aus denen sich diese spezielle Gemeinschaft aus Fischern zusammensetzt – die Art zu fischen, den Bau der traditionellen Kanus, der speziellen Paddeln und der Fischernetze der Caiçaras. Darüber hinaus versammelt das Buch Geschichten und Legenden aus der Region und natürlich auch die Meerestier- und Fischrezepte der typischen Gerichte der Caiçaras: “An meinem Tisch ist es unmöglich keine Krabbenpasteten oder gebratenen Fisch zu bekommen”, sagt Tã, der gleichzeitig ein begeisterter Koch ist.

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Das Kanu, das man in der Region um Paraty und Ilha Grande noch häufig zu sehen bekommt, ist laut Tã das “ultimative Symbol” dieser vom Ausverkauf, Motorisierung und Tourismus bedrohten Kultur: “Neben dem essenziellen Transport, insbesondere für jene, die auf den Inseln leben, ist das Kanu das perfekteste Verbindung zwischen dem Fischer und Fischen. Das Kanu ist für die Caiçaras wie die Untergrundbahn für die Arbeiter in den Großstädten”, erläutert Almir Tã. Um die Kinder von Araújo mit den Kanus als Symbole der Kultur – ihrer ursprünglichen Kultur – vertraut zu machen und sie damit auch für die Schönheit der eigenen Kultur zu gewinnen, hat Almir Miniaturkanus geschnitzt und an die Kinder verschenkt.

Was passiert aber, wenn es einen Almir Tã nicht mehr gibt? Wer wird diese Tradition weitergeben?… Unter den Jugendlichen, die heute so untätig herumlungerten, findet sich hoffentlich jemand, der es sich anders überlegt und aus der Lethargie aufwacht.

Ein langer Artikel, der sowohl über die Fischergemeinschaft als auch über Almir Tã handelt, beleuchtet sowohl das Engagement des vielseitigen Fischers, als auch (wenn auch nur stichwortartig) die Probleme, mit denen er als der sogenannte “Hüter oder Säule“ der Kultur sich zu kämpfen hat. Tã äußert sich darin kritisch über das Desinteresse der Regierungs- und Verwaltungsstellen am Erhalt der alten Traditionen, über die mangelhafte Bildung der Menschen, über die nicht wahrgenommenen Angebote, die Tã den Kulturorganen und Schulen macht; hier nachzulesen (nur auf Portugiesisch, automatische Übersetzung mit Google-Translator möglich, aber schlecht): Almir Ta – um guardiao da cultura caicara.

Das Video ist mit englischen Untertiteln versehen!

Ohne Untertitel. Wunderbare Melodie des Brasilianisch-Portugiesisch. Almir Tã im Original. So haben wir ihn erlebt.

Wir haben sehr bedauert, dass wir des Portugiesischen nicht in dem Maße mächtig sind, um ein tiefergehendes Gespräch mit Almir Tã zu führen, wie gern hätten wir alles erfahren. So aber haben wir tüchtig schöne Dinge gekauft und uns zudem auch noch beschenken lassen: zwei Kakao-Nüsse, deren ‘Körner’ man einfach so essen kann, versicherte uns der freundliche Caiçara. Wir wünschen ihm und seiner Kultur der Fischer ein langes Leben.

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Zum Schluss gab es ein traditionelles Essen in der Bar mit dem zurückhaltenden Chick von „Impressionen“. Wir waren sehr begeistert von unserem unaufgeregten Ausflug. Es lohne, noch einen zweiten Tag hier zu bleiben.