Ilha do Cedro – Auf einen Astronauta bei Nelson

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Wir verlassen die Ilha Grande in nordwestliche Richtung mit Kurs Ilha do Cedro. In der tief eingeschnittenen Bucht von Provetá lagen wir noch mit schwachem Wind und leichter Dünung, doch auf dem offenen Ozean sah man bereits die ersten Anzeichen aufkommenden Seegangs. Der Wetterbericht versprach leichte Winde um die 10 Knoten aus SSW, was einen angenehmen Segeltag erwarten ließ. Doch Pustekuchen – Schon nach einigen Meilen bließ der Wind mit über 30 Knoten und wir hatten Mühe, den zuvor gesezten Klüver wieder einzurollen. Nur mit Großsegel brausten wir nun mit fast 8 Knoten nach NW, während der Wind Meile für Meile wieder abnahm, dann auf Nord drehte und zuletzt soweit eingeschlafen war, dass wir wieder unter Motor fahren mussten.

Auf der Ilha do Cedro – Blick zur Festlandküste.

 

Hinter der Zederninsel (wer weiß, ob es hier einmal Zedern gab) ankern wir bei 3-4m Wassertiefe auf feinstem Sand vor einem kleinen Strand mit zwei Bars. Wir hatten den Tipp von Armin von der SY Lechaim bekommen und ein User-Eintrag in unser elektronischen Seekarte empfielt in Nelson’s Bar einen Astronauta zu bestellen. Gesagt, getan. Rote Plastikstühle und Tische stehen bis zur Hochwasserlinie im Sand unter schattenspendenden Laubbäumen. (Keine Kokospalmen. Immer erst nach oben gucken, bevor man sich am Strand irgendwo hinsetzt!) Die Getränkekarte preist den Hauscocktail mit Geld zurück Garantie an. Man kann also nichts falsch machen. Nach einiger Zeit kommt die immer gut gelaunte Kellnerin mit zwei ausreichend dimensionierten Einmachgläsern, randvoll gefüllt mit einer Limetten-Maracuja-Cachaça-Mischung zum Tisch zurück. Der Austronauta ist auf jeden Fall sein Geld wert. Dazu ein Schälchen frittierte Minikrabben, die mit allem Darum und Dran verspeist werden müssen. Und weil sie so schwer im Magen liegen, noch einen Astronauta. Joanna meinte, da wäre nicht genug Alkohol drin, musste aber ihre Meinung nach dem zweiten Glas revidieren. Sie vermutete, dass die Cachaça-Vorräte knapp waren und der Patron deshalb zwischen der ersten und der zweiten Runde mit fünf leeren Korbflaschen zur Destille auf der gegenüberliegenden Festlandseite brauste, und kurze Zeit später mit vollen Flaschen zurück war. Im dunklen Inneren der Bar gibt es außerdem eine Biblioteca Nautica, ein kleines Regal mit Marinaführern, Zeitschriften und Reiseberichten. Leider alles auf Portugiesisch. Wir leihen uns ein Kochbuch mit bordtauglichen Rezepten, aus dem wir einige Seiten einscannen und legen ein paar deutschsprachige Zeitschriften dazu.

 

Der Hauscocktail Astronauta. Auch das Fischerboot des Patrons ist danach benannt (oder umgekehrt) 

 

Biblioteca Nautica.

 

Abendstimmung.

 

Nachschub holen.

 

Am nächsten Morgen erkunden wir den östlichen Zipfel der Insel. Es steht dort etwas von der Insel insoliert eine Ansammlung von Häusern auf einem von fast allen Seiten umspülten Fels, der bei Niedrigwasser durch eine Sandbank mit der Hauptinsel verbunden scheint. Ich sage scheint, denn die Perspektiven spielen uns einen Streich, je nachdem von welcher Seite man sich nähert, ob man im Dingi sitzt, oder auf dem Vordeck des Schiffes steht. Auch die Seekarten sind fort sehr ungenau. Davor eine Aguafarm, an dessen Stellnetzen ein Taucher arbeitet. In der kleinen Lagune dümpeln zwei oder drei bunte Fischerböötchen (ein Wort mit zwei aufeinanderfolgenden ö), und in zwei offenen Barkassen fahren zwei Männer mal hier und mal dorthin, ohne dass man erkennen kann, was die beiden eigentlich machen.

 

Das Inselchen mit der Aguafarm.

 

Im Gespräch mit dem Algenfarmer.

 

Auf der Sandbank wird Nico zur Begrüßung von einer unfreundlichen Katze mit qupiertem Schwanz angegriffen, gefährliche Hunde scheint es nicht zu geben. Die Häuser sind in erbärmlichen Zustand. Eine Schande für eine solch schöne Anlage, aus der man sicher einiges machen könnte. 

Einer der Männer wird von dem Taucher heran gewunken, kommt herüber, schiebt dann seine Barkasse auf die Sandbank und verschwindet in einem der Häuser, um kurze Zeit später mit Arbeitswerkzeug (Hammer) zurückzukehren. Wir fragen, ob hier Gambas oder Muscheln gezüchtet werden. Der Mann verneint und zeigt uns eines der vermeintlichen Stellnetze, das er gerade zur Reparatur aus dem Wasser gezogen hat. Er greift hinein und holt eine Handvoll Algen heraus. Die röhrenartig verzweigten Gewächse sind grün oder hellbraun und etwa so dick wie ein Essstäbchen. Die Algen werden zu Pulver verarbeitet, können aber auch roh verzehrt werden. Wir bekommen einen Zweig mit dem Hinweis geschenkt, dass die Algen sehr schnell wachsen. In einem Netz über Bord gehängt probieren wir das nun aus.

Die Abende sind warm und ruhig und die Kulisse der bewaldeten Bergkette entlang der Festlandküste ist hier fast schöner, als auf der Ilha Grande. Doch eine Überraschung erleben wir in der zweiten Nacht, als eine in unseren Wetterberichten unangekündigte Südfront über uns hinwegfegt. Und das ist keinesfalls untertrieben. Aus dem Nichts baut sich innerhalb einer halben Stunde – wir waren gerade zu Bett gegangen und krabbelten wieder aus der Koje, als der Windgenerators zu heulen anfing – ein Wind von fast 40 Knoten auf. Die Wellen werden entlang der Insel geschoben und heben und senken den Bug bedrohlich auf und ab. Wir hatten auf Grund der geringen Wassertiefe nur 20m Kette gesteckt. Kurzzeitig nimmt der Wind auf 20 Knoten ab. Ich nutze die Pause, um weitere 15m Kette zu stecken. Dann heult es wieder los und der Windmesser zeigt 38 Knoten – Windstärke 8. Das ganze Spektakel dauert gute zwei bis drei Stunden, danach nehmen Wind und Welle kontinuierlich ab. Wir können uns wieder in die Koje legen. Am nächsten Morgen fast Windstille. Als ob nichts gewesen wäre. Wir werden zukünftig einen täglichen Blick in die Wetterwarnungen der Brasilianischen Marine werfen. Dort war eine Starkwindwarnung für unser Seegebiet herausgegeben worden.

Kitschiger Sonnenuntergang (aber so schön).

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One Response

  1. Werner Kürten

    Euch weiterhin alles erdenkbar Gute.

    Claudia und ich werden auf Grund der hier herrschenden großen Hitze einern ( evtl. einen Zweiten?? ) Caipirinha auf Euer Wohl trinken.
    Hmmm, echt lecker …