Alles schön klebrig. So viele Jackfrüchte wie man tragen kann.

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In den dichten Wäldern der Ilha Grande findet man mehr oder weniger gut erreichbar viele Leckereien: Kokosnüsse, Bananen, Zitrusfrüchte, Papayas, Mangos, Brotfrüchte und auch jaca – die Jackfrucht. Der Name stammt vom Malayalam Wort chakka ab, das wiederum vom Sanskrit wort chakrarund abgeleitet ist.
Jackfrüchte am Baum.
Am besten spart man sich das Ernten der Jackfrucht für den Rückweg der Wanderung auf, denn die bis zu 100cm langen Sammelfrüchte können mehr als 10kg schwer werden. (Nur Kürbisse können noch größer werden, wachsen aber bekanntlich nicht an Bäumen.) Ich habe mir angewöhnt, bei einem Streifzug durch den Wald immer eine Machete dabei zu haben, denn schon des öfteren mussten wir volle Bananenstauden am Wegesrand zurück lassen, da wir sie nicht schlagen konnten. Man kann sich außerdem aus den meterlangen Bambusröhren praktische Erntehilfen basteln. Hat man statt einer Machete nur seinen Leatherman dabei, kann man mit der doppelt gezähnten Säge den Bambus ganz leicht unten abtrennen. Dauert nur etwas länger.
So viele Jackfrüchte wie man tragen kann.
Auf dem Rückweg zum Schiff trenne ich also eine Jackfrucht vom Baum. Meistens wachsen die Früchte in schwindelerregenden Höhen oder die Bäume stehen in dichtem, unzugänglichen Wald. Mein Jackfruchtbaum stand direkt neben dem Wanderweg und die Frucht hang nur etwas über Kopfhöhe am Stamm. Ich rate außer zur Bewaffnung mit Machete oder Leatherman außerdem zu alter Wander- oder Arbeitskleidung. Denn hat man die Frucht vom Baum geschnitten, sondert sie ein klebrig milchiges Sekret ab, mit dem man bei der weiteren Verarbeitung immer wieder zu kämpfen hat. Die Flüssigkeit trocknet schnell an und ist nicht oder nur schwer wasserlöslich. Mit Fett, zum Beispiel Sonnenblumenöl, kann man seine Hände wieder sauber bekommen. Straßenhändler in Afrika bieten ihren Kunden Kerosin zur Reinigung der Hände an. Dies lehne ich jedoch aus gesundheitlichen Gründen ab. Was zum Betanken von Flugzeugen verwendet wird, sollte nicht zum Waschen der Hände benutzt werden.
Ich schleppe die kiloschwere Frucht zum Strand und lade sie ins Dingi. Auf dem Schiff lassen wir sie noch ein paar Tage nachreifen. Die zuvor und in unreifem Zustand grüne, noppige Schale wird dann gelblicher und lässt sich ein wenig eindrücken. Die Schnittstelle hat sich mit dem Sekret selber verschlossen und suppt nicht mehr nach. Nach gut einer Woche verladen wir den Brocken wieder ins Dingi und fahren zum Strand. Wir dachten, es wäre besser, die klebrige Angelegenheit am Strand zu erledigen, doch außer den Händen und dem Arbeitsgerät klebt natürlich auch Sand, Gras, Algen und Dreck besonders gut und dauerhaft.
Das Zerlegen der Jackfrucht ist eine Geduldsarbeit. In meinen Fingern eine der vielen Fruchttaschen mit Kern.
Man zerteilt die Frucht der Länge nach in Viertel und schneidet den holzigen Strang heraus. Dann kann man mit einem kleinen Messer noch etwas nachhelfen und das Fruchtfleisch von der Schale lösen. Das Fruchtfleisch hängt zwischen weißen Fäden, die man mit den klebrigen Händen davon ablösen muss. Am besten arbeitet man kontinuierlich, denn wenn man aus Ungeduld inne hält, beginnt der Saft sofort anzudicken und es klebt noch mehr. Also fleißig die Fruchtfleischtaschen von den Fäden befreien und den weißen Kern herauspulen und diesen ebenfalls aufbewahren. Denn die Kerne schmecken, 15 Minuten in Salzwasser gekocht, wie Maronen! Siehe unten. Das Fruchtfleisch selber kann man einfach roh als Obst essen. Es ist süß und erinnert an Ananas und Vanille. Es kann auch getrocknet werden und findet unreif gekocht im Curry Verwendung.
Das Holz liefert übrigens den orangegelben Farbstoff mit dem traditionell die Kleider der buddhistischen Mönche gefärbt wurden. Es wird zudem zu Möbeln und Musikinstrumenten verarbeitet.
Auf der Machete sieht man das klebrige Sekret und die weißen Streifen, die vom Fruchtfleisch gelöst werden. Auch Zeitungspapier nützt nicht viel.

 

 

Geschafft: Ein Töpfchen voller Kerne und etwa die doppelte Menge Fruchtfleisch.

Die herausgepulten Kerne – roh…


…und gekocht.


Resteessen: Rindfleischstreifen und Jackfruchtkerne in Sahnesauce auf Erbsenrisotto.

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  1. Tobias

    „Ich habe mir angewöhnt, bei einem Streifzug durch den Wald immer eine Machete dabei zu haben“

    Das sind die Abenteuersätze dich ich lesen möchte, im zu 100% kultivierten NRW, wenn ihr wieder zurück seit solltest du dir das aber wieder abgewöhnen :-)