Zur Praia Lopes Mendes

Eingetragen bei: An Land, Brasilien, Segelroute, Subscribe | 0

Von dem versteckten Strand etwas abseits der viel besuchten Praia dos Mangues verlaufen zwei Wege am Ufer entlang. Der westliche Weg führt an einem Haus vorbei, das durch einen großen Schäferhund an langer Kette bewacht wird. Dahinter steht ein riesiger Mangobaum, Bananenstauden und einige Jackfruchtbäume. Dann verschwindet der Weg plötzlich im Dickicht, so als ob hier nie ein Wanderweg existiert hätte. Das Schild mit dem Hinweis T12 Pouso – Farol de Castelhanos lag am Einstieg des Weges im Unterholz.

 

Blick vom Ankerplatz zum Festland.

 

Der östliche Weg führt ein wenig den Hang hinauf durch den Wald. Es sieht so aus, als wäre er noch vor wenigen Wochen neu geschlagen worden. Dann endet er an den Klippen. Eigentlich sollte er uns zur Praia dos Mangues bringen. Auf den glatten Steinen steht ein Angler mit Handleine. Er gibt uns zu verstehen, dass der Weg zum Leuchtturm weiter oberhalb des Strandes verläuft; die staubige Piste hinauf und dann zur Linken. Zurück am Strand begegnen wir einem älteren Herrn mit seinem Enkel. Auch er weist auf die Piste hinter einem Schild mit der Aufschrift Fazenda Particular, privates Gehöft.

 

So etwas wie eine Straße.

 

Offiziell sollte es auf der Ilha Grande keine Autos geben. Hier jedoch steht ein älterer, offener Geländewagen, ein Squat und später noch ein größerer, geschlossener Jeep. Wir gehen die Piste hinauf, vorbei an zwei weiteren Häusern, wo den ganzen Tag ein Generator tuckert und vorbei an weiteren zwei Schäferhunden, die offensichtlich nicht nur spielen wollen. Zwischen Bananenstauden steht die lebensgroße Figur einer Ballettänzerin auf einem Sockel im Wald und an einer Abzweigung sind zwei grün lackierte Fahrräder an einen Baum gelehnt (Tarnfarben?). Wir nehmen den Weg zur linken und hinter einem Tor finden wir zwei handgemalte Schilder mit den Hinweisen zum Farol und zur Praia dos Mangues.

Die offiziellen Wanderwege hat man wohl bewusst wieder dem Wald überlassen, so dass sie nicht mehr zugänglich sind. An den Straßen stehen die Tore offen. Das sieht irgendwie privat aus. Vermutlich gehen hier wenige Fremde durch. Dann werden außerhalb des vermeintlich privaten Bereichs neue Verbindungswege angelegt. Die Strände sind für alle frei zugänglich und dürfen daher nicht abgesperrt werden. Und wir vermuten, dass sich auch die Straßen nicht wirklich in Privatbesitz befinden.

Nach einer halben Stunde Fußmarsch erreicht man die Atlantikseite der Insel. Schon seit einiger Zeit hört man die Brandung bedrohlich grollen. Für den heutigen Tag sind mehr als drei Meter Welle angesagt und auf die Vorhersage kann man immer noch gut zehn bis zwanzig Prozent drauf rechnen. Kurz vor der Praia Lopes Mendes steht eine verfallene Kapelle mit einigen Müllsäcken vor dem Eingang. Von dort führt ein Sandweg durch die Dünen zum Strand. Meterhohe Wellen rauschen heran, brechen und schieben sich den Strand hinauf. Es ist Hochwasser und die Brandungslinie reicht bis zu den Dünen. Manche Wellen schieben sich noch weiter hinauf unter die Kokospalmen und lassen Berge von Plastikmüll zurück: Flip-Flops, Fischernetze, Flaschen, Becher, Tüten und vieles mehr.

 

Verfallene Kapelle und Müll.
Ein Blick durchs Schlüsselloch.
Lopes Mendes nach dem Sturm.

 

Es riecht unangenehm. Wir stapfen durch Schwemmholz und Müll den Strand entlang. Weiter hinten liegt eine riesige, verrostete Tonne und davor hockt auf einem Wal- oder Delfinkadaver ein Aasvogel. Die Wellen drehen und wenden das tote Tier immer wieder. Der Vogel springt jedes Mal auf, dreht eine Runde und landet zur nächsten Malzeit. Der Geruch ist unerträglich. Wir atmen durch den Mund und versuchen den Brechreiz zu unterdrücken. Ich habe gelernt: Die Fluchtrichtung ist quer zur Windrichtung. Also weiter den Strand entlang. Ganz am Ende treffen wir einen älteren Herrn, der in einem Plastiksack vom Wind heruntergefallene Kokosnüsse sammelt. Er hat eine wuschelige Hündin mit einem dunklen und einem blauen Auge dabei. Wir schließen uns an und sammeln auch ein paar Nüsse. Ein aufgeschnittener blauer Kanister mit eingespleistem Henkel aus gedrehtem Seil, den wir zwischen dem Treibgut finden, dient uns als Tragebehältnis.

 

Nico, Treibholz und Delfinkadaver.
Größeres Treibgut.
Die bunten Plastikschwimmer der Fischernetze liegen zwischen dem Treibholz wie Ostereier.

 

Der Rückweg mit fünf großen Kokosnüssen und drei bunten Plastikschwimmern ist mühselig. Durch den Henkel haben wir eine Bambusstange gesteckt. Jeder trägt an einem Ende. In der anderen Hand habe ich Nico an der Leine, da er an diesem Tag beschlossen hatte, den kleinen Äffchen nachzujagen. Ein erfolgloses Unterfangen, das nur mit Schrammen aus dem Unterholz endet. Außerdem warnen uns Schilder vor Krokodilen. Und was ist mit sonstigen Gefahren für Hunde: Spinnen, Schlangen, Affen, usw. Deutsche Schäferhunde nicht zu vergessen. Zurück am Strand mahnt uns jemand, dass wir den Weg nicht mit dem Hund gehen sollten, der gefährlichen Schäferhunde wegen. Auch eine Art die öffentlichen Wanderwege zu privatisieren.

Zwei Herren mit ihren Hunden.

 

Die Beute.

Rückweg zur anderen Seite der Insel.