Wo sind die Madres von der Plaza de Mayo?

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Wer kennt sie nicht – oder sollte ich lieber fragen: Wer kennt sie, die Madres de Plaza de Mayo?

30. April 1977 versammelten sie sich zum ersten Mal. Ich weiß nicht, waren es viele, oder nur eine Handvoll Mütter, die nach ihren Kindern fragten. Wo sind die Töchter und wo die Söhne geblieben, die die Polizei geholt hat? Keiner hat ihnen die Frage beantworten wollen. So versammelten sie sich vor dem Präsidentenpalast auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires. Mit Transparente und Fotos ihrer vermissten Kinder. Desaparecidos nannte man die vielen “Verschwundenen”, die die argentinische Militärdiktatur der Jahre 1976-1983 zu verantworten hat. Offiziell gab die spätere Regierung 30.000 zu, die ‘verschwunden’ sind. Verhaftet, gefoltert, ermordet – und am Ende aus den Flugzeugen über dem Rio de la Plata und dem Meer abgeworfen.
Die Menschenrechtsorganisationen gehen von einer weitaus höheren Zahl von 50.000 Toten, 400.000 Gefangenen.

Da die Junta eine stehende Versammlung verboten hatte, umrundeten die Frauen stumm, ihre Foto-Transparente hochhaltend, den Obelisken im Zentrum des Platzes de Mayo.

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Foto gefunden im Internet. 1982, Photograph: Eduardo Longoni (Quelle: propuesta77.blogspot.com.br)

Sie kamen jeden Donnerstag, sie trugen weiße Kopftücher, die zu ihrem Erkennungszeichen und Symbol für den “stummen Kampf” wurden. Einige von ihnen lebten gefährlich, anderer zahlten für diese Unverschämtheit mit ihrem Leben, wie die erste Vorsitzende Azucena Villaflor.

Mut gehörte ganz sicher dazu, sich an das Machtzentrum der Stadt zu begeben und dort der Militärjunta ein Spiegel vorzuhalten. Und es ist unglaublich, aber die Madres blieben die einzigen Menschen, die gegen die Diktatur öffentlich protestierten.

 

Nach der Junta ist vor der Junta – zumindest in Argentinien. Wer es nicht weiß, wird es kaum für möglich halten, dass die Funktionäre der Militärdiktatur auch nach ihrer Ära weiterhin die Fäden in der Hand behielten. Sie erwirkten Amnestiegesetze und globale Gnadenerlasse, das sogenannte “Schlußpunktgesetz” und das “Gesetz über die Gehorsamspflicht”, nach denen keine Aufarbeitung der Gräueltaten und keine strafrechtliche Verfolgung der Täter geben sollte. Vergessen und vergeben. Und kein Argentinier von Rang und Namen widersprach.

 

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Die Abuelas – die Großmütter – mit ihren ‘verschwundenen’ Enkeln. Foto gefunden im Internet. (Quelle: Periódico del bien común)

 

Erst in der Regierungszeit des Präsidenten Néstor Kirchner – und das war bereits 2003-2007 – wurden diese Gesetze durch das argentinische Verfassungsgericht für völkerrechtswidrig und damit für aufgehoben erklärt. Spät, sehr viel später und eigentlich zu spät, kam der Ball ins Rollen, denn da waren die Täter der argentinischen Diktatur bereits beinahe zehn Jahre geschützt gewesen. Häufig genug verloren sie nicht einmal ihre Machtpositionen.

Doch, was soll man sagen, in Argentinien genauso wie in der NS-Diktatur in Deutschland, es braucht auch ein passendes Volk, die eine Regierung auf Dauer möglich macht. Man möge es mir verzeihen, wenn ich aus Unkenntnis es falsch sehen sollte, aber in meinen Augen tragen die Argentinier es weiterhin mit, dass die Aufklärung ihrer grauenhaften Geschichte nicht voranschreitet.

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10.06.2017: Angela Merkel im Gespräch mit Vera Jarach, einer der “Abuelas” und eine italienische Jüdin, die vor dem Holocaust 1939 nach Argentinien geflohen ist. Auf dem Foto ist nicht zu erkennen, dass sie ein Schild mit der Aufschrift “Son 30.000”, das wörtlich heißt: “Es sind 30.000”, trägt. Es bezieht sich auf die offiziell deklarierte Zahl der “Verschwundenen”. Besondere Brisanz, die im Gespräch von der “Abuela” angesprochen wurde, hat die Leugnung dieser Zahl seitens einiger Politiker der Regierung von Mauricio Macri. Diese Leugnung, so absurd sie auch ist, kennen wir aus Deutschland. Sie betreffen Auschwitz und den Holocaust, und sind zwar nicht von deutschen Politikern laut ausgesprochen. Doch laut werden sie hier und da immer wieder. Auch das war ein Thema, das Vera Jarach vor Angelika Merkel zur Sprache brachte. Genauso wie die aktuelle Leugnung der erschreckenden Zahl der “Verschwundenen” seitens des Agraministers Darío Lopérfido . (Quelle: www.cronica.com.ar)

 

2010 traf eine neue UN-Konvention gegen das Verschwindenlassen. Dieses Gesetz ist allein den Madres de Desaparecidos  zu verdanken. Die Konvention schreibt fest, dass die Familienangehörigen der sogenannten Verschwundenen als Opfer anerkannt und mit gewissen Rechten ausgestattet werden. Das Unrecht, das den verschwundenen Menschen widerfahren ist, betraf gleicherweise ihre Eltern, ihre Kinder.

Den in den Gefängnissen gebärenden Frauen, sei es weil sie schwanger verhaftet oder weil sie dort vergewaltigt wurden, wurden ihre Kinder weggenommen und zur Adoption freigegeben. Heute weiß man, dass Kinder auch systematisch geraubt, ihre Mütter gefoltert und ermordet wurden.

Zu den Madres kam die Vereinigung der Abuelas de Plaza de Mayo – der Großmütter des Mai- Platzes – hinzu,  die wiederum nach ihren Enkelkindern fragen und das bis heute noch.

Die Schätzungen gehen von ca. 500 geraubten Kindern aus, die von den Funktionären heimlich adoptiert wurden. Von ihren tatsächlichen Eltern haben diese Kinder nie etwas gehört. Der Prozess der Wiederfindung ist verstörend für die nun erwachsenen Kinder, da ihre Adoptiveltern, zumal die Väter, nicht selten diejenigen waren, die an der Ermordung oder Verschleppung bzw. Folter ihre leiblichen Mütter beteiligt waren. Wahrscheinlich wurde nur ein fünftel der geraubten Kinder an ihre Großeltern und Familien zurückgegeben.

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Demonstration am Tag der Erinnerung, 25. März 2014, unter  dem Moto “Nunca mas” – “Nie wieder”. (Quelle: www.inforegion.com.ar)

Unter der Abkürzung H.I.J.O.S (sp. Kinder) gründeten die ehemals geraubten Kinder ihrerseits eine Organisation, die konkret die Strafverfolgung der Täter, die ihre Mütter folterten, töteten und sich der Kinder aneignete, fordert.

Der sogenannte “Schmutzige Krieg” ist bis heute kaum aufgearbeitet. Auch das ist eine traurige Realität des heutigen Argentiniens.

 

Plaza de Mayo, das ist das Centrum des Stadtteils Monserrat

Einen historischeren Boden in Buenos Aires als Monserrat (auch Montserrat) findet man nicht mehr! Hier ist alles versammelt, was die erste stadtähnliche Siedlung ausmachte. Besser gesagt, alles was ehemals da war. Denn die Argentinier reißen gerne alles ab, was woanders unter Denkmalschutz stünde. Das haben sie offenbar auch mit Uruguayern und Brasilianern gemeinsam.

Vielleicht liegt es daran, dass im Ursprung dieser Staaten die Geschichte nicht als das Fundament der eigenen Kultur begriffen wurde. Sie alle entstanden aus einem einzigen Grund. Sein Name: Ausbeutung. Es lebe dieser Tag und der morgige Tag. Was kümmert uns das Gestern.

Der Blick zurück führt zu einer “Entdeckung” des Kontinents, die von Weißen gefeiert wird. Doch für alle anderen war es ein “schwarzer Freitag”, der Beginn der Zerstörung ihres Landes und ihres Lebens. Wer will denn ernsthaft bis zu diesem Moment immer wieder zurückblicken? Mir scheint es, die vermeintliche Geschichtslosigkeit ist ein gemütliches Nest für Südamerikaner. Mit einem großen Nachteil  – ohne Geschichte keine Zukunft.

 

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Das Cabildo, 1842 oder 1850, Daguerreotypie. Das älteste photographische Zeugnis des Platzes und Regierungsgebäudes. (Quelle:  Kollektion Witcomb, Archivo Gral de la Nación).

 

Als wir am Platz erschöpft ankamen – unsere kleine Wanderung erwies sich als eine größere Expedition –, waren weit und breit keine Mütter oder Großmütter zu sehen. Dafür überraschte uns der Platz mit seiner Größe. Der ihn umzingelte Verkehr war mörderisch laut. Vielleicht liegt es daran, dass wir als Segler des Lärms einer Großstadt nicht gewöhnt sind. Ich denke aber, dass es daran liegt, dass die Südamerikanischen Städte wenig Plätze bieten, die die Sinne der Bewohner beruhigen. Ich fühle mich dort immer angespannt, als ob ich permanent mich in Schutz nehmen müsste. Dabei denke ich in diesem Fall ganz und gar nicht an meine Tasche und das Portemonnaie, dass entwendet werden könnte.

Die vereinzelten historisch und kunsthistorisch relevanten Gebäude um die Plaza de Mayo musste ich erst aus der visuellen Hintergrundtapete der Hochhäusern herausklauben. Winzig sind sie geworden, all jene historischen Monumente.

 

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Der Platz und der Cabildo um 1887. (Quelle:  Kollektion Witcomb, Archivo Gral de la Nación).

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Der Cabildo ist das älteste noch erhaltene Bauwerk aus der Zeit der ersten Stadtgründung. Es diente lange Zeit als Regierungsgebäude und wurde mehrmals umgebaut. Ja, nicht nur das, man hat es wegen der beiden ihn säumenden Avenidas hier und da, und schließlich beinahe ganz abgerissen. Heute hingegen ist sein Innenhof eine Oase der Ruhe, im Gebäude selbst befindet sich ein Museum.

Am Cabildo entdeckte ich eine erstaunliche Gemeinsamkeit mit dem alten Puerto Madero

Als 1608 der damalige Bürgermeister endlich einsah, dass eine Stadt auch ein Regierungsgebäude braucht, beschloss er, das Stadthaus aus den Steuern der Hafeneinnahmen zu finanzieren. 1610 war der Cabildo fertig. Und da stellte man fest: Es ist bereits zu klein! Genauso wie der Puerto Madero.

Bereits 1682 war das Gebäude ruinös. Ich frage sich, wie kann das bei einem Regierungsgebäude passieren. Erst 1725 machte man sich daran, daraus einen repräsentativen Bau mit zwei Etagen und 11 Bögen in Angriff zu nehmen. 1728 ruht der Bau, und ist noch nicht fertig. 1731 nimmt man die Arbeit erneut auf und legt es wieder auf Eis. 1810, während der Mai-Revolution, nach der übrigens der Platz heute seinen Namen trägt, war der Bau noch nicht fertigt. Und als alles fertig und mit einem schön hohen Turm ausgestattet war, hat man kurzerhand beschlossen, sowohl den Turm als auch drei Bögen des Hauptgebäudes abzureißen. Warum? Damit die Avenida de Mayo entstehen konnte!  1931 wurden dann drei südlichsten Bögen für die Anlage der Avenida Julio A. Roca abgerissen, so dass nur noch fünf der ursprünglich elf Bögen übrig blieben.

Ja, klar, denk man sich, wer braucht in der Neuen Welt ein altes Regierungsgebäude! Avenidas sind einfach praktischer.

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Das Ölgemälde 1810 von Léonie Matthis gemalt, zeigt die damalige bauliche Situation der Plaza de mayo. An der Stelle des Arkadenhalle mit dem zentral gesetzten Eingangstor (im Bild links stark angeschnitten) steht die Casa Rosa. (Quelle: www.lagaceta.com.ar)

Heute beherbergt der Rest des ehemaligen Cabildo das Museo Nacional del Cabildo y la Revolución de Mayo, das Nationalmuseum des Cabildo und der Mai-Revolution. Dort kann man die Reste des 18. Jh.s besichtigen:  Gemälde,  Kleidung, Kunstgegenstände, Schmuck. Im Innenhof kann man im Café sitzen und den Brunnen von 1835 betrachten.

Der Architekt Mario Buschiazzo konnte 1940 den Originalzustand des Cabildo rekonstuieren, indem er sich der alten Baupläne bediente. Rekonstruiert wurden derTurm, die roten Dachziegel, die Eisengitter vor den Fenstern, die hölzernen Fensterrahmen und Türen.

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Versuch eine bildlichen Rekonstruktion. Die Casa Rosa inmitten es Forts. Ein Still aus einer Bildanimation zur Geschichte und Entwicklung des Platzes und Umgebung. Kurzweilige sechs Minuten einer erstaunlichen Veränderung. Siehe am Ende des Blogbeitrags.

 

Dem Cabildo gegenüber steht die Casa Rosa, das Präsidentengebäude. Heute wird es vor allem zu repräsentativen Zwecken genutzt.

Errichtet wurde es 1884 und steht beinahe exakt an der Stelle des ersten offiziellen Gebäudes in Argentinien, nämlich des spanischen Forts, das gegen die Brasilianer/Portugiesen in mächtigen Ausmaße errichtet wurde. Das Ford stand unmittelbar an den ursprünglichen Ufern des Rio de la Plata und so auch das erste Präsidialgebäude. Heutzutage trennen die Casa Rosa von Ufern des Rio gefühlte Welten.

Seinen Namen das “Rosa Haus” verdankt es dem rot-rosigen Ansticht, der in der damaligen Zeit wahrscheinlich keine Besonderheit war. Man mischte dem weißen Kalk eine bestimmte Menge an Ochsenblut bei, um so eine wasserabweisende und fixierende Eigenschaft zu erreichen. Auffällig an dem heutigen Bau ist seine Asymmetrie, die aus einigen Erweiterungsmaßnahmen resultiert. Offenbar war niemanden daran gelegen, einen solch repräsentativen Gebäude das rechte Maß zu geben.

 

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Vom obersten Balkon hat Eva Perón ihre berühmten Reden an das auf der Plaza de Mayo versammelten Armen, den sogenannten “descamisados” (die “Hemdlosen”), gehalten. Das Gebäude ist, abgesehen von einem kleinen Museum darin, nicht für die Öffentlichkeit zugängig. Man munkelt über prachtvolle Räume, einen Wintergarten, das Weiße Zimmer…

Und noch etwas: Die Guardia des Hauses besteht aus den Soldaten jenes famosen Regiments, das der General José de San Martin im Jahr 1812 ins Leben rief. Weht unter der großen argentinischen Fahne eine kleinere,  bedeutet das, dass sich der Präsident in der Casa Rosa befindet.

 

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Mit der Erwähnung von San Martin sind wir schließlich passend an der Kathedrale von Buenos Aires angekommen. Einen Steinwurf vom Cabildo entfernt, trennt sie eine fünf bis sechsspurige Straße von einander. Und so stehen diese beiden ältesten überlieferten Gebäude von Buenos Aires etwas eingequetscht zwischen zwei Avenidas. 1862 erbaut ist die Kathedrale ein antikisierender Hallenbau, der mit seinem großen Säulenportikus an einen griechischen Tempel erinnert. Die Wirkung des Baus ist gänzlich hinüber, da man es nicht frontal über die Treppen erreichen kann, sondern dem Verkehr den Vortritt lassen muss und irgendwie schleichend über viele Fußgängerstreifen seitlich durch Absperrungen und Zäune sich hindurchquetschen muß.
Klar, denkt man, wer braucht schon einen direkten Zugang zu einer Kathedrale in der Neun Welt.

 

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Innen empfängt mich eine hallenartige Aufgeräumtheit, man wienert den Boden, darüber wacht die Madonna Nuestra Señora del Carmen umweht von ihren Spruchbändern. Alles im Inneren der Kirche ist natürlich nicht älter als 100 Jahre, aber darin durchaus stilsicher, wenn man das bei sakralen Objekten so sagen dar. Und endlich, ich höre den Autolärm nicht mehr!
Erwähnenswert ist hier die rechterhand liegende Kapelle, vielmehr ein Mausoleum, in dem der Nationalheld von Argentinien, José de San Martin, der halb Südamerika befreite. Der französische Bildhauer Albert Ernest Carrier-Belleuse erbaute es im Auftrag der Regierung 1880. Es ist das Symbol der Einigung Argentiniens, die San Martín wesentlich mitgestaltet hat.  Neben Argentinien verhalf er auch Chile und Peru zur Unabhängigkeit und Einigkeit. Die drei lebensgroßen weiblichen Statuen, die den schwarzen Sarkophag begleiten, symbolisieren die befreiten Länder Südamerikas.

 

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Die Geschichte der Entstehung der heutigen Kathedrale liest sich wie eine lange Aufzählung von kleinen und großen ‘Missgeschicken’ in der Bauplanung und Ausführung. Hierbei machte der beauftragte italienische Architekt Antonio Masella keine “bella figura”. So zum Beispiel wurden Teile der neu errichteten Kathedrale durch Konstruktionsfehler zerstört. Andere Teile wiederum zerstörte man mutwillig, weil sie nicht in das spätere (heutige) Konzept des Baus passten.

Die thronende Madonna im Hauptaltar gehört zu den erhaltenen Originalstücken aus dem späten 18. Jh. Desgleichen die Rokoko-Ornamentik im Hauptaltar, ausgeführt von dem spanischen Bildhauer Isidro Lorea in 1785. Die älteste Skulptur oder gar das älteste Relikt der frühen Kolonialzeit ist der sogenannte Christus von Buenos Aires des portugiesischen Bildhauers Manoel da Coyto von 1671. Der Name der Skulptur rührt daher, dass sie die Gläubigen von der großen Flut, die die Stadt im 18. Jh. zu zerstören drohte,gerettet haben soll.

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Nachtrag: Der Platz ist nach der Mai-Revolution von 1810 benannt, die mehr oder weniger dazu führte, dass Argentinien seine Unabhängigkeit von Spanien gewann (1816).

Wer sich für Banken (oder Architektur der 1950er Jahre) interessiert, der kann das Gebäude der Banco de la Nación an nordöstlichen Ecke des Platzes aufsuchen. Im Inneren erwarten einen eine oktogonale Kuppel und ca. 10.000 Tresore der “Schatztruhe der Nationalbank.

Eigentlich wäre es an der Zeit, den Platz umzubenennen. Beispielsweise in “Oktober-Platz”. Oktober 1955 ließen die Militärs gegen die Sympathisanten und paramilitärisch organisierte Gewerkschaften des ins Exil geflüchteten Präsidenten Juan Perón, die auf dem Platz gegen die Machtergreifung durch das Militär demonstrierten, Kampfflugzeuge fliegen. Hunderte Demonstranten kamen zu Tode. Oder noch besser, man könnte den Platz auch “Platz der Mütter” nennen… 

 

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Plaza de Mayo, 2015 (Quelle: arnoldogualino.blogspot.com)

 

Dieses Foto – das nicht von uns stammt – mag ich besonders gerne. Es liefert einen hervorragenden Überblick über die Situation des Platzes, die ich versucht habe ein wenig zu beschreiben. Besonders – und darin ganz anders als an unserem Tag – vermittelt sich die Stimmung, die das Foto einfängt.
Zu sehen sind: (1) Im unteren Anschnitt der Turm und das rote Dach des ‘gekürzten’ Cabildo. (2) Links davon die Kathedrale. Offenbar durfte man damals noch direkt über die Treppe unterhalb der Säulen die Kathedrale erreichen (heutzutage steht dort ein Gitter). (3) Zwei Häuser weiter das mächtige Gebäude der Nationalbank. (4) Den Platz beschließt im Norden die Casa Rosa. (5) Dahinter kann man eine mit LKWs dicht bepackte (Hafen-) Straße erkennen, die heutzutage den Puerto Madero von dem übrigen Barrio (Stadtteil) trennt. (6) Gut zu erkennen sind die roten Ziegelsteingebäude des Puerto Madero gefolgt von einigen wenigen Hochhäusern. Das hat sich zwei Jahre später gravierend verändert. (7) Schließlich weit am Horizont macht man die Ufer des Rio de la Plata aus. Ehemals grenzte der Fluß mehr oder minder direkt an der Casa Rosa (siehe das nachfolgende Video). (8) Die Plaza de Mayo selbst wird von einer sechsspurigen Straße umzingelt, insbesondere von den sehr lauten Bussen. Im Zentrum des Platzes sieht man den Obelisken, der von den “Madres” jeden Donnerstag, immer noch, umrundet wird.

 

 

 

Wer sich für historische Fotos und Informationen zu Buenos Aires interessiert, dem empfehle ich folgende Internetseiten:

Zum Cabildo

Zu Plaza de Mayo Teil 1 und Teil 2

Buenos Aires verschiedene virtuelle Touren mit Hintergrundinformationen (Auswahl in der rechten Spalte)

Fotos und Video von Buenos Aires speziell Plaza de Mayo (aber nicht nur)

Buenos Aires antiguo – der Name ist Programm

Erste visuelle Zeugnisse von Buenos Aires, u.a. Gebäudegrundrisse, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotos

Buenos Aires Historie an ausgesuchten Objekten.

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