Moqueca e Candomble

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Auf dem Regal hinter dem Tresen unserer Lieblingsbar in Maragogipe stehen diverse Plastik- und Glasflaschen unterschiedlicher Größe. Aufgüsse aus Alkohol und Kräutern, mal mehr, mal weniger transparente Flüssigkeiten, meist gelb oder dunkelbraun und eine Flasche mit einer roten Flüssigkeit, in der sich ein festerer Teil in der unteren Flaschenhälfte absetzt – vermutlich Dendê-Öl, Palmöl.
Das Dendê-Öl ist eine der Grundzutaten und Geschmacksgeber der Moqueca, die andere unverzichtbare Zutat ist Kokosmilch. Den Eintopf bekommt man überall in Brasilien mit Reis und einer Pampe aus Fischsud, Gemüse und variierenden Zutaten, die mit Maniokmehl angedickt wird und irgendwie an Kartoffelpüree erinnert. Ach ja, und scharfe Sauce bekommt man auch immer dazu.
Viele Tinkturen und evtl. (die rote Flüssigkeit) Dendê-Öl. Steffi weist darauf hin, dass man es in brasilianischen oder afrikanischen Läden kaufen soll. Das Dendê-Öl vom Chinesen schmeckt anders. Wir haben unseres in Gambia gekauft. (Auf dem Karton sitzt ein rauchender Affe, der darüber nachdenkt.)
Moqueca de Peixe. Fischeintopf. Uns hat die Variante mit Gambas am besten geschmeckt. Die leichte Süße der Schalentiere ergänzt sich hervorragend mit der Kokosmilch.
Die Begleiter der Moqueca: Scharfe Sauce, Pirão und Farofa.
…und über das Ganze noch eine ordentliche Portion Farofa, oft mit Zwiebeln und Kräutern angeschwitztes Maniokmehl.
Steffi von der SY Yemanja macht die Moqueca aus dem Handgelenk etwa folgendermaßen: Ein bis zwei Tomaten und eine Zwiebel in Ringe schneiden oder würfeln. Dazu etwas Knoblauch und wer will tut auch eine kleine grüne gewürfelte Paprika rein. Das Gemüse mit zwei bis drei Esslöffel Dendê-Öl mischen und ab in den Topf. Kurz anschwitzen und würzen mit Pfeffer und Chili und nur salzen, falls der Fisch oder die Meeresfrüchte nicht genug Salz abgeben. Alles aufkochen bis das Gemüse weich ist und eine Dose Kokosmilch dazu geben, sowie so viel Fisch oder Gambas oder beides wie man essen möchte. Brutzelnd servieren und mit frischem Koriander bestreuen.
Die Chilisauce (Molho de Pimenta) kann man auch frisch zubereiten: Eine entkernte Tomate, eine Zwiebel und frische Chilischoten klein hacken und mit Olivenöl und Limettensaft mischen. Nach Geschmack frischen Koriander dazugeben.
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Viele Gerichte Bahias haben den Ursprung im Candomle. Der Candomle ist eine afro-brasilianische Religion, eine Vemischung aus Katholizismus und afrikanischem Naturglaube. (Die Götter sind den kubanischen Yoruba-Gottheiten sehr ähnlich.) Die Acarajé zum Beispiel, kleine runde Teigballen aus Bohnen, die in Dendê-Öl frittiert und mit Tomaten, Zwiebeln und geräucherten Mini-Garnelen gefüllt werden, sind eine rituelle Speise für die Gottheit Iansã. In Salvador werden die Bällchen von Frauen in traditioneller Tracht an Straßenständen verkauft.
Und weil das Foto farblich so gut passt, hier eine Puppe, die wir in der Allerheiligenbucht aus dem Wasser gefischt haben. Nur das Köpfchen schaute aus dem Wasser und eine kleine Hand, die uns zugewunken hat. Wir waren unter Motor unterwegs, konnten also schnell wenden und die Puppe mit dem Bootshaken aus den Fluten angeln. Auf Grund der farbenfrohen Kleider, des Kopftuches und der Kette gehen wir davon aus, dass es sich um eine Puppe des Candomble handelt. Welcher Gottheit die Puppe gewidmet ist, wissen wir nicht. Yemanja, die Meeresgöttin, hat die Farben Blau und Silber. Vielleicht ist es die Göttin der Flüsse und des Süßwassers Oxum und die Puppe kam den Rio Paraguaçu hinab geschwommen. Eine Woche zuvor ist eine Candomble-Prozession mit einem Schiff in die Bucht hinaus gefahren und kam nach ein paar Stunden wieder. Vielleicht ist dabei die Puppe dem Fluss überlassen worden, als Wunsch oder Gabe. Oxum ist die Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe und Schönheit. Man sagt, sie könne einem Mann die Hose ausziehen, ohne dass er es merkt. Frauen bitten Oxum um eine glückliche Schwangerschaft und wenn sie ihren religiösen Pflichten nicht nachkommen, dann bestraft Oxum sie durch Ausbleiben der Menstruation oder zu starke Blutungen. – Wir haben die Puppe verschenkt.

 

2 Responses

  1. Steffi

    Haha, bei mir ist die Puppe wohl „sicher“ – keine Gefahr/Chance für Schwangerschaft oder Menstruationsbeschwerden. Hab sie heute übrigens gründlich gesäubert – so wie ihre Beine zusammengebunden waren nehme ich an, dass sie eher für das Gegenteil von Fruchtbarkeit gedacht war… Keine Gefahr für euch!
    Vermissen euch und Nico!
    Fair Winds!
    Liebe Grüße
    Steffi

    • Joanna

      Liebe Steffi, sie sieht super aus und macht sich sehr gut bei euch. Und ich bin mir sicher, es war die richtige Entscheidung, dir sie in Obhut zu geben :) Und sollte sie der Meinung nicht sein, dann kann sie die SY Yemanja zu uns führen…