Mit Guruji Selvan beim Tabla-Tuner in Kochi

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Mit meinem Guruji Selvan (Guru bedeutet Lehrer und die Endung -ji steht für eine ehrenvolle Anrede) hatte ich gerade meine ersten Tablas erworben. Die Spieltechnik der klassischen indischen Trommeln macht eigentlich einen jahrelangen Initiationsritus erforderlich. Aufgrund meines besonderen Wunsches und unseres kurzen Aufenthalts in Kochi wird Guruji versuchen, mir in zwei Monaten die Grundlagen des Tabla-Spiels beizubringen.

Die Instrumente machen einen guten Eindruck, aber Guruji besteht darauf, mit dem Motorrad zum Trommelbauer zu fahren, um sie stimmen zu lassen. Also steige ich auf, und wir brausen (ohne Helm, das mache ich ich nicht nochmal), die schwere Tasche mit den Trommeln auf dem Lenker balancierend, durch den dichten Feierabendverkehr am Freitagnachmittag quer durch Kochi. (Auf dem Rückweg nehme ich mir ein Tuk-Tuk.) Die Tabla-Tuner haben ihre Werkstatt in einer ruhigen Seitenstraße auf dem Dach eines Hauses. Guruji kennt die beiden und nach einer herzlich Begrüßung und der Vorstellung seines Schülers (mich), geht es an die Arbeit.

Die beiden Trommelbauer mit Guruji in der Werkstatt.
Guruji übergibt die Instrumente und erzählt von seinem deutschen Schüler, der übers Meer kam.
Hier wird die Stimmpaste (Syahi, „Tinte“) aufgetragen. Die Mischung besteht aus geheimen Ingredienzien, unter anderem gekochtem Reismehl, Gusseisenpulver, Gummi und Kohle beinhalten können.
Die Stimmpaste dämpft Obertöne das Fell, macht den Klang reiner und gibt der Trommel einen tieferen Klang, als es bei gleichem Durchmesser ohne Stimmpaste der Fall wäre.
Der Kessel der kleineren Trommel (sie heißt eigentlich Tabla oder Dayan) besteht aus Holz. Sie ist sehr massiv und viel schwerer, als sie aussieht.
Das mehrlagige Fell ist mit Streifen aus Tierhaut auf den Kessel gespannt.
Mit den runden Stimmklötzen wird die Tonhöhe verändert.
Am Schluss noch ein bisschen nachziehen und fertig.
Guruji überprüft das Ergebnis und ist zufrieden. Gute Arbeit.
Nach der hohen Trommel kommt die tiefe Basstrommel (Bayan) dran. Diese ist aus Metall gefertigt und erzeugt mit offenen Schlägen mit den Kuppen von Zeige-, Mittel- und Ringfinger einen blubbernden Sound, mit geschlossenen Schlägen der Handfläche einen Basston.
Das Fell besteht aus drei Lagen Ziegenleder. Es sitzt etwas zu locker. Auch hier muss nachgestimmt werden.
Test. Bestanden.
Das Tuning kostet mich 200 Rupien, umgerechnet 2,60 Euro. Es wartet noch eine Menge Arbeit auf die beiden.

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