Joghurt an Bord

Nach Yoga aboard nun also wieder mal etwas aus der Rubrik Gastronautisches: Joghurt an Bord.

Die Versorgungssituation hier in Las Palmas lässt nichts zu wünschen übrig. Wir haben eine große Markthalle nur wenige Gehminuten in Reichweite. Die Verproviantierung mit frischen Lebensmitteln, Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Fisch ist denkbar einfach. In den Straßen neben der Markthalle gibt es zahlreiche asiatische Lebensmittelgeschäfte, so dass auch der Vorrat an Sojasauce, Fischsauce, Currypasten, Wakame, Bonitoflocken, aller Arten von Gewürzen, Reis, Misopaste und so weiter nicht zu neige geht. Darüber hinaus bieten die großen Supermärkte alle ausnahmslos einen kostenlosen Lieferservice, der den Bordproviant bis vor die Gangway bringt. Dies ist insbesondere bei Wein und Paletten von Dosenbier eine Erleichterung. Unter der letzten Lieferung befand sich unter anderem zehn Kilo Milchpulver. Das reicht für 100 Liter Milch. Wenn wir den Verbrauch mit zwei Litern pro Woche ansetzen, würde die Menge für ein gutes Jahr ausreichen. Nun lässt sich mit der wiederverflüssigten Milch, die je nach Sorte (man sollte den Geschmack vorher testen, bevor man sich zehn Kilo liefern lässt) unserer H-Milch geschmacklich nicht nachsteht, an frische Milch verständlicherweise jedoch nicht heranreicht, eine Menge anfangen. Nimmt man die doppelte Menge Milchpulver kann man zum Beispiel als Sahneersatz damit kochen. Und da ich ein fleißiger Müsliesser bin (Müsli lässt sich wunderbar als Langzeitproviant stauen, man muss nur aufpassen, dass die Verpackungen nicht von vielbeinigen Besuchern bevölkert werden), haben wir auch einen größeren Verbrauch an frischem Joghurt. Also haben wir damit experimentiert aus der Pulvermilch Joghurt herzustellen.
Vor kurzem saßen wir mit unseren Freunden Elvira und Alfons von der Murada und Iris und Robert von der Marie-Luise zusammen und diskutierten die Langzeitverproviantierung für die bevorstehenden Passagen zu den Kapverden, nach Gambia und Brasilien, bzw. in die Karibik (zum aktuellen Stand unserer Routenplanung demnächst mehr – es soll endlich weitergehen). Die Versorgung mit frischer Milch und Joghurt scheint in diesen Gegenden schwierig. Und 100 Liter Milch sind 100 Kilo zusätzliches Gewicht, ganz zu schweigen von den Platzverhältnissen in unseren Stauräumen. Nachdem also durch verschiedene Geschmackstests das optimale Milchpulver eruiert wurde, fehlte noch die Möglichkeit den Joghurt unterwegs selber zuzubereiten. Wir nahmen also kurzerhand die Proviantbibel aus dem Bücherschapp und siehe da: Es gibt eine Bauanleitung für einen simplen Joghurtbereiter. Da Alfons ein passionierter Elektronik-Bastler ist, waren die wichtigsten Teile mit einem Griff in die Bastelkiste schnell zusammengesucht.
Ein Heizwiderstand wird mit einem Drähtchen um einen Korken gewickelt (für Weinkorken hatten wir an diesem Abend gesorgt), welcher dann mit Epoxidharz in ein Gewürzgläßchen eingegossen wird. Am Ende wird ein Stecker passend für das 12V Bordnetz mit Sicherung angeschlossen und (fast) fertig ist der Joghurtbereiter.
Die Milch zur Joghurtbereitung soll ca. 45°C betragen. Wir heizen ungefähr einen Liter Milch auf dem Herd auf und verrühren sie mit einem Becher frischem Joghurt. Das ganze sollte dann 8-10 Stunden gleichbeibend bebrütet werden, zum Beispiel in einem Thermosbehälter. Wir hängen unseren Joghurtbereiter in ein Einmachglas und wickeln zwei Fliesdecken darum. Funktioniert wunderbar. Ab sofort gibt es immer frischen Joghurt an Bord. Und fall wir mal vergessen, den letzten Becher aufzuheben, um neuen Joghurt anzusetzen, haben wir noch ein paar Tütchen mit Starterkulturen an Bord. Das ganze funktioniert übrigens auch mit Soja- oder Ziegenmilch.

Lecker.

 

3 Responses

  1. Sabine

    Lieben Dank für die schnelle Antwort. Dann will mal sehen, ob mir auch ein Joghurt gelingen wird. :-)

  2. Marcel

    Hallo Sabine.

    Die Experimente laufen noch bezüglich Festigkeit des Joghurts. Wie lange muss bebrütet werden? Im Moment bin ich bei 9 Stunden.
    Das Milchpulver ist das Vollmichpulver von La Irlandesa und wird in ansprechend goldenen Säckchen in den meisten großen Supermärkten (z.B. Super Dino) feilgeboten. Es löst sich in kalter Milch etwas schlechter als andere Sorten. Aber geschmacklich ist es unserer Meinung nach überlegen, auch gegenüber den halbfett Sorten.
    Zur Technik bitte Alfons von der Murada interviewen. Ich weiß zum Beispiel nicht welchen Wiederstand er eingebaut hat.

    Beste Grüße aus Las Palmas.

    Marcel

  3. Sabine

    Hallo Marcel,
    vielen Dank für die Bestätigung, dass so ein selbstgemacher Joghurtmacher wirklich funktioniert.
    Wir wollen im November in die milchlosen Regionen reisen und die Experimente an Bord haben begonnen. Im August kommen wir nach Gran Canaria zurück.
    Daher wäre es nett, wenn Du mir Eure Favouriten-Milchpulver-Sorte nennen würdest. Wo gekauft und wo Du die Joghurt-Tütchen bekommen hast.

    Herzlichen Dank, Grüße an Elvira und Alfons,
    Sabine (zur Zeit La Palma)