Tazacorte gigante

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Die Riesenwellen können kommen. Kreuzfahrtschiffe und Fähren auch. Aber was sollen die bloß hier? Nachdem noch an den Tagen vor der Eröffnung am 12. Februar die Bauzäune, Schaltafeln, Gerüste, Bagger und Schutthaufen schnell an die Seite, genauer gesagt auf die andere Seite des Hafens, geräumt wurden, eröffnet sich vor uns eine leere Fläche aus 26.650 Quadrat- und Kubikmetern aus Asphalt und Beton, die den europäischen und kanarischen Steuerzahler knapp 50 Millionen Euro gekostet haben, gut 10.000€ für jeden Einwohner des 4.800 Seelen Dorfes Tazacortes.
Die offizielle Zeremonie erscheint irgendwie still und heimlich. Keine Einladungen. Keine Bierbuden. Keine sonst in Spanien übliche Kinderbespaßung. Ein winziges Festzelt, welches man auf dem riesigen Gelände fast übersieht, darin ein paar Flaschen Mineralwasser für die Festredner, die, so scheint es, eher unfreiwillig ihr Gesicht für die Zeremonie herhalten. Regional- und Inselpräsident, sowie die Bürgermeisterin wirken nicht gerade euphorisch angesichts der Einweihung dieses Großprojekts. Eine bunte Folkloregruppe spielt als Kontrast zum grauen Beton. Dann gibt es ein paar spärliche Worte. Die Infrastruktur alleine sei sinnlos – so die Bürgermeisterin. Der Inselpräsident vermeidet es in seiner Rede gar den Hafen zu erwähnen.
Wir spazieren über den Umgang der Molenmauer zurück zum Dorf. Von dort hören wir mehr als wir sehen ein kleines Feuerwerk am späten Nachmittag. Welcher der Offiziellen sein Gesicht herhalten muss, um das Band zu zerschneiden, bekommen wir schon nicht mehr mit. Als wir nach einem Sundowner zurück zum Hafen schlendern, ist der Spuk vorbei und es bleibt eine Fläche für die abendlichen Auto- und Fußgängercorsos der nicht an Agoraphobie (oder Xenophobie?) leidenden Einheimischen. Auch als Hundeauslauffläche eignet sich der Hafen nur bedingt, da es keine Bäume und auch kaum Straßenlaternen gibt, an denen sie ihr Bein heben könnten. Abgesehen von den erwähnten Auto- und Fußgergercorsos hat man in Tazacorte nach Abschluss der Bauarbeiten wieder seine Ruhe und es wundert einen nicht, dass noch kein Fähr-, geschweige denn Kreuzfahrtunternehmen dazu zu überreden war im neuen Hafen von Tazacorte festzumachen. The last and peaceful european marina.

 

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