Cabo Verde – Gedanken zum Abschied

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Weiß, milchkaffeebraun, tiefbraun, schwarz, tiefschwarz…. Farben der Haut auf Kapverden. Wir lernen schnell, dass es ein Kapverden nicht gibt. Das sollte nicht verwundern bei insgesamt fünfzehn Inseln, die teilweise bis 120 Seemeilen von einander entfernt sind. Fünfzehn Inseln und jede mehr oder weniger anders: tropischgrün, hochgebirgig, vulkanisch, lava-schwarz, wüstenartig, feinsandig, steinig, palmenbewachsen, flach, zerfurcht, heiß und kühl. Früher – das ist vielleicht erst zwanzig Jahre her – waren die Inseln auch nass. Mindestens ein Fluss oder Bach floss das ganze Jahr über durch irgendeine Ribeira. Flußkrebse und Flußfische gab es darin. Davon berichten nicht nur die “ganz Alten” (s. Doku anbei). Es sind auch keine unglaubwürdigen Legenden, sondern beweisbare Realität. In nur zwanzig Jahren veränderte sich das Klima der Insel, einer Insel sehr radikal.

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Auf Santiago haben wir die dunkelsten Frauen und Männer des Archipels gesehen. Seltsam, die hellsten scheinbar auf Sal, unserer ersten Insel. Vielleicht trügt die Erinnerung, vielleicht kommt es uns nur so vor, weil unsere Erwartung der ganz dunklen Kapverdianer dort am stärksten unterboten wurde. Heller erschienen mir auch die Bewohner von Santo Antao. Schnell lernt man zwischen Afrikanern, vor allem aus Senegal, und den Kapverdianern zu unterscheiden, die nicht nur hellhäutiger, sondern auch kleiner und von einem anderen Knochenbau, zumal im Gesicht, sind. Selbstverständlich kann man sich auch hierbei arg vertun.

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Als die Kapverden entdeckt wurden, sollen sie unbewohnte Inseln gewesen sein. Das ist schwer vorstellbar, so nah an der afrikanischen Küste. Und verstehe ich den ersten Seefahrer Cadamosto, der die Inseln entdeckte, so traf er dort Menschen an. Oder war das in Gambia? Verwirrende Entdeckerreisen und Berichte. Die Geschichtsschreibung hält an der ‘Jungfräulichkeit’ der Insel jedoch fest, zumal es keine Relikte von einer Urbevölkerung gibt. Wurde danach gesucht? Ich habe keine Berichte darüber gelesen. Die Portugiesen beginnen 1461 die erste Insel Santiago zu besiedeln und senden hierfür weiße, freie Siedler (und nicht Verbrecher wie einige andere Kolonialmächte es taten). Wenig später gibt man ihnen einige Sklaven als Feldarbeiter an die Seite, weil sie es nicht schaffen. die Insel allein zu kultivieren.

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Die Idee der Sklaverei ist nicht auf Kapverden geboren, aber Kapverden ist gewissermaßen aus ihr entstanden. Anders als bspw. in der Karibik machten schwarze Sklaven auf Kapverden nicht die Mehrheit der Bevölkerung aus. Im späten 18. Jh. hatte die Insel Fogo die höchste Rate an schwarzen Sklaven von 25 Prozent. Wesentlich weniger Sklaven arbeiteten und lebten auf den anderen Inseln: Santo Antato 15%, Sao Nicolau 10% und Brava 5,5 Prozent. Die weißen Portugiesen – Siedler, Händler, Großgrundbesitzer etc. – stellten zwar die Mehrheit der Bevölkerung dar, sie bestanden aber vor allem aus einer männlichen Gesellschaft, in der chronischer Mangel an Frauen herrschte. So entstanden schon früh Mischbeziehungen zwischen afrikanischen Sklavinnen und ihren weißen ‘Besitzern’. Er im 19. Jh. sandte das Mutterland Portugal eine große Anzahl an weißen Degredados, jene gesellschaftlich degradierten Personen, zu denen neben Kriminellen auch politisch oder religiös Andersdenkende oder anderweitig unerwünschte Menschen zählten. Sie sollten auf Kapverden ihre Haftstrafen als Zwangsarbeiter abarbeiteten. Auch hierbei gab es wesentlich mehr Männer als Frauen. Eine Sonderstellung nahmen die in Portugal (oder anderen Ländern) verfolgte Juden ein, die nach Kapverden freiwillig flüchteten und hier nicht selten gutgehende Manufakturen und andere Geschäfte eröffneten. Kurios macht sich hingegen die Verschickung von Prostituierten aus, die dazu zwangsverpflichtet waren, das weiße Blut in der Kolonie aufzufrischen, das immer seltener wurde.

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Seit dem 21. Jh. verändern sich Kapverden gravierend. Heutzutage sind es nicht mehr Europäer, Portugiesen und Engländer, die für die Durchmischung des genetischen Pools sorgen, sondern Zuwanderer aus Westafrika, aus Senegal, Guinea, Bissau und Gambia, die auf bessere Verdienstmöglichkeiten auf Kapverden hoffen. So wird Kapverden immer ‘schwarzer’ und afrikanischer. Eine Entwicklung, die das Eigene der kapverdischen Kultur und des genetischen Pools zwischen Afrika und Europa verwischt.

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Sal – unserer erster Anlauf des Archipels – heute eine ausgetrocknete Insel mit einigen wenigen Akazienbäumchen. Die Ziegen fressen Papiermüll, Gras gibt es nicht. Gemüsefelder liegen brach, alles wird importiert. Für die Bevölkerung ist eigentlich alles zu teuer. Der Süden der Insel, fest in touristischer Hand. Santa Maria und Ponta Preta weiten sich aus. Man setzt auf große – sehr große – Apartmentanlagen. Wohleinheiten werden verkauft. Sal als Selbstversorgerinsel gibt es nicht. Die Fotos zeigen Sal aus einer Zeit der Salzgewinnung und Exports. Santa Maria gestern und heute.

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Boavista – die Dünen-Insel. Für uns die Insel im Regen und Gewitter. Eine wunderbare Bucht, an der immer mehr und immer größere Hotelanlagen “all-inclusiv” gebaut  werden. 6000 Betten, das ist der Maßstab. Große Armut im Inselinneren, die von diesen Megaanlagen nichts hat und nichts haben wird. Der Ausverkauf der Insel schreitet gewaltig voran: Engländer und Italiener kaufen sich ein.

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Sao Nicolau – die Ursprünglichste, ohne Frage. Sie hat Glück, strandlos zu sein. Begrünte Vulkankegel, eine alte Hauptstadt in den Bergen, ein einsamer Osten. Hoffentlich wird die Insel nicht zu ihrem Glück gezwungen, doch auch hier sprießen schon vorsorglich groß angelegte Apartmenthäuser, noch moderne Ruinen.

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Mit diesem Boot kam irgendwann ein Pole auf die Insel und hat es einem Holländer vermacht, der TO-Stützpunktleiter und Restauranführer wurde.

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Sao Vicente – nur Mindelo und sonst nada. Dafür aber die elegantesten, hübschesten Frauen. Doch habe ich leider keine einzige fotografiert.

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Santo Antao – die Insel der Superlative, der Gegensätze, der Liebling der Wanderer. Vielleicht die einzige, die den vielbeschworenen “sanften Tourismus” hinbekommt.

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Santiago – eine “alte Insel”, als erste entdeckt und besiedelt. Mit Praia als Hauptstadt des Archipels. Dicht besiedelt, mit häßlichen armen Orten, aber auch mit einer sehr schönen Bucht und einer auratischen, ältesten Stadt des Archipels beschenkt. Zu kurz da gewesen, um das bergige Zentrum der Insel mit Naturreservaten besucht zu haben. UNESCO hat hier die einzigen Orte und Natur des Archipels hervorgehoben.

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Fogo – die Insel des Vulkans, der erneut 2013/2014 ausgebrochen ist und viele obdachlos und noch ärmer machte. Der Vulkan, der gleichwohl ihre Heimat ist – leben auf dem Vulkan. Die Insel des Weins und des gefährlichen Hafens, wo viele Schiffe auf dem Grund liegen. Zum greifen nah war sie für uns und doch konnten wir sie nicht besuchen, genauso wenig wie Brava und Maio.

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Was gibt es noch beim Abschied zu sagen… Wir haben sicherlich zu wenig gesehen, aber doch einige Menschen kennengelernt und ins Herz geschlossen. Zwei wunderbare TransOcean-Stützpunktleiter: Milan aus Mindelo, der so vieles möglich oder beinahe möglich macht, was sonst unmöglich erscheint. Der nicht nur das Zeug fürs Schiff, sondern auch das für das Wohlbefinden organisiert. Und Henny aus Sao Nicolau, der deutschsprachige Holländer, der schon lange kein eigenes Boot mehr hat, aber dafür ein ganz spezielles Restaurant/Pension führt und immer noch große Kenntnis über die Insel hat.

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Überraschend für mich war der gute Geschmack, den die Kapverdianerinnen unter Beweis stellen. Guter Geschmack oder zumindest ein glückliches Händchen bei der ästhetischen Zusammenstellung der Garderobe von Kopf bis Fuß. Auf jeder Insel war das die Regel, nicht die Ausnahme. Ich habe keine arme Frau gesehen, die nicht versucht hätte, eine aparte Erscheinung in der Öffentlichkeit abzugeben. Schwarzweißgemusterte Kleidchen, Kostüme in kräftigen oder gedeckten Farben, zum Teil mit einer bewundernswerten Mut zu Farbe und Muster, jedoch immer stilsicher kombiniert, flache oder zumindest nicht zu hohe Schuhe, die das Gesamtbild abrunden. Meine Überraschung ist nur vor dem Hintergrund des langen Aufenthalts auf den Kanaren zu verstehen, und der dortigen ästhetischen Augenfolter, die aus schlimmster Plastikbekleidung, grauenhaften Farben und Mustern, Stilletschuhen und Plateausohlen bestand. Enge Oberteile über wohlgenährte Bäuche – kurze Röcke über mächtige Beine, sie waren auf den Kanaren die Regel. Ganz anders die Kapverdianerinnen, die in der auffälligen Mehrheit nicht nur schlank, sondern auch überaus schön sind. Eine gewisse Ausnahme hierin bildet Santiago, wo wir überdurchschnittlich viele dickbeleibte Frauen in nicht immer glücklich gewählter Bekleidung sahen. Vielleicht heimkehrende Emigrantinnen, die im Januar noch auf ‘Heimaturlaub’ unterwegs waren? Kanarierinnen waren es jedenfalls nicht.

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Der vento leste, der warme Ostwind, der von Afrika herüber weht, soll daran schuld sein, dass keine Regenwolken über dem Archipel hängenbleiben. Diese klimatische Eigenheit soll der Grund dafür sein, warum es jahrelange Perioden ohne Regen gegeben hat und gibt. Hungersnöte, politische Unruhen, Perspektivlosigkeit und Unterdrückung während der Salazar-Ära haben viele zum Auswandern gezwungen. Schon im 19. Jh. heuerten viele der Kapverdianer auf Walfängern aus Neuengland an. Doch diese Geschichte ist nicht typisch für Kapverden, sondern kann auch so oder ähnlich von den Kanaren und Azoren berichtet werden.

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Es heißt, in Boston/USA und seiner Umgebung lebt heute die größte kapverdische Diaspora mit gut 250 000 Menschen kapverdischen Ursprungs. Emigranten sind es auch, die einige Inseln wie Brava und Maio ernähren, indem sie ihren Verwandten monatlich immer noch ausreichend Geld schicken, so dass diese sogar recht gut leben können. Kurios ist es also nicht, wenn man sagt, Brava sei “die reichste Insel”, obwohl die Arbeitslosigkeit dort besonders hoch ist. Wird es noch so bleiben, wenn die junge Generation der ehemaligen Emigranten heranwächst? Werden die Familienbade über Entfernungen und Generationen weiterhin halten?

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Die Inseln im Osten, die am nächsten zum afrikanischen Kontinent liegen, bestehen fast nur aus Sand. Sie haben ihre Selbstversorgung aufgegeben, haben keine Industrie und ganz offensichtlich auch wenig Ideen. Das war nicht immer der Fall. Grün waren sie. Aber man verfeuerte nach und nach den Baum- und Buschbewuchs für die verschiedenen Manufakturen und Industriezweige, die im 19. und 20 Jh. auf den Inseln betrieben wurden, und schon lange nicht mehr existieren. Als Kolonien eines fernen Mutterlandes galt es, sie auszubeuten. Und war irgendwann nichts mehr zu holen, dann vergaß man sie in Europa. Nun wachen sie wieder auf. Was gut ist. Doch wie ist ihre Zukunft, die sie sich bauen wollen? Das Zauberwort, das bei uns eher ein Schreckensgespenst ist, heißt hier Tourismus. Wer über kilometerlange Strände aus feinstem weiß-goldenen Sand, wer über Schildkröten und Wasservögel, über Tauchspots mit seltenen Fischen und Korallen verfügt, der wirbt mit ‘unberührter’ Landschaft und hat schon bereits die Tourismusindustrie im Land. Und von touristischer Industrie kann man angesichts der Zahlen durchaus sprechen. Maio, eine Insel von 269 Quadratkilometern und ca. 6700 gezählten Bewohnern bekommt ein ‘Feriendorf’ direkt am Strand spendiert von insgesamt 6500 Betten! Selbstverständlich wird auch hier von Umweltschutz, Artenschutz, vom sanften Tourismus gesprochen. Man wirbt mit unberührten Stränden, Seeadlern und – natürlich – den großen Schildkröten, die auf den gleichen Strand ihre Eier ablegen, wo die Urlauber ihre Matten, Sonnenschirme, ihre Bars bauen und im Quad durch die Sände fahren. Die ganz normale kapitalistische Schizophrenie und menschliches Desinteresse für selbstverursachte Probleme.

Sal und Boavista sind diesen Weg schon lange zuvor gegangen und der Bauwahnsinn nimmt dort kein Ende. Umweltfragen oder ökologische Fragen treten in den Hintergrund angesichts des Geldbündels, den einige wenige bekommen. Hier hat schon die “Kanarisierung” – ein geflügeltes Wort – begonnen.

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“Hier fressen die Ziegen Steine”, schrieb der Lyriker Ovídio Martins in einem seiner Gedichte über Sao Vicente. Woanders fressen die Ziegen Staub, Pappe und Müll. Die Vermüllung der Inseln ist ein Problem, der zwei Hauptgründe hat: die Mentalität der Bevölkerung und den Import von in Plastik verpackter und kurzlebiger Waren. Kapverden kann sich und die doppelte, dreifache, Zahl der Touristen nicht ernähren. Fast alles wird aus Europa und Afrika importiert. Müll dieser Größenordnung war bis dato nicht bekannt. Die entsprechende Anlagen sind nicht vorhanden und werden offenbar als nicht dringend notwendig erachtet. Die Trockenheit der Inseln ist ihr Glück in diesem Fall, sonst hätten wir hier keine ‘Urlaubsparadise’, sondern schlimmste Seuchenregionen! Denn die Menschen kippen ihren Müll einfach den nächsten Abhang hinunter. Verteilen es an den Landstraßen, oder lassen es einfach da zurück, wo er entstanden ist.  Zerschlagen von Flaschen an Picknickstellen, ist Gang und Gebe, womit diese Orte für immer unbrauchbar gemacht werden. Diese Unsitte ist nicht wirklich zu begreifen, geht man davon aus, dass es sich bei diesen Menschen nicht um Nomaden handelt, was auf einer Insel kaum möglich ist. Plastik wird angezündet wie alles andere auch. Die giftigen Werkstoffe – von Glas abgesehen – sind vielen Kapverdianern nicht vertraut, in ihrer Schädlichkeit für die Umwelt und damit für die Menschen und Tiere meistens unbekannt. Bekannt und angelernt ist ihnen das Wegwerfen und Verbrennen von mehr oder minder Naturprodukten wie Nahrungsresten oder Bekleidung. Anderes wurde lange geflickt und repariert, oder einfach unerschwinglich wie bspw. ein Auto oder ein Kühlschrank. Radio, Fernseher, Bügeleisen etc. wegzuwerfen, kam einer Sünde oder Dummheit nahe. Doch unsere Waren sind nur für kurze Lebensdauer konstruiert und zumeist vollkommen unreparierbar.

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Cabo Verde – das Grüne Kap. Woher kommt der Name, sind doch die Eilande meistens heiß und staubtrocken? Eine These besagt, dass die Portugiesen, die die westafrikanische Küste in der Hoffnung absegelten, den Seeweg nach Indien zu finden, zunächst das westafrikanische Kap bei Dakar so bezeichneten. Tatsächlich ist diese Gegend grün und das Kap heißt immer noch Cabo Verde. Ein Schiff aus dieser Expeditionsreihe soll durch schlechte Winde von der Küste abgetrieben,worden sein und stieß durch diesen Zufall auf die Küste der heutigen Insel Santiago. Unwissend, ob es sich hierbei um die gleiche Landmasse handele, zumal das damalige Santiago gleicherweise grün war, sollen die Portugiesen den gleichen Namen für das Eiland, später dann für das gesamte Archipel übernommen haben. Ob es wirklich so war, weiß man nicht.

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Zweifellos macht es mehr Sinn, die Landspitze von Dakar als ein “Kap” zu bezeichnen, als eine Ansammlung von Inseln im Atlantik. Dennoch muss man bedenken, dass das Erscheinungsbild der Inseln im 15. Jh. (und noch lange danach) wesentlich anders war, als das, was wir heute vor uns haben. Die erwähnte Abholzung einerseits und das ausbleiben des Regens andererseits, aber auch der Anstieg des Meerspiegels aufgrund des Klimawandels (Versalzung der Böden) sind für die zunehmende Verwüstung und Bodenerosion der Kapverden verantwortlich.

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Als Abschluss unser Berichte über die Kapverden, die uns eingenommen, manchmal abgeschreckt und häufig begeistert haben, sollte nun Platz sein für zwei professionelle Dokumentationen aus der 3Sat-Kulturreihe. Beide sind bemüht – und darin anders als die ewig positivistisch unkritischen Produktionen des Arte-Senders – einen besonderen Blick auf die Kultur, Geschichte, die Natur, die Menschen und schließlich auch den Tourismus zu werfen.

Überrascht hat mich an der Dokumentation die Selbstkritik der Kapverdianer. Ihre Fähigkeit, unverblümt die Ursachen benennen zu können, die ihre Umwelt und damit ihr Leben zerstören. Und das obwohl sie kaum über eine höhere (Aus-) Bildung verfügen. Interessant fällt dabei der Vergleich mit den von Umweltschäden ähnlich betroffenen Gesellschaften in Nordamerika aus, deren Bewohner sowohl ökonomisch als auch in ihren Bildungsmöglichkeiten um vielfaches besser gestellt sind als die Kapverdianer. So wird bspw. das Thema Klimawandel von ihnen entweder von der Hand gewiesen, oder als von “ungeklärter Ursache” bezeichnet. Es liegt auf der Hand, dass erreichte westliche Lebensstandards nicht aufgegeben werden wollen, auch wenn wir am Ende uns selbst dadurch vernichten. Gesellschaften hingegen, die diesen Standard nicht haben, verstehen sich in einer engeren Beziehung zur Umwelt im weitesten und Natur im engeren Sinne. Sie sehen die selbstgemachte Katastrophe, doch sie sind nicht an dieser Katastrophe mitbeteiligt.

Ciao Cabo Verde!

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Video 1 – Kultur und Geschichte der Kapverden; Schwerpunkt Cidade Velha

Video 2 – Ethnologie und Mentalität: Kapverden und Nordamerika

Kapverden kommt im zweiten Teil des Films vor. Wer Nordamerika nicht sofort sehen möchte, der ‘spule’ auf 28:00 Minuten vor.

P.S.

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