Janjanbureh/Georgetown/MacCarthy Island

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Die Anzahl der Tsetsefliegen steigt mit den Flusskilometern, die man sich ins Land hineinarbeitet. Als Jugendlicher spielte ich Tennis im TC-Westerholt. Die Anlage lag zwischen einem Waldstück und Feldern, die durch einen kleinen Bach geteilt wurden. Der Bach floss an manchen Stellen direkt hinter dem Zaun der Spielplätze entlang und bildete hier und da kleine Tümpel. Ein idealer Brutplatz für Mücken und – schlimmer – Pferdebremsen. Jeder, der einmal in einem feucht-heißen Sommer im TC-Westerholt, vor allem in den Abendstunden, Tennis gespielt hat, weiß wovon ich rede. Die Pferdebremsen hatten dabei aber den Vorteil, dass sie außer geschwollenen Gelenken, kein weiteres Unheil mitbrachten. Die Tsetsefliegen hingegen bringen die Afrikanische Schlafkrankheit. Wir haben das Buch “Wo es keinen Arzt gibt” an Bord – Joannas Lieblingslektüre. Darin heißt es, “unbehandelt greift die Erkrankung innerhalb von Monaten auf das Nervensystem über und führt zu Kopfschmerz, Müdigkeit, epileptischen Anfällen, und schließlich zu Bewusstlosigkeit und Tod.” Keine schöne Aussichten. Das macht zwei Bevölkerungsgruppen beneidenswert, die allerdings, auch im islamischen und an Insekten reichen Gambia, zu den absoluten Minderheiten zählen: Imker und Frauen in Burkas (Ich habe eine einzige in Banjul gesehen. In Bochum ist die Chance größer auf vollverschleierte Frauen zu treffen).

 

In Janjanbureh endet unsere Reise upriver vor einem den Fluss überspannenden Kabel. Die Flussinsel MacCarthy Island zu unserer rechten, benannt nach einem britischen Gouverneur, war schon vor der Kolonialzeit besiedelt, das Gründungsjahr von Georgetown, wie die Stadt früher hieß, war jedoch erst 1823. Der Ort wurde jedoch schnell zum zweitwichtigsten Handelsplatz nach Bathurst (heute Banjul). Erst durch den Straßenbau und die damit einhergehende Verlagerung der Handelswege vom Fluss auf die Straße verlor der Ort wieder an Bedeutung. Am Ufer stehen noch einige Mauerreste der Kolonialbauten. Einige Reiseführer wollen uns weiß machen, dass es sich um ehemalige Sklavenunterkünfte handelt. Doch Großbritannien schaffte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Sklaverei ab und kontrollierte die Umsetzung dieses Gesetzes von James Island aus, von wo aus angeblich mehr als hundert Sklavenschiffe auf dem Gambia abgefangen wurden. “Schwarzhandel” gab es bestimmt noch lange nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei, doch weshalb sollte man bei der Errichtung eines neuen Handelsstützpunktes noch Sammellager für Sklaven bauen. Nach anderen Quellen sind die Gebäude erst im späten 19. Jahrhundert erbaut worden.

Hinter der steinernen Markthalle besuchen wir die offene Werkstatt eines Silberschmieds. Lamin (der Erstgeborene, das wissen wir mittlerweile) hat das Handwerk von seinem Vater (Papa Cham) erlernt und zeigt uns stolz eine kleine Kollektion an Armreifen und Ringen mit afrikanischen Motiven graviert: Krokodile, Fische, abstrakte Muster. Wir bekommen Tee angeboten.

 

Auf der anderen Flussseite liegt das Janjanbureh Camp, das ebenfalls von Peter, dem Besitzer der Lamin Lodge gegründet wurde. Am Ufer an der Anlandestelle sitzen ein paar Männer und bereiten sich ihren Tee: Aus der Kanne wird in einem langen, feinen Strahl in ein winziges Gläschen eingeschenkt. Dann von einen Glas in ein anderes. Der Tee schäumt. Wieder zurück in das erste Glas. Dann zurück in die Kanne, die wieder in dem kleinen, offenen Holzkohleofen steht. Die Prozedur wiederholt sich noch einige Male bis der Tee fertig ist: Sehr bitter und sehr süß, hoch konzentriert. Und wieder einmal werden wir auf Deutsch angesprochen. Einer der Männer macht mit seiner Frau Heimaturlaub bevor es wieder zurück geht nach München, in den kalten deutschen Winter.

Die Ortschaft mit der Fährstation gegenüber von Janjanbureh heißt Lamin Koto. Läuft man die überdimensionierte Straße vorbei an einer Militärkaserne ins Landesinnere erreicht man nach gut einem Kilometer einen der 40 rätselhaften Steinkreise in Gambia. Man datiert die Anlagen in die Zeit um das 8. Jahrhundert nach Christus und vor die Migration der Mandinka in das Senegambische Gebiet. Es gibt daher auch keine orale Überlieferung über die Funktion der Kreise. Einige wenige größere Anlagen sind touristisch erschlossen, wie die Steine von Wassu. Dieser kleine Kreis liegt direkt neben dem Highway. Unscheinbar. Verwahrlost. Vergessen.

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One Response

  1. Werner Sadlowski

    Hallo Weltenbummler …

    guten Appetit, guten Wind, klare Sicht und immer Wasser unter dem Kiel. ( kann auch ein bisschen mehr (Meer) als eine Handbreit sein )
    Von Afrika nach Brasilien, hart am Wind, Ahoi !!!! Bin schon gespannt auf Eure weiteren Bilder und Berichte, vielleicht auch ein bisschen Seemannsgarn??

    Hier in der Nähe Deines ehemaligen TC Westerholt ist von den Pferdebremsen noch nichts zu sehen! Der Frühling ist voll erwacht, mit seiner Blüten- und Farbenpracht, dennoch krabbeln die Temperaturen sehr zögerlich in zweistellige Bereiche. Wenn ich das recht bedenke … macht nix.

    Bleibt schön gesund.

    Werner