El Sabinar

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Unsere Wanderung endete, wo vor einigen Jahrhunderten eine andere Geschichte begann: An dem Höhlensystem El Caracol, eine weit verzweigte Anlage aus Wohnstätten der Ureinwohner El Hierros, der Bimbaches. Der moderne (Wieder-)Entdecker der Höhlen Prof. Luis Diego Cuscoy, war Direktor des Museo Arquelógico in Santa Cruz de Tenerife. Am 25. Juli 1960 fand er komplette Wohnungseinrichtungen mit Betten, Tischen, Schränken, Herd, sowie Haushaltsgeräten aller Art vor. Letztere waren nicht aus dem Holz der Pinien, sondern aus dem Holz der in dieser Gegend wachsenden, meist windschiefen Sabinares, wie die Herreños ihn nennen: Juniperus Phoenicea, Phönizischer Wacholder. Natürlich schaffte Prof. Cuscoy die Artefakte schnell hinüber nach Teneriffa, in sein Museum.
In der Nähe der Höhle wurde um 1455 der spanische Statthalter des Gouverneurs der Insel, Capitano Lazaro Viscaino, von einer Bimbachin umgebracht, „die sich so für die Mißachtung des Ritters gegenüber den Frauen des Hirtenvolkes von Dehesa rächen wollte“ – verklausuliert unser Reiseführer, was wohl nichts anderes hieß, als dass der edle Ritter die Frauen vergewaltigt hat.
Aber das war gar nicht die Geschichte, die ich erzählen wollte. Vielmehr beginnt die unsere gute hundert Jahre später, Ende Dezember des Jahres unseres Herrn 1545, als ein Segelschiff auf dem Weg in die neue Welt wegen eines Sturmes am westlichen Kap La Orchilla vor Anker ging. An Bord die spätere Schutzpatronin der Insel, ein hölzernes Standbild der Jungfrau Maria, welches der Kapitän den Hirten gegen Wasser und Verpflegung am 6. Januar des folgenden Jahres hinterließ. Dieses wurde zunächst in eben diesen Höhlen El Caracol aufbewahrt, bevor man der Schutzpatronin 1577 in der Nähe eine bescheidene Hermitage errichtete (dort begann unsere Wanderung). Noch heute wird die Ankunft der Virgen de los Reyes, der Jungfrau der Könige, am 6. Januar gefeiert.

  (Darstellung der Ankunft der Patronin auf einer Mauer in Valverde.)

 

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(Im Jahre 1896 brachte der Erzpriester von Valverde die Statue wegen „ungebührender Unansehnlichkeit“ nach Orotava auf Teneriffa, zur Restaurierung. Dort ist sie monatelang „überholt“ und „verbessert“ worden, dass sich nach wie vor das Gerücht hält, sie sei ausgetauscht und das Original ins Ausland „verschachert“ worden.)

 

Die Geschichte ging weiter, als im Jahre 1614 eine lang anhaltende Trockenzeit herrschte. Die Hirten der Dehesa-Gegend erbaten, die Schutzpatronin, der man alle Wunder zutraute, in die Hauptstadt bringen zu dürfen, um eine Gebetswoche für Regen abzuhalten. Sowohl geistliche, als auch weltliche Obrigkeit schenkten der Idee wenig Glauben, worauf hin die Hirten „auf eigene Faust“ das Bildnis der Maria nach Valverde (so sagt man, doch es war wohl damals ein anderer Ort) brachten, wo dann doch der Pfarrer  unter Glockengeläut die Prozession in die Kirche anführte. Soeben über die Schwelle ins Innere getreten, brach ein Wolkenbruch los, der tagelang anhielt und die Trockenheit beendete. Unter dem Titel Viren de los Reyes y Patrona Titular de las Aguas wurde sie zur Schutzheiligen der Insel erklärt.
Der Wunder nicht genug, um den Ruf der Patronin gerecht zu werden, ereignete sich das gleiche Wunder im Jahre 1741 noch einmal, als eine lang anhaltende Dürre und Heuschreckenplage El Hierro heimsuchte. Der Chronist Dacio Darias schrieb im Jahre 1929: „In einer Sondersitzung beschlossen Ratsherren und Geistlichkeit ab dem Jahre 1745 alle vier Jahre ein Gefolge mit einem Berufenen und Klerus an der Spitze sowie den dafür auserwählten, unbescholtenen Bürgern der Stadt, vom Santuario der Ermita de la Señora das Bildnis der Jungfrau zur Verehrung durch das ganze Volk in diese Stadt zu bringen ohne Rücksicht auf gegebene dringende Notwendigkeit.“ – Ein amtlicher Beschluss, der die Bajada – das Herunterkommen – der Schutzpatronin als Inselfest offiziell festlegte.

Unsere Wanderung begann also an der Ermita Virgen de los Reyes in sengender Mittagshitze. Einige hundert Meter sind wir gewandert, bis wir unter einem der Phönizischen Wacholderbäumen einen Schatten- und Rastplatz fanden, mit Blick über die Hochebene auf Höhe der ziehenden Passatwolken, (Der Passat, der Trade Wind, der Kolumbus von hier über den Atlantik brachte, heißt bei den Kanariern Alisio, der Elysische Wind.) die sich bald zu wirbelnden und angenehm kühlenden Nebeln versammelten, um über uns und um uns zu tanzen. Um den grauen Schleier mal vor uns zuzuziehen, dann über uns zu legen und bald wieder zu lichten und den Blick freizugeben auf die einzelnen Wacholderbäume, auf Trockensteinmauern auf denen die Falken auf Beute warteten.

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Später tauchten im Nebel vereinzelte Rinder, dann kleine Herden auf, ausgemergelt und mager. Viel zu essen gibt es für sie hier nicht, nicht im Sommer. Wir erreichten den Mirador de Bascos, 700 Meter über dem Meer und wenn nicht, wie an jenem Tage die Wolken tief über die Hänge kriechen, hätten wir den Blick über den gesamten Golfo schweifen lassen können, von den Arenas Blancas im Westen bis zum Mirador de las Peñas und den Roques de Salmor im Osten.
Vom Mirador aus gelangten wir in die Gegend von Sabinar, wo die meisten und schönsten schon erwähnten windschiefen Phönizischen Wacholdersträucher, oder -Bäume zu finden sind. Windschief sind diejenigen, die übrig geblieben sind, die geraden und hohen wurden über die Jahrhunderte gefällt und verarbeitet. Das Holz ist hart und schön, von rotbrauner bis grauer Farbe und eignet sich hervorragend für Drechselarbeiten. In Afrika wird es wohl noch heute, leider, zu Holzkohle verarbeitet.



Die Wolken verzogen sich und wir hatten einen wunderschönen Blick über die Nordwestküste und den offenen Ozean. Wir gelangten zum angeblich schönsten Sabinar, der wie ein Mahnmahl freistehend und mit einem Seil umzäunt war.

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(Der berühmteste Sabinar der Insel und das offizielle Logo El Hierros.)

Bis hierhin können fußfaule auch mit dem Auto fahren. Der Wanderweg führte vom Parkplatz aus über die Schotterpiste zurück zur Höhle El Caracol und zur Hermitage.

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