Zwischenstopp Piriapolis. Mate. Abschiede.

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Piriapolis – das hört sich irgendwie nach einer großen Stadt an. Doch der kleine Touristenort am Rio de la Plata ist eher von blasser Erscheinung. Hier gibt es nichts zu tun und noch weniger zu entdecken. Keine interessanten Restaurants oder Bars, keine Idylle, nichts zu bestaunen oder zu genießen. Eigentlich auch nichts zu berichten. Man ist einfach nur da und lässt sich den Wind um die Ohren pfeifen, läuft Kilometer um Kilometer den Strand hinauf und wieder hinunter und wartet auf das richtige Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Montevideo.
Eine der wenigen Attraktionen in Piriapolis ist sicherlich die Familie von Seelöwen, die im Hafenbecken zu Hause ist und sich bei warmen Wetter auf der Mole sonnt. Die Hunderte von Kilos schweren Brocken schaffen es tatsächlich die gut eineinhalb Meter hohe Mole aus dem Wasser heraus zu erklimmen. Bei Niedrigwasser nimmt man dann aber auch gerne die Sliprampe zur Hilfe.
Wir überbrücken die Wartezeit mit der Zubereitung von Mate. El Mate – „The Drink of Uruguayans“. Der Uruguayer an sich funktioniert nicht ohne seinen Mate. Er hat eigentlich für sein Tagwerk nur eine freie Hand zur Verfügung, denn in der anderen Hand hält er vom frühen Morgen bis zum späten Abend seinen Matebecher und nuckelt an der Bombilla, der speziellen metallenen Trinkhilfe mit eingebautem Filter. Unter den Arm geklemmt trägt er eine Thermoskanne mit heißem Wasser, um immer wieder nachzufüllen. Ich vermute, dass diese Angewohnheit über die Jahre zu Haltungsschäden und Verkrampfungen der Halswirbelsäule führt, wie bei Menschen, die beim telefonieren den Höhrer mit der Schulter ans Ohr klemmen.
Man sieht die Uruguayer aller Altersstufen mit Matebecher und Thermoskanne unter dem Arm beim Shopping und Spazierengehen, bei der Arbeit auf Baustellen, im Auto, auf Parkbänken, in Bussen, am Strand, auf Yachten, im Büro, usw.
Mate ist eigentlich die aus der indigenen Quechua-Sprache stammende Bezeichnung für das Trinkgefäß an sich, dass immer noch traditionell aus einem Flaschenkürbis hergestellt wird. Die Blätter werden als Yerba (Kraut) bezeichnet, stammen von einer Stechpalmensorte Ilexparaguayensis und enthalten jede Menge Koffein. Heute wird im allgemeinen d Getränk als Mate oder Yerba Mate bezeichnet.
Man befüllt zunächst die Mate zu zwei Dritteln bis drei Vierteln mit der Yerba, bedeckt die Öffnung mit der Handfläche und schüttelt sie. Dann wird die Yerba auf eine Seite geschichtet, so dass ein Winkel von etwa 45° entsteht. In den freien Teil der Mate gibt man ein wenig lauwarmes Wasser und lässt die Yerba quellen. Der obere Teil des Hügels bleibt trocken und wird erst bei den späteren Aufgüssen seinen Geschmack abgeben. Dann nimmt man das Nuckelröhrchen (Bombilla), verschließt es oben mit dem Daumen und sticht es unten in den Hügel. Zum Schluss wird mit heißem, nicht kochendem Wasser aufgefüllt.
Frank von der Anastasia und Joanna bei den Experimenten mit Yerba Mate.
Die ersten Aufgüsse sind noch sehr sehr bitter, die folgenden nur noch sehr bitter. Wie man sich daran gewöhnen kann bleibt fraglich. Ich durfte allerdings von einem Argentinier einmal einen gesüßten Mate probieren, der etwas milder war. Trotzdem werde ich bei meinem morgendlichen Kaffee bleiben, statt mit Matebecher in der Hand, der Bombilla im Mundwinkel und einer Thermoskanne unter dem Arm am Ruder zu stehen. Man sagt ja, eine Hand für das Schiff und eine für den Mann, bzw. die Frau. Bei den Uruguayern ist immer eine Hand dem Matebecher vorbehalten und dann hat man irgendwie eine Hand zu wenig.
Die Faraway von Alaska-John. Helmut und Kerstin trafen John bereits in Südafrika. Er war schon viele Male in Patagonien und versorgte uns mit Tips und Anekdoden.
Abschied von Piriapolis
 
…und Abschied von unseren Freunden. Wir fahren weiter in den Rio de la Plata nach Montevideo, Colonia und Buenos Aires um endlich das Schiff aus dem Wasser zu nehmen und zu überarbeiten. Die Lop To mit Helmut und Kerstin fährt nach Mar Del Plata und dann auf die Falklandinseln. Und die Anastasia mit Frank und Sophie wartet in Piriapolis auf Ausrüstungsteile und fährt dann auch weiter zu den Falklandinseln. Vielleicht werden wir die beiden Schiffe in Ushuaia wiedersehen, in der südlichsten Stadt der Welt (wenn man das Chilenische Puerto Williams auf der anderen Seite des Beagle Kanals nicht als Stadt zählt.).