Tarrafal de São Nicolau

Tarrafal auf São Nicolau ist ein unspektakulärer Hafenort. Wir ankern außerhalb der kleinen Mole in einer offenen Bucht, in die der Nordwest-Grundschwell des Atlantiks eine mal hohe, mal weniger hohe Dünung schickt, die sich am Strand in weißem Surf bricht und sogar hinter der Mole noch für Bewegung sorgt. – Kein gemütlicher Ankerplatz, wie in den meisten Buchten (wenn es welche gibt) auf den Kapverden. Mit dem Heckanker richten wir den Bug in Richtung des offenen Meeres aus, um ein Rollen um die Längsachse zu vermeiden. Das Stampfen (ein auf und ab des Bugs und Hecks) ist für gewöhnlich besser zu ertragen. (Zur Ergänzung die dritte, noch fehlende Dimension: Ein Drehen um die senkrechte Achse, nennt man Gieren. Auch das ist am Ankerplatz leicht zu ertragen und meistens unauffällig.)
Es gibt nicht viel zu berichten. Ein paar Bars und Restaurants, ein winziger Markt mit zwei Ständen (immerhin gutes und frisches Obst und Gemüse), ein „Supermarkt“, der erstaunlich gut bestückt ist, und natürlich ein Chino.
Robert berichtete im Vorfeld, dass es eine Art Kochschule geben soll. Eine Pension und Restaurant in dem ein Holländer jungen Kapverdianern das professionelle Kochen beibringt und auf Bestellung und für seine Übernachtungsgäste günstige und gute Menüs zubereitet.
Unser Reiseführer schreibt: „Henny Kusters zeigt als Profi der Haute Cuisine voller Stolz, wie man Feinschmecker auf Cabo Verde glücklich macht.“ Also nichts wie hin!
Am Nachmittag klopfen wir an die Hintertür der Pension, die halb offen steht und den Blick in eine Mischung aus Wohnzimmer mit abgewetzten Sofas und Sesseln, sowie Aufenthaltsraum mit einer Art Tresen freigibt. In der hinteren Ecke sitzt der Chef des Hauses mit riesigem runden Bauch und Glatze wie ein chinesischer Buddha am Computer. Wir klopfen nochmal und versuchen es dann mit Rufen, da sich der Buddha nicht rührt. Endlich bemerkt uns der Hausherr und bittet uns hinein. Er entschuldigt sich, er sei schwerhörig, die Augen seien nach einer kürzlich durchgeführten Augenoperation wieder besser, mit dem Gehen sei es so eine Sache, ob wir Franzosen oder Deutsche wären, usw. Er spricht perfekt deutsch, später erfahren wir, dass die Mutter Wienerin war, was im Krieg in Holland ein großes Problem war. Henny ist 82 Jahre alt und dafür erstaunlich fit. Er macht Späße (holländischer Humor?) und bietet seine Dienste den Seglern als TO-Stützpunktleiter an: Wir könnten Duschen, Wäsche waschen, für den halben Preis übernachten (TO-Rabatt), und natürlich essen.
Für den nächsten Tag verabreden wir also ein Dreigänge-Menü: Fischsuppe als Vorspeise, in Rotwein geschmortes Schweinefleisch als Hauptgang und zum Dessert Schokoladen-Rum-Eis. Klingt gut. Wir sind gespannt. Am nächsten Tag stehen wir viel zu früh auf der Matte, weil Iris meinte, wir könnten dort auch ins Internet und schon mal ein Bier vorweg trinken. Drei Probleme auf einmal: Wir sind zu früh und vertreiben zwei Jungen, die bei Henny Fußball gucken, Internet gibt es nicht und – das ist aus unserer Sicht das schlimmste: Es gibt auch kein Bier. Wir haben ja nur Wein bestellt. Also schickt der Herr die zwei Jungen, die lieber das Fußballspiel zu Ende gesehen hätten zum Bier holen. Das dauert eine Stunde und wir vermuten, dass die beiden erst in der nächsten Bar das Spiel gesehen haben. Ok. Dafür unterhält uns der Hausherr. Da er ja schwerhörig ist, sind Einwände oder Ergänzungen zu seinen Ausführungen eigentlich zwecklos. Er scheint auch stur zu sein, das passt zu seiner Erscheinung. Wir trinken also das Bier, das als Sundowner gedacht war, kurz nach Sonnenuntergang und wechseln zum Essen an den mit dunkelweißen Tischtüchern gedeckten Tisch. Die Terrasse hat einen Boden aus Sand vom Strand und irgendwann kommt die Katze des Hauses vorbei (ignoriert Nico), gräbt sich ein schönes Klo und erleichtert sich. Sauber wie Katzen sind, wird das Loch aber wieder zugedeckt als ob nichts gewesen wäre.
Zur Vorspeise gibt´s Weißwein, zu meiner Enttäuschung jedoch Portugiesischen Wein und nicht, wie ich es erwartet habe, Wein von der Insel Fogo. Die Fischsuppe ist einfach aber gut: tomatig mit püriertem Bonito. Der Weis moussiert leicht, passt gut zur Suppe, geht schnell den Gaumen runter und kann in die Rubrik „unauffälliger Schlabberwein“ eingestuft werden. Der Rote zum Hauptgang dagegen entzweit unsere Meinungen. Nach kurzem Beschnuppern und erst recht nach dem ersten Nippen bin ich der Meinung, der Wein sei hinüber. Da die anderen das nicht so sehen (beziehungsweise schmecken), behalten wir die Flasche (1Liter mit Schraubverschluss, also kein Kork) – auf keinen Fall überzeugend.
Der Hauptgang aber entschädigt für den Wein. Das geschmorte Schweinefleisch mit Pilzen in dunkler Sauce (woher kommen die Pilze?) schmeckt wunderbar. Alles macht den Eindruck wie bei Großmutter: Die Beilagen werden auf großen Tellern und Schalen serviert: Kartoffeln (sautiert und frittiert?), Reis mit Gemüse, Rohkostsalat, gekochter Kohl mit Möhren, extra Kännchen mit Sauce, alles mehr als ausreichend und lecker. Aber: Keine Haute Cuisine, gute bodenständige Küche – bitte bei den Weinen nachbessern!
Das Rum-Schokoladen-Dessert (nicht wirklich Eis, leicht angefroren, ein bisschen wie festere Mousse oder Pudding) mit einem Stückchen Ananas ebenfalls lecker.

Die Terrasse des Aquário.

Links der nette Kellner und Helfer in der Küche (spricht Holländisch und will mit seiner Freundin in die Niederlande), Nico mochte ihn nicht und musste abseits kurz angebunden werden; rechts der Koch. Wir müssen ihn loben!

Henny Kusters (82) war Koch, Klavierstimmer, Binnenschiffer, Segler, Handwerker, usw. Ein Mann mit vielen Talenten. erst mit 60 blieb er auf Sao Nicolau und hat es nie bereut.
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