Positionsmeldung Baboon Island/Ka-ai Island

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Die lange Fahrt flussaufwärts hat sich alleine aus diesem Grund gelohnt: Bei Niedrigwasser sehen wir auf den Sandbänken am Ufer zwei Krokodile in der Sonne liegen. Sie rühren sich nicht während wir vorbei fahren. Eines reißt drohend das Maul auf. Wir lassen die beiden in Ruhe. Von den Hippos sehen wir immer nur kurz die Köpfe aus dem Wasser auftauchen. Auch die Flusspferde lassen wir lieber in Ruhe. Vor ein paar Jahren hat eine Begegnung mit den angriffslustigen Hippos sieben Menschen das Leben gekostet, als einer auf die Idee kam, die Tiere mit dem gezielten Wurf einer Orange vertreiben zu wollen. Von den Schimpansen, die hier im Nationalpark unter Schutz stehen und rehabilitiert werden (die Tiere sind aus Zoos und von Händlern befreit und hier ausgewildert worden), haben wir leider keinen gesehen. Wir fahren bis hinter die größte der Baboon Islands flussaufwärts und lassen den Anker für einen Mittagsstopp in der Flussmitte fallen. Die Temperaturen steigen auf 35°C. Der angekündigte Wind fühlt sich an wie in einem Umluftherd. Die Gezeiten machen sich noch immer bemerkbar, allerdings nur durch das Kentern der Strömung. Das Wasser ist süß, die Ufervegetation abwechslungsreicher. Wir ankern am Abend vor einem verlassenen Dorf mit einem schmalen Stück Strand (echter Sand) am Nordufer oberhalb von Ka-ai Island. Riesige Mangobäume tragen tausende noch junge Früchte. Wären wir zwei Monate später hier, könnten wir ganze Schiffsbäuche voll Mangos bunkern. Die wenigen Hütten sind verwaist. Unzählige Insekten schwirren um uns herum. Am meisten Angst machen uns die vielen Tstsefliegen. Im südlichen Kanal von Ka-ai Island, steht im “Cruising Guide to West Africa”, lebt die größte Population dieser Unheilbringer, die der Autor je auf seinen weltweiten Reisen gesehen hat. Am Abend unter dem Moskitonetz im Cockpit schrecken wir von unserem Film auf, als wir irgendwo am dunklen Ufer, vom Mondlicht nur unzureichend erhellt, ein Platschen und Gluckern hören, gefolgt von lautem Grunzen und Brüllen – Flusspferde? In der Ferne Affen. Dann am anderen Ufer Plätschern – Krokodile? Die Wasseroberfläche bleibt still. Auch durch das Nachtsichtgerät bleibt alles unbewegt. Das grüne, blasse Infrarot-Bild wie in einem Horrorfilm. Man versucht Umririsse zu deuten und sieht Dinge, die gar nicht da sind. Man wartet darauf, dass sich plötzlich etwas rührt, doch alles bleibt geisterhaft still und man murmelt: “Das Grauen! Das Grauen!” Am Morgen zum Sonnenaufgang alles friedlich. Yoga auf dem Vorschiff. Doch wie soll man seine Konzentration nach innen richten, wenn sich nur wenige Meter am Ufer entfernt eine Horde Paviane tummelt. Es sind mindestens dreißig Tiere aller Generationen. Auch die Affen sind vermutlich enttäuscht, dass die Mangos immer noch zu klein, grün und hart sind. Angeblich fallen diese Horden auch über die Felder der Bauern her, weshalb man sie immer noch jagt.