Tarrafal de Santiago – Erste Eindrücke

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On approaching Tarrafal, many feel they have already arrived in the West Indies, schreibt Don Street Jr. in seinem ausgezeichneten Revierführer der Kapverden. Und tatsächlich bestätigen die ersten Eindrücke: Bunte Holzboote sind den weißen, feinsandigen Strand hinaufgezogen. Dahinter ein Hain mit Kokospalmen, deren leere, faserigen Nussschalen am Strand herumliegen und im Wasser tanzen. Auf den zweiten Blick sind die Kokospalmen etwas trockener als ihre Artgenossen in den West Indies. Beleibte schwarze Frauen mit farbenprächtigen Gewändern verkaufen Trink-Kokosnüsse aus Afrika, die, ausgetrunken, mit Plastiktrinkhalmen den Weg in den Ozean finden. Anyway. Die Kulisse stimmt. Und nach einer ruppigen Überfahrt am Wind fällt der Anker in kristallklarem Wasser und wir sind froh, endlich aus Mindelo raus zu sein.

 

Beim Anlanden mit dem Dingi lerne ich Beto kennen. Einen obdachlosen Fischer, der in einem abgewrackten Holzboot wohnt, ohne Dach. Er hilft uns seit dem immer beim Anlanden durch die Dünung, die sich auch hinter dem Schutz der alten Mole bis weit auf den Strand hinauf schiebt. Ich frage, ob wir frischen Fisch kaufen können und früh am nächsten Morgen höre ich einen Außenborder und die Rufe seiner Kollegen, die uns ihren Fang präsentieren. Ihr Boot heißt FE EM DEUS. Die meisten Boote heißen irgendwie oder irgendwas mit Deus, Maria, Salvator, Santo soundo. Nur Betos Boot heißt handgeschrieben CASA du BETO (mit drei *** dahinter). Für umgerechnet 4,50€ kaufe ich ein Prachtexemplar. Für das Ausnehmen und Säubern reiche ich den Fischern ein Messer rüber – gehört anscheinend nicht zur Standardausrüstung.

Der Ort wirkt auf den ersten Blick authentisch und wenig touristisch. Der übliche Staub, die kaputten Kopfsteinpflaster, verfallene Altbauten und bunte Neubauten aus Beton, eine Praça, eine Markthalle, in deren Innenhof heute ein Tanzfestival stattfindet, usw. Am Sonntag kommen die Familien mit Scharen von Kindern aus Praia wegen des schönen Strandes und bringen einen Pickup mit Beschallungsanlage mit, um den ganzen Tag viel Lärm im dreistelligen Dezibelbereich zu produzieren.

Eine für diesen Ort zu groß geratene Kirche mit neugotischen Spitzbogenfenstern besteht nur aus den Außenwänden und wird restauriert. Die Seitenschiffe scheinen später angebaut worden zu sein. Ein anderes Gebäude das aussieht wie eine Mischung aus Bunker und evangelischer Autobahnkirche entpuppt sich als Kino. Cineasten kommen aber wohl schon lange nicht mehr.

 

Wir finden das Alto Mira, eine Pizzeria mit Steinofen, die uns von Katja und Frank empfohlen wurde. Die beiden sind leidenschaftliche Taucher. Wir haben sie auf El Hierro kennengelernt und hier verpassen wir uns um ein paar Wochen. Vielleicht treffen wir uns in einem der vielen weiteren traumhaften Tauchreviere dieses an Ozeanen reichen Planeten.

Mit dem Hund morgens am Strand. Ich sehe ein paar Yogis bei der Praxis. Meine eigene Praxis muss ich wohl umstellen. Ich finde keine geeignete gerade Fläche, ohne Sand und ohne Wind. Das Schiff schaukelt in der Dünung…

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3 Responses

  1. martje thiessen

    hallo ihr beiden,

    wir sind wieder in Hamburg, hatten ja gehofft, euch noch in Tarafal anzutreffen, einige der Motive wie z.B das Grafittie mit der Frau und das schrottige boot oben habe ich auch gesehen, übrigens das Graffitie noch irgendwo anders (vielleicht beim wandern?) War mir jedenfalls auch aufgefallen. Uns hat es dort ziemlich gut gefallen! Hatten einen Blick von unserer Unterkunft auf den Fischerstrand und die Segler. Außerdem sind wir schön gewandert. Dabei noch einen Bekannten aus Hamburg getroffen, der in der Nähe von T. in einem Bürocontainer lebt. Klein ist die Welt. Wie schön, dass ihr nun endlich aus Mindelo losgekommen seid! Wir waren auch sehr froh, als wir den staubigen Schiffsschrottplatz verlassen haben.

    Das Boot von Bernd ist nun hoffentlich auch endlich los, es gab noch Probleme mit den Papieren.
    Na, hier ist es kalt und düster und es ist nach 2,5 Monaten gar nicht so leicht wieder anzukommen!

    Euch noch eine gute Zeit.

    Auf Sal einen Koch aus Gambia kennengelernt, durch wußten wir immerhin etwas von dem kleinen Land!

    Liebe Grüße
    Martje und Carsten

  2. Elise

    Hi Marcel, Nice to see some of your travel pics! Namasté Elise :-)

  3. Werner Sadlowski

    Seid gegrüsst aus dem regnerischen Westerholt.

    Schöne Bilder aus einem touristisch (noch) nicht erschlossenen Ort. Gut, ich will meinen, dort nicht tot über einen Zaun hängen zu wollen. Bin froh den europäischen Standard geniessen zu dürfen und bewundere Euch und neide Euren Mut die „ursprünglichsten Ecken“ der Welt zu besuchen und ergründen.

    Weiterhin immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

    Gtruß
    Werner