PATTARUMADOM Ayurveda: Ein kleines ländliches Refugium am Fluss Manjally

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Ayurveda: ja, Spa: nein. Ich bin in Kerala, dem südlichsten Bundesstaat Indiens, einer Hochburg des Kommunismus und der jahrtausendealten Ayurveda-Heilkunst. Hier möchte ich ein authentisches Ayurveda-Hospital aufsuchen, keine chice Spa-Einrichtung, die mittlerweile fast überall auf der Welt zu finden ist.
Ein „echtes“ Ayurveda-Hospital in Cochin und Umgebung zu finden, ist eigentlich nicht schwer. Tausende von Einrichtungen bieten ihre Dienste an. Auch das renommierte Kottakkal, von dem ich im vorhergehenden Beitrag berichtet habe, hat einige eigene große Hospitäler. Doch die meisten liegen inmitten der weitläufigen (in Indien nie endend wollenden) Urbanität der Städte. Ich möchte aber endlich etwas von keralesischem Land sehen! Darüber hinaus haben wir auch noch ein kleines, kompaktes ‚Handicap‘, das Nico heißt und ein Bordhund ist. Hunde sind nirgends besonders gern gesehene Gäste, was eine echte Katastrophe ist. Ich werde irgendwann nicht nur einen Blogbeitrag zum Thema „Segeln und Reisen mit Hund“, sondern ein ganzes Buch zu Umgang mit einem so alten Meschenbegleiter wie Homo Sapiens Sapiens selbst schreiben…

Nicht ganz einfach zu finden. Es geht durch kleine, dörfliche Gassen und Staubpisten. Überall sitzen Frauen, Kinder und Männer auf den Veranden vor ihren Häusern und schauen uns neugierig an, während erstaunlich viele Hunde, hier leider alle angekettet, unsere Durchfahrt akustisch begleiten.

 Alungalkadavu Road, Mekkadu P.O,
     683 589 Nedumbassery, Kerala
  +91 94473 26265, WhatsApp +91 94473 26275
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Folge dem roten Pin. Das Pattarumadom hat beinahe eine Insellage, was sein großes Glück ist. Vor Ort glaubt man, die Welt sei noch ganz in Ordnung. Die teils kultivierte Natur umgibt uns vollständig, nur die christlichen Glocken und die hinduistischen Gesänge zeugen von der Existenz anderer Kommunen in der Nähe. Ein Blick auf Google-Map belehrt uns eines Besseren. Auch hier auf dem Land ist Indien vollgepackt mit Menschen. Man sieht aber auch die gewaltigen Ausmaße eines naturbelassenen Flusses Manjally, seine mächtigen Augen, die Lagunen bilden. Ich liebe diese indischen gewaltigen Flüsse.

Einmalig: das Pattarumadom Ayurveda

Pattarumadom Ayurveda, ein ganz kleines Hospital und „Nursery“, was ich an dieser Stelle mit „Pflegestätte“ übersetze (eigentlich „Schule“ oder „Heim“), liegt circa 35 Kilometer nördlich von Bolgatty Marina in Cochin und circa 5 Kilometer vom Flughafen entfernt. Und es ist sicherlich das einzige Hospital in ganz Indien, das Hunde aufnimmt! Zwar hat mich das einige erklärende eMails samt Hundefotos gekostet, aber letztendlich hat der Doktor und Besitzer des Hauses seine Erlaubnis dazu gegeben. Wie es sich später herausstellte, hatten sowohl er als auch seine Frau und fast die gesamte Belegschaft Angst vor Hunden… Wir haben dementsprechend ein wenig „Schulung“ geleistet, um etwas von der in Indien nicht unüblichen Hundeangst abzubauen. Auch wenn Nico nicht alle Herzen erobern konnte, so weckte er auf jeden Fall viel Neugierde und auch einiges an Belustigungen, was schon eine halbe Miete zum Erfolg und Akzeptanz bedeutet. Sofern uns das sehr dichte Kurprogramm erlaubte, unternahmen wir Spaziergänge durch das Dorf und waren schon bald wie ein bunter Hund bekannt. Die Inder haben wir als sehr neugierige, offenherzige Menschen kennengelernt, die sofort alles erfragen und sich „bilden“ wollen – auf dem Dorf hier war es nicht anders als in Munar, Ernakulam, Bolgatty oder Cochin.

Wer Einfachheit inmitten einer grandiosen Flusslandschaft sucht, dem empfehle ich ohne Wenn und Aber das authentische Pattarumadom Ayurveda. Wir haben es nicht bereut, uns in die kenntnisreichen Hände des engagierten Doktors Shaji Varghese und seiner liebenswerten Gattin Shiji begeben zu haben. Die in dem Hospital arbeitenden jungen Frauen und Männer (zwei für männliche Patienten), haben wir als schüchtern, wohl aber als sehr zuvorkommend erfahren, die sich gut um uns kümmerten. Die Anlage ist innen wie außen sehr sauber. Zimmer werden jeden Tag gemacht, während man in einer der Behandlungen ist.

Das Ayurveda Hospital ist auf rheumatische und andere Gelenkerkrankungen und allerlei Rückenprobleme spezialisiert. Ich habe bisher keine Crux damit, dafür aber eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, so dass ich die Möglichkeiten des Hospitals mit Doktor Shaji vorab per eMail besprach, was ich jedem interessierten Patienten vorab anraten kann (in Englisch).

Ayurveda ist eine holistische Naturheilmethode, der es in gewissem Sinne schnuppe ist, wie man in der westlichen Medizin die Erkrankung nennt. Beurteilt wird zunächst, welche Doshas aus dem Gleichgewicht geraten sind, und was man dagegen tun kann (siehe meinen vorhergehenden Blogbeitrag).

Glückliche Patienten mit den kompetenten und überaus netten Gastgebern, dem Ayurvedaarzt Dr. Shaji Varghese und seiner Ehefrau Shiji. Über uns thront der Gründer dieses Ayurveda-Etablissements, Sri KV Ittyachan Vaidyan, der mit kritischem Blick das Treiben seiner Nachfolger überwacht.
Die hübsche aber schüchterne Hauptbelegschaft: Links die Grand-Dame der Truppe, die für die Küche, den Gemüsegarten und die Versorgung der Gäste zuständig ist. Sie ist eine alleinerziehende Mutter und sehr stolz darauf, dass sie ihrem Sohn ein Studium ermöglichen kann. Das bedeutet in Indien viel Entbehrungen für eine Frau. Die drei jungen Damen, die sich um die Säule drücken, sind für die Anwendungen der weiblichen Patienten zuständig. Sie alle schlafen in einem großen Raum in der ersten Etage des Hauses. Freizeit haben sie eigentlich nicht, und auch keinen Privatraum. Was sich für uns Westler schockierend anhört, ist in Indien nicht nur normal, sondern auch kein Drama. Inder habe es sehr gerne, eng miteinander zu agieren. Da werden sogar extra Betten oder Matratzen nebeneinander gelegt und auf das eigene Zimmer verzichtet, weil man lieber bei dem Bruder oder Schwester, Freundin etc. näher dran sein möchte (selbst erlebt!).
Der Seitenflügel mit den besten Zimmern (li.). Einfach aber sehr nett.
Das Haus ist aus den 1960er Jahren, dennoch in einem typischen indischen Stil gebaut, wenn auch nicht so aufwändig wie die alten (leider selten gewordenen) indischen Häuser. Inder mögen große, säulengetragene Veranden im Eingangsbereich und schattige Umgänge. Fast jedes Haus hat eine große, manchmal überdachte Dachterrasse, die seltsamerweise so gut wie nie ansprechend ausgebaut ist. So wird auch hier sehr viel luftiger Raum vergeudet.
Freundliche Abendstimmung mit weihnachtlicher Beleuchtung. Wir bewohnten das Zimmer hinter der ersten Säule von rechts.
Der Eingangsbereich. Im Hintergrund sieht man den Gemüsegarten und die Einfahrt. Rechts beginnen die Flussauen (nicht im Bild). Ein kleiner Streifen mit Palmen und anderen Bäumen dient uns dort zum kurzen Spaziergang mit Nico während der Mittagshitze.
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Marcel in traditioneller keraleser Bekleidung. Das um die Hüften drapierte Tuch – immer in Weiß mit farbigen Streifen – heißt Dhoti. Als Hemd trägt er die sogenannte Kurta, hier in kurzer Version und traditionell in Handarbeit und in Blockdruck bedruckt. Wir befinden uns hier unmittelbar am Flussufer, im Palmenhain gleich neben dem Pattarumadom. Normalerweise weiden hier jene großen indischen Ziegen, die Nico im großen Bogen umschifft, die aber (das ist weltweit so gewesen) Nico wahnsinnig anziehend finden. Schade, dass ich offenbar kein Foto von ihnen gemacht habe.
Direkt hinter der Palme beginnen die Flussauen. Halb Weideland, halb Lagune. Hier weiden gerne schwarze Wasserbüffel, die auf meinen Fotos manchmal als schwarze undefinierte Punkte auftauchen. Am Horizont steht eine gewaltige, aber nicht zu Ende gebaute Brücke. Gott sei Dank. Hinter den Bäumen schon das nächste Dorf.
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Kleine Spaziergänge durch das Dorf

Wir haben einige Male kleine Spaziergänge durch das Dorf gemacht. Doch um ehrlich zu sein, waren wir nach all den Anwendungen häufig zu müde dafür. Oder aber der nächste Termin war zu knapp gesetzt, oder es war zu heiß. Ausreden gab es also viele.

Dorf ist nicht Dorf, wie wir es aus Europa kennen. Auch in Deutschland gibt es keine „echten“ Dörfer mehr wie ich sie nocj aus meiner Kindheit her kenne. In Indien, zumindest hier in Kerala, bestehen sie aus sehr engen Pisten, an denen sich beinahe nahtlos Häuser, zumeist von der Straße abgesetzt, aneinanderreihen. Geschäfte gibt es nur an der Hauptstraße, das gleiche betrifft die sogenannten „Hotels“, die keine sind. Dahinter verbergen sich kleine Gaststätten fürs Frühstück und schnellen Lunch, seltener fürs Abendessen. Im Dorf selbst gibt es nur Wohnhäuser, kleine oder größere Anbauflächen, Kokospalmen, Gemüsegärten und ähnliches. Große Felder, in Reih und Glied bepflanzte Areale haben wir nirgends gesehen. Ziegen, Kühe und Büffeln grasen angebunden zwischen den Palmen. Es ist still hier, und das alleine ist eine Wohltat für die Seele. Autos, kein Gehupe – nur manchmal hört man Glockengeläut und Gesang aus den benachbarten Kirchen, Tempeln und den wenigen Moscheen.

Neben ausgeübten Berufen werden gerne die Religionszugehörigkeiten an der Hausfassade stolz zu schau getragen. Wir befinden uns in Kerala, einem Bundesstaat, der die meisten Christen, genauer: Katholiken verschiedener Gruppierungen beherbergt. Das äußert sich zwar nicht in nackten Prozentzahlen, aber optisch scheinen die Katholiken mindestens genauso stark zu sein wie die Hindus.
Diese Plantage im Dorf sieht aufgegeben aus. Es handelt sich um Kautschukbäume, doch die Schalen sind leer oder der Latex (die weiße Milch des Baums) eingetrocknet. Vielleicht ist jetzt keine Saison für … Gummi?
Die Brücke über den Manjally-Fluss. Um auf die mächtige, allerdings sehr niedrig über dem Fluss hängende Brücke zu erreichen, muss man die steile, wackelige Stahltreppe nehmen. Der Bau ist ganz offen sichtlich aufgegeben worden, worüber man sich unbedingt freuen sollte. Immerhin bietet sie einen sehr schönen Blick auf die sie umgebende Landschaft. Allen umliegenden Dörfern und vor allem der Natur wünschen wird, dass dieses mindestens dreispurige Brücke nie fertiggestellt wird.

Die Sonne geht langsam über dem Fluss unter. Wir müssen uns beeilen und den Rückweg einschlagen, bevor sich unsere Gastgeber Sorgen machen. Man kann hier Stunden verweilen.

Die Einfachheit hat starke Farben

Wir melden uns bei Dr. Shaji etwas zu krzfristig an. Wir möchten hier die Zeit zwischen den Jahren 2019 und 2020 verbringen und diese Idee hatten offenbar viele, die das kleine Ayurveda-Hospital besetzen. Für uns bleibt nur ein Zimmer in der ersten Etage frei. Es hat keinen Balkon oder Umgang aber einen Zugang zu der großen Dachterrasse. Doch diese ist fürs Verweilen leider nicht eingerichtet.

Überhaupt zeugt das gesamte Hospital von großer Schlichtheit und nicht immer dem schönsten Möbeliar, was uns nicht stört, denn die Zimmer sind sauber und werden täglich geputzt. Jeden zweiten oder dritten Tag wird die Bettwäsche gewechselt.

Später erzählt Dr. Shaji uns die jüngste Geschichte des Pattaddum Ayurveda, was dazu führte, dass das Hospital fast vor der Schließung stand und jetzt erst wieder langsam auf die Beine kommt. Dr. Shaji behauptet, dass er vermutlich landesweit das günstigste Ayurveda-Hospital betreibt, das ihn dazu treibt, seinen zweiten Beruf weiterhin auszuüben. Denn Dr. Shaji ist auch der Betreiber einer Fischfarm, um die er sich persönlich kümmert. Vor nicht allzu langer Zeit hat er daher die Führung des Pattarumadom Ayurveda einem erfahrenen Manager überlassen und nur in der Funktion als Chefarzt des Hospitals aggiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es mehr als 20 Angestellte und eine zusätzliche Ärztin, die sich um die Patienten rund um die Uhr kümmerten. Doch irgendwann wurde er darauf hingewiesen, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen im Pattarumadom Ayurveda vor sich ging. Tatsächlich hat sein Mangager ihn seit Jahren finanziell betrogen und hat angefangen, seine Patienten für eine andere, von ihm selbst aufgebaute Ayurveda-Klinik abzuwerben und das Pattarumadom Ayurveda herunterzuwirtschaften und den Arzt in Miskredit zu bringen.

Zwar konnte Dr. Shaji diese katastrophale Entwicklung rechtzeitig stoppen, aber der finanzielle Schaden war bereits groß. Nach einer Rücksprache mit einer befreundeten Polizeistellenleiter wurde von einem Gerichtsverfahren und Anklage Abstand genommen. Die Gründe dafür sind vielfälltig und werfen leider ein sehr schlechtes Licht auf die indische Justiz aber auch auf die indische Gesellschaft, die ein solches Vorgehen duldet… Es erinnert strukturell an einige italienische Praktiken und Verhaltensregeln.

Das zweite Unglück ereilte das Pattarumadom Ayurveda August 2018 nach heftigen und langanhaltenen Regenfällen. Den stärksten seit den 1920er Jahren in Kerala. Sie alleine führten zu großen Überschämmungen, dort, wo die Menschen zu nah an den mächtigen Flüssen leben. Doch die große Katastrophe passierte erst als die über 60 Staudämme der Region, die sich vor allem in den Bergen befinden und von privaten Unternehmen geführt werden, von einer Stunde auf die nächste beinahe simmultan geöffnet wurden. Man hat so lange gewartet bis sie alle randvoll waren und hoffte, dass die Wassermassen sich schon irgendwie unterwegs verteilen werden und das Meer das Meiste an der Küste aufnehmen wird. Hier wurden keine Experten zurate gezogen, denn das Meer verursachte durch seinen hohen Stand selbst einen Rückstau der Wassermassen.

Pattarumadom Ayurveda stand bis zwei Metern hoch unter Wasser! Das Möbeliar, die Medikamente, die Behandlungsgerätschaften, Computer, die Küche, der Gemüsegarten.. alles stand nicht nur unter Wasser für Wochen, sondern war anschließend auch unter Schlammassen begraben. Hier mussten alle mit anpacken.

Es war für Dr. Shaji und seine Familie sehr schwer, sich aus diesen beiden aufeinanderfolgenden Schicksalschlägen langsam zu erholen. Die Belegschaft muste stark reduziert werden, was zu retten war, musste geretet werden, denn es gab keine finanziellen Reserven für alle Neuanschaffungen. Dieser Hintergrund erklärt, warum vieles noch einfach erscheint.

Während ich dieses neiderschreibe, erlebt Kerala und mit ihm ganz Indien und die Welt eine weitere Katastrophe: Die Coronavirus-Krise. Ich hoffe instendig, dass das Pattarumadom Ayurveda nicht aufgibt und weiter für seine Patienten da ist. Wir drei würden gerne wiederkommen – wann auch immer!

Das erste Zimmer in der oberen Etage. Nico findet alles sehr gut.
Das größere Zimmer, das wir später beziehen, ist noch schöner weil mit Terrasse.
In Deutschland nur in türkischen Geschäften zu finden – ein Hologrammbild.
Hätten wir mehr Freizeit, so würden wir stundenlang auf unserer kleinen Terrasse verbringen, die einen grandiosen Blick in die Flussauen bietet. Doch Ayurveda-Kur ist kein Spaß, sondern viel Arbeit und eng getaktete Behandlungstermine.

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Die atemberaubende Schönheit direkt vor der Terrasse

Für jede Kargheit und Einfachheit der Inneneinrichtung entschädigt die Landschaft, die mich sofort in ihren Bann genommen hat.

Unser täglicher kleiner Spaziergang mit Nico an die benachbarten Flussauen und zurück. Mittags ist es zu heiß, um mehr zu entdecken als unsere unmittelbare Nachbarschaft. Wir passieren das Tor, den noch nicht ganz wiederhergestellten Gemüsegarten, das Haupthaus und gelangen schließlich bei diesem Rückweg zu unserer Terrasse. Alles in allem ein Ausflug komprimiert auf ein ca. 5minütig kurzes Video. [Wie immer bei YouTube-Videos: Im Rädchen re. unten kann die Qualität des Bildes hochgesetzt werden.]
Plötzlich erschien ein Bagger am Horizont und arbeitete sich durch eine der Wasseradern hindurch bis fast zu uns vor. Ein Verbindungsarm wurde nachgebaggert, was uns leider 24 Stunden Lärm bescherte und die vielen hier lebenden Vögel vertrieb.

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Ein weiteres dilettantisches Video. Und plötzlich taucht ein Wasser-Bagger in der scheinbar unberührten Landschaft auf. (3 Min. lang)

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Indische Anwendungen unter christlichen Symbolen

Nach einer ausführlichen Diagnose und Besprechnung von über einer Stunde schlägt unser Ayur-Doc eine bestimmte Behandlungsmethode vor und betont, dass für die Heilung – vor allem bei mir – kaum zwei Wochen ausreichen. Viel wird er in dieser Zeit nicht an den aus dem Lot gekommenen Doshas (eigentlich „Problemzonen“, häufiger aber als „Lebensenergien“ übersetzt, was nicht ganz richtig ist) ausrichten können, aber er wird sich bemühen. Mit anderen Worten: Wir werden mehr Anwendungen in kürzeren Abständen bekommen als die anderen Patienten, die hier länger bleiben.

Minimum sind – und ich kann das nachdrücklich bestätigen – drei Wochen für alle, die eine ernsthafte Ayurvedakur anstreben und nicht bloß so etwas wie Spa sich gönnen wollen. Nachdem wir uns 30+ Jahre falsch ernährt und selbst schlecht behandelt haben, lässt sich keine Erkrankung auf naturheitlichem Wege mit Fingerschnippen und paar Kräuterpillen wieder einrenken. Das leuchtet zwar jedem ein, aber dennoch: Man will seine Gesundheit jetzt und sofort wieder zurück. Im Weg steht uns auch die Eichung auf westliche Medizingrundsätze. Hierbei versprecht schnell in die Körperprozesse eingreifende Medizin eine Linderung oder gar Blitzheilung, woraus hohe Erwartungshaltung entstehen und uns uns seit unserer Geburt begleiten, was mitunter den Umgang mit Krebs oder Autoimmunkrankheiten besonders erschwer.

Bei mir diagnostiziert Dr. Shaji eine schwere Überfunktion von Pitta und Vata, meiner Haupt-Doshas. Marcel hingegen hat nur eine leichte Dissonanz in den Tridoshas (Vata, Pitta und Kapha) und wird eher wegen Hauterkrankungen und Entzündungen behandelt. Mir prophezeit der Doktor jedoch einen schwierigen Heilungsprozess, der einen wesentlich längeren Aufenthalt erforderlich macht. Das glaube ich sofort, denn meine Autoimmunerkrankung bekommt auch die Schulmedizin schwer oder gar nicht in den Griff. Interessanterweise greifen in Europa und der USA immer mehr Ärzte beziehungsweise verzweifelte Patientinnen zu Naturheilverfahren, die vor allem auf Verdauung und damit auf die Gesundheit des Darms abzielen, so auch die ayurvedische Medizin. Bei den Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen hat Ayurveda meiner Ansicht nach noch viel Potenzial, das dringend ausgebaut werden müsste.

Nachdem man das große Foto des Gründers und geistigen Vaters der Klinik passiert hat, übt die gut in Szene gesetzte Altarnische geradezu eine Sogwirkung auf den Besucher aus. Weder Lord Dhanvantari noch Gott Vishnu oder Ganesha empfangen hier den Patienten, sondern Madonna und Jesus Christus.

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Rechts und links des Hausaltars befinden sich die Eingänge zu den Behandlungsräumen.

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Ein kleiner Einblick in die religiösen katholischen Gepflogenheiten in direkter Nachbarschaft zu unserem Hospital. Nico wuselt durch die erstaunten Dorfbewohner und die Männer tragen die typischen, meist weißen Dhoti. Typisch ist das Lüpfen der Umschläge – aber Frauen dürfen auf keinen Fall Bein zeigen. Junge Frauen und junge Männer sind wir immer schüchtern, doch die Trommler können nicht einfach so weglaufen. (ca. 2 Min.)

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Behandlung nach Ayurveda: Wie läuft das ab?

Drei Behandlungsräume, getrennt nach Geschlechtern, erwarten uns in Pattarumadom Ayurveda. Die ayurvedischen Anwendungsmöglichkeiten und Arten der Ausführungen sind so vielfältig, dass ich aufgegeben habe, mir einen Überblick darüber verschaffen zu wollen. Sie hier dazustellen, würde den Rahmen vollkommen sprengen. Daher präsentiere ich im Folgenden nur eine kleine Zusammenfassung dessen, wie wir Pattarumadom Ayurveda erlebten.

Eine der wichtigsten Pfeilern der Ayurveda-Heilkunst ist die sogenannte Panchakarma, eine komplexe Zusammenstellung von Behandlungen, die den ganzen Körper erfassen und Umwelt- und Körpergifte ausleiten sollen. Reinigung, Verjüngung, Heilung. Die Anwendungen werden individuell von Ayurvedaarzt zusammengestellt und variiert. Die klassischen Anwendungen, die wir in den ersten drei Schritten verabreicht bekamen, sind: 1) Tägliche Massage mit warmen Ölen (Abhyanga), 2) Kräuterdampftherapie (Swedana), 3) Lymphatische Massage, 4) Kräutereinläufe (Basti) und 5) Nasenverabreichung (Nasya). Übrigens, eine vereinfachte Panchakarma kann man selbst zuhause durchführen. Dazu gehört vor allem die Sebstmassage, Kräutereinläufe als Tee, Dampftherapie und Nasya, die Nasenanwendung.

  • Morgens: Aufstehen mit Chai ohne Milch, dafür aber sehr süß, gezuckert mit Jaggery, dem Zucker der Palmen oder des Zuckerrohrs. Aufgestanden wird um 6:00 Uhr. Das geht bei mir gar nicht und ich erwirke eine „Verlängerung“ bis um 7:00.
  • Vor dem Frühstück: Medizin als Kräuterpillen und ein wiederlich bittere Tinktur, die sofort mit viel Wasser nachgespült wird.
  • Zwischen Frühstück und Mittagessen (um 12:00) gibt es eine Anwendung.
    Man zieht sich im separaten Raum vollständig aus und bekommt einen Lendenschurz aus Papier und Stoff umgebunden. Ein paar Treppchen führen auf die erhöhte Massageliege, dem Droni, wo man sich auf den Rücken legt. Es folgt eine lange Ganzkörpermassage mit Sesamöl. Massiert wird von zwei Frauen (oder Männern bei Marcel) synkron von beiden Körperseiten gleichzeitig.
    Ich liege auf dem Rücken auf dem Droni, es ist schummrig dunkel, die alte Klimaanlage summt, es ist dennoch warm im Raum. Ein Lichtchen brennt vor dem Hausaltärchen. Ich soll die Augen schließen.Ich liebe den warmen Duft des Sesamöls, die routinierte feste Bewegung der Hände, die mich auf beiden Seiten massieren. Die jungen Frauen unterhalten sich manchmal über mich hinweg … und kann sofort wieder einschlafen. Das Prozedere beginnt – im Liegen auf dem Rücken – mit einer Massage der Schultern, geht über in die Arme bis hin zu den Fingern, die einzeln massiert und „ausgezogen“ werden. Gelenke werden rund massiert, Muskeln langgestrichen. Das Öl ist warm und je nach Anwendungsart auch mit Kräutern und anderen Tinkturen versetzt. Manchmal bekommen wir auch eine spezielle Massage mit kräutergefüllten Stempeln.
  • Am eindrücklichsten fand ich die Anwendung am Tag unserer Ankunft, wo wir nach einer sehr ausgiebigen Massage (auch des Kopfes) mit Tonnen von warmen Wasser immer wieder gespült wurden. Eine entgiftende und klärende Prozedur als Vorbereitung für alles, was danach medizinisch noch folgen sollte. Neben verschiedenen Massagetechniken mit verschiedenen Liquids oder Stempeln gibt es auch spezielle Ölbehandlungen der Augen und des Kopfes mit Ölgießen und der Nase mit sogenannten Nasya. Beides haben wir nicht bekommen. Dafür aber steckte man uns eines Tages in eine Art Unterschrank, einer Mini-Dampfsauna, die ich nur unter sehr viel Disziplin circa 2 Minuten ausgehalten habe.
  • Nach dem Mittagessen können wir uns ausruhen und das ist auch an den ersten Tagen bitternotwendig, denn wir sind sehr müde.
  • Zwischen 15:00 und 16:00 Uhr gibt es – wie früher in Deutschland – etwas Süßes und Chai, den indischen Gewürztee mit Milch. Ich bin zwar nicht so sehr ein „Süßzahn“, aber die selbstgemachten Süßspeisen, die auf den Zimmern gereicht wurden, wurden sofort von mir verputzt. Leider kein Nachschlag.
  • Danach folgte eine zweite Massageeinheit des Tages, gefolgt von Kräuterpillen und Tinkturen. Nach jeder Massage wurde uns auf die Kopfkrone eine Paste, die nach Ghee roch, aufgetragen. Eine sicherlich in Keim religiöse Handlung.
  • Anschließend haben wir eine kurze Erholungseinheit, während derer Dr. Shaji mit seiner Frau die tägliche Visite – die zweite des Tages – von Tür zu Tür macht. Und schon ist es 18:00 Uhr und es wird zum Abendessen im Speiseraum gerufen. Lange sollte man nicht trödeln, denn die Speisen sind manchmal eng berechnet und das besonders Leckere kann schnell weg sein. Hungrig geht aber keiner aufs Zimmer zurück.
  • Yoga ist während der Anwendungszeit kontraproduktiv. Stattdessen sollte man meditieren.

Wir waren mindestens die ersten zwei Tage lang vollkommen groggy. Müde und etwas flau im Magen. Auf einer der täglichen Visiten des Arztes, immer in Begleitung seiner Assistentin und Ehefrau, habe ich diesen Zustand zu Sprache gebracht. Dr. Shaji sah darin die Folgen des Entgiftungsprozesses und der Umstellung und prophezeite das Verschwinden dieser Symptomatik spätestens am vierten Tag. Was auch tatsächlich geschah.

Schummerig sind sie, die sehr einfach eingerichteten Behandlungsräume. Nur die traditionellen Öllampen, der Gaskocher für die Erwärmung der Öle und Massagestempel oder des Dampfwassers geben etwas Licht ab. Die jungen Frauen, die mit kräftigen und sicheren Händen die verschiedenen Massagen vornehmen, kennen die Griffe auch im Schlaf.
In jedem Behandlungsraum gibt es eine Art Altar mit Glücks- und Segenssprüchen, mit einer Schutzgottheit, dem heiligen Arzt des Ayurvedas, oder, wie in unserem Fall, mit Jesus Christus und anderen christlichen Symbolen. Davor steht, wie immer in Kerala, das unentbehrliche Öllämpchen, die Nilavilakku, die eigentliche Gheelampe des Hindus. Die ersten Christengemeinden haben diese Lampen für sich entdeckt und einige besondere Formen entwickelt. Üblicherweise werden sehr große Nilavilakkus in den Eingangsbereich der Wohnhäuser, Tempel und Kirchen gestellt. Man sieht sie hier überall.
Schlicht und ohne Schnörkel steht hier der traditionelle Behandlungstisch, der sogenannte Droni, der den menschlichen Körperformen nachempfunden und den Behandlungsmethoden angepasst ist.
Es heißt, ein Droni ist das wichtigste Werkzeug der ayurvedischen Behandlung. Ein Droni sollte per Hand und aus einem einzigen Stück Holz, genauer: am besten einem heilwirksamen Holz wie dem Neembaum gefertig sein. Ferner heißt es, ein guter Droni muss langlebig sein und bei guter Pflege Hunderte von Jahren halten. Das Öl und die Kräuter, die bei den Behandlungen tagtäglich angewendet werden und mit dem Tisch in Berührungen kommen, sollen in die Oberfläche eindringen und den Tisch imprägnieren und so den Droni selbst in den Heilungsprozess einbinden. Das Holz ist bei unserem Tisch wahrscheinlich unbehandeltes Wanga-Holz. Auf ihm lagen wir zwei bis dreimal am Tag für jeweils circa 40 Minuten!
Diese kompakt zusammengeschnürten Päckchen heißen
Kizhi, was in Malayalam – der Sprache in Kerala – „Umschlag“ bedeutet. Bereits die heiligen Schriften, die Veden, beschreiben eine Vielzahl an Anwendungen mit „Pinda Sweda“, wie sie im Sanskrit heißen. Ein Kizhi ist nach alten oder speziell entwickelten Rezepten sehr dicht mit Kräutern gefüllt, so dass er fast steinhart ist. Er wird während der Behandlungszeit immer wieder in warmes (Kräuter-) Öl getunkt und wie ein Stempel auf die Problemzonen oder auf den ganzen Körper gepresst. Bei der Behandlung mit Kizhi wirken Wärme, Öle und Kräuter zusammen. Sie verbessern die Durchblutung und sollen die Ausleitung von Giftstoffen unterstützen, Stauungen aber auch Schmerzen und Gelenksteifheit auflösen. Sowohl die Zusammensetzung als auch die Technik der Massage kann je nach Erkrankung sehr unterschiedlich ausfallen. Die Kizhi-Massage gehört zu meinen liebsten Anwendungen.


Ayurvedas größte Medizin: das Essen

Die täglich frisch zubereiteten Speisen sind das A und O der holistischen Heilmethode. Es liegt auf der Hand, dass hier nur selbstgezüchtetes Gemüse und Obst ohne Pestizid- oder Herbizidanwendung, ohne lange Transportwege und daher ohne Konservierungsstoffe und Wachse in der Küche Verarbeitung finden. Ayurveda basiert auf rein vegetarischen Speisen – nicht vegan, denn Eier, Butterschmalze, Milch u. v. m. spielen eine große Rolle in der Ayurvedakochtradition. Fleischkonsum wird nicht per se verurteilt. Manchmal wird Fisch und andere Meerestiere oder sogar Rind- oder Lammfleisch empfohlen (oder geduldet), doch dies geschieht nur in Ausnahmekontexten wie beispielsweise zu Weihnachten bei den Christen(Traditionell Fleisch, vor allem Schwein!) und bei extremer Auszehrung des Patienten. Nun, wir brauchen kein Fleisch, auch wenn wir keine bekennenden Vegetarier sind. Uns schmeckt die indische vegetarische Küche sehr gut, denn Inder sind zum hohen Prozentsatz traditionell Vegetarier, die sich vorwiegend von Hülsenfrüchten anstelle von Fleisch ernähren und schon lange entsprechend vielseitige vegetarische Speisen entwickelt haben. In unserem Bundesstaat Kerala, wo indienweit der höchste Fleischkonsum verzeichnet wird, raten die Ernährungsberater sogar in Zeitungsartikeln zu Mäßigung. Das liegt sicherlich an der frühchristlichen, später portugiesischen und holländischen (abgelöst schließlich durch die Engländer) Einflüssen.

Jemand lugt brav hinter dem Stuhl hervor… Nico darf manchmal mit in den sehr schlichten Speiseraum.
Bitte schön in welches (Ayurveda-) Hospital darf ein Hund mit? Und dann auch noch in den Speiseraum?! Und sogar dann, wenn die Hälfte der Belegschaft vor Hunden Angst hat? Ayurveda-Philosophie zollt jedem Lebewesen Respekt. Ohne Ausnahme. Moderne Gesellschaft jedoch tendiert dazu, alle Lebewesen, insbesondere jene, die uns psychologisch betrachtet am nächsten stehen, als potenzielle Gefahren für Gesundheit und Hygiene aus dem Leben zu verbannen. Umso mehr möchte ich sagen: DANKE PATTARUMADOM – Tiere sind für unser Leben in jeder Hinsicht wichtig, sie sind kein überflüssiges Ding.
Der Speiseraum. Wir haben irgendwann die unpraktischen runden Glastische zusammengelegt. So sitzen wir nun mit unserer sehr netten französischen Gruppe zusammen und plaudern auf Englisch (!) und Deutsch (!!). Die Dame neben Marcel ist eine pensionierte Lehrerin für Deutsch (bitte um Entschuldigung, habe den Namen vergessen!).
Frühstück. Man kann es noch einfacher haben?
Frühstück. Sieht langweilig aus? Tatsächlich schmeckt es besser als die Optik es vermuten lässt. Allerdings gehört das in Kerala so beliebte Puttu – das ist die weiße Rolle rechts auf dem Teller – nicht gerade zu meinen Lieblingsspeisen. Viel zu trocken und neigt daher, mir im Hals steckenzubleiben. Nico liebt hingegen wie viele Keralesen Puttu sehr.
Mittagessen: Reis, Curry, Gemüsebeilage und ein indisches Brot. Mehr braucht man nicht.
Reis ist nicht gleich Reis und Curry nicht gleich Curry. Auch wenn vieles für uns ähnlich bis gleich aussieht, werden im Mund überraschend viele und häufig genug auch andere Geschmacksknospen zum Blühen gebracht. Der puffige Talar rechts ist ein sehr beliebtes Beilagenbrot in Kerala. Er heißt Poori und wird aus Weizenmehl gemacht und anschließend kurz fritiert.
Es gibt auch sehr trockene Speisen, die dann nicht als „Curry“ bezeichnet werden (was eigentlich „Soße“ bedeutet), sondern eher Chutney oder Pickels. Manchmal gibt es sie einfach so zum Reis, manchmal sind sie zusätzliche Begleiter eines Currys.
In Südindien ist Kokos die Königin der Speisen, zusammen mit den saisonalen unreifen Mangos. Geraspelt oder fein in Scheibchen geschnitten, als Kokosmilch oder als Mehl – Kokos geht immer. So haben es Parasiten schwer, sich lange im Darm zu halten (falls sie sich an die überall präsenten grünen und roten Chilis gewöhnt haben).
Hier sehen wir a) endlich Obst, was leider selten war, b) ein echtes, da flüssiges „Curry“ mit Lady Fingers (Okras) und c) die allseits beliebten Chapati-Fladenbrote. Obst hat uns tatsächlich gefehlt. Obst ist rar, wenn es eben nicht mehr nebenan angebaut wird, sondern importiert aus anderen Gegenden Indiens ,Asiens oder Australiens ist. Andererseits, wenn es gerade keine Saison ist, dann gibt es eben auch keine Auswahl in der Nachbarschaft oder aus dem eigenem Garten.


Silvester 2020

Silvester in einer Ayurveda-Klinik auf dem Land zu verbringen, war von Anfang an unsere Idee, wie wir dem Geballere mit Knallfröschen und Feuerwerk am besten entgehen. Wir haben die Lage unserer Ayurveda-Klinik auch unter diesem Gesichtspunkt bewertet und als optimal empfunden. Was sich als ein großes Irrtum herausstellte.

Zwar verlief die Silvesternacht im familiären Kreis der Angestellten und des Arztpaares ruhig – ich stoß mit den Angestellten auf der Dachterrasse mit Cidre an -, doch die 24 Stunden, die danach folgten, bestanden aus permanenten Geknalle und Feuerwerk.
Die folgende Nacht verbrachten wir abwechselnd mit Nico auf dem Arm im Badezimmer, denn dort war es für ihn erträglicher. Aber auch den gesamten Tag über wurde geknallt. Ich meine, dieses Stresserlebnis führte dazu, dass eine schwere Krankheit, die er im Anschluß bekam, durch das geschwächte Immunsystem ausbrechen konnte. Doch das ist eine andere Geschichte …
Der Grund für diese enorme Geräuschbelastung war ein Kirchenfest. Mit sehr viel Aufwand feierten die lokalen Gemeinden ihre Namenspatronen. Die Feste gingen über Wochen weiter, wozu (nicht nur) in Indien viel Lärm gehört.

Wir hoffen immer noch, dass alles gut wird. Das Jahr hat ungeahnte negative Potenzialität entwickelt. Nicos Erkrankung im Januar und Februar, gefolgt von der Corona-Panik und dem ersten totalen Lockdown in Indien sowie der politischen und ökonomischen Desaster, die die ganze Welt ins Straucheln brachten. Im Namen der Gesundheit wurden (und werden) Gesetze erlassen, die für die Demokratie und damit für uns Schlimmes für die Zukunft befürchten lassen. Auch wenn das Virus, abgekürzt genannt Covid-19, durch eine Impfung bekämpft werden kann oder könnte, wird die Angst vor Mutationen sicherlich unsere Politiker dazu bringen, einmal erlassene Gesetze weiterhin „in petto“ zu halten. „Alles wird gut“ ist ein Mantra geworden.
Die jungen Frauen haben viel Spaß an Silvester. Währenddessen muss Marcel mit Nico auf dem Zimmer bleiben, denn dieser hat wahnsinnige Angst vor Knallern jeder Art.
Unser Doc in Aktion.

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Am nächsten Tag abends gab es traditionell einen speziellen „Sylvesterkuchen“. Angeschnitten – auch das will die Tradition – von der ältesten Person der Familie, in unserem Fall der Familie der Patienten.

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Unbedingt ausprobieren – Fazit nach zu kurzen 2 Wochen

PATTARUMADOM AYURVEDA trägt den Namen einer alten Familie, die seit über hundert Jahren kontinuierlich Ayurvedaärzte hervorgebracht und ohne Unterbrechung die Kenntnisse an die nächste Generation weitergereicht hat. Vaidyavachaspathi Dr. KI Varghese DAM (verschiedene Schreibweise) der Gründer dieses Hospitals, war ein geachteter Ayurvedamediziner, der durch den Zuspruch seiner vielen Patienten in seinem Vorhaben bestärkt wurde, ein eigenes Hospital aufzubauen, das im Einklang mit den überlieferten Kenntnissen, Tinkturen und Kräutermischungen seiner seit Generationen ayurvedapraktizierenden Familie bis heute geführt wird.

Gegründet wurde das PATTARUMADOM AYURVEDA im Jahr 1961 und spezialisierte sich schon früh auf rheumatische Erkrankungen. Der heutige Leiter und Ayurvedamediziner des PATTARUMADOM AYURVEDA, Dr. Shaji Varghese BAMS (Bachelor of Ayurveda Medical and Surgery), ist der Sohn des Gründers, der bis zu seinem Ableben im August 2020 im Hintergrund mitwirkte. Dr. Shaji repräsentiert die fünfte Generation und ist der siebte ayurvedische Arzt in der Familie.

Dr. Shaji ist auch mit anderen chronischen Krankheiten bewandert und hat sich zugetraut, meine chronische Entzündung der Schilddrüse – die Autoimmunkrankheit Hashimoto – zu behandeln. Er war fair genug, mir im Vorfeld zu sagen, dass die Zeit zu knapp ist, richtiggehend zu behandeln und große Erfolgserlebnisse zu erwarten. Zwar ist Dr. Shaji kein Spezialist in Autoimmunkrankheiten, doch Ayurveda folgt nicht den therapeutischen Ansätzen der westlichen Medizin, die direkt das „Problem“ anzugehen sucht. Für einen Ayurvedamediziner ist nicht die Autoimmunerkrankung „das Problem“, sondern die Ursache einer Überreaktion des Körpers, die in einem woanders liegenden Entzündungsherd angenommen wird. Ursächlich dafür zeichnet ein besonderes Ungleichgewicht der Doshas verantwortlich, das es zu beheben gilt. Mir leuchtet dieses Vorgehen sehr ein. Daher kann ich für mich sagen: Sollte es ein nächstes Mal geben, so werde ich hier bei Dr. Shaji einen Monat in meine Gesundheit investieren.

Die hauseigene Apotheke. Einige der Tinkturen sind nach eigenen Rezepten hergestellt. In Kerala gibt es Hunderte, wenn nicht gar Tausende Firmen und Produktionsstätten, die sich auf Ayurvedaprodukte spezialisiert haben. Es ist im Vorfeld gut zu wissen, dass einige der ayurvedischen Medizin Blei, Quecksilber oder Arsen beinhalten. Dieses Thema sollte am besten vor der Behandlung angesprochen werden. Seriöse Ärzte kennen ihre Bezugsfirmen und sollten wissen, wie diese arbeiten. Für den Patienten bleibt am Ende jedoch nur das Vertrauen in den Arzt und seine Bezugsfirmen. Die in der „Apotheke“ von Pattarumadom Ayurveda aufgestellten Fläschchen sind mir mittlerweile gut bekannt. Sie gehören zu den bekanntesten und anerkanntesten Ayurvedafirmen in Kerala.

Die Schlichtheit der Anlage, der Zimmer, des Speiseraums und die Einfachheit der Behandlungsräume ist sicherlich nicht jedermanns Sache, vor allem nicht, wenn man aus dem verwöhnten Westen kommt und unter Ayurveda eher Spa versteht als Medizin. Wer sich reine Spa-Anwendungen mit Swimmingpool und Ausflugsangeboten in der Freizeit wünscht, der sollte sich eine Enttäuschung ersparen und nicht PATTARUMADOM AYURVEDA wählen.

Für diejenigen, die Keralas Hinterland an der Küste entdecken und gleichzeitig das ungeschminkte Ayurveda kennenlernen möchten, kann ich PATTARUMADOM AYURVEDA wärmstens empfehlen. Wer ernstzunehmende oder/und chronische Krankheiten mit sich trägt, der sollte sich hier für einen Monat einquartieren. Eine Woche ist vollkommen überflüssig, und erst ab zwei Wochen bekommt man „Lust auf Mehr“. Einige werden süchtig … Aber wie der Rheinländer sagt, jeder Jeck ist anders, daher gilt meine Empfehlung unter großen vorbehalt der Subjektivität.

Die zwei Wochen Ayurvedabehandlung in PATTARUMADOM AYURVEDA haben wie erwartet meine Autoimmunerkrankung nicht gestoppt. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass eine Besserung dieser Problematik nach einem Monat und mehr zu erwarten wäre. Wie ich das behaupten kann? Ohne dass ich meine privaten Problemzonen hier preisgeben möchte, kann ich nur so viel verraten: Die Behandlung hat meinen Hormonhaushalt so weit angekurbelt, dass bestimmte westliche Medizin nicht mehr notwendig war. Man muss sich jedoch deutlich vor Augen führen, dass Ayurveda bei vielen Krankheiten und gesundheitlichen Problemen nur als „Daueranwendung“ und Medikation helfen kann. Man muss bereit sein, nach der Ayurvedaphilosophie zu leben und darin liegt auch der große Haken, sobald man die schützende Anlage eines Ayurveda-Hospitals verlässt.

Dr. Shaji: „Wir setzten Panchakarma [Reinigung von Umweltgiften und Ausschlakung von Stoffwechselabbauprodukten], Kerala-Spezialbehandlungen, Körpermassageverfahren und alternative Therapien fort. Heute spiegelt dieser Tempel der Heilung den guten Willen und die Glaubwürdigkeit der 100 Jahre alten Pattarumadom-Methode der Ayurvedabehandlung wider. Unser Ziel ist es, Krankheiten vorzubeugen und die Gesundheit wiederherzustellen. Wir stellen unsere jahrhundertealte Kenntnis der Erhaltung des Lebens in den Dienst.“

Ayur-Veda, das Wissen vom Leben …

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