Ilha da Culatra – DIE große Überraschung

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Einfahrt in die Lagunenwelt:

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Nun sind wir seit einiger Zeit am Tingeln durch Buchten, Ortschaften und Lagunen auf der Suche nach dem, was uns unsere “Segel-Pilots” sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch versprechen: echtes Dorf-/Fischerleben, unberührte (wenigstens wenig berührte) Lagunen-/Landschaften, vom Tourismus noch nicht zerschundene Landstriche und Orte, Naturschutzgebiete, wo den Ornithologen die Augen übergehen … und wir finden nur das Gegenteil vor. Spanien war für mich diesbezüglich keine Überraschung, aber dass Portugals Küsten gleicherweise wie die belgischen aussehen, war mir nicht klar.

Die älteren Beschreibungen der Marinas, der Buchten und Ortschaften lesend, fühlen wir uns als Zuspätgeborene. An jedem Ort unserer Reise kommen wir zu spät: eben war die Welt hier noch in Ordnung, noch langsam und beschaulich, ohne Lärm, ohne Plastikmüll und ohne deren „Konsumenten“. Jetzt aber nicht mehr. Und dieses “just gerade nicht mehr so wie früher” macht traurig. Weil diese radikale und vor allem offenbar noch nicht abgeschlossene letzte Veränderung der Landschaft und der Lebensräume nicht in den dafür berüchtigten 80er und 90er Jahre stattfand, sondern ab dem Jahr 2000. Autosafari im Naturschutzgebiet? Bitte sehr! Jetskis in der Lagune? Bitte sehr! Ein günstiges Appartementhaus mehrstöckig, dass nur für drei Wochen im Jahr bewohnt ist? Bitte sehr! Golfen, wo es wenig Süßwasser gibt? Ja gerne hier!

Diese letzte Ausnutzung unserer Lebensressourcen wie Umwelt und Wohnkultur macht fassungslos, denn sie sind nicht mehr durch unaufgeklärte Bürger zu verantworten, sondern ganz im Gegenteil, im vollen Bewusstsein der aufgeklärten Verbraucherfamilie.

Umso größer war unsere ÜBERRASCHUNG als wir in der Lagunenlandschaft vor Olhão ankamen.

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Genauer, es ist die Ilha da Culatra, die uns so für sich eingenommen hat. Jene Insel, die das Festland mit den Orten Olhão und Faro vor den Wellen des Atlantik trennt und schützt. Mit der Fähre braucht man ca. 30 Min., aber das liegt vor allem daran, dass die Fähre es nicht soo eilig hat und zudem auf die enge Wasserfahrrinne achten muss. Ca. 1000 Einwohner zählt das Dorf Culatra, dazu kommen in den Sommermonaten die Tagestouristen von Olhão – viel waren es im August jedoch nicht mehr. Im Winter fährt die subventionierte Fähre nur vier mal am Tag.

Zugegeben, diese langgestreckte Insel ist nicht “unentdeckt”, wie es einige Zeitschriften wie Geo oder Spiegel glauben machen wollen. Aber im August war der lange Strand der Insel höchstens zur Hälfte voll, wenn überhaupt. Und die Lagunenseite, abgesehen von den Muschelsuchern, sogar ganz und gar menschenleer. Nur die zwei Ankerfelder vor der Insel waren recht vollbesetzt, aber zwischen den Jachten war dennoch genug Platz zum schwoien.

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Bericht Spiegel Online

Bericht Geo-Reise

Woran das wohl liegen mag? Hat die Touristikindustrie und die Bauspekulanten diese Insel tatsächlich noch nicht entdeckt? Wohl kaum… zumal der vielfrequentierte Flughafen Faro in Sicht- und Hörnähe liegt. Man munkelt, es läge an den Einheimischen, den Insulanern selbst, die ihr Leben ohne Hotelhochhäuser und Massen an Touristen, ohne Straßen und Lärm weiterhin beschaulich leben wollen. Angesichts der allgemeinen Zerstörung solcher Lebensräume können wir uns so viel Einsicht und so wenig Profitgier kaum vorstellen! Aber tatsächlich besteht die Insel nur aus zwei Fischerorten: Culatra und Farol, dazwischen liegt die kleine Häuseransammlung Hangares. Alle drei haben keine Straßen, sondern nur Betonplatten, die direkt auf dem Sand liegen und so die Fußgängerwege ergeben. Wegweiser geben die Richtung vor, wo sich in den Sänden und Dünen die Schule (bis zur achten Klasse), das Gemeindehaus, die Bibliothek etc. befinden. Auch einige einfache Restaurants/Cafés/Kneipen/Kioske gibt es, die einfache Speisen anbieten. Hunde, Kinder, Jugendliche, Alte und Mittelalte – keiner von ihnen hat es eilig und muss auf Autos acht geben, denn hier gibt es nur wenige Traktoren, die morgens den Müll zusammenfahren, die die wenigen Touristen an dem am meisten frequentierten Abschnitt hinterlassen haben. Keine Straßen – keine Autos – entspannteres Leben. So einfach ist es.

Keine Hotels, keine Neubau-Ferienappartements, keine Schilder “Zimmer Frei”. Und nur ein Baum (soviel ich sehen konnte).

P1010592 P1010594P1010599P1010602Viel Geld haben die Menschen hier nicht. Das sieht man ihnen an. Aber im Café sitzen, das am Abend dann zum Restaurant wird, darauf scheint keiner verzichten zu wollen oder zu müssen. Viel “Zu Verkaufen”-Schilder gibt es hier dennoch nicht. Man will offenbar nicht wegziehen, aufs Festland, wo es zu laut ist – und wo es zu wenig Wasser drum herum gibt. Ob es die Jungen auch so halten werden?

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Und abends gibt es dann den „corso“ mit allen anderen zusammen oder zumindest an deren Vorgärten vorbei.

Beim Sonnenuntergang kommt die letzte Fähre, die die auf dem Festland arbeitenden Einheimischen zurückbringt und die letzten Sonnentouristen in ihre Hotels transportiert. Die Hunde warten meistens auf Frauchen und Herrchen vor der Fähre bzw. an der “Hauptstraße”. Keiner ist angeleinleihnt oder aggressiv. Sie sehen recht gut gepflegt aus und fast jeder der Einheimischen hat einen großen oder einen winzigen Begleiter zuhause. Dass die Portugiesen Hunde nicht mögen würden und nach ihnen treten, so wie uns berichtet wurde, dass konnten wir jedenfalls hier auf der Insel nicht bestätigt finden.

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Die Gäste der Restaurants (s.o.) sind nur in wenigen Fällen Touristen.

Wir hoffen inständig, dass dieses kleine Paradies sich nicht zu sehr rumspricht und die Insulaner ihre Meinung über Profite nicht ändern! Vielleicht aber sieht das Paradies für zu wenige “paradiesisch”, sondern nur rumpelig aus. Wir wollen es hoffen.


Ilha da Culatra
Die Ilha da Culatra bei Beach-Inspector